Truchenwagen

  • Guten Tag,
    möchte Euch unser bestes Gefährt und gleichzeitig eine kleine regionale Besonderheit aus unserem Ort vorstellen.



    Bei uns wird der Wagen "Truchenwagen" benannt und ist aus den klassischen Leiter- bzw. Truhenwagen entstanden.
    Es handelt sich dabei um einen Wagen den ein örtlicher Schmied nach dem Krieg aus alten PKW-Achsen gebaut hat. Die Wagenform ist nichts
    Aussergewöhnliches, noch heute sind ähnliche Modelle häufig in Polen und Rumänien unterwegs.
    Das Besondere der Unterämter Truchenwagen ist die Achschenkellenkung. Dadurch hat man auch auf unebenen Feldwegen einen ruhigen Deichsellauf und es besteht nei die Umsturzgefahr beim Einschlag.
    Durch die geringe Höhe der Ladefläche ist das Be- und Entladen sehr bequem: z.B. den Pflug oder die Eggen.
    Die Wagen wurden in zwei Größen gebaut: für Kühe und für Pferde. Ich hab ein Kuhwägele, was von der Größe optimal zu den Haflingern passt. Der Aufbau ist komplett abnehmbar, dann hat man einen Langholzwagen.
    Meine Frau und ich lieben diesen Wagen, da er unglaublich praktisch ist, man alle Kinder drauf bringt und ihn allein in die Scheune schieben kann. Bei entsprechender LAdetechnik bekommt man mindestens so viel Heu und Stroh drauf, wie auf einen Plattformhänger vergleichbarer Größe.
    Das obere Brett der Seitenwände kann horizontal gestellt werden, je nachdem was transportiert werden soll.
    Wir fahren unsere jungen Pferde immer mit dem Wagen ein.
    Hier ein Bild bei der Abfuhr des Gartenschnitts mit angehängtem PKW-Anhänger:



    Hier Details von der Achsschenkellenkung. Mein Modell hat einen Einschlagwinkel von über 45°. Es gibt andere Modelle, die etwas beschränkter im Einschlag sind und später entwickelte mit fast 90°


    hier noch ein Bild eines anderen Modells mit weniger Einschlagwinkel. Dafür Stahlrahmen an der Pritsche und noch leichter als der zuvor gezeigte Wagen:





    Inzwischen sind viele dieser Achsschenkelwagen verschrottet und nur noch wenige im Umlauf. In der Starken Pferde wurde vor einem Jar mal einer ausgeschrieben. Alle paar Jahre taucht mal wieder einer in einer Scheune hier in der Gegend auf.


    Grüße
    Florian

  • danke für die Vorstellung, echt schöner Arbeitswagen. vor allem handlich, was bei kleinen höfen unabdingbar wichtig ist.

  • Ist so ein Arbeitswagen irgendwie gefedert oder immer ohne Federung? Jetzt ist meine Kinderzeit ja rum und die Wagonette hat mir toll geholfen, aber die kids wäre vermutlich lieber mit diesem Wagen hier unterwegs gewesen als mit einer Kutsch....mfg Kirsten

  • hallo hafiking, einfach genial was du da bewegst. :)


    gruss

    :] " Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten." :]

  • Hallo, Florian,


    ich traue mich jetzt mal, eine ganz saudumme Frage zu stellen - vorausschickend, daß ich euer Gefährt praktisch finde.


    Um also besser zu verstehen: euer Truchenwagen hat keinen Drehkranz, sondern die gut fotografierte Achsschenkellenkung, die einen beachtlichen Einschlagwinkel zuläßt.
    Dadurch kann der Boden des Wagens tiefer liegen und ihr habt bequemes Laden/Entladen. Richtig? Bis jetzt dachte ich, der Drehkranz sei quasi der Ausgleich für die große Länge eines Gespanns und könne, weil der Einschlagwinkel enorm ist (das rechte Pferd kann bei Rechtsumkehrt vom Fahrer gestreichelt werden:-) trotzdem für einen einigermaßen praktikablen Wendekreis sorgen ("auf dem Teller wenden"). Auch richtig? Habt ihr dann mit dem Truchenwagen nicht einen größeren Wendekreis und möglicherweise Probleme beim Manövrieren?


    Danke im voraus.


    Es grüßt mit Hü und Hott
    Die Ardennerin

  • Hallo Ardennerin


    die Achsschenkellenkunk ist hauptsächlich in Regionen die stark hangig sind, bei uns zum Beispiel sind die Weidnerwagen. Sie kippen am Hang nicht so schnel um das ist der grosse Vorteil.


    Im Wenden sehen sie alt aus gegen einem Drehkranz da must du auch schon mal zurückstoßen um zu wenden oder einen kleinen Umweg fahren mit einer Achsschenkellenkung ist aber mit dem Vorderwagen mit Anhänger auch so.


    LG Manuel


    PS Danke Florian für den Beitrag und die Bilder ein geschikter Wagen

    Zitat Ralf Zauner: " Kannst Du schon mit Pferden arbeiten?



    Oder musst Du noch Traktor fahren?"

    (11.09.1965-22.10.2015)


    Unsere HP : ....kochertaler-fuhrhalterei.de


  • Hallo, Manuel,


    lieben Dank für die Erklärung.


    Ich habe einfach nicht weit genug gedacht, merke ich. Wieder etwas gelernt!
    Und schon fällt mir die nächste Frage ein - ist es die Achsschenkellenkung oder der dadurch mögliche tiefere Schwerpunkt, der die Wagen kippsicherer macht?
    (wegduck...)



