Posts by Sanhestar


    noch ein letztes Mal, dann klinke ich mich hier aus dem Forum aus.


    Zu den von Dir genannten Verstärkungsmöglichkeiten:

    - Lob: ist ein sog. sekundärer Verstärker, da erlernt werden muss, was dieses "Wort" bedeutet. Kann man mit Sicherheit einsetzen, ist aber niemals so effektiv wie einer der sog. primären Verstärker (Futter, Wasser, Sozialkontakt, Fortpflanzung, Sicherheit) und sollte, damit er nicht an Effektivität verliert, regelmässig mit primären Verstärkern "aufgeladen" werden.

    - Futter: primärer Verstärker, wird IMMER verstanden - aber wirkt nicht immer verstärkend (Gesättigt, zu gestresst, um zu essen, schmeckt nicht)


    - Streicheln: primärer Verstärker, aber weniger effektiv als Futter, weil ein taktiler Reiz immer mit der Akzeptanz beim Empfänger zusammen hängt. Du musst den richtigen Punkt, die richtige Intensität und die richtige Dauer finden und das kann sich innerhalb von Sekunden ändern. Auch die Beziehung zwischen Trainer und Tier spielt in der Wertigkeit eines taktilen Lobs eine grosse Rolle.


    Nächster Unterschied zwischen Futter und Streicheln/Kratzen/Kraulen: da beim Futterlob sehr kleine Portionen verabreicht werden, kann die nächste Wiederholung des Verhaltens nach sehr kurzer Zeit wieder abgefragt werden (Kauen, Schlucken - nächstes Signal). Beim EFFEKTIVEN taktilen Reiz muss man mehr Zeit aufwenden, um einen verstärkenden Effekt zu haben. Damit verliert man aber den Fluss im Training.

    Ein guter Trainer nutzt alle DREI Möglichkeiten. Aber da Futter die Basis ist und nicht jedes Tier im Trainingsverlauf den Wechsel zwischen den Verstärkern gleich gut lernt/akzeptiert und man als Trainer das auch sehr gut können muss, ist und bleibt Futter der meist genutzte Verstärker.


    Aussage des Westerntrainers: zeugt von sehr wenig Verständnis der Ethologie von Pferden. Gerade weil Pferde eigentlich den ganzen Tag fressen MÜSSEN, ist Futter ein idealer Verstärker und kommt Futterlob somit ihrem natürlichen Tagesablauf mit Aufnahme von kleinen Mengen über einen langen Zeitraum sehr entgegen.


    Und wenn ich mir ansehe, wie viele Fluchttiere effektiv mit Futter bestärkt werden......




    Fluchttieriger geht's eigentlich nicht mehr - Mustangtraining mit Clicker

    http://magicmustangtamer.com/t…E1LlKCw_LA8hhfJ9C4XEV3uq8


    Negative Verstärkung: wenn es nur bei minimalstem Druck bleiben würde.... aber Drucksteigerung gehört eben auch immer dazu und dann ist die Grenze zu Missbrauch/Misshandlung eben auch mal überschritten unter der Begründung "ich nehm' den Druck ja wieder weg"

    ein Pferd, das beim Führen rempelt, hat oft Probleme mit dem Gleichgewicht - Fallen auf die innere Schulter - oder wird vom Führer auf den Menschen "drauf gezogen" - zu kurzer Führstrick, Mensch geht zu nahe, Mensch ist unbalanciert und kann selber keine gerade Linie gehen.


    Gras tauchen: auch eine Trainingsfrage. Es ist das natürlichste Verhalten von Pferden, zu fressen. Hunger, Mangel an Frischfutter, Gewohnheit, Laxheit (Inkonsequenz) des Menschen.


    Respektlosigkeit ist ein bequemes Etikett, dass die Verantwortung für unerwünschtes Verhalten vom - intelligenten - Menschen auf das deutlich weniger intelligente Pferd verschiebt, dass täglich mit komplett unnatürlichen Vorgängen und Verhaltensweisen konfrontiert wird.

