Turnierpony als Freizeitfahrpferd

  • Hallo,
    ich lese hier schon eine Weile mit und habe mich jetzt angemeldet.
    Ich habe über 30 Jahre eigene Pferde (Vollblutaraber). Die wurden freizeitmäßig von mir geritten (englisch u. western), Wanderritte, Distanzen. Unseren Hengst haben wir auch im Fohlenwagen gefahren. Der hatte aber schon eine Fahrausbildung vom Vorbesitzer. Mit meinem Esel bin ich 20 Jahre arbeitsmäßig gefahren. Den haben wir selber eingefahren. das war aber überhaupt keine Sache - nicht vergleichbar mit einem Pferd. (Geräusche, Einengung, Zuglast - na und?)
    Nun habe ich das erste Pony meines Lebens gekauft, ein Welsh B, der bis zum Herbst viele Jahre als Turnierpony gefahren wurde. Er soll 1-4 Spännig gehen.Videos im Zweispänner zeigen viel Action und volles Engagement. Ich würde ihn gerne freizeitmäßig im Einspänner fahren.
    Nun merke ich bereits im Umgang, dass er ein ziemlich heißer Ofen ist. Gelassenheit ist was Anderes. Schon wenn ich nur eine rumpelnde Mülltonne durch den Auslauf ziehe, macht er Telleraugen und donnert ab. Dagegen sind meine Araber die reinsten Kaltblüter. Vor dem Fahrzaum hat er übrigens Angst und versucht sich zu entziehen.
    Mein Plan ist jetzt folgender:
    Ich möchte mit ihm ganz von vorn anfangen. Anbinden und langweilen, Longieren, Gelassenheitstraining, Fahren vom Boden, Zugbalken (quer), Schleppe ziehen,.
    Bei meinen Arabern, bis auf den Hengst alle selbst eingeritten, war immer mein oberster Grundsatz: immer langsam mit den jungen Pferden. Also Ruhe rein bringen. Nie heizen - nicht an der Longe, nicht unter dem Sattel.
    Meine Frage ist jetzt. Besteht da überhaupt Aussicht auf Erfolg? - wenn er doch jahrelang gelernt hat, vor der Kutsche zu rennen, was das Zeug hält?
    Ich selbst werde natürlich Fahrstunden nehmen. Ansonsten habe ich auch Hilfe durch eine Freundin, die jahrelang mit Ponys gearbeitet hat und eine Andere, die ihre VA-Stute im Einspäner fährt.

  • ich würde ggfs. duch ein anderes Geschirr - Sieltec z.B. anstelle Achenbachgeschirr schon von Anfang an bei der Umschulung eine Unterscheidung setzen. Evtl. Kumt anstelle Brustblatt (abhängig davon, wie er zuvor angespannt wurde) oder Marathonkumt, etc.

    Sabine M.H.
    Arbeitende Ziegen und Highland Ponies

  • Das mit der anderen Ausrüstung habe ich auch schon überlegt, von wegen neuer Erfahrungen. Aber das siltec-Gestrippe finde ich einfach ätzend und dann für's Fahren mit einer Gig? Marathon-Kummt ist momentan finanziell nicht mehr drin. Hab das Pony gut bezahlt und muss die gesamte Pony-Ausrüstung, einschließlich guter Gig neu kaufen.

  • Schon wenn ich nur eine rumpelnde Mülltonne durch den Auslauf ziehe, macht er Telleraugen und donnert ab.

    Macht er das auch an der Hand ?
    oder weiß er den Unterschied zwischen Arbeit und Blödsinn?
    Fahr ihn erstmal nicht, mach wie geplant einfache Übungen an der Hand ,
    Fahren vom Boden aus ect .Zweige nebenher ziehen oder auch die böse Mülltonne.
    Vielleicht werdet Ihr beide dann ruhiger und gelassener.

