Posts by schecki

    Tiere, die untereinander hauptsächlich über Körpersprache kommunizieren, lernen unglaublich schnell, menschliche Körpersprache zu verstehen. Für Tiere ist das Verstehen von menschlicher Körpersprache möglicherweise vergleichbar mit einem Menschen, der z.B. Spanisch lernt. Das Prinzip ist klar, nur die Vokabeln und deren Bedeutung muss neu gelernt werden.

    Die "Maulgeräusche", mit denen wir Menschen den Tieren etwas mitteilen wollen, begreifen Tiere dagegen manchmal nur langsam, weil gerade "Beutetiere" wie Equiden nur wenig über Lautäußerungen kommunizieren.

    Ich möchte das vertrauensvolle folgen der Tiere daher nicht als "führen mit meditativ dynamischem Energiefluss" bezeichnen. Das klingt für mich zu mystisch/magisch. Sondern so: Man verdient sich durch dauernden, häufigen, konsequent-fairen Umgang mit den Tieren das Vertrauen der Tiere. Herdentiere folgen einem vorausgehenden Herdenmitglied, dem sie vertrauen. Wenn ein Mensch in dieser Führungsposition ist, erkennen die folgenden Tiere an der menschlichen Körpersprache (die wir Menschen seltenst bewußt steuern), dass Mensch sich sicher ist (was den Weg, dessen Sicherheit und das Ziel angeht), keine Angst hat und entspannt/zufrieden ist. Also folgen die Tiere - nicht blind, aber vertrauensvoll.

    Wenn die Möglichkeit besteht, E-Zaun-Material mitzunehmen, sollte man das unbedingt machen und auf fremder Weide einen inneren, sicheren Zaun ziehen. Besonders wenn man die Unterkunft nicht vorher besuchen/besichtigen konnte. Wenn der Gastgeber am Telefon sagt "die Weide ist ponysicher eingezäunt" denkt er vielleicht bei Pony an 1,45 Stm, und ein Mini spaziert ohne anzustoßen unter der untersten Zaunlatte durch.

    Box oder Weide: kommt auf den Vierbeiner an. Manche sind im fremden Stall mit evtl. fremden Nachbarpferden total gestresst und kriegen nachts keine Ruhe, andere kommen gut damit klar. Da kann man keine pauschalen Empfehlungen abgeben.

    Wenn sie die Treppe einmal gegangen sind, tun sie beim nächstem mal so als wäre das ganz normal. Wenn man aber einen Esel zum allerersten mal mit einer Treppe konfrontiert, kann man sich - je nach Umgebung der Treppe, Bauart und Charakter des betreffenden Esels - auf Wartezeit einstellen, bis Esel die Statik, die Stufenabstände und die Notwendigkeit diese Treppe zu benutzen bis auf die dritte Nachkommastelle kalkuliert hat. Beispiel: 30 Minuten für drei Stufen, als das kleine bunte Monster als Abkürzung durch die Werkstatt in den Stall gehen sollte.

    Es hat funktioniert, sogar ohne Hilfe. Ich habe für den Anfang einen breiten Streifen am Bauch und über die Oberschenkel mit dem Strich gekürzt, außerdem den Unterhals. Unterm Bauch darf er das Fell behalten, weil er in warmen Nächten manchmal draußen schläft. An und zwischen den Vorderbeinen habe ich lieber die Schere genommen, da ist so wenig Platz dass ich da mit der Schermaschine kaum hinkomme. Und ohne Helfer, der das Vorderbein anhebt, am Ellenbogen zu scheren war mir zu riskant. Je nachdem, wie schnell der natürliche Fellwechsel fortschreitet werde ich demnächst weiter mit der Schermaschine nachhelfen.

    Dem Esel war das Geräusch der Schermaschine sehr unheimlich (deutlich lauter als der Staubsauger, den ich nur mit halber Kraft und Polsterdüse am Esel benutzt habe), aber er stand dabei still. Dafür hat er sich viel Lob und Leckerchen verdient, denn diese Mimose macht sofort einen Riesenaufstand, wenn es beim Striegeln mal ziept.

    Hallo,

    gestern habe ich eine Schermaschine (Lister, älteres Modell) bekommen und brauche jetzt etwas Hilfestellung: wie erkenne ich, ob ein Paar Scherblätter scharf oder stumpf ist? Für mich sehen die Scherblätter gut aus, aber ich hab keine Ahnung. Eine Antwort habe ich schon bekommen: "das merkst du erst wenn du damit arbeitest", aber ich hoffe es geht noch konkreter ;)

    Die zweite Frage: wie weit/wie viel soll ich scheren, welcher "Schnitt" eignet sich in meinem Fall?

    Ich will meinen großen Esel scheren, inzwischen 23 Jahre alt, mit sehr dichtem Winterfell. Der Fellwechsel beginnt bei ihm immer erst sehr spät Ende Mai/Anfang Juni, d.h. ohne Schur steht er Mitte Juni bei Sommertemperaturen mit fast vollständigem, schwarzem Winterpelz in der Sonne und schwitzt nur vom Stehen. Perfekt für Haarlinge, Pilz usw.