    Nichtsdestotrotz glaube ich trotzdem, dass es den meisten schwierigen Pferden einfach an Respekt (=ungeklärte Rangfolge) mangelt.

    es mangelt an Training, nicht an Respekt.


    Schönes Zitat von Alexandra Kurland (frei übersetzt aus dem Englischen):


    "Ich kann von einem Pferd nicht erwarten, etwas zu tun, das ich ihm nicht vorher mittels eines gründlichen und detaillierten Ausbildungsprozesses beigebracht habe"


    Schaut man sich dann noch die Körpersprache sog. "schwieriger" Pferde an, dann ist da Angst und nicht Respektlosigkeit zu finden. Wenn man denn weiss, wie Angst aussieht.........


    Plus der Tatsache, dass der "Rangfolge"-Mythos auch bei Pferden (wie bei Hunden) mittlerweile wissenschaftlich widerlegt wurde. Empfehle hierzu die Bücher von Marlitt Wendt und "Angst, Stress und Unsicherheit beim Pferd" (schon ein paarmal hier im Forum erwähnt von mir) von Christine Dosdall, Viviane Theby, Kathrin Wyscik.

    kaidan : Ich hab es eben versucht, 3 Monate stehen lassen wäre unsinnig in meinen Augen, der Lipi ist ja ausgebildet, wurde als Fahrpferd ausgesucht und auch Probe gefahren, warum dann nicht auch anspannen?

    Recht hast du aber, dass die beiden sich noch aneinander gewöhnen müssen, vielleicht sollte ich beide mal gemeinsam verladen, das schafft oft enorm eine Verbindung ;)

    nicht nur die zwei müssen sich aneinander gewöhnen, auch die komplett neue Umgebung muss erst verarbeitet werden. Das kann zwischen 4-6 Wochen bis zu einem Jahr dauern.

    Denn, keiner fragt Pferde, ob sie verkauft werden wollen, ob sie Freunde zurückgelassen haben, die ihnen Sicherheit gegeben haben. Die werden in einen Hänger geladen und steigen in komplett unbekannter Umgebung aus......

    oh ja, leider.


    Ich finde es allerdings auch, wenn man selber die Möglichkeiten hat, diese zu erarbeiten, durchaus nicht fair gegenüber einem Trainer, dass der/diejenige sich neben dem tatsächlichen Trainingsziel - wie jetzt dem Einfahren - auch noch mit anderen Grundlagen herumschlagen muss, die dem Pferd/Tier fehlen.


    Und wirtschaftlich betrachtet wird die Fremdausbildung kostengünstiger, wenn das Pferd die Grundlagen flüssig beherrscht.

    Ich bin mittlerweile ein sehr, sehr grosser Fan der sog. Start Buttons (auch Kooperationssignal, Start-Signal genannt) = das Pferd steuert Intensität und Beginn von Abläufen oder auch Desensibilisierung von Ausrüstung.


    Kontrolle über eine Situation gibt Sicherheit und Selbstvertrauen. Habe ich Angst vor'm Zahnarzt, wird der Besuch deutlich erträglicher und weniger stressig, wenn ich bestimmen kann, wann der Zahnarzt mit dem z.B. Bohren beginnt und signalisieren kann, wann ich eine Pause brauche - dazu gibt es Studien.


    Je mehr Kontrolle ich über ein Situation habe, umso mehr kann ich dann auch entscheiden, wie lange ich diese Situation aushalten kann und dieser Zeitraum wird immer länger werden.


    Tatsächlich überlege ich ernsthaft, das Ganze aufzuschieben und selber noch ein paar Schritte zu tun, bevor ich an den Profi übergebe. Hier drängt nichts und wir machen (kleine) Fortschritte. Ich weiß nicht, ob es woanders wesentlich besser gehen würde.

    das war mein erster Gedanke beim Lesen des ersten Beitrages. Ein Pferd, das noch Probleme mit täglichem Händling hat, würde ich nicht mehr in die Hände eines Dritten geben, sondern noch viel länger zu Hause - in vertrauter Umgebung - an den Grundlagen arbeiten.

