100% still stehen

  • Hallo,


    die Winterzeit möchte ich nutzen, die Ausbildung meines Ponys zu verfeinern. Ich wünsche mir, dass mein Pony lernt, vor dem Wagen absolut ruhig zu stehen, wenn ich das verlange.


    Das Pony ist vom Grundtemperament her sehr quirlig und Stillstehen nun wirklich nicht seine Lieblingsaufgabe. Aktuell steht er nur leidlich, d.h. meistens, manchmal zappelt er herum, geht z.B. Rückwärts oder seitlich. Daran möchte ich arbeiten. Gefahren wird er ausschließlich einspännig.


    Wie habt ihr euren Pferden beigebracht, wie eine Statue zu stehen? Trainingsschritte, Tipps?


    Gruß Tina

  • Peter Pf.ister hat das meiner Connemara-Stute sehr eindrücklich auf Lebenszeit vermittelt.


    Sie stand etwas unruhig in der Vorstellungsrunde des Kurses neben mir. Eigentlich nur insoweit nervig, dass ich sie nicht direkt neben mir hab stehen lassen, sondern immer auf Abstand zurückgeschickt habe. (Weil alle anderen mit Abstand stillstanden. Mich störte es null.)


    Peter hat sie sich kurz drauf geschnappt, mit dem schweren Bodenarbeitsseil gerudert wie irre und sie so rückwärts gezwungen. Für sie purer Streß, den sie auch erstmal mit ansteigen quittiert hat (extrem unsicheres Pferd, das aber dominant wirkt).
    Er ist dran geblieben und hat sie dann irgendwann in die Ruhe entlassen.


    Seitdem weiss sie im Zweifel, das leichtes Strickschlenkern absolutes Stillstehen bedeutet.
    Paradoxerweise war für sie das Stillstehen nach dem Kampf so eine Erleichterung, dass sie nun tatsächlich totale Entspannung damit verknüpft. *rofl*


    Nochmal in DER Form würde ich es nicht zulassen, finde die Idee nur nicht grundsätzlich verkehrt.
    Die Schwelle ist, je nach Pferdetyp, nur schnell überschritten.


    Mein Zappelshetty steht glücklicherweise wie festgeschraubt, sobald man Fahrleinen anhängt.
    Warum auch immer - ein Hochgenuß ;)

  • Ich werd den Winter natürlich auch nochmal an bestimmten Themen arbeiten, aber Stillstehen auf Distanz bin ich seit 2 Jahren als Vorbereitung Zirkus dran und durchs viele fahren sind die mittlerweile echt gut darin, ich glaub so speziell muss ich das nicht üben, dafür ist hier generell viel zu viel Chaos, es kommt oft vor, dass ich angespannt wieder abspannen muss oder Pony angespannt mal 1-2 Stunden rumstehen, die sind in punkto stillstehen bei Abfahrt mittlerweile megagechillt, und es kommt immer mehr, dass auch durchparieren nach 10 bis 1000 meter kein Drama mehr ist, aber hier werden wir den Winter nochmal richtig drangehen, weil ich doch tüddelig werd und es wär fein , wenn man grad nachbar nochmal die Leinen oder Gespann in die hand drücken könnt für 2-5 Minuten. Erstens fand ich dein ponikel sehr gut erzogen, zweitens könnt es sein, dass es einfach wirklich länger dauert bis die Geschirr und anspannen als völlig natürlich akzeptieren, hier dauerte das pro Alt-Pony bisher ungefähr 2,5 Jahre, Flitz 1,5 jahre. ich würd trippeln und flippen am besten mit Kinderschlitten und 1-2 Sack Zement angehen, denn dann ist die grenz (es darf definitiv nicht angezogen werden) klarer als so ein Sulky. Und anziehen von Schwerlast mehrfach hintereinander in aller Ruhe ist sehr bildend für Roß und Mensch. Die Übung, die bei Flitz den Durchbruch brachte war: "alle Füße bleiben am platz" kind daneben mit Pietsch und bis 20 minuten korrigieren Pony mit Halfter und laaangem Strick, dabei möglichst spannendes Kino vor Pony (zb HD-Reiniger Maschinenwaschen oder sowas), Kommando sitzt bis heut und ist bei dem pony extrem praktisch im Alltag. Es Flitz darf sich immer verrenken wie es mag, aber die hufe dürfen nicht um 5 cm bewegt werden, anders hätt die das festsetzen vermutlich nicht geschafft und wir hatten immer was zu lachen, was Flitzekind so alles mit einbetonierten hüflis noch anstellen kann ist enorm! Du könntest deinem vielleicht auch noch bißle was zeigen wie er Dampf ablassen kann bei einbetonierten hufen, (wir haben zb direkt neben pony hinter Garagenwand was gespielt -fernlenkauto- und Pony hat versucht ums Eck zu peilen ohne hinzufallen wegen der einbetonierten hufe...funzt auch sehr gut direkt hinterm pony, nur brauchst du 2. Person bzw Fernlenkauto) mfg Kirsten
    Thema Pfister ist wieder Kadavergehorsam, genau das was ich bei meinen Pferden nicht haben will, der arme Ben wurd im Vorleben derart geprügelt, dass er auch im jahr 3 immer noch 1-3 mal anfragt ob grasen vor Kutsch, unterm reiter, an der hand io ist (ich wünsch, dass meine sofort grasen, wenn nix bzw was besonderes anliegt, weil mir das mit den kids oder sonstigen Mißgeschicken am meisten hilft, wenn herdenrest gemütlich speist)

