Mit Kind und Kegel auf Planwagen-Tour

  • Der ETCD plante eine Reit-Familien-Freizeit am Altmühlsee für den Mai 2016. Schnell war für mich klar, dass ich meine Pferde nicht mit dem Hänger dorthin transportieren werde, sondern dass ich eine Planwagen-Tour ins romantische Altmühltal mache.
    Ich begann zu planen, welche Route ich nehmen kann. Dabei muss ich ganz besonders darauf achten, dass keine großen Steigungen dabei sind, da das die Pferde nicht schaffen können. Ich favorisierte eine Strecke über den Schönbuch, durchs Neckartal, durch den Schurwald ins Remstal, streifte etwas den Welzheimer Wald, wollte über die Ellwanger Berge ins Altmühltal nach Wald bei Gunzenhausen. Schwierige Strecken fuhr ich vorher mit dem Fahrrad, damit ich sicher sein konnte, dass es keine Unwegsamkeiten unterwegs gab.
    Wie schon im letzten Jahr bestand die Mannschaft aus meiner Tochter Nicole mit ihren Söhnen Lasse (7) und Laurin (5), unserer Freundin Tabea mit ihrem Sohn Colin (7) und aus mir als kutschierende Oma.


    Hier nun der Tagebuchauszug unserer Fahrt, damit man nachvollziehen kann, dass eine solche Tour keinesfalls langweilig ist.


    Freitag den, 13. Mai 2016 Fahrt von Neubulach nach Holzgerlingen – 36 km


    Den ersten Tag fuhr ich mit meiner Freundin Elke als Beifahrerin, da die anderen Mitfahrer noch Schule hatten. Bei der anfahrt zum Stall gab es erstmal einen riesig großen Schreck: direkt vor der Koppel war ein Großaufgebot an Sankas und Polizei. Oh. Gott – hoffentlich sind die Pferde nicht auf die Straße gerannt. Aber alles war gut für uns.
    Nach dem ersten Schreck sind wir dann bei regnerischem und kalten Wetter problemlos gestartet. Die Pferde merken gleich, wenn es auf große Fahrt geht. Sie verhalten sich vorbildlich und sind vor allem sofort dem starken Verkehr in unserem Ballungsraum gewachsen. Oft bleibt uns als Kutscher die Luft weg wie knapp die Auto- und Lastwagenfahrer knapp an den Pferden vorbei fahren. Am Ziel auf dem Schlosshof in Holzgerlingen werden wir freundlich empfangen und die Pferde gut in Paddockboxen untergebracht. In dieser Nacht fahren wir nochmals nach Hause zum Schlafen.


    Samstag, den 14. Mai 2016 Fahrt von Holzgerlingen nach Neckartailfingen – 26 km


    Alle Mann mit Sack und Pack fallen auf dem Schlosshof ein um den Planwagen zu packen. Es ist immer wieder erstaunlich wie viel in diesem Raumwunder Platz findet.
    Nach dem unsere Zigeunerexpress gestartet war gab es bei der ersten Ausfahrt aus dem Schönbuch gleich einen Schock: Schranke geschlossen. Doch da passte zum ersten Mal mein mitgeführter Schrankenschlüssel und Tabea schloss auf und ließ uns passieren. Die Fahrt führte durchs Schaichtal nach Dettenhausen und weiter durch den Schönbuch Richtung Waldorf-Häslach. Im Wald versperrte ein PKW unserer Weiterfahrt. Der Fahrer war ein Förster! – aber ein ganz netter! Es freute sich über unser Gefährt, machte freundlich den Weg frei und verlor keine Silbe darüber, dass wir eigentlich mit der Kutsche gar nicht in den Wald dürfen. Zum ersten mal haben wir die Trailmagic gespürt. Danach liefen die Pferde zu Bestform auf und zogen die Kutsche im flotten Galopp den Berg rauf. Beim Reitverein in Neckartailfingen sind wir freundlich begrüßt worden. Alle staunten über unser Gefährt und waren stolz, dass wir bei ihnen Quartier machten. Da das Wetter immer noch kalt und regnerisch war, boten sie uns an, dass wir im Reiterstüble unser Matratzenlager aufschlagen können. Gerne haben wir davon Gebrauch gemacht. Schon wieder Trailmagic.


