Posts by Rossknecht

    Die Region wo ich aufgewachsen bin, ist und war nie fuer die Pferdezucht bekannt. Es gab keine Gutsbetriebe und die meisten Bauern hatten noch ein Gewerbe an der Seite. In der Schweiz gab es keine richtig schweren Pferde wie Belgier oder Percheron. In meiner Heimat waren in der ersten haelfte des 20 Jhdt. die meisten Pferde Eidgenossen oder Buendeler. Viele Kleinbauern haben auch direkt von Kuehen auf den Einachstraktor (Agria) umgestellt.

    Unterdrehpfluege eignen sich wegen ihrer Bauweise nur fuer relativ flaches Pfluegen auf leichten Boeden. Die Riester sind nicht genug gross und verdreht um schwere Schollen zu drehen, vorallem bei Wiesenumbruch.

    Die Entwicklung der Pfluege haengt von vielen faktoren ab: Bodenart, Topographie, Betriebsgroesse, Fruchtfolge, Zugtier/Maschine, Verfuegbarkeit von Materialien (Stahl, Hartholz) und Know How.

    In der Zeit vor dem Internet waren Gesellen auf Wanderschaft diejenigen die neue Ideen aus der weiten Welt in ihre Heimat zurueckbrachten.


    Hier ein interessanter Link, aus einem Nachbarort wo ich aufgewachsen bin:https://www.pflugmuseum.ch/index.html

    Diese Pfluege wurden ende des 18 Jahrhunderts in der Schweiz eingefuehrt, zur selben Zeit wie Pferde begannen die Rinder als Arbeitstiere zu verdraengen. Die von zeno verlinkte Seite Tools and Tillage ist wirklich lesenswert, zeigt die Geschichte der Bodenbearbeitung auf der ganzen Welt.

    Wie der Zimmerman sagt, wichtig ist die Wertschoepfung in der Region zu behalten, um die Landflucht zu bekaempfen.

    Mit Praktikanten und Woofern zusammenzuleben ist noch das eine, aber als Businessmodel fuer die Mehrheit der Landw. Betriebe kann das nicht funktionieren, da man vielleicht 3 Jahre Praktikas macht, aber nicht 30. Die Zeiten der Knechte, Maegde und Verdingbuben die fuer Kost und Logis gearbeitet haben sind vorbei.


    Wenn man das ganze Jahr durch Bananen fuer 77 cent das Pfund kaufen kann, muss man sich nicht wundern warum die einheimeschen Obstbaeume verschwinden.

    Ich habe fuer Kasparow noch ein Bild gesucht, das erste was Google ausspuckte war E.Schmids Pflug: https://laas.ch/Pferdekutscher/Pflug_Ott.JPG



    Der Strukturwandel betrifft nicht nur die Landwirtschaft, auch alle vor und nachgelagerten Gewerbe, sogar die Schulen. Ein Bekannter von mir wollte eine Farm in Saskatchewan kaufen, aber weil die Farmen so gross sind und der Durchschnitt der Farmer ist 55 Jahre, hat es fast keine Schulen. Seine Kinder haetten 2 Stunden ein weg Schulbus fahren muessen.


    In den Staaten wo die Amischen sich ausbreiten, passierte genau das umgekehrte, kleine Laeden werden eroeffnet, zahlreiche Handwerksbetrie siedeln wieder in laendlichen Gebieten an. Alles ist klein strukturiert, es muss ja mit dem Pferd erreicht werden.


    Genau das Gegenteil passiert wo sich die Hutterer ansiedeln, die sind der inbegriff der industriellen Landwirtschaft. Zwischen Wanham und
    Girouville (50km) sind 4 Kolonien wo das ganze Land aufgekauft haben. Alles was sie nicht selber herstellen , wir im Grosshandel in der Grosstadt gekauft. Werd die groessten und modernsten Maschinen sehen will sollte eine Kolonie besuchen

    Die Ardennerin verlinkte Seite schaut Zahlen bis 2013, die aktuellen Zahlen sind sicher noch krasser, vor allem nach den Preiszerfall der Milch.


    Die Drehpfluege sind in der Schweiz zur selben Zeit aufgekommen wie die Pferde die Rinder als Zugtiere verdraengten.https://www.ott-landmaschinen.ch/firma/geschichte/


    Die Felder in Hanglage wurden quer zur Hanglage gepfluegt, die Schollen nach unten gewendet. Die Erde der untersten Furche wurde mit einer "Haerdbaenne"(Kreuzung zwischen Schlitten, Wagen und Schubkarre) and den oberen Feldrand transportiert und die oberste Furche aufgefuellt.

