Posts by kaidan

    Noch eine Beobachtung:
    Die meisten Pferde scheuen in fremder Umgebung viel weniger als auf vertrauten Wegen. Der Grund ist einfach: Auf vertrauten Wegen kennen die Pferde jeden Stein. Sie beobachten viel genauer als wir Menschen. Alles, was gestern noch nicht da war, jede Veränderung ist ein potentielles Gespenst.
    Die unbekannte Umgebung dagegen sehen sie zum ersten Mal. Da ist eben alles so wie es eben ist richtig.

    Ich kann hier aus Fahrersicht wenig beitragen. Mein Eselchen, dass allerdings als Fahrtier noch ein Greenhorn ist, schlägt bei Gruselbegegnungen gerne mal einen 90°-Haken. Bei ihm hilft vorausschauend die Peitsche auf die potentielle Ausweichseite und Leinen in Hab-Acht gut anstehend. Bei ihm ist energisch vorwärtstreiben eine gute Methode. Läßt man ihn Halten, bestätigt man ihn nur in seiner Angst.
    Leichte Außenstellung, weg vom Monster, ist immer richtig. das Tier möchte das Monster anschauend ausweichen über die äußere Schulter. Das geht in dieser Stellung nicht.
    Meine Araber habe ich ja nur den Hengst gefahren. Der war mutig, selbstbewußt und nahezu scheufrei.
    Bei meinen anderen arabischen Reitpferden habe ich die bei unbekannten Monstern auch mal halten und gucken lassen. Dabei muss man aber dann total ruhig bleiben. Die meisten gingen dann von selber auf das Monster zu.
    Es gibt auch Monster, die ewig Monster bleiben - bei uns hier ein riesiger Feldstein. Da hab ich die Faxen dann nicht mitgemacht sondern mit verwahrenden Hilfen auf der potentiellen Ausweichseite vorwärts getrieben.

    Erich Oese empfiehlt, das Pferd mit kräftigem Anruf an seine Rangtiefe zu erinnern. Da ist was Wahres dran. Alle derartigen Faxen sind zu einem guten Teil unausgelasteter Mutwillen. Das merkt man schon allein daran, dass auf mehrtägigen Touren solche Sachen kaum noch vorkommen.
    Meine Freundin pflegte über ihren Vollblüter zu sagen."Wenn ihr nicht gerade einer den Arsch abfahren will..."
    Sprich: Das unausgelastete Pferd sucht förmlich Anlässe, das Heft selbst in die Hand zu nehmen, das Ausgelastete sieht viel weniger Gespenster.

    Hallo,

    meiner Erfahrung nach gibt es bei den Marathonkummeten einen entscheidenden Nachteil: Der Winkel zwishen "Kummet" und der Strangschnalle ist unveränderbar.

    Bei einem normalen Kummet ist der Strangstutzen mit der Öse in der Zugkrampe am Kummetbügel beweglich. Wenn ich also mit einem Marathonkummet heute den Fahrplatz abschleppen will und morgen an eine Kutsche anspanne, so habe ich ja volkommen unterschiedliche Zugwinkel. Und dem kann das Marathonkummet nicht gerecht werde. Ich habe schon Pferde mit ganz extremen Scheuerstellen am Mähnenkamm gesehen als Folge dieser Problematik, und die waren nur an einer Kutsche angespannt.


    Das sollte man bei der Anschaffung eines solchen Geschirres beachten. Grüße an alle Götz

    Es gibt Combi-Marathon-Kumte, bei denen die Strangschnallen auch separat in ringe eingeschnallt werden

    Straffe Leinen:
    Zumindest hochblütige Pferde kann man mit nichts sonst schneller zu Nervenbündeln machen.
    Als Kind bekam ich mal eine Lektion dazu:
    Ein schon älteres Pferd, ein Trakehner, sollte nicht die ganze Reitstunde mitgegen und ich sollte es am Rand des Vierecks an der Hand halten. Klappte nicht. Ein Kumpel kam zu Hilfe, mit dem Ergebnis, dass die alte Dame wie aufgezogen zwischen uns piaffierte. Der Reitlehrer sah eine Weile belustigt zu: "Kinder, was macht ihr denn da." - Er nahm uns die Zügel aus der Hand, faßte sie an der Schnalle und reichte sie uns so . Das Pferd stand am losen Zügel augenblicklich.
    Klar, mit weggeschmissenen Leinen hält man auch kein Pferd gerade.