  • GRUNDSÄTZLICH IST DEIN VORHABEN MÖGLICH!
    Ich habe mehrer Pferde die erfolgreich im Sport gegangen sind für das Freizeit/Wanderfahren umgewöhnt.
    1.Hat das Pony mit Dir eine neue Bezugsperson und wenn Du so mit ihm umgehst wie Du es beschrieben hast wird es mit Dir die nötige Ruhe und Gelassenheit erlernen!
    2. Es macht keinen Sinn und für das Pony keinen Unterschied mit welche Art von Geschirr es seine gewohnte Aufgabe: ziehen ausführen soll.
    3.überleg Dir gut welche Art von Wagen du hinter das Pony spannst, ein im Sport gegangenes Pony sollte zugfest sein und ist eben auch ein gewisses Gewicht gewöhnt. Spannst Du es vor einen zu leichten Wagen neigt es ganz natürlich dazu sehr forsch zu gehen!
    LG vom Prickler

    :P

  • Huhu,


    Oh Mann, da hast dir ja direkt zu Beginn schon eine spannende Aufgabe gehohlt und dafür wie du schreibst auch noch teuer bezahlt? Hier bei meiner Truppe ist ein Ex-tunierpony bei, welches so richtig nett im Zweispänner verheizt wurd.
    Unser Glück im Zweispänner passiert, sobald wir den "endlich" einspännerfähig hatten seitdem geht es gut voran. Der arme Kerl stand die ersten jahre hier unter Dauerstrom, erst nach 2 jahren ließ der sich im Offentstall fangen ohne zu flüchten und zwar eigentlich sofort, nachdem der im Fünfer angespannt wurd.
    Hier hat sich Wechsel der Geschirrart, völliges Anspannchaos (Schwerverkehr ohne Distanz, plötzl. katastrophen dh an/abspannen im gleichem Atmenzug oder 50 m drehen und fertig) bewährt und vor allen dingen führen an der kutsch vom Boden aus und natürlich mal mind. 1 Jahr nur Schritt+häufiges "steh" mit erkennbarer Ursache (Äpfellesen oder so Kram). Es dauerte 2 Jahre bis Pony nicht mehr zitterte am putzplatz und dies Frühjahr bin ich angefangen wegen Chaos im Zweispänner auf dem Nachhauseweg vorn mitzulaufen und er hat dann seinen kopf in meine Achsel gesteckt seitdem geht es rapid voran mit dem "Ankommen´". Ach so und Klappen belam der arme Kerl auch geklaut und paar Monate mal Pylone in den Auslauf.
    ich hatte das mit schlechten Erfahrungne im Geschirr schon paarmal: dauert mind. 1 Jahr bis Spannung vernünftig runter geht, kannst über "kopf tief" "drop" <-hinterhuf ankippen bißle beschleunigen. und bei Tunierpferd fehlt gern das ganze drumrum an gewuselgewöhnung, also Kinder/Hunde/sonstiges Chaos ist "Hiiiilfäh!"


    mfg Kirsten

  • Macht er das auch an der Hand ?oder weiß er den Unterschied zwischen Arbeit und Blödsinn?
    Fahr ihn erstmal nicht, mach wie geplant einfache Übungen an der Hand ,
    Fahren vom Boden aus ect .Zweige nebenher ziehen oder auch die böse Mülltonne.
    Vielleicht werdet Ihr beide dann ruhiger und gelassener.

    Ja, er hampelt zumindest auch an der Hand, wenn ich z.B. die Tonne ziehe. Soweit ist er im Umgang ganz ok. aber immer ungeduldig, rappeln mit dem Kopft uns so.

  • Also ich möchte ihn im Gig fahren. Das ist relativ neu für ihn. also erst mal konsequent Schritt? Ich habe auch alle meine Araber so angeritten- di ersten Wochen nur Schritt. Aber es gibt ja auch die Empfehlung , Unruhe nach vorn herauszutreiben. Zumindest beim Araber funktioniert das nicht. Der kommt dabei erst richtig auf Betriebstemperatur. ich denke, der kleine Flitzer ist da ähnlich gestrickt.
    Ich will nicht sagen, dass er vielleicht schlecht gefahren wurde. Nur, die Schwerpunkte waren eben ganz andere, als für ein sicheres Freizeit-Ausfahrpony nötig.

