Einer der Hauptgründe ist von Der Gutachter in seinem letzten Satz bereits verraten worden. Dazu kommt, viele der Fuhrleute früher, also vor 45, lernten das mehrspännig Fahren bei jenen, über die man in Deutschland nicht sagen darf, was sie sind – und dort wurden die Geschütze ohne Mitteldeichsel gefahren.
Ob noch eine der Brauereien in München ein Pferd besitzt, ist mir nicht bekannt. Die letzte, von der man weiß, daß sie noch welche hatte, war Spaten. Aber auch diese wurden vor zirka zwanzig Jahren vom Brauereigelände aufs Abstellgleis verbannt. Die Gespanne stehen unter Vertrag, sind angemietet, und was in diesen Verträgen steht, ist nicht öffentlich. Allen Roßerer:innen, die die Gespanne beim Oktoberfest in der Stadt aus der Nähe sehen, müssen die Haare zu Berge stehen. Es ist einfach schlimm, was da unter „Tradition“ verkauft wird – vom Gebiß über die Leinenführung bis zum Hufbeschlag: Man kann es einfach nicht verstehen. Es ist freilich mehr ein Treiben auf gut Glück, aber kein Fahren. Aber wehe, man spricht sie darauf an – dann bekommt man nur Ausreden, und sie werden schon Mal aggressiv.
Zur Mitteldeichsel: Ohne Mitteldeichsel bekommt man keine Stabilität hin, die gerade im Stadtverkehr und bei Wendungen im Verkehr wichtig ist. Gut, dazu müßte man auch nach Achenbach fahren, aber das ist so weit weg von München und Bayern – da fährt keiner hin. Mir scheint, die Fuhrleute haben auch gar keinen Fuhrmannsstolz. Hätten sie ihn, sie würden anders fahren. Mir scheint überhaupt, der Beruf sei im süddeutschen Raum ausgestorben.