    Pfingstsonntag, den 15. Mai 2016 Fahrt von Neckartailfingen nach Hattenhofen im Schurwald – 33,5 km


    Unsere Nichte Lisa brachte uns schon um 7 Uhr Frühstück. Das ist ein Service! Der Abschied viel schwer, da alle besonders nett waren. Die Ortdurchfahrt von Nürtingen war problemlos, da am Sonntag Vormittag fast kein Verkehr herrschte. Danach durchfuhren wir das traumhaft gelegene Tiefenbachtal und fuhren Richtung Hahnweide, ein großer Segelflugplatz. Am Bürgersee machten wir Mittagsrast und da wurden unsere Jungs mit Pommes Frites verwöhnt. Bei der Kälte tat das gut. Wir genossen die warme Gulaschsuppe. Bei der weitere Fahrt war eine Weg leider zu schmal für den Planwagen. Also musste Nicole schnell eine Alternativroute herzaubern. Der Weg führte etwas den Berg hinauf. Dann aber mussten wir einen besonders steilen Weg runter. Eine Alternative gab es nicht. Zur Sicherheit ließen wir die Jungs aussteigen. Ich bremste was die Bremsen hergaben, Nicole und Tabea beschwerten mit ihrem Gewicht die Kutsche hinten und bremsten zusätzlich bis fast die Absätze qualmten. Trotz blockierten Rädern blieben die Pferde ganz ruhig und liefen ganz langsam den Schotterweg nach unten. Geschafft! Am Ziel in Hattenhofen bot auch dien sehr nette Familie Kälberer uns eine Übernachtungsmöglichkeit in der Sattelkammer an. Schon wieder Trailmagic.


    Pfingsmontag, den 16. Mai 2016 Fahrt von Hattenhofen nach Lorch im Remstal – 23,5 km


    Frau Kälberer räumte am Morgen ihr Arbeitszimmer aus und heizte es für uns, damit wir im warmen frühstücken konnten. Auch das ist Trailmagic. Es war immer noch kalt. Nachts ca. 3 Grad und tagsüber 10 Grad. Und jetzt kam der Regen auch noch sehr unangenehm von vorne gegen den Planwagen. Außerdem war heute viel Straße zu fahren, was ich möglichst vermeide. Aber manchmal geht es nicht anders. Bei unserer Fahrt drehten wir Lehrfilme über die verständnislosen Autofahrern. Sie können in der modernen Zeit einfach nicht mehr mit Kutschen umgehen. Von Wäschenbeuren fuhren wir durch das romantische Beutental zu unserem Quartier. Auch da bot uns die Besitzerin ein Matratzenlager im Backhaus an. Trailmagic! Wir feuerten den Holzofen an und genossen das warme Quartier.


    Dienstag, den 17. Mai 2016 Fahrt von Lorch nach Schönhardt bei Iggingen – 24 km


    Nach einer guten Nacht im Backhaus erwartete uns ein Wellnessfrühstück. Herz, was willst du mehr. Das Wetter besserte sich auch etwas. Es hatte aufgehört zu regnen. Die Strecke führte durchs Remstal ins herrliche Haselbachtal. Am Ende erwartete uns ein 2,5 km langer steiler Aufstieg nach Mutlangen. Da er für die Pferde mit dem voll beladenen Planwagen nicht zu schaffen war, hat sich ein Freund bereiterklärt, Nicole mit den Kindern und dem schwersten Gepäck rauf zu fahren. Mit der nun leichten Kutsche schafften es die Pferde spielen den Berg hoch nach Mutlangen. Trailmagic. In Brainkofen fuhren wir mit dem Zigeuner-Express auf den Edeka-Parkplatz um einzukaufen. Das sieht man auch nicht alle Tage. Am Ziel wurden wir in einem FN-Reitstall in die Ecke verfrachtet und geduldet. So kanns auch gehen. Und wir haben jetzt endlich gezeltet. Den Jungs hats gefallen und da es nicht mehr ganz so kalt war, war das auch für uns in Ordnung.


    Mittwoch, den 18. Mai 2016 Fahrt von Schönhardt nach Dalkingen-Weiler bei Ellwangen – 34 km


    Nach einer sehr kalten Nacht im Zelt frühstückten wir eingemummt in dicken Pullovern im Garten. Wenigstens konnten wir in der Reithalle gegen Münzen einen heißen Kaffee aus dem Automaten ziehen. Die Fahrt führte über Dewangen nach Faxenfeld und runter ins Kochertal nach Hüttlingen. Mittagsrast gab es diesmal recht spät. Etwa 2 Kilometer nach der Weiterfahrt bemerkte Tabea, dass sie ihr Handy vermisste. Also Kommando zurück. Glücklicherweise lag es noch auf der Wiese. Trailmagic. In Weiler erwartete uns die gesamte Familie. Gleich wurden wir herzlich empfangen und die Pferde durften auf eine große Koppel. Der Metzger hatte auch noch geöffnet und wir besorgten noch Würstchen fürs Grillen. Die Jungs fuhren mit zahlreichen Fahrzeugen wie wild durch den Hof. Auch in diesem Quartier erhielten wir ein tolles Matratzenlager im Dachgeschoss und auch eine Dusche. Welcher Genuss! Lange saßen wir am Lagerfeuer zusammen und erzählten.


