Beschlag im Winter

  • Hallo an Alle,
    Meine Frage heute, im Winter Eisen, Eisen mit Gummi und Stiften, oder barhuf?
    Jeder rät mir was Anderes. Mein Sattler, welcher selber Kremser fährt mit Kaltis sagt, drauf lassen mit Stiften. Mein Stallbesitzer meint runter, und der Schmied meint drauf lassen mit Gummis.
    Kalti hat weiterhin Matschweidegang, und geht an Niederschlagsfreien Tagen mit Plustemperaturen um die 5 bis 7 km Kutsche auf Teerstraße.
    Danke für eure Infos

    Angst kann man nicht aus dem Fenster werfen, aber Stufe für Stufe die Treppe herunter locken

  • Ich habe meine beiden schweren Warmblüter im Winter anfangs mit Eisen mit Stiften gefahren, bin dann aber in späteren Jahren dazu übergegangen, die Pferde barhuf zu lassen, da zu dieser Jahreszeit im Normalfall weniger gefahren wird. Damit der Huf Zeit, sich zu erholen. Allerdings sollte man dann auch weniger Teerstraßen fahren und mehr auf Wiesenwegen unterwegs sein.

    Fahren mit zwei PS

  • wir haben keine befahrbaren Wiesenwege in der Nähe :(

    Angst kann man nicht aus dem Fenster werfen, aber Stufe für Stufe die Treppe herunter locken

  • Zumindest fürs gewerbliche Fahren ist der Idealbeschlag:


    - Stollen mit Widiastiften (Stifte allein sind zu wenig auf Eis und im tieferen Schnee)


    - Schneegrips aus Gummi


    Da wir immer weniger Schnee haben und sich die Schlittenfahrten auf ca. ein halbes Dutzend bis 1 Dutzend pro Saison reduziert haben, nehmen wir für diese Wintersaison keinen besonderen Beschlag, sondern lassen die Alljahrewseisen mit Widiastiften.


    Mal sehen, ob das 2017/2018 eine kluge Entscheidung war.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Hallo,


    ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, Pferde immer wenn es irgend möglich ist, Barhuf laufen zu lassen. Dann ist es wesentlich einfacher, optimale, gesunde, starke Hufe zu erhalten. Dies wurde übrigens schon vor mehr als 100 Jahren in alten Beschlagsbüchern empfohlen.
    Jahrelanger Dauerbeschlag führt oft zu "degenerierten" Hufen: Die Hufe verformen sich und werden schwächer und das Pferd tut sich immer schwerer, mal ohne Eisen zu laufen. Ein schwacher, ggf. verformter Huf ist auch für den Bewegungsapparat ein Risiko (Höhere Wahrscheinlichkeit von Lahmheiten). Zudem gibt es oft Schwierigkeiten an den Hufen selbst, z.B. mit nicht haltenden Eisen.
    Immer beschlagen würde ich nur, wenn es unbedingt sein muss, z.B. weil das Pferd so schwache Hufe hat, dass es ohne Hufschutz nicht laufen kann (zum Glück sehr selten!) oder der z.B. gewerbliche Einsatz auch im Winter sehr intensiv ist.


    Wenn ein Pferd gute Hufe hat, sollten bei "gutem Wetter" 5-7 km auf der Teerstraße normalerweise kein Problem sein. Aber Vorsicht: Wenn ein Pferd lange Eisen hatte, sind die Hufe ggf. zu schwach und brauchen erst eine Erholungszeit, um wieder so leistungsfähig zu werden. Bei Bedarf habe ich gute Erfahrungen, Hufschuhe zu verwenden, wenn die Hufe deines Dicken nicht zu groß dafür sind.


    Wenn im Winter beschlagen wird, würde ich immer zu einem wintertauglichen Beschlag mit Schneegrip und ggf. kleinen Schraubstollen raten, wenn man nicht in einer Region wohnt, wo es eh nie schneit. Sonst ist bei Schnee Boxenhaft bzw. Hallenreiten angesagt, denn aufstollen und rutschen mit normalen Eisen macht das Laufen im Schnee quasi unmöglich.


    Gruß Tina


    PS: Hier wurde schon fleißig Schlitten gefahren, barhuf. Leider taut es gerade rapide...