    Also nach Hause rennen lassen würde ich nie, außer, man kann mit Schmackes an der Einfahrt vorbei weiterfahren. Im Gegenteil. a) aus erzieherischen Gründen ist mehr als fleißiger Schritt heimzu nicht erlaubt (Spezis fangen an zu tölten) und b) soll Pferd möglichst trocken nach Hause kommen.
    Petschenhilfen sind so ein Kapitel für sich. Einerseits macht man gerade mit sensiblen Pferden ausgiebige Desensibilisierungsübungen, um ihm beizubringen, dass Berührung reaktionslos zu dulden ist, andererseits soll es plötzlich wissen, dass Berührung an einer bestimmten Stelle dawai, dawai bedeutet? Irgend wann in der Ausbildung wird man ihm zeigen müssen, was man erwartet und wird mal deutlicher werden müssen. Wichtig ist, die erwünschte Reaktion a) auch rauszulassen und nicht ängstlich gegenzuhalten b) das Ganze mit Stimmhilfe zu verbinden und c) sofort zu loben, auch wenn es jetzt deutlich schneller läuft als beabsichtigt.
    Ein Schrittmacher ist zwar erst mal nützlich, löst aber das Problem nicht. ein Pferd, das man nicht alleine reiten oder fahren kann, kann man im Grunde überhaupt nicht reiten oder fahren. da hockt man blos drauf.
    Wenn gesundheitlich alles abgeklärt ist und ein Pferd so gar keinen natürlichen Vorwärtsdrang zeigt, würde ich auch etwas Hafer füttern und das Pferd vor der Arbeit ein paar Stunden aufstallen. Auslauf gibt es nach der Arbeit.

    Als Reiter ist man oft froh, wenn man sich in den Straßengraben retten kann.
    Bei Maga würde ich mal vermuten, dass die offen Heckklappe dem Pferd wie ein offenes Raubtiermaul erschien. Das Pferd scheint ja sonst recht gelassen zu sein, muss also wirklich ein Ungeheuer gesehen haben.
    Frage an die Profis: Hat man überhaupt eine Chance, einen Einspänner daran zu hindern, einen Haken zu schlagen?
    Mich hat neulich sogar mein Esel wegen eines knapp überholenden Motorrads auf den Acker geschafft. Zum Glück gab es keinen Graben.

    Aus meiner Kindheit kenne ich das einspännig an der Deichsel fahren auch noch. Ich kann mich nicht erinnern, an einem Arbeitswagen in den Sechzigern je eine Schere gesehen zu haben. meist war ja auch doppelte Zugkraft nötig und wenn mal nicht, dann ging es eben so.
    Dass das gemeine Volk zur Schonung der Wege nicht in der Schere fahren durfte, war mir unbekannt. Sehr interessant.
    Hier bei uns im brandenburgischen hatten die mittleren Höfe auch immer Pferde. z.T. sieht man es noch heute an den Ställen. Auf meinem Hof gab es 4 Anbindeplätze, auf dem einer Freundin 5. Hofgröße um die 30 ha. Kuhanspannung gab es hier nur nach dem Krieg und auch da vorrangig auf den Neubauernhöfen.

    Was den bevorzugten, bzw. gezüchteten bodenständigen Pferdeschlag an geht, so habe ich gelernt: schwerer Boden = schwere Pferde (z.B. in meiner alten Heimat, der Magdeburger Börde, das Sachsen-Anhalter Kaltblut, in Brandenburg das Brandenburger Warmblutpferd. Einerseits erforderten schwere Schwarzerdeböden mehr Zugkraft als die brandenburgische Streusandbüchse, andererseits sagte man: ein leichter, karger Boden trägt nur ein leichtes, leichtfuttrigeres Pferd.
    Bodenständigkeit war ein wichtiger Begriff in der Pferdezucht, der besagte, dass man das Pferd züchten muss, welches mit der regionalen Futtergrundlage klar kommt, ohne seine guten Gebrauchseigenschaften zu verlieren.

    Ich hatte inzwischen mehrere Pferde, die 30 Jahre und älter wurden. Pferdezähne sind ziemlich lang und schieben dem Abrieb entsprechend nach, bis sie schließlich im Wortsinne aufgebraucht sind. Übrig bleibt eine blank polierte Scheibe, die oft nur noch an einem Faden hängt. Das qutscht beim Kauen und tut auch weh. Richtiges Kauen ist nicht mehr möglich. Der Zahnarzt soll ins Maul fassen und probieren, ob noch alle Zähne fest im Kiefer sitzen.

