Die Toskana im Frühjahr 2024

  • "Erfahrung ist der beste Lehrer - das Problem ist nur, dass man nicht lange genug lebt, um alle Erfahrungen selbst zu machen. Sei also bescheiden und weise genug, um von den Erfahrungen anderer zu lernen." ~ Bob White, Alter 99, Lakeland, FL.

  • 21.04.2024 Sonntag Kerschlach - Siena

    Jessas na, worauf haben wir uns da bloß eingelassen? Auf dem Brenner soll Schnee liegen, 30cm Neuschnee ist für die Alpenregion angesagt und wir fahren in die lockende Toskana, morgens bei Regen, Graupel, Schnee und Nebel. Das verspricht ein durchaus abenteuerliches Unternehmen zu werden. Gestern sind wir noch in Kerschlach Vierspänner gefahren, bei typischem April-Wetter, alle 5 Minuten Wechsel zwischen strahlendem Sonnenschein und sanftem Regenschauer. Und heute das! Wir, das sind Herr Nemitz, Andrew, Jane, Christina und ich. An Pferden kommen mit Basylia, Czacker, Wars und Wenezia. Die Basylia erschreckt sich beim Verladen in den Hänger, das kostet Nerven, einen neuen Führstrick und eine lädierte Hand. Fängt ja gut an, aber schließlich ist Alles und Jeder verstaut und wir greifen nach dem obligatorischen, herzhaften Frühstück zum Autoschlüssel und Navi. In Mittenwald schon herrscht geschlossene Schneedecke und was immer an sonst reichlich vorgeführter Pracht, wie beispielsweise malerischen Bergspitzen in klarer, aufgehender Morgensonne, zum Bewundern und Innehalten verführt hat, liegt diesmal unter tiefhängenden Wolkenbollen, im eisgrauen Nebel versteckt. Der Brenner? Überraschend harmlos, die Straße ist frei. Weißer Schnee nur oberhalb der Baumgrenze an den Bergen. In der Po-Ebene begleitet uns sanft, durch zarte Wolkenschleier gefilterter Sonnenschein. Beim Weg über den Apennin duscht es kurz, eben genug um die gröbsten Salzkristalle von der Brenner-Autobahn von unserem Fuhrpark abzuwaschen. Danach herrscht das seichte Licht der Abendsonne. Akazien stehen in voller Blüte entlang der Autobahn, das Elfenbein ihrer Rispen glitzert frisch gewaschen im Vorbeifahren. Erinnert an fette Wachstropfen von Kirchenkerzen. Und erst der Duft! Unbeschreiblich und betörend süß durch das offene Seitenfenster. Die letzten Kurven nehm ich ganz langsam, unsere Schimmel müssen müde sein von der langen Reise. Sie waren schon so oft dabei und wissen ganz sicher wo sie jetzt aussteigen werden. Ob sie sich auch ein bißchen auf die nächsten, abwechslungsreichen Tage freuen?

    "Erfahrung ist der beste Lehrer - das Problem ist nur, dass man nicht lange genug lebt, um alle Erfahrungen selbst zu machen. Sei also bescheiden und weise genug, um von den Erfahrungen anderer zu lernen." ~ Bob White, Alter 99, Lakeland, FL.

  • 22.04.2024 Montag Monteriggioni (Siena)

    Nach der langen Reise wollen wir unseren Vierbeinern eigentlich anbieten, daß sie ihre Beine ein bißchen vertreten können. Der Wetterbericht spricht von leichten Regenschauern mit einem Sonnenfenster um Mittag herum. Schon bei der Morgentoilette brauch ich aber den Czacker nach dem Einseifen nicht mehr Spülen, das macht der Platzregen – mich duscht er gleich mit. Dann frühstücken wir und beratschlagen. Jetzt oder später oder überhaupt einspannen? Plötzlich scheint die Sonne, wir springen eilig los zum Stall, schaffen immerhin zwei Stunden Fahrt, bevor es wieder gießt in Strömen. Leichte Regenschauer sind augenscheinlich relativ. Ein Wettbewerb um das schönste und leuchtendste Lila ist bei den Wildblumen zugange. Breitblättrige Knabenkraut-Orchideen, Lilien, schopfige Traubenhyazinthen, Löwenmaul, Judasbäume und Salbei wollen die Trophäe. Dazwischen kleine, rosa Miniatur-Alpenveilchen im Wald zum Auflockern. Noch wartet alles auf die eigentliche Blühsaison. Den freien Nachmittag über arbeite ich schwer an meiner Siesta. So schwer, daß ich fast die Stallarbeit verschwitzt hätte. Fast. Am Abend die große Überraschung: wir fahren zum Essen nach Monteriggioni. Ihr müßt wissen, das ist eine mittelalterliche Feste, die immer eine wichtige Position in der Gegend hatte und hat. Oben auf einem Hügelkamm angelegt verschafft sie seit Jahrhunderten Überblick übers weite Land, den Pilgern eine Pause und den Mächtigen ein relativ sicheres Heim. Ich hatte das Glück die Bauwerke schon einmal tagsüber bewundern zu können, jetzt, nachts, bei sparsamen Beleuchtungsquellen, ist es deutlich romantischer. Über dem imposanten Tor in dem dicken Mauerwall weht die Fahne des Hauses. Und das Essen in dem kleinen, unscheinbaren, verwinkelten Lokal ist beeindruckend gut! Nur Zitronen für’s Zitronensorbet wachsen hier keine.

    "Erfahrung ist der beste Lehrer - das Problem ist nur, dass man nicht lange genug lebt, um alle Erfahrungen selbst zu machen. Sei also bescheiden und weise genug, um von den Erfahrungen anderer zu lernen." ~ Bob White, Alter 99, Lakeland, FL.

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