    Edited once, last by Bennyblue ().

  • Im Gelände erst große Gegenstände "verstecken" und dann mit angeschirrtem Pony suchen gehen (ich würd echt simpel "verstecken" und absteigen, dabei massiv mit Peitsch bewachen und Pony an longe angegürtet haben). Ist für die Pferd deutlich einfacher, wenn sie den Sinn des Anhaltens kapieren. Dann Gegenstände verkleinern (diese ostereierli mit 2 cm Durchmesser sind extrem nützlich) und am Schluß frei. Sehr gut zum Üben sind Anhaltegründe aus höherem Tempo , da knabbern meine gern noch dran (wieso denn jetzt???, komm laß uns doch erst noch die rennstreckke fertig galoppieren, danach komm ich auch gern mit und helf suchen...). mfg kirsten

  • Bleibt dein Kleiner brav stehen, wenn er tiefenentspannt ist?
    Hatte das Gefühl, bei ihm ist das "hampeln" einfach eine Form der Stressbewältigung; also quasi "Ventil" (mit Stress meine ich nicht extremen Stress, sondern bereits einfach nur erhöhter Puls... vom Laufen, von der Aufregung; alles was bissl Adrenalin freisetzt). Will heißen: Ich glaube nicht, dass es wirklich trainierbar ist, dass er z.B. ins Gate kommt und "Füße einbetoniert" sicher funktioniert (naja, vielleicht nach 90 km 8) ) Besserung ist natürlich trotzdem sinnvoll und machbar :thumbup:
    DIE Idee habe ich jedoch auch nicht; vom Boden neben dem Pferd stehend ist es einfacher ein Signal zu installieren; aber von "hinter dem Pferd"... halt nur die "üblichen Sachen..." wie Konsequenz, Ruhe,...; aber das berücksichtigst du ja eh schon ;-)

    Never be afraid to try something new;
    remember: Amateurs built the Ark
    but Professionals built the Titanic...

  • Hallo,


    wenn mein Pony tiefenentspannt ist, steht er recht gut, aber nicht so still wie diverse andere Fahrpferde, die ich kenne (da habe ich bisher einfach nicht so wirklich drauf bestanden...). Ich kann jedoch mitten auf einer einladenden Galoppstrecke anhalten und 5 min stehen oder 50 m nach dem Losfahren gleich wieder anhalten (z.B. weil Mitreiter etwas vergessen haben)


    Er zappelt (anziehen, rückwärts, seitwärts) natürlich besonders dann, wenn irgendetwas aufregend ist, z.B. andere Pferde haben kürzlich überholt (das Überholen selbst ist kein Problem, wenn ich mich weiter vorwärts bewege) oder eine Verkehrssituation ist stressig: Das Pony ist zwar verkehrssicher, aber knifflige Straßenüberquerungen (eng, unübersichtlich, steil, stark befahren) führen meist zum Hampeln, während ich an einer einfachen Straßenkreuzung auch problemlos warten kann, bis mehrere Autos durchgefahren sind.


    Es kommt auch vor, dass Herr Pony hat einfach keine Lust zum Anhalten hat, laufen wäre viel toller, dann steht er ganz schlecht. z.B. auf Distanzfahrten...