    Meiner Erfahrung aus 35 Jahren Araberhaltung in Eigenregie sagt: Es ist ein großer Teil Veranlagung dabei. Während meine ersten Araber völlig reheresistent waren, hatten die Nachkommen eines bestimmten Hengstes alle irgend wann ihren Reheschub.
    Kontraproduktiv sind: enge Begrenzung der Weidezeit, abgefressene Weiden, blattreiches Heu.
    Ideal sind trockene Kuppelweiden, gerne mit überständigem Altgras.
    Ganzjahresweide ist für die Weide selbst kompletter Wahnsinn. Die braucht auch Erholungszeiten.
    Pferdeheu soll zwar keinen Regen bekommen haben und noch Farbe haben, aber einen geringen Blattanteil und hohen Stengelanteil haben und deshalb nach der Blüte geschnitten worden sein.
    In der Anweidezeit bekommen die Pferde erst einen halben Tag Heu im Paddock und gehen dann satt auf die Weide. Ist die Heuqualität zu gut, wird mit Stroh gemischt.
    Für die Fütterung von Shetties mal "Shetlandponys" von J.E. Flade lesen.

    Gute Besserung erst mal für Deinen Mann. Meinen hat es am 6.7. erwischt...Knie, Schienbein und Knöchel 2x gebrochen.

    Er will wieder fahren, aber auch mit entsprechender Sicherheitsausrüstung von daher lese ich hier auch mal mit. An eine Airbagweste hatte ich noch gar nicht gedacht. Gute Idee. Ich hab eine "normale" zum Reiten, bin aber aus der rausgewachsen und will mir wegen meinem Jungspund auch ne neue Weste zulegen.

    Zum Fahren kenne ich auch nur die "normalen" Westen.

    Knie, Schienbein, Knöchel .... Da würde dann ja nur eine EishockeyspielerAusrüstung schützen.

    Weißt Du, wie schnell Kühe den Kopf zu Dir wenden?:-))))


    Aber - ich bitte um Tips, wie Du "Führen von hinten" installiert hast. Hier ernte ich noch ungläubige Blicke.

    Aber ja doch! - Ich habe eine landwirtschaftliche Ausbildung. Allerdings hatten unserer Rinder nicht solche "Geweihe", wie die von Zeno. Über denen müßte man schon schweben, um außer Reichweite zu sein.

    Ardennerin, ich halte das alles für viel zu verkopft und auch für Wortklauberei. Nenn es Respekt oder nenn es, wie du willst.
    Ein ständig "positiv verstärktes Pferd" konzentriert sich auf die Leckerlis und sonst auf nicht viel. Wobei ich nicht grundsätzlich gegen Belohnung bin.
    Es ist menschliche Überheblichkeit, zu denken, dass hoch entwickelte Tiere so grundverschieden von Menschen wären.
    Respekt ist in seiner Bedeutung ein vielschichtiges Wort und meint im Umgang mit Pferden nicht mehr, als dass das Pferd den Menschen als beachtenswert und relevant in seiner Welt wahrnimmt, und zwar nicht als den mit den stets gefüllten Taschen, sondern als den, den man nicht bedrängt oder gar überrennt, sondern als jemanden, dem Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, dem, der Pferd auch mal was Gutes tut . Angst ist etwas anderes. Pferde, die wirklich Angst vor dem Menschen haben, sind gefährlich, denn von Angst zu Abwehr oder gar Aggressivität ist es ein sehr kleiner Schritt.
    Pferde, die dem Menschen grundsätzlich Respekt UND Vertrauen entgegen bringen, muss man nicht auf Schritt und Tritt dominieren. mit denen kann dann auch ein Kind umgehen - nicht, weil das Pferd Angst hätte, sondern weil es gelernt hat, keinen Grund gibt, NICHT smart zu sein. Aber tatsächlich ist es der alltägliche Umgang, der dafür sorgt, dass man klar kommt. Im richtigen Moment Grenzen zu setzen ist keine große Sache. Das verursacht dem Pferd kein Leid. Pferde untereinander tun das auch.

    Bist Du Dir da sicher ?

    Schon mal erlebt wenn Dich ein Pferd mit der Schulter umhaut ?

    Wenn man sich dumm anstellt, geht es an jeder Position schief. Auf der Hut sein muss man immer. Aber man sieht das Pferd. Wenn man es wie eine Kuh hinter sich her schleppt, sieht man es nicht. Und nein. Habe ich in 50 Jahren Umgang mit Pferden noch nicht erlebt. Was wäre denn deiner Meinung nach eine sichere Führposition?