  • Du hast den erst vor paar Monaten übernommen, bis der mit Kopf bei dir angekommen ist, wird noch länger dauern....
    Wenn du EInachser fahren willst, dann achte drauf, dass der die Schere gründlich kennenlernt (also gig mit Strick übern legen und dann füttern, bis der einseitig angebunden 20 minuten obB steht, ist ungefährlich da unangespannt, wenn er tobt fällt nur gig auf boden), Hinterhandwendung beidseits perfekt Schritt für Schritt abrufbar ist und er mit BB übern hintern zuverlässig Gewicht drückt. Und versuch dies alles ohne Scheuklappen, wenn du eh nur Schritt planst, sollte das ohne Scheuklappen funzen. Vielleicht mal allein mit ihm eine Wanderung am Langzügel einplanen über mehrere tage, dürfte das Ankommen und auf dich fixieren beschleunigen. Kopf umschalten dauert!!! ich fahr nur bremsenlos ein, mit 1. Jahr Zuckerstopf an jedem Gefälle, damit der Übergang Ziehen auf drücken im Kopf gefestigt ist. So kann ich bremsenlos später mal "leinenlos" gefälle durchgaloppieren und Pferd arbeitet selbstständig. mfg Kirsten

  • Vielen Dank für Deine Tipps. Das mit der Gewöhnung an die Schere werde ich so üben.
    Das Wandern mit Pferde wäre mit Sicherheit nützlich, habe früher viele Wanderritte gemacht. Leider bringt mein Rücken kein laufen längerer Strecken mehr und mehrtägige Abwesenheit ist auch unmöglich. Fällt also flach.
    Inzwischen hat der Kleine sich auch entpuppt. Raubtiermanieren. Mein Hengst, den ich damals auch erst in fortgeschrittenem Alter bekam, hatte die gleichen Ausraster. Angefangen von Angst vor allem, was einen Stiel hat, zu Beiß- und Schlagdrohgebärden heftigster Art. Beim Hengst damals hat einfach stehenbleiben geholfen. Die Attacken wurden seltener und blieben irgend wann ganz aus. Na mal sehen, ob der Kleine, das auch wieder läßt. Normal ist er ganz lieb. Ich arbeite an der Hand mit ihm, ohne eine große Sache draus zu machen. Stehenbleiben, antreten, Rückwärtsrichten.
    Fahren werde ich ihn nicht, so lange er nicht wirklich das Vertrauen hat, das es keins auf die Jacke gibt. Ich mache jetzt erst mal den Kappzaum passend und werde ihn longieren, Longe und Doppellonge. Fahren vom Boden muss ich erst mal sehen. Möchte ungern seine Hinterhufe im Gesicht haben.
    Was er allerdings ins Maul bekommen könnte, ist mir noch rätselhaft. Ins Stallhalfter steckt er den Kopf von selber. Auch Kappzaum geht, sobald er merkt, es ist kein Mundstück dran. Aber auf den Anblick des Fahrzaums reagiert er mit panischem Zurückreißen, wenn möglich Flucht und falls ich nicht locker lasse, seinem Drohgehabe. Sieht nach einer echten Aufgabe aus.

  • Zuerst mit Taschenlampe Maul von innen checken, vielleicht gefüllter Kiefer oder sonstige Anomalien? ...so Pferdemäuler sind ne interessante Sache als Reiter hab ich da auch "nie" reingeguckt, aber als Fahrer schon spannende Entdeckungen gemacht. Es Flitzekind hat null Gebiß akzeptiert, es brauchte deutlich über Jahr Wassertrense unangepackt im Mäulchen bis erstes zartes lenken via Zügel möglich wurde. Kappzaum hat die noch nie gebraucht, hannoversch RH war völlig ausreichend für unsere Zwecke. Araber mit Zahngeschichten sind soo selten nicht. Ich würd von Anfang mit schmalster Traberstange arbeiten. Welsh-Showgebiß war unser erstes mögliches hier. Auftrensen via Zucker (gebiß in melasse tunken vorm trensen) und auch mal Gewalt geht bei 1,15 m ponikel schon (falls man sich auf Bierkiste stellt um die giraffe zu trensen), aber Abtrensen war hier 1 jahr mindestens gefährlich und dramatisch zb incl. überschlag rückwärts auf beton. Von Santina kam der entscheidende Hinweis: Abtrensen via Rollkur, also gezielt gefüttert zwischen vorderbeinen auf brusthöhe, so dass das Gebiß auf dem Oberkiefer richtung Schneidezahn rutschte! Im 3. fahrjahr hatte dann auch es Dämli kapiert, dass nix passiert wenn man auf Kommando einfach massiv die Schnüß aufreißt und ruhigbleibt. Madam hat im Unterkiefer winzige Stutenhaken, die wohl sehr schmerzhaft waren+hysterischer Grundcharakter war dann ne interessantere Aufgabe zum lösen.
    Wenn du nicht laufen kannst, dann nimm ihn beim shettyfahren mit: Welt kennenlernen gibt Sicherheit. Was uns viel geholfen hat war nachts bei der nachbarlichen Spedition um die schlafenden Riesen rumkurven, war lauftehcnisch für mich wenig Strecke, aber war hoch und eng so 50 cm Abstand zwischen den Monstern, also Pony war schnell kopfmäßig ausgelastet, tags hab ich die drüben angepflockt in Garage, so dass die geschützt mitten im geschehen war (pony war extrem übereagierend auf umweltreize).
    Wandern könnt ich übrigens hier innerhalb des Dorfes: kleiner Kringel meinen Lauffähigkeiten/Wetter/Zeit entsprechend, aber am End Pferd mal 1 Nacht bei nachbars parken, hätt ich hier im Dorf 3 Ställe möglich. Reisen bildet und ein Pferd kann idr nicht lesen.
    mfg Kirsten