    Wieso ausbluten?

    Reden wir jetzt vom schlachten oder erschießen auf der Weide?

    s. Beitrag Nr. 21: als "stechen" wird oft das Ausbluten bezeichnet, da in die grossen Gefässe direkt über dem Herzen gestochen wird. Gibt sogar einen Fachbegriff in der Metzgerei dafür - Stichfleisch (das Fleisch in direkter Umgebung dieser Stichwunde, dass dann noch sehr blutdurchzogen ist).


    Idealerweise zerstört der Bolzenschuss auch Teile des Gehirns, aber zum korrekten "Schiessen" gehört auch das ausbluten, um den Tod wirklich sicher zu stellen.


    Was Du beschreibst beim Einschläfern, das sofortige Zusammenbrechen und still liegen, ist das Resultat einer Lähmung aller Muskeln, auch der Atemmuskulatur. Dabei ist aber das Gehirn noch aktiv (entgegen gesetzt zum Bolzenschuss oder einer tiefen Sedation, bei der sich das Pferd langsam ablegt, bevor die Überdosis gespritzt wird). Sprechen wir mal über Länge des Sterbeprozesses hier.......

    puuh - 30 Sekunden finde ich eine elend lange Zeit! :huh:

    der Schuss setzt das Bewusstsein SOFORT aus. Das ausbluten dauert länger, weil ein Pferd nun mal eine nicht unerhebliche Menge Blut hat - auch ein Shetty.

    Einschläfern geht nicht schneller, sondern dauert u.U. länger.

    Wenn das Foto so alt ist, wie es scheint (das Mädel bekommt bestimmt schon länger Rente), werden die Leute die angespannt haben halbwegs gewußt haben was sie machen.

    Nun, ja es gibt ja auch soll- ist Toleranzen ;o)

    Guckt euch mal den Gesichtsausdruck und die Leinenhaltung des Mädels an. Die ist mit Sicherheit nicht regelmässig auf einer Kutsche gewesen.

    Viele dieser Bilder sind entstanden - ich weiss die Quelle nicht mehr - als Auftragsarbeiten mit Photographen. D.h. es wurde das Gespann zur Verfügung gestellt und gegen Gebühr konnte man sich drauf fotografieren lassen. Findet man auch oft mit Ziegenkutschen.

    Ihr kommt rein, steht vor dem Ballen - und dann?


    Die Ardennerin


    Dann nehme ich als erstes eine "Nase" - ich rieche mittlerweile Schimmel schon in Konzentrationen, da sagen andere noch: "alles in Ordnung". Dann gibt es noch die Variante "Fermentation", da riecht das Heu dann eher wie Tabak und hat eine bräunliche Konsistenz. Das wird aber teilweise von Pferden recht akzeptabel gefressen.


    Danach ziehe ich aus verschiedenen Lagen ein paar Proben und schaue mir die an. Hier beurteile ich Halmlänge, wie sehr es "bröselt", Anteil an erkennbaren Grasarten, Unkräutern, usw. (Ampferüberschuss erkennt man schon von aussen).


    Verstaubung erkennt man im gewickelten Ballen kaum, das kommt erst zutage, wenn die Umwicklung ab ist. Habe ich bei den gezogenen Proben einen hochen Anteil an kurzen und eher feinen Halmen dabei, kann ich nach meiner Erfahrung mit mehr Staub rechnen.

    Aber mal zurück zum Thema ;-)

    Dass mein kurzer Einwurf zur Heubeschaffung der norwegischen Pferdehalter auf Unglauben trifft, zeigt mir, dass "wir" doch trotz allem recht gut dastehen:

    Von irgendwo wird man noch was bekommen, teurer zwar, aber man muss dafür nicht den halben Kontinent durchqueren...

    das ist wohl wahr.