  • Wir versuchen eine 2 monatige Beschlagspause zu erreichen, wo dann mit Schuh gefahren wird (also Strecken jenseits der 10 km). Mein Fahrlehrer sagt immer, normales Pony sollt 3*/Woche kutsch barhuf schaffen. Akut lauft Ben mit Schuh wie auf Wolken im Verhältnis zum Beschlag vorher, Hufe sind reheunauffällig und extrem gut bewacht, aber der ist akut wohl ziemlich sohlenempfindlich/massiv stoffwechselbelastet. Du bist eh erst Fahranfang und noch keine Strecken unterwegs, falls Pferd im Vorleben oft unbeschlagen rumstand, würd ich dem winters 2-3 Monate eisenlos gönnen und beim Fahren vorn Schuh drauf, sobald der bißle verhaltener lauft. Ich üb winters zurückdrücken gradaus längere Strecken oder anhalten auf punkt, da braucht man nun wirklich kein Beschlag bei. Wie du dich entscheidest, wird schon richtig sein, ich hab bisher 2 Pferd wegen Beschlagspause verloren (also ein Geschwür nach dem nächsten ab beginn pause) aber noch kein Pferd wegen Eisenmüdigkeit/Unbeschlagbarkeit/zu schlechter Hufkonsistenz wegen Dauerbeschlag. Grad KB können mitunter ohne Beschlag vorn kaum laufen. Mein verbautes Pony hat jetzt mind. 3 Jahre Dauerbeschlag vorn, ist einfach höflicher für stark überbaute alternde Pony. Hinterhufe sind sozusagen komplett andere Baustelle und da kommen viele Pferd mit geringerer Winternutzung getrost ohne aus.
    mfg Kirsten

  • Wir haben auch einige Winter die Eisen abgenommen, um den Hufen eine Eisenpause zu ermöglichen. Das Ergebnis waren jedesmal stark ausgerissene Hufe und Pferde die trotz Hufschuhe nicht laufen wollten. Wir konnten erst wieder im April, Mai die Hufe beschlagen lassen.
    Meiner Meinung nach, sind 2 Monate eisenlos nur da machbar wo die äußeren Umstände passen: Halle, befestigter Paddock, viele Graswege, schneesichere Winter.
    Haben wir alles nicht und da wir unsere Pferde auch im Winter jederzeit fahren wollen, bleiben die Eisen mit Vidiastifte und Gripp drauf.
    Unser alter Haflinger ist ab 3 Jahre sein ganzes Leben beschlagen gewesen, Hufprobleme kannten wir nicht. Wir hatten immer dann Probleme wenn sie Eisen unten waren.

  • Wir haben ganzjährig Eisen mit Widiastiften und Schraubstollenlöcher drauf, damit wir bei Bedarf stollen können. Im Winter kommt Grip dazu. Wenn Barhuf geht, kannst du es ja versuchen. Ich habe mit meinen Kalten keine guten Erfahrungen ohne Eisen gemacht. Der erste konnte in schlechten Phasen bereits beim Beschlagen kaum ohne Eisen stehen. Wir haben hier aber auch keine Halle und sowohl Reitplatz wie auch Auslauf mit feinem Kies belegt. Da pulle ich schon beim Esel (barhuf) ständig Steinchen aus der weissen Linie.

  • Hallo,


    bei einem gesunden Huf kann man den Beschlag abnehmen und das Pferd wird genauso problemlos laufen wie zuvor, Ausbrechen wird nichts etc. Wenn man massive Probleme ohne Eisen hat, dann sind die Hufe nicht ok. Und das ist leider ist fast allen Fällen durch unsere Hufbearbeitung verschuldet, nicht durch die Anlagen des Pferdes.
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man Probleme durch schlechte Hufe durchaus lange Zeit durch Beschlag so "verdecken" kann, dass das Pferd lahmfrei läuft, aber auf Dauer oder insbesondere bei hohen Anforderungen im Sport gibts dann doch Probleme. Es lohnt sich m.E. es erst gar nicht so weit kommen zu lassen und darauf zu achten, dass die Hufe im optimalen Zustand bleiben.


    KB haben nicht generell schlechte Hufe, viele sogar sehr gute. Es gibt allerdings das Problem, dass die Hufe aufgrund des deutlichen Mehraufwands bei der Bearbeitung im Vergleich zum Reitpferd oft vernachlässigt werden. Manchmal gibt es aber Fälle, bei denen die Hufe aufgrund von Mängeln in der Zucht zu schwach für das Gewicht des Pferdes sind. Dann hat man leider immer Probleme, auch mit Beschlag sind solche Fälle schwierig.


