Bericht über Tour vom 15.09. bis 17.09.2017

  • Reisen mit einer über 100jährigen Kutsche


    Als Besitzer einer Kutsche, die 1909 gebaut wurde, reizte es mich, mit dieser auf alten Handelswegen mal zu reisen.



    Mit meinen zwei Pferden, Typ „Alt-Oldenburger“, vor der Kutsche und mehreren Reitern um das Team vom Föhrenhof, startete U. Eicke mit Tochter Christina, bei herrlichem Wetter, eine dreitägige Tour von Barwedel, am Rand der Altmark entlang, nach Zernien ins Wendland. Insgesamt wurden ca. 90 Kilometer mit einem Straßenanteil weit unter 20% aber mit großen Höhenunterschieden zurückgelegt. Der Hauptteil der Strecke waren Feld- und Waldwege. Die Kutsche von der „Rohbauwagenfabrik Plennikowski“ aus Hartha, hat die Reise gut überstanden, als wäre sie gerade gebaut worden. Als Fahrer lernt man die Wagenbaukunst der alten Handwerker schätzen, wenn es über Stock und Stein, alten Handels- oder Hohlwegen lang geht. Die Pferde hatten an einigen Schlammlöchern, sandigen Stellen oder steile Hügel hinauf, gut zu ziehen und machten ihre Sache sehr gut. So manches Abenteuer und Überraschungen waren auf der „Zeitreise“ zu erleben, was aber von allen sehr gut bewältigt wurde.



    Die Strecke führte über die Bickelsteiner Heide zum Ferienhof Hanum der Familie Fock, von denen Pferde und Reisende die erste Nacht sehr gut umsorgt wurden. Weiter ging es über Neuekrug, Schmölau, Thielitz und Varbitz nach Suhlendorf-Köhlau, wo wir den Samstag im Reitsporthotel Brunnenhof übernachteten. Von dort führte uns die Strecke weiter über Güstau, Vaddensen, an Gohlau vorbei nach Fließau. Hier wurden die Pferdebei der Ankunft sowie alle die mit dem Gepäck- und Pferderücktransport zu tun hatten, mit reichlich Kaffee und Kuchen von der Familie Michaelsen herzlich bewirtet. Mit den Transporten ging es dann am frühen Abend nach Hause.
    So eine Art zu Reisen ist anstrengend, aber man genießt die Natur mit ganz anderen Augen und freut sich mit seinen Pferden eng verbunden zu sein.


    Es ist gewünscht, daß dieTour irgendwann bis zur Elbe fortgesetzt wird.

  • Als Fahrer lernt man die Wagenbaukunst der alten Handwerker schätzen,

    das unterschreibe ich gern


    danke für den Bericht!

    Finsternis kann keine Finsternis vertreiben. Das gelingt nur dem Licht.
    Hass kann den Hass nicht austreiben. Das gelingt nur der Liebe.
    »Kraft zum Lieben« Rede 1963, Martin Luther King (1929-1968)


    Es ist keine Option, den Nazis und Völkischen nun einfach das Feld zu überlassen, weil sie gewaltvoller sind. Es ist auch keine Option, sie zu umwerben und zu verharmlosen und dann jedes Mal wieder überrascht zu sein, wenn sie schießen. Max Czollek 2019

  • Sehr schön! Man sieht jedoch auch, daß die Menschen vor hundert Jahren doch etwas kleiner waren ;)

    Suns always shine :)

  • Hallo Kutscherl,
    gehen deine Pferde auch Einspännig?
    Der Braune zieht diese Kutsche auch alleine in hügeligem Gelände.
    Super zwei so schöne kräftige Warmblüter,
    das Dach ist doch vermutlich nicht 100 Jahre alt?
    Ich habe auch eine alte Kutsche die sogar hier aus meiner Heimatregion stammt,
    allerdings ohne Dach.
    Nur die Holzspeichenräder hat mir ein Stellmacher vor ca 20 Jahren mal ausgebessert.
    Waren vermutlich "Standschäden" ,
    wenn die Speichenräder längere Zeit mit Erde in Verbindung kommen.
    Diese alte Kutsche hat eine bessere Federung als meine beiden "Neuen" Kutschen,
    und die alte Kutsche ist auch von der Bauart sehr leicht gebaut.
    Allerdings Bremsen die neuen Kutschen auf alle 4 Räder,
    das war der Grund mir eine Kutsche mit Scheibenbremsen zu kaufen.
    Ich wünsche Euch viele Wanderfahrten,
    und Bitte hier mit Bildern reinstellen.
    Danke
    :thumbsup:

  • Hallo Kutscherl,


    das war der Grund mir eine Kutsche mit Scheibenbremsen zu kaufen.


    :thumbsup:

    Ich bin ein alter Fan von klassischen Klotzbremsen (und wenn das nicht mehr reicht: vom Radschuh). Trotzdem: Die Bequemlichkeit einer Scheibenbremse bleibt unwidersprochen.


    Doch: Bei 2,5 Km Länge und 20% bis 25% Gefälle und einem mit 9 Personen und Ausrüstung besetzten Jagd-Break kocht sehr bald die Bremsflüssigkeit in den Leitungen. Im Vorteil ist der, der zwei Bremskreise (hinten + vorn) hat, der kann die Pedale wechseln. Doch die Empfindlichkeit der Verbindung von Bremsleitung zum Bremssattel bewirkt immer wieder, das bei rauen Wegen da leicht etwas abbricht; das ist zumeist mit Bordmitteln nicht mehr reparierbar. Und wenn das nächste Gefälle von 15% bis 25% kommt und die Bremsflüssigkeit der einen, noch übrig gebliebenen Bremsleitung kommt natürlich auch zum Kochen, das Pedal fällt durch, Bremswirkung null. Und im Gefälle nirgendwo eine ebene Stelle, wo man die Beruhigung der Bremsflüssigkeit abwarten kann......
    Üble Momente.


