Hemmschuh?????

  • Hallo, unten bei der Rubrik Schwarzes Brett war vor kurzem von einem Hemmschuh die Rede. Das ist etwas womit man eine Kutsche abbremsen kann. Ich kann mir nun aber so garnicht vorstellen wie das funktionieren soll. Hat jemand eine Ahnung ob es eine entsprechende Seite im Net dazu gibt wo man sich sowas ansehen kann.


    LG Angelika

    LG Angelika =)

  • hemmschuh.gif



    Der Radschuh auch Hemmschuh oder Bremsschuh genannt, wird im Normalfall unter das rechte hintere Rad gelegt und mit einer Kette in der Mitte hinten des oberen Drehschemel befestigt. Dadurch wird der Bremszug direkt auf die Pferde übertragen und nicht über den Kasten umgeleitet.

    :) Fahren ja: aber mit Verstand :)

  • Der Wielandsche Hemmschuh (Radschuh) in der Seitenansicht


    wielandhemmschuh.gif


    Der Wielandsche Radschuh wurde speziell für asphaltierte Straßen entwickelt, durch keilförmig angebrachte Eisen kann unten ein dazu passendes keilförmiges Holzbrett reingeschoben werden. Dies Holzbrett stellt die zum Bremsen nötige Reibung her, schont die Straße und den Radschuh.

    :) Fahren ja: aber mit Verstand :)

  • Wie wurde denn den Bremmsschuh oder Hemmschuh bedient ?


    Er wurde doch irgendwie mittig im vorderenbreich des Wagens oder der Kutsche befestigt und dann mit einer Kette nachgeschleift !


    Konnte der Fuhrmann das von dort verlängern ?
    Ist einer abgestiegen und hat den Schuh untergelegt ?

    Kannst Du schon mit Pferden arbeiten ?
    Oder mußt Du noch Traktor fahren ?

  • Fuhrmann : ja hinten in der Mitte am Drehschemel (Drehbock) kannst du bei den alten Kutschen meist einen Hacken sehen, dort wird die Kette für den Hemmschuh eingehängt. Mit der Kette kann man die Länge einstellen. Ja, man muß dazu absteigen … oder hat Jemand dabei der ihn bedient.


    Bernd Amend : Der Hemmschuh darf nur unter ein Rad gelegt werden (normal das hinten Rechts, von dort kann man den Hemmschuh vom Bock aus in den Augen behalten), damit der der Wagen durch das andere Rad noch eine Führung hat, also die Spur hält.
    Das Führungsrad darf nur so stark abgebremst werden das es nicht zum stehen kommt, also nicht Blockiert, sonnst besteht nicht nur die Gefahr, daß der Wagen seitlich wegrutscht, davon abgesehen würde durch den Schmirgeleffekt der Reif abgeschliffen.

    :) Fahren ja: aber mit Verstand :)

  • Ich habe diese Form eines Radschuhes noch nicht gesehen.


    Die beiden Ketten vorne werden offenbar innen über die Felge gelegt; das kann aber nicht verhindern, daß das Rad darüber hinweg rollt. Wenn dieses Teil als Radschuh eingesetzt werden sollte, MUSS eine Kette nach vorn zum Vorderwagen führen.


    Auch als Eisreißer wäre ein Einsatz denkbar, d.h.: man schiebt dieses Teil über einen Radschuh, damit dieser unten einen rauhen Kratzer bekommt; daoch dagegen spricht das "Aufrollblech".


    Eine weitere Möglichkeit wäre der Einsatz als "Stopper" auf den vvorderen Kufen eines Holzfuhrschlittens, dann müßte er aber, um Wirksamkeit haben zu können, umgedreht aufgeschoben werden.


    Fazit: "Nichts Genaues weiß man nicht."


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Lieber Herr Nemitz,


    Danke für ihren Hilfeversuch, etwas Licht in mein Dunkel zu bringen.