    In Steilhaengen wurde waehrend dem Krieg (Plan Wahlen) mit der Seilwinde und Beetpflug in Fallrichtung gepfluegt. Im Emmental sieht man heute noch die Eisenpfosten auf jedem Huegel die als Verankerung fuer die Seilwinde dient(e).

    Kasparow : Die Entwicklung der Pfluege und des Pfluegens ist regional sehr unterschiedlich. In der Schweiz ging es vom pferdegezogenenem Brabanter-Drehpflug direkt zum Einschar-Drehpflug fuer den Dreipunkt. Erst nachher ging die Entwicklung zum Mehrschar-Pflug.

    Im Gegensatz zu hier in Kanada, wo Mehrschar-Beetpfluege schon vor der Verbreitung der Traktoren im Einsarz waren. Pfluege wurden immer am Zugpendel angehaengt, ausgehoben zuerst mit Seilzug, dann ueber Hydraulikzylinder am Pflug. Seit der Einfuerung von Glyphosphate wurde der Pflug weitgehend verdraengt.

    Der Durchbruch fuer die Traktoren kam mit der Einfuehrung von Zapfwelle, Dreipunkt und Frontlader. Bevor war es oft unproduktiv einen Traktor zu benutzen, statt einem nur einem Fuhrman brauchte es einem Fahrer und jemanden der den Pflug fuehrte. Der Frontlader erspart muehselige Handarbeit beim laden. Zapfwelle und Hydraulik kann mit den modernen Vorderwagen ergaenzt werden, fuer den Lader hingegen sehe ich schwarz.

    Ardennerin : Genau!

    ich glaube dass zeno nicht nur Briefe schreibt, sondern auch Kopfrechnen kann, was die meisten Schulabgaenger nicht mehr koennen. Braucht es auch nicht, gibt ja ein app fuer das...


    Pferde hatten vor um die 100 Jahren Rinder ais Arbeitstiere ersetzt weil sie schneller waren. Als mein Grossvater den Betrieb von seinem Vater uebernommen hat, hatte er einen Ochsen. Die Staelle waren alle im Dorf und es wurde "Allemannische Dreifelderwirtschaft betrieben. So die Felder waren um das ganze Dorf verrteilt. Nach dem Melken wurde eine Ladung Mist von Hand geladen, zum Feld marschiert, etwas gegessen, Abgeladen, nach Hause marschiert, und dann war schon wieder zeit zum Melken. Da mit Pferden im Trab gefahren werden konnte, konnte 2 Ladungen ausgebracht werden. In der Schweiz hatten vielen Ihr Eidgenoss oder Train Pferd, so wurde natuerlich das genutzt anstelle von Rindern.

    Hier in Kanada wir alles mit (in kleinen Mengen) dem Pick-Up oder mit dem B-train (42t Zuladung) vom und zum Feld, sowie zur Vermarktung transportiert. Ein Kunde von mir vemarktet sein Getreide in den Staaten, 400 km ein Weg, faehrt morgens ab und ist abends wieder zuhause.

    Auf dem Weg zur Arbeit fiel die Temperatur auf -42, das Getriebeoel war dick wie Melasse, war schwer zum schalten.


    Bei solchen Remperaturen fragen sich alle Europaeer was sie hier tun, aber bleiben trotzdem.


    Zum Glueck ist meine Arbeit flexibel und ich kann die ganze Woche drin arbeiten, nicht jeder hat das Glueck.


    Im Winter ist es hier meist -5 bs -10 mit Sonnenschein, das ist viel schoener um draussen zu arbeiten als im Schlamm und Regen oder Hitze und Muecken.

    Diese Woche werde ich keine Bilder vom Schlittenfahren posten. Der Wetterbericht hat fuer die ganze Woche Hoechsttemperaturen von minus 28 Grad, im moment hats -34.

    Ich uebe Tandenfahren im Haus am Fahrlehrgeraet mit Fausthandschuhen...

    Auch die Ernaehrung hat sich grundlegen geaendert. Bis vor 400 Jahren waren den europaeischen Voelkern weder Kartoffel, Mais noch Zuckerrohr bekannt. Ein Grossteil der Bevoelkerung ernaehrt sich heute von Nahrungmitteln die nur aus einfachen Kohlenhydraten bestehen, die industriell billig hergestellt werden. An einem Big Mac Menu ist Ketchup und das Fleisch das gesuendeste daran. Dazu kommt noch das keiner mehr koerperlich arbeitet, so also die Kalorien gar nie verbrennen kann.

    Viele leiden an Diabetes, weil der Mensch gar nicht fuer eine solche Ernaehrung gemacht ist.