    Gruß Tina

  • Ich hab diese "vorsichtige Seilschlenkern"- Spielchen immer mal zu Hause auf der Weide oder beim Spaziergang gemacht und dabei die Abstände, in denen ich um sie rumgelaufen bin, immer weiter vergrößert und die Zeitdauer ausgedehnt.


    Kriegsentscheidend war dabei, daß ich mir wirklich nen Keks abgefreut hab, wenn sie stand wie ne 1.
    Sie hatte wirklich einen irren Spaß daran, durch nichts tun Freudengequieke auszulösen und Kekse einzuheimsen.

  • Ich würd grad so Kniffelzeug (Verkehr) mit Kinderschlitten machen, einfach weil es bei Sulky keine Grenze gibt, dh ich dem pony nur übers maul und Stimme erklären kann, dass die Hampelei unerwünscht ist, jedoch ein Schlitten zumindest die Grenze vor/zurück viel deutlicher setzt. Einfahren tue ich ja mit Gig <50 kg, aber sowas dafür nehm ich dann Schlitten bzw schwere Kutsch. Eine schwere Kutsch ist in der Ausbildung sehr nützlich, womit man am End fährt ist dann doch pony/menschabhängig. mfg Kirsten

  • Nachdem wir kurz nach dem einfahren massive Probleme mit dem stehen vorm Wagen hatten (Pferd selbst durch Hilfsperson nicht gefahrlos ruhig zu halten) begannen wir auch das ruhige stehen konsequent zu clickern (+Futterlob). Heute steht er in wirklich jeder Situation sehr gelassen und ganz ohne Diskussion, jedoch muss das Training dafür auch immer wieder in den unterschiedlichsten Situationen (zB nach dem Anpannen, Straßenverkehr, Galoppstrecke, Kuhweide, Heimweg) durchgeführt werden wenn wir beobachten dass er wieder anfängt ungeduldig zu werden. Das ist zwar aufwendig und manchmal ziemlich nervig, aber meiner Meinung nach absolut gerechtfertigt wenn man bedenkt welches (unnötige) Risiko ein nicht sicher stehendes Fahrpferd bedeuten kann.

  • Das nicht-still stehen ist meist hausgemacht. Pferd einspannen und sofort losfahren. Pferd ausspannen, sofort weg von der Kutsche. Draussen durch den Wald gondeln aber nicht einmal üben ruhig zu stehen. Ich fahre aktuell ein Wallach der frisch eingefahren wurde. Sie haben beim Einfahren echt alles richtig gemacht, man kann ihn jeder Zeit im Wald anhalten, in ruhig stehen lassen, ihn wieder anziehen lassen. Und genau das wird jetzt auch fleissig geübt, mindestens 2-3x pro Ausfahrt lasse ich ihn anhalten, 2-3 Minuten ruhig stehen und erst dann geht es weiter. Auch wenn er das super macht, der soll das auch weiterhin können!

  • Guten Abend zusammen!


    Also ob es das absulut richtige ist weiß ich nicht aber bei mir hat es geklappt.
    Auch wenn ichnicht gefahren bin habe ich meine Haflinger eingespannt als wenn wir weg wollten.
    Habe alle arbeiten beimir zu Hause gemacht ( gemistet, Rasen geschnitten, Holz gesägt und gespalten )
    alles in un mittelbarer Nähe zu den Pferden.
    Habe sie dann nach zwei oder drei Stunden wieder ausgespannt und in den Stall gebracht.
    Das gleiche auch nach einem Fahren oder arbeiten und ich habe keine Probleme mit Stillstehen.
    Gruß Schumi

  • Hier gleiches Bild, es ergibt sich einfach aus dem Chaos drumrum (und dauerte zum Korrigieren mal so 1-2 Jahre bei erfahrerenem pferd)....aber auch eine Sache die ein Profi, so hilfreich der sonst auch sein mag, eher nicht korrigieren kann aus Zeitmangel! Und auch nicth Greenorests Problem, da geht es um Dampf ablassen bei nervösem volldurchtrainiertem absolut wohlerzogenem Hippel. Ich hab auch im Jahr 6 immer noch Stehenbleibsorgen, wenn Husches nervis beansprucht sind, wohlgemerkt anspannen und stehenbleiben auf den ersten kilometers klappt mittlerweile entspannt, die Entwicklung geht konstant vorwärts in Richtung braves Fahrpferd, aber wenn Madam aufdreht, dann heißt es nach wie vor Obacht und eifrig Zucker stopfen bzw Situation entschärfen, sonst wird es megabrenzlig (steigen bis Anschlag mit extremer Überschlaggefahr und oft hopsen auf den Hinterbeinen vorwärts...bei Einachser hintendran nix rares). mfg Kirsten