    In den letzten Jahren habe ich ihm mit einem Bartschneider oder Schere einen "Lüftungsstreifen" am Bauch entlang geschnitten und den Rest vom Fell mit dem Coat King-Striegel ausgedünnt. Den hasst er allerdings. Dieses Jahr ist er außerdem wegen Sehnenschaden krank geschrieben, eine "Sportfrisur" oder einen Fahrgeschirr-tauglichen Schnitt braucht er darum nicht.

    Ich kann fürs Scheren des Großen erfahrene Hilfe bekommen, möchte aber vorher schon mal üben - am anderen Esel, der sein Fell schneller wechselt und bei sowas wesentlich entspannter stillsteht. Habt ihr Tipps/Tricks dafür und - wie gesagt - Empfehlungen wo und wieviel ich scheren sollte?

    Ich sag immer "die gehen nicht über Gullideckel, weil sie genau wissen, dass darunter ein Loch ist" :)

    Bei meinen beiden Eseln im "Arbeitsalter" trifft das allerdings nur eingeschränkt zu: Angespannt betreten die Esel den Gullideckel nicht. Das ist eseltypisch: wer vorne läuft, ist für die Sicherheit verantwortlich und entscheidet über den Weg, der Rest der Gruppe folgt möglichst in der Spur. Am Führstrick jedoch, bei normaler Führposition neben dem Esel, vertrauen sie mir so weit, dass ich sie über Gullideckel gehen lassen kann - es hat allerdings lange gedauert, bis wir soweit waren.

    Meine Erfahrung mit Spezialtier, das auf verkehrsfreien Wegen viel mit "Schlabberleine" gefahren wird und unter zwei Bedingungen gelegentlich Schlangenlinien läuft:

    1) wenn die Weidesaison noch nicht angefangen hat und Madame rechts und links das Gras am Wegrand anpeilt bis sie von mir verbal, oder bei Bedarf auch energischer, an "kein Essen bei der Arbeit" erinnert wird

    2) wenn das Ziehen an einer Steigung sehr anstrengend wird.


    loona: Am Wagen/am zu ziehenden Gewicht wurde nichts verändert und ist auch nichts defekt? In Kombination mit nicht idealem Trainingszustand nach Winterpause oder Krankheit könnte ein Defekt am Gig vielleicht dazu führen, dass der Wagen schwerer zu ziehen ist und sie darum mit den Schlangenlinien angefangen hat.

    nun an die Auswahl einer Decke gehen kann. Soviel DEN wie möglich; er neigt zu Scheuerattacken.

    Damit die Decke nicht noch zusätzlich Scheuerstellen oder Juckreiz verursacht, sollte sie ein möglichst glattes Innenmaterial haben. So kann sie auf dem Fell ohne Widerstand mitrutschen. Eine aufgerauhte Inneseite oder sogar Fleece kommt Mensch vielleicht wärmer vor, aber so ein Material hakt am Fell, die Decke rutscht z. B. beim gehen nach hinten, kann dann aber beim Kopf senken nicht mehr gegen die Fellwuchsrichtung zurück nach vorne rutschen und zwickt oder scheuert dann am Hals.

    Habe mal gehört, es ist wohl ungünstig, einen Wagen, der nicht für gebremst ausgelegt ist, mit einer Bremse nachzurüsten. Kann sein, dass ich es hier im Forum mal gelesen habe.

    Das gilt für alte Wagen mit Holzrädern, bei denen sollte man keine Bremsen einbauen, die die Nabe bremsen.

    Nikoma : der DZE (deutscher Zuchtverband für Esel) ist nächstes Jahr wieder beim großen Jahres-Eseltreffen der IGEM (Interessengemeinschaft für Esel- und Mulifreunde) in Paaren/Brandenburg in der Nähe von Berlin. Wahrscheinlich macht der DZE dort eine Prüfung/Zuchtbucheintragung, und auch die IGEM bietet eine Exterierbewertung an. Termin ist 16.-18. August 2019, wenn ich richtig informiert bin. DER Treffpunkt für jeden der sich für Esel interessiert. Ich war schon mehrfach da, aber nächstes Jahr hab ich an dem Termin leider eine andere Veranstaltung. Übernächstes Jahr findet das Treffen voraussichtlich bei Osnabrück statt.


    Albert : wunderschöne Bilder! Deine Taori ist zu beneiden, weil du ihr so viel Zeit und Kilometer schenken kannst.

    Mit der passenden Eselgröße zum Wandern hast du recht, bei kleineren Esel passt oft die Schrittgeschwindigkeit nicht zum flotten Zweibeiner oder man bekommt ein schlechtes Gewissen wegen der Gepäckmenge. Größere Esel/Muli sind schon ziemlich "sperrig" und passen nicht so einfach durch Engstellen. Außerdem lassen sich die Esel in "mittlerer Größe" am bequemsten bepacken.


    Ich war am Wochenende mit dem kleinen bunten Monster zum Eselwandern light in Warburg - lange Strecken sind bei mir wg. Fußproblem zur Zeit keine gute Idee. Aber es reichte um den Kopf frei zu bekommen.

