Wanderfahren ohne Gebiss

  • Stimmt. Wer ein Pferd führt ist kein Fußgänger mit einem Pferd (wie z.B. ein Hundeführer) sondern führ ihn gelten nach § 28 StVO die Vorschriften wie für den Fahrverkehr. Der Fahrverkehr findet auf der Fahrbahn möglichst weit rechts statt. Der Pferdeführer darf also nicht auf den Geweg und auch nicht entgegen der Fahrtrichtung gehen, sondern muss auf der Straße rechts gehen.

    Dein Pferd ist dein Spiegel. Es schmeichelt dir nie. Ärgere dich nie über dein Pferd; du könntest dich ebensowohl über deinen Spiegel ärgern.

  • Also die Kopplung mehrerer Pferd ist mM nach das A und O, ich bin einfach nicht dominant genug um zb 5 pferd jeweils seperat am führstrick zu führen also gleichzeitig 5 seperate Führstricke. Es passiert so man Strecke mit den Rössern unterwegs ist eine ganze Menge, aber 3 gekoppelte sind an sich schon ne recht sichere Sache, "dominant/baut gern rechten Winkel ein" läuft immer neben mir und "hysterisch/für einen Hüpf gut" stets außen und "war da was, hää?" ist Mitte, gibt bei X immer dasgleiche Bild: hysterisch lauft 180° rum, "war da was?" steht mal lieber bis geklärt ist was passiert sei und Dominant sieht ihre Rolle gefährdet und giftet hysterisch mal ordentlich an so dass die truppe zuverlässig steht, selbst wenn es mich mal weggekickt haben sollt (kommt so alle 2-3 Jahre mal vor, sind aber dann absolut aus dem Rahmen fallende Situationen). mfg Kirsten

  • Ist in der bisherigen Rechtsprechung eigentlich ein Unterschied erkennbar zwischen den einzelnen gebisslosen Varianten oder ist der einzige Unterschied mit oder ohne Gebiss, Variante egal?


    Ein Stallhalfter ist ja z.B. mit einem Knotenhalfter überhaupt nicht vergleichbar (zumindest wenn man ein gescheites kauft und nicht den 10€ Schund aus besseren Schnürsenkeln). Genauso ist ein mechanisches Hackamore etwas ganz anderes als ein Lindel oder ein Sidepull.

  • Leider scheint es so zu sein, daß nur zwischen "mit" und "ohne" Gebiß unterschieden wird. Dabei ist natürlich, wie Nannerl sagt, ein Knotenhalfter schon etwas anderes als ein Stallhalfter. Es ist ein echtes Dilemma: Mir wurde mal beigebracht, daß man Pferde nicht am Zügel, sprich Gebiß, führen soll sondern immer am Halfter. So gesehen, stehen die vielen Wanderreiter, die ihre Pferde am untergeschnallten Knotenhalfter führen, mit einem Bein im Gefängnis. Was wir brauchen sind "sachkundige" Gutachter, die nicht nur aus der Turnierszene kommen.
    Gruß FRITZ

  • Hallo,


    mich wundert immer wieder massiv, dass Gutachter so eindeutig die Meinung vertreten, ein Pferd gehöre an der Trense geführt. Meiner Erfahrung nach ist es sogar deutlich unsicherer, an der Trense zu führen, als z.B. an einem Knotenhalfter oder Kappzaum.


    Denn beim führen wirkt man ja aus einem anderen Winkel auf die Trense ein als beim Reiten oder Fahren - wenn ein Pferd seitlich oder nach hinten wegspringt, hat die Trense keine wirkliche Wirkung mehr auf die Laden, man zieht nur noch an den Riemen - und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einfach die Trense vom Kopf, wenn einem das Pferd nicht beim ersten Satz schon die nur 1.5 m langen Zügel aus der Hand gerissen hat und auf und davon ist...


    Solche Vorfälle hatte ich persönlich schon mehrfach, mir sind Pferde mit Trense abgehauen, auch wenn sie nicht "durchgedreht" sind, sondern nur mal einen großen Satz gemacht haben. Mit Knotenhalfter/Kappzaum und einem ca. 4 m langen Strick ist mir in >20 Jahren noch kein Pferd abgehauen, auch bei ziemlich massiven Reaktionen hatte ich die wieder (klar - wenn ein Pferd völlig in Panik gerät, dann hält es nichts und niemand...).


    Davon ab kenne ich wirklich niemanden (auch FN-Ställe/Reitschulen) wo Pferde mit Trense auf die Weide geführt werden.