    Donnerstag, den 19. Mai 2016 Fahrt von Weiler nach Mönchsrodt bei Dinkelsbühl – 24 km


    Heute war mein Geburtstag. Und der begann ca. 12 km von meinem Geburtsort entfernt.
    Tabea überreichte mir einen traumhaften Wiesenstraß, den sie kurz vorher gepflückt hatte und Familie Löffelad bereitete uns in der Küche ein köstliches Frühstück. Die gesamte Familie versammelte sich für unsere Abfahrt im Hof. Bei einem so herzlichen Quartier fällt der Abschied immer besonders schwer. Mittagsrast gab es an einem See. Schon unterwegs fing Tabea Fliegen, da sie mit den Jungs Angeln basteln wollte. Sie haben fleißig gebastelt und auch geangelt – aber leider (oder glücklicher weise) keinen Fisch geangelt. Schnell waren wir an unserem letzten Übernachtungsziel in Mönchsrodt. Hier war wieder Zelten angesagt. Vier Personen schliefen in den schnell aufgebauten Zelten und zwei konnten im Planwagen schlafen. Da Grillen auf dem Programm stand, durften die Jungs endlich Lagerfeuer machen. Zur Feier des Tages hatten unsere Gastgeber noch einen Sekt spendiert. Auch da saßen wir mit dem Hausherr noch lange am Lagerfeuer.


    Freitag, den 20. Mai 2016 Fahrt von Mönchsrodt nach Wald am Altmühlsee – 33,5 km


    Das Frühstück war wieder mal reichlich und gut und die Stimmung der Mitfahrer auch, da es im Zelt gemütlich und warm war. Schnell waren die Zelte verstaut. Die Radler halfen uns vor ihrer Abfahrt noch die Kutsche wieder auf den Weg zu schieben. Die Fahrt war kurz und alle waren schon auf das Reiterhotel gespannt. Bei der Ankunft dort erwartet uns schon mein Mann Klaus um den Planwagen mit dem Anhänger wieder nach Hause zu transportieren. Auf dem Hof herrschte ein heilloses Durcheinander. Aber schnell war die Kutsche ausgeräumt und auf den Anhänger geladen. Klaus fuhr nach Hause um am nächsten Tag mit unserm dritten Pferd wieder zu kommen.


    Da das Wetter bei dieser Tour nicht ganz mitspielte war die Trailmagic besonders wichtig und hat uns nie im Stich gelassen. Das ist das besondere am Reisen wie wir das machen. Egal wie schwierig die Situation ist – es gibt immer eine Lösung und einen Weg. Wir waren glücklich und zufrieden über acht wunderbare Tage mit dem Zigeuner-Express.

  • Wir sind schon seit mehreren Jahre einmal im Jahr auf diese Weise unterwegs. Beim ersten Mal war der Kleine noch ein Pampers-Kind mit 1,5 Jahren. Wenn ich frage, ob sie wieder mitgehen heißt es immer: jaaaaaa, aber nächstes Mal länger! P.S. Das ist ein SAWA-Liberty und ich bin vollauf zufrieden. Dieser Reisewagen lässt keine Wünsche offen.

  • Toller, Bericht, tolle, Bilder, schöne Strecke :thumbsup:
    Am Bürgerseekiosk wart ihr an Pfingstsonntag sicher eine Attraktion. Früher waren wir da öfter zu Pferd, die sind am Ende fast durchs Kioskfenster geschlüpft, weil da immer trockenes Brot für sie raus kam :D .


    Wünsche Euch noch viele tolle und unfallfreie "Trailmagic"-Momente


    Jörg

  • Klingt nach einer wundervollen Reise!
    Toll zusammengefasster Bericht!


    Ich seh das wie die Enkel: Länger! Dann gibts mehr zu lesen ;)

  • Hallo,
    da kann ich mich allen Anderen nur anschließen.
    Was für ein schöner Bericht,und euch weiterhin
    immer eine gute Fahrt zusammen!
    Grüße aus Nordhessen :-]

  • MaritaundUwe: Schönes Gespann habt ihr. Aufgrund des Planwagens schließe ich, dass ihr auch fleissige Wanderfahrer seid? Über Berichte freuen wir uns immer sehr

  • Bei uns war das Bild ähnlich, dh weite teile der Reisen jedes kid vor irgendeinem Elektronikmüll separat hockend, so dass hier gilt: wenn wir fahren, dann nur ohne Strom, punkt. Hat deutlich eine Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb der Kidsgruppe gebracht (allerdings eine Ausnahme: Jo darf bei mehrtagestouren PS mitnehmen, sonst bekommt der Rest nämlich massive Sorgen)! mfg Kirsten

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