    Es grüßt mit Hü und Hott
    Die Ardennerin

    Edited once, last by Ardennerin ().

  • Hallo Ardennerin,


    Zum einen ist der niedrige Schwerpunkt sicher etwas das Stabilität gibt. Zum Anderen kann dieser Wagen nicht über den Drehkranz kippen und so umfallen. Gerade, wie Manuel ja schon schrieb, in hangigen Lagen ein Vorteil.

    Das einzig Beständige ist der Wandel :!:

  • Guten Abend,
    die Vorredner haben die Vorteile der Achsschenkellenkung sehr gut beschrieben. Nun gibt es bei unseren Wagen hier eine richtige Entwicklungsreihe von etwa 1945 bis 1960.
    Zuerst wurden die Wägen gebaut, die vom Einschlagwinkel mit einem traditionellen Leiterwagen vergleichbar sind. Später wurde die Lenkung verbessert, dass ist dann die Variante, die ich oben gezeigt habe. Noch etwas später ist die Pritsche nach oben gewandert und die Achsschenlelenkung wurde so verbessert, dass man die Deichsel 90° einschlagen kann und damit auf dem Teller wendet. Einen dieser Wagen habe ich zum Planwagen umgebaut.
    Ich stell mal ein paar Bilder ein, wenn ich das nächste mal angespannt habe.
    Grüße
    Florian

  • Hallo, ihr Lieben,


    @Florian
    Ja, bitte, unbedingt zeigen hier. Danke für die Erläuterungen und den interessanten Thread.


    @Scheef
    Zunächst nur Danke - ich muß erst überlegen, wie das ist mit dem "Über-den-Drehkranz-Kippen":-; Meinst Du vielleicht, daß der Wagen hinten und die Pferde vorne Erdkontakt haben, während der bewegliche Drehkranz in der Mitte labbrig wird, wenn Kippen droht? (kann es nicht besser sagen)


    Es grüßt mit Hü und Hott
    Die Ardennerin

  • Hallo, Hans-Georg,


    danke. Du magst Recht haben, allein mir fehlt die Anschauung. Ich glaube, ich muß das mal praktisch ausprobieren gehen, dann komme ich vielleicht dahinter, warum Wagen mit Drehkranz bei starkem Einschlag nicht mehr an vier Punkten den Boden berühren. Ich habe das bisher noch nie bemerkt. Ähem.
    Aber ich will euch nicht länger aufhalten... ich bin schon sehr zufrieden.


    Es grüßt mit Hü und Hott
    Die Ardennerin

  • Das mit dem Drehkranz ist ein Problem, was schon viele Fahrer beim allein Fahren getroffen hat.
    Bei sehr kurzen Wagen kann es zu Stürzen kommen. Einfach mal ein Gäuwäglechen oder einen Marathonwagen stark einschlagen und etwas auf den Fahrersitz drücken. Viele Wagen kippen dann bereits, wenn hinten nichts drauf ist.
    Bei langen Wagen ist die Gefahr nicht so groß, bei Arbeitswagen und voller Ladung kann es aber auch zum Kippen kommen.
    Deshalb gibt es für gewerblich verwendete Planwagen eine Empfehlung (oder Vorschrift?) der BG den Achseinschlag zu begrenzen.
    Grüße
    Florian

  • Jupp, das war genau der Grund warum mir dein Wagen so gut gefiel, niedrig und "unkippbar" ist ja bei Berg nicht unwichtig. Es ist mir unerklärlich, warum Buggy zb nicht generell mit Lenkeinschlag verkauft werden, akut kann bei meinem Pferd so weit unter Kutsch drehen bis Wagkasten am hintern begrenzt, kippelig wird es aber bereits bei mehr als 45°. Ein sehr leichter Wagen mit Lenkeinschlag müsste doch dann im Extremfall (starker Scheuer) mit der hinteren Achse einfach rumgedrückt werden? mfg Kirsten

  • Hallo, ihr Lieben,


    nun ist der Groschen gefallen!


    Ich habe hier eine Art mittellangen Jagdwagen - mit Drehkranz, aber auch viel Metall und Autoreifen. Das Ding ist auch im Hang recht kippstabil. Ich weiß es, weil wir scheuenderweise zweimal eine steile Böschung runtergerauscht und anschließend wieder hochgeklettert sind, bevor ich großartig Angst bekommen konnte:-). Seitdem weiß ich, was ich an diesem Wagen habe. Er wird also nicht so schnell gegen Marathonwagen oder Buggy ausgetauscht werden, obwohl das sicher schicker bzw. eleganter wäre.
    Aber so ein Arbeitswagen? Mal sehen.


    @Kirsten
    Ist Dein Buggy längs- oder quergefedert?


    Es grüßt mit Hü und Hott
    Die Ardennerin

  • Ardennerin: charakteristisch für den Buggy ist der Langbaum und die Querfederung. So habe ich's gelernt. Ich kenne auch keine anderen, ich habe mich mit mehreren Fahrern unterhalten und weiss von vielen, dass sie wg. der Querfederung mehr schaukeln und angeblich leichter umkippen sollen. Da mein Buggy zusätzlich hinten mit Stoßdämpfern ausgestattet ist, kann ich das so aber nicht beurteilen. Bei Camillas Kapriolen am Anfang unserer Fahrerkarriere ist er jedenfalls nicht umgekippt.
    Übrigens: Toller Thread!

  • hallo Florian,
    hattest du inzwischen bilder von deinem Planwagen gemacht?
    oder sonst vielleicht bilder ohne angespannte Pferde?

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