    Nur Spekulation: evtl. braucht er nach dem Fressen von Heucobs das Heu, um empfindliche Stellen im Maul (Zahnhaken, scharfe Kanten ...) neu mit Heuwickeln zu polstern? So ein Verhalten wäre auch für mich ein Grund, das Tier mal dem Pferdedentisten oder besser noch einem auf Zähne spezialisierten Tierarzt vorzustellen (weil man bei dem nicht zusätzlich einen TA zum sedieren braucht, falls Sedierung nötig ist). Vielleicht kannst du dich bei einem Sammeltermin in deiner Region anschließen, wenn der TA nicht extra für ein Pferd rausfahren kann?

    Mein angedachten Lösungen für den Winter, falls ich den Rest des mir zugesicherten Heus doch nicht mehr bekomme:

    Soviel Weidegang wie es das Wetter (der Frost) zulässt, dafür auch kleine ungenutzte Weideflächen in der Nachbarschaft anfragen, wenn die eigene Weide Winterruhe braucht.

    Ständiger Zugang zu erstklassigem Futterstroh - mach ich sowieso schon immer.

    Viele Äste und Zweige zum Abnagen, ein Baum ist schon reserviert.

    Hoffen, dass sich die Heucob-Preise nicht so vervielfältigen wie die Heupreise, weil die "Oma" inzwischen Heu nur noch schlecht fressen kann.

    zu den Heu-Preisen: ich hätte vor zwei Wochen Kleinballen zu 6 Euro/Stück kaufen können ... ich konnte ablehnen weil mir von anderer Seite noch eine kleine Menge für die Hälfte versprochen ist. Ich hoffe, das wird noch was, ansonsten wird die Fütterung im Winter etwas arbeitsaufwändiger.

    Zum Stehwagen kann ich nichts sagen, aber zum Gepäcktransport beim Wandern auf Einachser. Wir hatten das Minimalgepäck von 4 Personen auf einem umgerüstetem Mini-Sulky (Gepäckbehälter statt Sitz), es gab drei Esel/Pony die wir abwechselnd eingespannt haben. In der Ebene gab es keine Probleme, wenn ich mich richtig erinnere, aber bei starkem oder langem Gefälle musste Mensch beim Bremsen mithelfen (Strick hinten dran und gegenhalten) und bei Naturwegen bergauf wurde zur Tierschonung auch mal geschoben. Die fehlende entlastende Bremsmöglichkeit durch einen Fahrer bergab (= sehr viel Aufhaltearbeit für die Tiere) war das größte Problem. Nach drei Tagen wurde der Wagen weggestellt und ein Gepäcktransport für den Rest der Woche organisiert.

    Wenn es nur um das Gepäck von 1 Person und Flachland geht, wirst du diese Schwierigkeiten nicht haben, denke ich. Wenn es aber Steigungen/Gefälle gibt, ist ein Packsattel besser zum Gepäcktransport geeignet + man kann auch Waldwanderwege nutzen ohne sich Sorgen um die Breite und den Wegezustand zu machen.

    Mein Problem ist, dass Mensch und Tier ganz unterschiedliche Dinge als Gefahr oder Schrecknis einschätzen. Ein (harmloses) Beispiel: letztes Wochenende bei unserer Standard-einmal-ums-Dorf-Runde sehe ich schon aus großer Entfernung, dass auf einem Acker Grassilage-Ballen in Folie gewickelt werden. Die Ballenwickelmaschine sieht mit den drehenden "Armen" spektakulär aus. Ich halte mit viel Abstand an damit das kleine bunte Monster sich das Gerät aus Entfernung ansehen kann. Traktor und Maschine sind ihr aber völlig egal, sie ist fixiert auf einen einzelnen fertig gewickelten Ballen, der mit ein paar Meter Abstand vom Weg auf dem Feld liegt. Den findet sie unheimlich, nicht die Maschine, und es braucht etwas Überredung, bis sie daran vorbei geht und etwas länger, bis sie nicht mehr von sich aus beschleunigen möchte.

    So können Gefahreneinschätzungen von Mensch und Tier sich unterscheiden und (nicht in diesem Fall, aber vielleicht ein andermal) zu gefährlichen Situationen führen.

    Für kleine Einachser als Staubschutz innen und gelegentlich draußen geht auch eine große Abdeckhaube für Gartentische mit Stühlen. Die Katzen lieben es hier leider, unter einer Plane auf der Kutsche zu sitzen. Da hilft nur, Bretter o.ä. auf die Polster zu legen.

    Und noch eine Frage: Warum werden eigentlich die Patenthaken mit ihrem Stegteil nicht direkt in den Lederstrang eingearbeitet, anstelle irgend welcher Ösen?

    Das gibts, hat sich aber (noch?) nicht durchgesetzt. Vielleicht weil das Leder am Patentschäckel nur einlagig ist und daher schneller verschleißt?

    Link zu einer abgelaufenen ebay-Auktion mit Foto von so einem Strang (der Link funktioniert evtl. irgendwann nicht mehr)

    https://www.ebay.de/itm/Leders…nc&_trksid=p2047675.l2557