    Gruß Tina

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  • Man muss bei dem Beschlagsproblem zwischen den Rassen unterscheiden: KB sind auf Gewichtszunahme/Kurzes Lebensalter und nicht mehr zum Laufen gezüchtet, dh bei denen gibt es eine höhere Anzahl Individuen mit sehr schlechter Grundkonsistenz Huf. Pony werden idr nicht genutzt und sind teuer+unerquicklich zu beschlagen, dh via natürliche Auslese könnten hier die meisten sehr gut ohne Beschlag auskommen. Nur bei Krankviechern und KBs hab ich erlebt, dass ohne Beschlag nix ging. zb Ben hier hat eine hohe Masse auf "wenig" Huffläche (300 kg/1,18m), da wundert mich nicht, dass der aufatmet sobald er Hufschutz bekommt.
    Rein erfahrungstechnisch sehe ich wie Ben jedes Jahr besser über beschlagsfrei hinweghinkt (der hat absolute Regelhuf mit bißle niedrigem Wachstum), aaaber generell hab ich noch nie erlebt, dass Pferd mit schlechter Hufqualität via Umstellung barhuf irgendwann vernünftig belastbar wurd......mfg Kirsten

  • Wir haben ganzjährig mit Widiastiften und im Winter zusätzlich mit Schneegrip beschlagen und je nachdem was geplant ist, die Adapter für die Klick-Stollen drin. So fahren/reiten wir seit Jahren gut.


    Bei uns ist es durch die Beschaffenheit der Wege so gut wie unmöglich, regelmäßig mit dem Pferd etwas zu machen, wenn es barhuf läuft. Es gibt aber bestimmt Gegenden, wo es durchaus möglich ist.