    Es braucht Generationen bis sich eine Spezie genetisch an neue Bedingungen angepasst hat.


    Laut einer Studie reisen Lebensmittel im Durchschnitt 1500 Meilen, also 2400km

    Kasparow : Du hast mich falsch verstanden, ich meinte in den einen 3. Welt Laendern hat die Bevoelkerung erst vor 2 Generationen schreiben gelernt, und jetzt gibt es schon Mobiltelephone.



    Ich will hier aufzeichnen wenn, wo und warum Pferde und andere Arbeitstiere eingesetzt wurden, damit wir sehen, welche Rahmenbedingungen geschafft werden muessen, damit der Einsatz von Arbeitstieren Zukunft hat.


    Die Zeitspanne wo ueberwiegend Pferde in der Landwirtschaft (in der weslichen Welt) eingesetzt wurden ist kuerzer als die Zeitspanne der Traktoren.


    Fortschritte in der Metallbearbeitung haben den Grundstein zur Industrialisierung gelegt, die Eisenbahn hat das ganze Transportwesen revolutioniert. Die Maehmaschine hat Schnitterkolonnen ueberfluessig gemacht.


    Es waere falsch nur zurueckzuschauen und zu sagen" Frueher ist es doch auch gegangen!" Die Rahmenbedingungen haben und werden sich laufend veraendern.

    Wer schreibt heute noch Briefe? Die Zeit der berittenen Boten sind vorbei. Die Zeit geht unaufhaltsam, die naechste Generation kennt Schallplaten, Musikkasetten, VHS und CD-ROM nur aus den Geschichtsbuechern.

    Ich bezweifle dass die 2 im Film gezeigten Gespanne viel so Pfluegen, denn die Stranghalter waeren in kuerze durchgescheuert. Ich verwendete fuer diese Anspannung (mit kompletten Geschirren) Strangtraeger aus Gummischnur, unten ein Ring wo fest auf dem Strang war und oben ein kleiner Karabiner der am Hintergeschirr eingehaengt wurde. Fuer die Verwendung ohne Geschirr, nur mit Kummt kann man auf dem Bild im verlinkten Thread erkennen. Leider habe ich alles verkauft bevor ich umgezogen bin.

    Da in letzter Zeit viele "technische" Threads in Grundsatzdiskussionen ueber den Einsatz von Arbeitstieren in der heutigen Zeit ausarten, moechte ich ein neues Thema hier starten.

    Aber um in die Zukunft zu schauen muessen wir zuerst einmal wissen wo wir jerzt stehen und wie wir dahingekommen sind.

    Ich hoffe dass wir hier Ideen und Meinungen austauschen koennen ohne emotionell zu werden.


    Grundsaetzlich ist der Mensch ein Saeugetier und Allesfresser, dass hat ihm ermoeglicht die ganze Welt zu besiedeln.

    Die Ernaehrung und Behausung wurde den oertlichen Bedingungen angepasst. Kommunikation und Warentransport war langsam und muehsam.


    Die Entwicklung vom Alphabet ueber den Buchdruck, Telegraph, Radio zum 4G Network hat in Europa lange gedauert, in anderen Teilen der Welt daeuerte diese Entwicklung nur eine oder zwei Generationen.


    Wenn vor 300 Jahren die Trapper hier in Rocky Mountain House ihre Bieberfelle im August richtung England abschickten, bekamen sie im naechsten Juni Stahl, Pulver und Blei als Austausch zurueck. Der North Saskatchewan River ist im Winter gefroren und auf dem Landweg war es noch muehsamer.

    Heute bestelle ich Ersatzteile fuer Maschinen aus Europa uebers Internet und die sind nach einigen wenigen Tagen hier.

    In diesen Video sieht man Sechsspaenner, die aus 3 Tandem bestehen, die an eine dreier Spieelwaage angespannt sind. Man sieht deutlich dass die Vorpferde nicht den idealen Zugwinkel (90 Grad zur Schulter / Kummt) haben, aber auch dass keine gebrochene Zuglinie entsreht.

    Youtube

    Das klassische Tandem wird mit einem hohen Dogcart gefahren, mit einem Cob in der Gabel und einem hochbluetigen Pferd vorne. das iat natuerlich eine Herrenanspannung wo geld keine Rolle spielt, da werden Pferde gekauft wo passen.

    Der einfache Buerger muss nehmen was er hat...

    Frueher hatte ich beim Einhorn den Haflinger immer vorne, weil es den schnelleren Schritt hatte als die Freiberger und kei anderes Pferd vor sich geduldet haette.