    Ich glaube, dass die VFD durchaus auch darauf hinarbeitet, etwas "realistischere" Meinungen von Gutachtern zu etablieren. Zum Glück sind allerdings solche Urteile so selten, dass da noch nichts passiert ist. 3 Fälle in x Jahren zeigen ja, wie häufig so etwas ist...


    Gruß Tina

  • Bei den Kursen die ich gemacht hab, wurde auch immer gesagt, dass man ein Pferd nicht mit Trense führt, sondern mit z.B. Knotenhalfter, Kappzaum. Das waren renommierte Ausbilder, die Ahnung haben. Die Trense kam erst auf dem Platz/in der Halle drauf zum Reiten .


    Als ich bei einem Ausritt mal unfreiwillig abgestiegen bin, ist Pegidala mit wehenden Zügeln davon. Einer Mitreiterin gelang es, ihn einzufangen...da hat er seinen Kopf aus dem Reithalfter gezogen und ist heim auf die Koppel gelaufen. Waren nur ein paar hundert Meter...zum Glück.

  • ..... Es ist ein echtes Dilemma: Mir wurde mal beigebracht, daß man Pferde nicht am Zügel, sprich Gebiß, führen soll sondern immer am Halfter.....

    "Führprofis" wie beim Schweizer Militär verwenden beim Führen eine Kombination aus Zaum mit Trense und eingeknebelten Zügeln sowie Halfter mit Führstrick:

    Aus: http://www.saumpferd.ch/06geschirr.htm


    Gegebenenfalls soll, wenn notwendig, so der Griff in die Zügel jederzeit möglich sein.

    Lange Ohren sind meine Leidenschaft! Deine auch?

  • Ich sehe ein Problem wirklich auch bei Gutachtern und in der teilweis völlig unterschiedlichen Ausbildung/Anlage der Pferd. Mein FahrlehrerGutachter/Ponyzüchter hat da ne Linie bei sich drinne, die mir persönlich überhaupt nicht liegt, sobald ne fliege hustet sind die Viecher auf den Barrikaden, logo, mein Fahrlehrer bekommt die gut gewuppt, ich auch (nur nicht gut und Spaß+freiwillig meinerseits ist was anderes)---->wer solche Tiere gewohnt ist, beurteilt den Umgang andrerleut mit Pferd kritischer. Meine Pferd haben große Freiheiten, aber da passiert auch nix/wenig/immer weniger mit den Jahren, weil das völlig andere Typen von der Substanz (physisch und psychisch) sind.
    Greenorest Aussage stimme ich 100% zu, wobei ich im frühjahr bzw herbst bzw im Straßenverkehr immer kette aufm handpferd hab. mfg Kirsten

  • Beim Führen von Saumpferden und Handpferden wird über dem Teich dieser Halfter mit breitem Nasenriemen und Kinnkette verwendet:


    [Blocked Image: http://www.somomule.com/i/OPS/Mule_Halter_Small.jpg]


    Die Tiere reagieren hier auf das Geräusch der nachrutschenden Kette, schon bevor sich diese auf die Kinnladen drückt.


    Voriges Jahr habe ich bei einerTrekkingtour im Apennin in einem Reitbetrieb ein historisches Führhalfter an einerWand hängen sehen, das exakt gleichen Aufbau und Formgebung hatte wiedieses amerikanische Beispiel. Leider finde ich das Bild nicht mehr.

    Lange Ohren sind meine Leidenschaft! Deine auch?

  • Das spiegelt exakt meine Erfahrungen wieder. Ein gut sitzender Kappzaum und ein hochwertiges Knotenhalfter, gepaart mit dem entsprechend Strick, sind einer Trense in vielen Situationen um Welten überlegen.


    Ich käme im Leben nicht auf die Idee, mit unseren Jungpferden auf Trense spazieren zu gehen. Oder darf ein Pferd erst den Hof verlassen, wenn es alt genug ist für ein Gebiss? Ich bin mit unseren Pferden / Maultieren schon als Absetzer auf kleinen Spaziergängen unterwegs und dies regelmäßig bis zur weiteren Ausbildung als Remonte und weit darüber hinaus. Bei uns laufen die Jungen auch des Öfteren mal kleinere Runden am Wagerl mit. Ich werde sicherlich auch zukünftig keinem Absetzer oder Jährling ein Gebiss verpassen und ich werde auch nicht warten, bis sie drei Jahre alt und riesen groß und schwer sind, um mit ihrer Ausbildung hinsichtlich Straßenverkehr etc. zu beginnen. Mit drei kennen unsere alles und können sich über Jahre in Ruhe und ohne jeglichen Zeitdruck von den alten abschauen, dass Ihnen nirgends Gefahr droht. Das ist echt Gold wert. Sehr stressfrei für Mensch und Tier.