  • Das mit Flitzekind hört sich ja dramatisch an.
    Die Trense also quasi in der Freizeit spazieren tragen gelassen? Wels Showgebiss? Ist das das mit den Hufeisenformen als Gebissringe? Das gibt es anscheinend nicht mehr? Oder so eine Gummistange, 1,5cm dick? https://www.kraemer.de/Gummist…sport&pi=350332&ci=250230
    Und so ein Theater beim abtrensen? Mein Hengst hat die erste Zeit bei mir auch das Gebiss nicht ausgespuckt und dann den Kopf hochgerissen. Ich hab dann das Gebiss ausgeschnallt, dann hat er es irgend wann doch ausgespuckt.
    Eine Freundin hatte mal ein Pferd, zweijährig gekauft vom Züchter und die Macke gesagt bekommen, dass man kein Kopfstück über die Ohren ziehen konnte. Von Halfter bis Trense mußte alles oben aufgeschnallt werden beim Auf- und Abzäumen. Hier ging es mal nicht um das Gebiss, sondern die Ohren. Bei meiner, ebenfalls erwachsen gekauften Araberstammstute war das ähnlich. Da half aber schon Ohren einzeln durchstecken, auch beim abzäumen.
    Mit mehr oder weniger Gewalt bekomme ich das Gebiss bei dem kleinen Scheißer natürlich rein.
    Ich werde mal ins Maul leuchten. Ich habe sogar schon gebisslose Zäumung in Erwägung gezogen. Beim Reiten mit meinen Arabern hat das gut geklappt, allerdings funktionieren ja im western die Richtungsänderungen und Wendungen über Bügeltritt und Gewicht eingeleitet, max. noch durch Anlegen des äußeren Zügels. Ich wüßte nicht wie das beim Fahren gehen sollte.
    Kappzaum verschiebt sich nicht am Kopf. Ich hatte das Kappzaumeisen nach Nasenform meines Arabers vom Schmied anfertigen lassen. Es passt auch dem Kleenen, nur die Backenstücke sind zu lang. Durch das feste Kappzaumeisen gibt es kein seitliches verrutschen, wie Gekauften oder Halftervarianten.

  • ..... Ich wüßte nicht wie das beim Fahren gehen sollte......

    Und was meinst du, wozu die Peitsche da ist? Die dient nicht zum Schlagen sondern ersetzt beim Fahren die Schenkel des Reiters! Durch anlegen der Peitsche an der entsprechenden Stelle sollte ein richtig ausgebildetes Pferd die gewünschte Haltung/Biegung einnehmen.


    renatus

  • Denkst Du, das weiß ich nicht? Ist ja beim Reiten nicht anders. Aber ich hätte schon gerne, die Möglichkeit, über die Zügel das Pferd zu stellen. Im übrigen ist das mit der friedlichen Verwendung der Peitsche genau wie beim Reiten doch oft graue Theorie und die Realität ist dann doch eine andere.
    Fährst du gebisslos?