  • Überlege es Dir gut, mal eben so im Winter die Eisen abzunehmen. Ein Pferd, das lange Zeit beschlagen war, läuft (meistens) nicht mal eben so ohne Eisen. Klar, du kannst es ausprobieren, Ferndiagnosen kann man nicht stellen. Erstmal ist die Frage: Wie sind die Hufe deines Pferdes? Sind sie wirklich gut? Ein Pferd braucht einen zur Körpergröße und -Masse passenden Huf, mit schönem, ausgeprägten Strahl und eine gute Hornqualität. Ist das alles gegeben, brauchst du als nächstes einen verdammt guten Schmied, der schon über längere Zeit den Beschlag wirklich gut angepasst hatte. Allzu viele Pferde laufen mit zu engem Beschlag. Das Ergebnis ist dann ein Hufgeschwür nach dem anderen, wenn man die Eisen runter genommen hat oder brüchige Hufe, wie hier schon beschrieben etc. pp. Dann muss dein Schmied sich auch auskennen, wie man einen Barhuf bearbeitet. Die meisten behaupten das zu können, was ich aber immer gesehen habe, ist eine Bearbeitung, als kämen wieder Eisen drunter. Da wird fröhlich an der Sohle herumgeschnitzt, der Strahl wird "schön" gemacht und dann wird oft (im Gegensatz zum Beschlag) zu viel Tragrand dran gelassen, "damit die was zu ablaufen haben...."
    Außerdem haben Pferde oft wirklich Schmerzen, wenn man die Eisen abgenommen hat. Da weicht der Huf im Winter auf der Matschkoppel auf und dann ist zack! alles über Nacht knüppelhart gefroren, das ist echt übel für die Zausels... Wenn es einem Pferd bei jedem Schritt autscht, ist es nicht nett, das nur über den Winter so zu machen, ich bin da dann eher für ganz oder gar nicht. Dann müssen sie da nur einmal durch. Also Barhuf oder perfekter Beschlag, keine Experimente!
    Barhuf suchen die Pferde sich sehr gerne den weichen Randstreifen aus um darauf zu laufen. Auf Teer laufen die meistens ganz gut, bei Schotter wird es dann schon blöd. Wenn dann in der Mitte ein ungeschotterter Wiesenstreifen ist, gehts noch, aber da liegen dann auch oft Steine, die den Pferden weh tun. Meine schlörren dann lieber seitlich durchs Gebüsch, wo wirklich alles unbefestigt ist. (Ich lebe im Mittelgebirge mit Waldwirtschaftswegen, wie die Böden und Wege bei Dir sind, weiß ich natürlich nicht). Nun kann Pferd vor der Kutsch aber nicht durchs Gebüsch laufen... Auf Teer hast du dafür einen massiven Abrieb, da muss man schauen, ob genug Wachstum da ist - vor allem im Winter - um das auszugleichen.
    Pferde gewöhnen sich auf dem Beschlag ein anderes Laufen an. Mein dicker Mérens hat ewig gebraucht, um zu verstehen, dass er jetzt keine Eisen mehr trägt. Wenn es ihm grad nicht weh tat, wegen Steinen oder so, latschte er immer noch durch die Pampa wie vorher, mit Kutschpferdebeschlag (Vidia- Stifte). Das Ergebnis war, dass er sehr häufig weg rutschte, weil so ein spezieller Beschlag halt wesentlich mehr Gripp bringt, als ein Barhuf. Das war unangenehm! Manche Ritte waren ein einziges Geschlitter und Gehampel, (gefahren bin ich in der Zeit gar nicht) ich hätte zuviel kriegen können. Inzwischen hat er es aber begriffen, aber das hat echt gedauert, in einem Winter, war das nicht erledigt! Das Gleiche gilt für die Rutschhemmung auf Teer oder auf frostigen Wiesenwegen, da schlittern die schon mal und bekommen vor dem Wagen ohne Beschlag ihre Kraft gar nicht richtig an die Erde, die Kutsche darf dann wirklich nicht schwer sein, wenn es mal auf feuchter Teerstraße bergan geht.
    Es gibt Hufschuhe, die guten Gripp bringen, aber in Kalti- Größen wird die Auswahl da sehr dünn, da solltest du dich vorher informieren. Und ich würde das auch nicht vor dem Wagen ausprobieren, mir sind zuweilen mal Hufschuhe daher geflogen, vor der Kutsche wieder anziehen ist immer schäbig....
    Zum Beschlag: Vidia- Stifte sind gut und die Hufgrips auch! Auch in unseren Barhufen stollt sich bei manchen Wetterlagen der Schnee auf, da sind die Hufgrips sogar besser als ein Barhuf. Das Problem hatte ich da aber eher bei den engeren Hufen mit Sohlenwölbung. Bei einem Kalti, mit flacher Sohle fällt das aus dem Barhuf wahrscheinlich gut raus.
    Ich würde bei Teer von Stollen dringend abraten. Stollen sind ein Hilfsmittel für tiefere Böden. Auf harten Böden hast du eine massive Punktbelastung, die sich über den Stollen in den Huf fortpflanzt. Das Ergebnis reicht dann von Schnerzempfindlichkeit im entsprechenden Hufbereich bis zu untergeschobenen Trachten, was auf Beschlag sowieso gerne passiert. Mit Schraubstollen kenne ich mich nicht aus, ist aber sicher eine gute Sache.
    Wenn Du dir und deinem Pferd was Gutes tun willst, dann lass ihn entweder von einem sehr guten Schmied in regelmäßigen und nicht zu langen Intervallen beschlagen oder nimm ihm die Eisen ab, ich würde das zum Frühjahr hin machen, nach den Frösten, und probiere es ganz mit Barhuf. Da käme dann aber noch einiges auf dich zu, auf das ich hier jetzt nicht eingehen möchte, das sprengt den Rahmen. Das Hin- und Her ist echt immer so eine Sache, ich persönlich kenne Niemanden, der das erfolgreich so macht. Man kann meiner Meinung nach eher nur hinten die Eisen abnehmen.
    Ich bin absolut pro Barhuf, alle meinen Pferde laufen (inzwischen) ohne. Das war aber hart und ich habe auch zig mal die Flinte ins Korn geworfen, bevor ich es dann durchgezogen habe.

    "An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter." (Konfuzius)

    Einmal editiert, zuletzt von Shettyfreak ()

  • Einen Nachsatz noch: WENN Eisen runter, dann soll der Schmied jeden einzelnen Nagel herausziehen und nicht das Eisen so abhebeln, wie das gerne gemacht wird!

    "An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter." (Konfuzius)

  • Danke für eure zahlreichen Antworten.
    Habe mich für Eisen mit Gummis entschieden. Über passenden Stifte etc pp berät mein Schmied mich am Mittwoch persönlich beim Termin. Danke wieder an alle, welche sich hierso viel Mühe gegeben haben. Neben den Tipps waren zahlreiche Infos dabei.

    Angst kann man nicht aus dem Fenster werfen, aber Stufe für Stufe die Treppe herunter locken