    Und das ist meines Erachtens der wichtigste Punkt: ist das Tier sorgfältig ausgebildet und desensibilisiert in Bezug auf Umwelteinflüsse etc., laufe ich wesentlich weniger Gefahr, dass es mir in einer unbekannten Situation durchgeht, von wenigen echten (!), unberechenbaren Hysterikern mal abgesehen. Aber sowas gehört für mich eh in die Wurst und nicht vor eine Kutsche. Natürlich kann einem jedes Pferd mal durchbrennen - aber die Wahrscheinlichkeit bzw. das Risiko ist eben ein anderes.
    Mit einem so sorgfältig ausgebildeten Pferd (mit entsprechendem Charakter), kann ich es nach Jahren evtl. auch mal wagen, gebisslos zu reiten oder zu fahren. Unsere Pferdestute hatte vor Jahren einen Unfall, dabei hat sie sich die Zunge verletzt. Ich bin danach notgedrungen monatelang gebisslos geritten und später auch gefahren. Stehen lassen war damals keine Option. Es gab keine Situation, in der ich das Gefühl hatte, ggf. die Kontrolle zu verlieren. Ich fahre, seit ich sie wieder mit Gebiss fahren kann, nicht mehr gebisslos. Aber es war möglich, als es nötig war.

  • Denn beim führen wirkt man ja aus einem anderen Winkel auf die Trense ein als beim Reiten oder Fahren

    Und darum wirkt das Gebiss unter Umständen beim Führen ganz anders als beim Reiten/Fahren, es drückt im Maul an anderen Stellen und kann ohne Absicht Schmerzen im Maul verursachen. Beispiel: Mensch oder Tier stolpert, dadurch unbeabsichtigter Zug am Zügel, die doppelt gebrochene Trense wird um ein paar cm seitlich im Maul verzogen, ein Gelenk der Trense liegt auf den Laden ... aua.
    Ich denke, die meisten Tiere können ganz gut damit umgehen, sie sind das Führen am Gebiss gewohnt und verzeihen so einen Moment schnell. Aber der Mensch hat die Verantwortung, sich Gedanken zu machen, wie seine Hilfen und Hilfsmittel auf das Tier einwirken - und mit diesem Wissen dann mit der entsprechenden Sorgfalt und Aufmerksamkeit zu führen, zu fahren und zu reiten.


    Meine Lösung fürs Führen mit/ohne Gebiss: Aus (Versicherungs-)Sicherheitsgründen tragen meine Esel bei unseren Packtierwanderungen eine Trense unter dem Halfter. Die Zügel liegen gegen runterrutschen gesichert über dem Hals. Geführt wird am Halfter, ohne dass dabei das Gebiss beeinflusst wird. In entsprechenden Situationen (Straßenverkehr usw.) kann ich die Zügel zusätzlich zum Strick mit in die Hand nehmen. Dabei versuche ich, den Strick kürzer als die Zügel zu fassen, so dass Zug zuerst auf den Strick kommt.

    Edited once, last by schecki ().

  • Ausreiten gehe ich mit Knotenhalfter unter dem Reithalfter. An dem Knotenhalfter ist ein Führstrick, welcher um den Hals gelegt ist. Wenn ich mal führen muss, mach ich das am Knotenhalfter.

  • Pferde mit Trense an einander zu koppeln ist doch schon fast Tierquälerei.


    Meine beiden Pferde hab ich heute trennen müssen um sie heil von der Koppel zu kriegen. Hier sind die Bremsen ganz schlimm… Also musste einer vor mir gehen und der andere hinter mir. So konnten sie sich nicht zanken. Sind aber auch nur ca 20m auf öffentlichem Weg und wenig befahren…

  • Was die Koppelei betrifft, denke ich nicht, dass das irgendjemand mit Trense macht (vor allen Dingen aus dem Grund nicht, dass eine trense wirkungslos beim Zurückweichen eines Tieres ist bzw in diesem Fall einem Halfter deutlich unterlegen, begrenzen tue ich ja bei koppel stets nach vorn via Pietsche/gerte also brauch ich nur Schutz nach hinten und hier ist halfter sicherer), sondern das am halfter gekoppelt wird und das Handpferd zusätzlich ein Gebiß/Kette/Knotenhalfter trägt, so jedenfalls mach ich das....mfg Kirsten
    Übrignes geführt zu spät reinhohlen im hochsommer, funzt hier nur via decken+hohem tempo, also in diesem seltenen fall hab ich decken für alle mit und leg die auf Kopple drauf vor dem Führversuch (morgens um 8.00 schonmal 16 Breemen (daumendick/daumenlang, stark beißend, laute Fluggeräusche) auf der kruppe gezählt hab.....
    mfg Kirsten