  • nur mal so angeregt: Du kannst auch gebisslos stellen. An jedem guten Kappzaum befinden sich hierzu zwei seitliche Ringe auf dem Naseneisen. Für's Fahren wären die aber zu weit mittig.


    Dann gibt es gebisslose Zäumungen, die nicht nur auf die Nase, sondern Genick und ggfs. gegenüberliegende Ganasche wirken, wie das Bitless Bridle. Oder nur seitlich, wie Sidepull oder Lindel. Oder mit leichter Hebelwirkung, wie das Glücksrad.


    Gebisslos sind nicht nur die im Westernreiten bekannten Hackamore oder Bosal.......

    Sabine M.H.
    Arbeitende Ziegen und Highland Ponies

  • Gebißlos: Mein schwer verdorbenes Stammpferd hat keine Probleme sich mit 280 kg in den passenden stabilen Kappzaum zu schmeißen, wenn es ihr grad ötig erscheint, gleichzeitg kann ich sie damit sehr fein "fahren" bzw leiten auf dem platz. ich hatte zu Beginn Nase für dieses tier angedacht, da jedoch selbige ebenfalls vernabrt ist, ist es maul geworden/geblieben, was jedoch über die Jahre ganz stark gekommen ist, ist der Pitschgebrauch meinerseits, ich wende die Peitsch bei diesem Tier häufig und exakt an, wohingegen die 2 anderen mißhandelten Tiere hier auch im 3 bzw 4 Jahr noch bei Peitscheinwirkung (nix schlagen leiten!) überreagieren, ist bei diesem tier die übermäßige Angst im 4. Jahr weg gewesen.
    Kappzaum bei einem Araber??? bei sämlichen reitpferden die ich davon zur Korrektur hatte tats es ein hannoversches Reithalfter bestens. Für einen Araber würd ich auch nur sewitl. wirknede Zäumung bevorzugen, weil da doch so einige Anbindesorgen/vorgeschichte haben. mfg kirsten

  • ....Fährst du gebisslos?

    Ich fahre meistens mit einem Bitless Bridle, wegen sehr sensiblem Pferdemaul. Wenn's denn eine Trense sein muss, dann geht's auch mit einer einfachen Polyurethan-Wassertrense.
    Meine Pferde werden seit über 10 Jahren auch mit Bitless Bridles geritten. Ich mochte nicht mehr mit ansehen wie die Reiter/innen da im Pferdemaul herumzerren. Ist zudem auch ideal auf Ausritten weil das Pferd auch zwischendurch mal ein Büschel Gras kauen kann ohne lästige Eisenstange im Maul.
    Auch für die Basis-Dressur ist ein Bitless Bridle gut geeignet. Ein Grand Prix / St. Georg Niveau wird man damit allerdings nicht erreichen. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten das ohnehin nicht wollen, geschweige denn können.


    renatus

  • OT


    Ich lese hier interessiert mit, denn ich habe gerade einen Losreißer zu bändigen (Knotenhalfter scheint _die_ Lösung) und mein Rentnerpferd ist ausgesprochen empfindlich gegen das Annehmen der Zügel. Weil mir da im Gelände nur die Wahl zwischen Scylla (Annehmen und Rodeo) und Charybdis (nicht annehmen, mit Gewichtshilfen das Mögliche tun und ansonsten beten) zu bleiben schien, war das eines unter mehreren Argumente, dieses Tier außer Dienst zu stellen.


    Da er eigentlich lieb, fit und arbeitswillig ist, überlege ich, ob ich ihn nicht doch wieder ein bißchen reiten soll - gebißlos. Jetzt, nachdem ich gemerkt habe, welche Möglichkeiten sich durch den Einsatz des Knotenhalfters eröffnet haben. Wenn ja: Bosal? (muß natürlich Training für den korrekten Gebrauch haben). Oder was? Oder doch lieber gar nicht?
    (Im Falle des Falles muß das Pferd stehen! Alles Andere brächte Dritte in Gefahr - ich würde dann Rodeo fast immer vorziehen.)