  • ...


    ich glaube, das werde ich mit Moritz auch vermehrt üben, sobald wir richtig selbständig sind und nicht mehr das Zeitbudget meiner Fahrlehrerin beanspruchen. Nicht, daß er nicht anzuhalten wäre, aber ob er wirklich bombenfest steht in allen Situationen - nein, wahrscheinlich doch nicht.


    Danke für die Anregungen.


    Es grüßt mit Hü und Hott
    Die Ardennerin

  • clickern auch ausserhalb vom Fahren, konsequentes Stillstehen auch ausserhalb vom Fahren, generell die Nerven stählern, dann klappt es auch beim Fahren.

  • Bei Pferden mit diesem Problem ist oft eine Überforderung beim Anfahren die Ursache .Es ist die Angst vor dem wieder anziehen ,Probiert es mal mal aus berg ab stehen zu bleiben , und wenn es nur ein Moment ist , jedes anhalten und ohne Last anziehen zu können wird länger ,das erreichte Vertrauen nutzt man dann nach Zeit von Berg ab zu langsam Berg auf . So hat es mir mein Großvater der alte Fuhrmann beigebracht .


    Gruß Hans-Georg

  • @lohmüller, da hast du mit Sicherheit im Grundsatz recht zb bei Husch triffst das vermutlich, bei der erhoffe ich mir jetzt mit beginnendem Dressurfahren und der neuen megaleichten Kutsch den Durchbruch, ansonsten gefällt mir leichte Schleppe für psychische Sorgen sehr gut. Jedoch im falle von Greenorest liegst du falsch, weil dies pony ja noch nie was gezogen hat, okay wegen Winzigkeit Pferd und der Mordsstrecken, die tina unterwegs ist, ist das schon Arbeit, aber Sulky+Floh drauf sind das keine psychischen Anziehsorgen. mfg Kirsten

  • Hallo,


    ganz vielen Dank für eure Tipps. Klicker/Lob für Stillstehen im allgemeinen Umgang und beim Fahren habe ich begonnen und Pony reagiert gut drauf. Die letzten Ausfahrten war der kleine Herr absolut vorbildlich, kein einziger Zappler auch nicht an der einen oder anderen viel befahrenen Straßenquerung.


    Unser Problem ist nicht das Stillstehen daheim beim Anspannen, Wegfahren oder Heimkommen oder irgendwo im Wald, wenn alles tiefentspannt ist. Ich fahre z.B. gewohnheitsmäßig nicht immer sofort los, warte oft vor oder nach der Ausfahrt auf Mitreiter die noch irgendwas sortieren etc. Da ist alles bestens. Auch Anziehen (am Berg) ist kein Problem: Der Sulky ist leicht (60% Ponygewicht) und Pony weiß, dass ich ihn nicht überfordere. (Wenn es ganz schwer wird, weil super-steil oder extrem matschig etc. steige ich auch ab). Bergauf gibts übrigens fast nie ein Problem, eher ist steil bergab kritisch, um das Zappeln anzufangen (Last auf dem Selett durchs Bremsen oder starkes Halten am HG - Pony neigt dann dazu den Wagen rückwärts schieben zu wollen, das klappt nicht, dann steht das Pony ganz "komprimiert" in der Schere)


    Zappelig wird es in stressigen Situationen oder in solchen, wo das Pony laufen will: z.B. unübersichtliche Straßenquerung (Fahrerin muss sich stark auf den Verkehr konzentrieren), andere Pferde laufen in Sichtweite voraus oder auch so einfache Dinge wie wenn die Fahrerin mit Passanten reden möchte, das Pony aber lieber weitertraben will, weil jetzt gerade Training angesagt ist *hüstel*


    Ich möchte die Erziehung eben so verbessern, dass mein Pony sich auch unter Stress noch daran erinnert und ruhiger steht. Die ganze Sache mit dem Nicht-Stillstehen ist ja auch selbstverstärkend: Wenn ICH gestresst bin weil ich denke dass mein Pony nicht steht, ist das Pony erst recht gestresst und steht 2x nicht.


    Gruß Tina