  • Wenn ich die Unterhaltung hier lese, kommt mir Spontan Island in den Sinn. Da hat man all die Probleme nicht. In Island kennt man keine Halfter. Da wird am Gebiss geführt, am Gebiss angebunden usw. Nicht nur dass man viel weniger Material benötigt und somit Geld spart, man wäre anscheinend für alle Gesetze bei Unfällen gewappnet.


    In der CH hat bis vor ein paar Jahren kein Hahn danach gekräht mit was das Pferd geführt wird. Einzig wäre man auf die Idee gekommen 5 Pferde gleichzeitig zu führen und wäre dann ein Unfall passiert, die Versicherung hätte wohl Regress genommen. Aber Live miterlebte Unfälle mit Knotenhalfter (geritten) und Reiter ohne Helm, tödlicher Ausgang fürs Pferd, übler Blechschaden am Auto sowie schwer verletzte Reiterin und leicht verletzter Autofahrer, da hatte niemand die Zäumung oder sonst was angefragt.


    Ich habe damals beim Abschluss der Versicherung bewusst nach gebisslosem Reiten etc. angefragt. Ich bekam von der Versicherung die Antwort, ein Pferd sei ein Fluchttier und man müsse beweisen könnn, dass unter normalen Umständen das Tier mit dem genutzten Zaumzeug händelbar sei.

  • Ich war auch schon lange nicht mehr hier und sogleich sprang mir dieser Beitrag ins Auge.
    Ich danke Heiner Natschak für die fundierte Aufklärung und muss die super sachliche Diskussionskultur wieder einmal loben. Das gibt es nur hier!
    Pegidala muss ich zu 100% zustimmen: ich führe auch lieber mit Knotenhalfter und langem Strick als mit Trense, was vor allem beim Wandern mit Pferd für beide Seiten schnell sehr unbequem wird.
    @ Heiner Natschak, da hatte ich ja noch Glück.......Meine Stute ist nicht durchgegangen als wir auf der Straße mir der Kutsche einem Liegefahrrad begegnet sind......Sie war sehr verängstigt aber für alle ist diese Situation GsD gut ausgegangen

  • weil es zum Thema passt: im Zeitschriftenhandel gibt es aktuell das Heft 2/2017 (Juni-Sept.) der Zeitschrift (?) "Dressur Studien Fair zum Pferd". Es ist eher ein Din A5-großes Buch als eine Zeitschrift. Schwerpunktthema, d.h. ca. 3/4 des Heftes, sind gebisslose Zäumungen. Zum Einstieg wird die Wirkung von Gebissen knapp, aber auf dem aktuellen Stand zusammengefasst, anschließend viele gebisslosen Zäumungen mit Pro und Kontra vorgestellt.

  • Es ist doch Hanebüchen.


    Nachbar ist Müllaster-Fahrer und hat beim zurück stoppen mit seinem blinkenden und piepsenden Müllaster einen kleinen Jungen überfahren. Tot. Nachbar ist seines Lebens nie wieder froh geworden, egal welches Urteil, da kannste noch so viele Gerichtsurteile, Statistiken und Bürohengste galoppieren lassen = Unfälle passieren.


    Haltet die Öhrchen steif. *Toi*Toi*Toi*

    besten Gruß :-]

  • Sobald er irgendwo Gras sieht oder riecht bewegt er sich, zwar gemächlich, aber sehr bestimmt dahin, um zu fressen. Und nur mit einem Halfter habe ich keine Chance, die 550 kg von ihrer Absicht abzuhalten.

    Ist das Dein Ernst? Das ist doch keine Kraft-, sondern eine Erziehungsfrage. Ich hatte einige Jahre Deckbetrieb und bekam öfter Stuten mit genau diesem Verhalten. Passte der Besitzer mal nicht auf, lag er neben dem Kopf seines Pferde im Gras. Nach 2 Tagen gingen die bei mir alle manierlich am Halfter. Mit einem Pferd, bei dem nicht mal das klappt, würde ich mich gar nicht vom Hof trauen.

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