    Kurz: Man sollte auch über die Schwächen von hydraulischen Scheibenbremsen Bescheid wissen.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Hallo Herr Nemitz,
    Danke für die Info,
    Ich wohne im Spessart,
    hier geht es ständig Bergan und danach wieder Bergab,
    allerdings nicht Kilometerlang wie bei Ihrer Toscanatour.
    Ich konnte mir die herrlichen Bilder und die 2 Videos anschauen,
    bei trockenem Wetter sicher eine Tolle Sache.
    Mit sicheren Pferden und Hintergeschirr kann auch mit nur Klotzbremse
    auf die Hinterachse gefahren werden,
    Bremsschuhe kenne ich nur von Bildern .
    Bei der Kutschte mit Scheibenbremsen sind die Speichenräder mit Gummi überzogen,
    hierdurch verbessert sich die Bremswirkung enorm.
    Hatte an den Scheibenbremsen schon zweimal Probleme,
    Bremsleitungen und Bremsbeläge innerhalb 20 Jahren,
    Jahresfahrleistung höchstens 800 km so wie Ihre letzte Toscanatour.
    Auch werden meine Pferde (Schwarzwälder), aktuell sehr selten gefahren.
    Viele Grüße aus Nordbayern :-]


  • an der Kutschte mit Scheibenbremsen sind die Speichenräder mit Gummi überzogen,

    Das ist auch richtig so: Das Problem auf heutigen Asphaltstraßen ist ja nicht, die Bremswirkung mit der herkömmlichen Klotzbremse auf die Hinterräder zu bringen, die zu blockieren mit der Klotzbremse ist zumeist sicherlich möglich. Das Problem ist, die Bremswirkung auf die Straßenoberfläche zu bringen. Wenn die Eisenreifen mit Klotzbremse blockiert sind, dann rutschen sie, wenn beide Hinterräder blockiert sind, kommt der Hinterwagen quer bergab, da die Hinterräder keine Führung mehr geben. Deshalb ist es sehr sinnvoll, bei Scheibenbremsen (und wohlauch bei Trommelbremsen) die Reifen mit Gummiaufzügen zu versehen, um eben die Reibung auf die moderne Straßenoberfläche (= Asphalt) zu bringen. Natürlich wird das auf Dauer wiederum die Holzräder ruinieren, da der gewaltige Hebel zwischen Reifen (= Felge) und Holznabe auch solche gut (von einem deutschen Wagnermeister) gebaute Räder locker werden läßt. Wir müssen unsere Holzräder bei so ziemlich allen Kutschen (die ja ca. 5.000 bis 6.000 Km/Jahr gefahren werden) etwa alle 2 Jahre erneuen, sowohl die Holzräder wie auch den Gummiaufzug.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

    Edited once, last by A. Nemitz ().

  • Hallo ChristophB,


    natürlich zieht der "Braune" den Wagen allein aber mit dem Gepäck und bei den sandigen Wegen, war ich froh beide "Kracher" davor gehabt zu haben. Das Dach ist übrigens original von der Firma Plennikowski, es ist aber neu bezogen worden. Das Dach lässt sich übrigens auch abnehmen aber die Wettervorhersage war nicht so gut, daher sind wir mit Dach gefahren. Einen Hut konnte ich mit 196 cm Körpergröße nicht mehr aufsetzen.


    Die Klotzbremse ist ungewöhnlich zu bedienen aber auf den Sandwegen sehr effektiv. Für die Pferde ist es gewöhnungsbedürftig, wenn hinten etwas laut scheuert. Schnell hatten sie gemerkt, dass wenn es scheuert, ihnen Bremsarbeit abgenommen wird und blieben ganz entspannt. Man muss natürlich mit einer Hand fahren um die Bremse zu betätigen. Viele Fahrer kommen damit nicht zurecht weil sie die Fußbremse gewöhnt sind. Dieser Wagen ist in Hartha gebaut und die Gegend ist ja auch Hügelig. Damals reichten die Klotzbremsen voll aus.
    Beim Trainingswagen möchte ich auf die Scheibenbremsen auch nicht verzichten. Aber hier hatte ich auch schon Bremsscheiben, die vom Vorgänger so heiß gefahren wurden, dass sie total verzogen waren. Dies kann bei uns auf der Ebene so schnell nicht passieren.


    Erst die Pferde, dann der Mensch!

  • Eure Tour hat es auch in die aktuelle Ausgabe der "Starke Pferde" geschafft - Gratulation :thumbup:

    Der wahre Pferdemann ist derjenige, der seine Pferde entsprechend den jeweiligen Anforderungen richtig anspannt, fährt und einsetzt

    A. Nemitz

  • Tolles Wägelchen, schöne Pferde & eine herrliche Tour! :love:


    Ich bin persönlich auch ein bekennender Fan von Eisenrädern mit Gummibelag & Scheibenbremsen, aber wie Herr Nemitz schon schreibt, manchmal ist eine andere Ausstattung sinnvoll & notwendig.


    Ich kann zu den Eisenrädern anmerken, dass uns die Schweißnähte an der Verbindungsstellen der Speichen zur Lauffläche auch schon mal gerissen sind. Das war kein Unfall, sondern schlichtweg fortschreitender Verschleiß. Der enorme Hebel der Scheibenbremse geht auch an Eisenrädern bei intensivem, jahrelangem Gebrauch nicht spurlos vorüber. Deswegen auch bei Eisenrädern immer ein Auge auf deren Zustand haben und die Schweißnähte regelmäßig überprüfen.