    /OT


    @kaidan
    Vielleicht Wanderreitzaum verwenden - da kannst Du zäumen und später das Gebiß einschnallen. Wenn Du ein passendes Gebiß gefunden hast, natürlich.
    Bei ganz hartnäckigen Fällen könntest Du einmal nach einem Lorenzini-Titangebiß schauen - die sind zwar sehr teuer, aber ganz leicht, auch in dünn möglich und in vielen Formen. Hatte mir meine Trainerin für den Haffi geliehen und er lief bestens.


    Die Ardennerin

  • ich würde bei solch massiver Gegenwehr erst mal Ursachenforschung betreiben, u.a. auch körperliche Ursachen ausschliessen = Untersuchung durch Tierarzt/Physiotherapeut/Osteopath, etc.


    und bessere Kontrolle durch ein schärferes Instrument flacht irgendwann ab.

    Sabine M.H.
    Arbeitende Ziegen und Highland Ponies

  • Ich habe auch ein Pony (Endmaß, Mérens, kleines Kaltblut) aus dem Sport übernommen und auch der war beim Fahren heiß wie Frittenfett.
    Als ich ihn vor dem Kauf Probe gefahren bin, kam uns auf der Straße ein LKW entgegen. Also Leinen dran und mit gewissem Druck und Tempo dran vorbei Traben. Ich konnte ihn danach bloß nicht mehr parieren, auch mit scharf geschnallter Doppelringtrense nicht.... Der Fahrlehrer der Vorbesitzerin hatte sich hinter mich gestellt und mir geholfen, Paraden zu geben weil der Kerl sich massiv auf die Leinen geknallt hatte und ich hielt mich am anderen Ende daran fest, wie am Haltegriff im Bus. Er trabte und trabte und trabte, wir wären heute noch am traben, wenn der Trainer nicht eingegriffen hätte. Ich habe das Pferd tatsächlich gekauft, weil ich irgendwie ein gutes Gefühl hatte. Es wurde nicht enttäuscht! Erstmal bin ich nur geritten, denn da war er nur im Gelände gegangen und ein wenig Dressur auf dem Platz, aber nie unter Leistungsdruck. Aber auch beim Reiten legte er sich gerne massiv aufs Gebiss, sobald ich mal Zug auf dem Zügel hatte, kam sofort Gegendruck und wir beide zogen uns fest. Ich habe dann konsequent die Zügel nicht mehr benutzt, sondern nur noch alles über Stimme geregelt. Das nahm er sehr gut an und nach anfänglicher Vorsicht konnte ich überall traben und galoppieren und auch überall anhalten. Er ist im Grunde seines Herzens nicht faul aber gemütlich, Ruhe liegt ihm im Blut. Dadurch hatte ich es eigentlich leicht. Ob das mit deinem Welsh auch so einfach wird, weiß ich nicht, aber du hast ja Vollblut- Erfahrung und damit doch Erfahrung mit Temperament und die besten Voraussetzungen, das hinzubekommen. Inzwischen geht mein Dicker beim Reiten unter mir und meinem Mann nur noch gebisslos mit Sidepull. Wenn er nicht so ein Fresstier wäre, bräuchte ich beim Reiten gar nichts an seinem Kopf, das Sidepull brauche ich nur, um ihn vom grasen abzuhalten und davon, den Kopf zu tief zu tragen und nur auf der Vorhand herumzuschlurfen. Und was das Gewicht des Wagens angeht: Auch bei ihm haben alle gesagt: "Mach da nicht so was Leichtes hinter, der geht dir ab!" Aber das Gegenteil ist der Fall, er ist umso ruhiger, je leichter der Wagen ist. Wenn er richtig arbeiten muß, wird er ehrgeizig. Du mußt deinem Pony bestimmt erstmal zeigen, das Fahren jetzt Entspannung bedeutet und nicht "Vorne festhalten, hinten treiben" und die Idee, erst einmal alles vom Boden aus zu machen, ohne Tempo, ohne Druck ist sicher gut. Kannst du ihn reiten? Kennt er das? Ist er groß/stark genug (oder du klein und leicht genug)? Oder ggf. als Handpferd mitnehmen...
    Mein Pony mag auch heute noch keine großen Fahrzeuge, Trecker, LKW sind ein Problem. Aber das Problem habe ich, egal was und ob er überhaupt etwas im Maul hat.

    "An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter." (Konfuzius)

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