    Dieses Teil habe ich in einem kleinen Heimatmuseum in der Nähe von Weiz in der Oststeiermark gesehen. Es stammt vermutlich aus diesem Gebiet und wohl auch aus dem landwirtschaftlichen Bereich. Es wurde im Museum als „Radschuh“ bezeichnet – zusammen mit einem, bei dem wir nicht raten müssen (Siehe Foto unten). Die Breite lässt mir eher ein schweres Fuhrwerk mit breiten Felgen vermuten. Wie die Fixierung mit den kurzen Ketten erfolgte, ist mir auch unklar.


    Auch an den Einsatz bei einem Holzschlitten habe ich gedacht. Die Gebrauchsspuren zeigen deutlich, wie es eingesetzt wurde – die Richtung ist mir klar. Hier kann man annehmen, dass die Ketten vor dem vorderen Joch lagen. Mir erscheint das für die Praxis aber eher umständlich. Bei uns wurden dazu normalerweise Kettten (Pinkelketten) eingesetzt.


    Ende September habe ich wahrscheinlich die Gelegenheit, mit älteren Landwirten aus dieser Gegend zu sprechen, die noch mit Schlitten Holz transportierten und mit Fuhrwerken unterwegs waren. Wenn ich etwas erfahre, werde ich berichten.


    Lange Ohren sind meine Leidenschaft! Deine auch?

  • @ Albert: Damit wir uns recht verstehen: Als Stopper für die Vorderkufen der Holzabfuhrschlitten würde dieses Teil also zweifach, auf jeder Kufe, angebracht sein müssen, da sich ja sonst der Schlitten auf der steilen Bergabfahrt vorn verdrehen würde.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • auf jeder Kufe, angebracht sein müssen, da sich ja sonst der Schlitten auf der steilen Bergabfahrt vorn verdrehen würde.


    Im sehr interessanten Buch "Waldarbeit und Waldarbeiter im Prättigau" von Werner Schmitter wird auch das Thema Bremsen des Schlittens beschrieben. Dort wird der Eiskratzer, Bremsschuh oder einfach die Kette nur unter eine Kufe geschoben, da die Holzstämme mit Ketten am Schlitten befestigt sind und dieser sich so gar nicht verdrehen kann.


    Gruss E. Schmid

  • Als Stopper für die Vorderkufen der Holzabfuhrschlitten würde dieses Teil also zweifach, auf jeder Kufe, angebracht sein müssen, da sich ja sonst der Schlitten auf der steilen Bergabfahrt vorn verdrehen würde.


    Im sehr interessanten Buch "Waldarbeit und Waldarbeiter im Prättigau" von Werner Schmitter wird auch das Thema Bremsen des Schlittens beschrieben. Dort wird der Eiskratzer, Bremsschuh oder einfach die Kette nur unter eine Kufe geschoben, da die Holzstämme mit Ketten am Schlitten befestigt sind und dieser sich so gar nicht verdrehen kann.


    Persönlich habe ich auch keine Erfahrung mit Holzfuhrschlitten. Meine Informationen stammen aus Literaturstellen, alten Fotos und Erzählungen alter Holzknechte und Bauern. Ich bin eigentlich schon davon ausgegangen, dass Bremsketten - oder hier eventuell Bremsschuhe - paarweise, bzw. beidseitig unter die Kufen gelegt wurden. Mit den Pferden wurden bei uns die Schlittenfuhren eher auf weniger steilen Wegen gezogen. Die Zulieferung dorthin, wo es eng und steil war erfolgte mit Hörnerschlitten, die von Menschen gelenkt wurden (heutztage unvorstellbar, welches Risiko bei dieser Arbeit dabei eingegangen wurde!). Hier zwei Links zu interessanten Beiträgen mit Fotos:
    >> Holzknechtmuseum Mürzsteg
    >> Schloapfn und Schlitten


    Die Blochabfuhr mit Pferden erfolgte kaum bei Glatteis, sondern möglichst bei "führigen" Schnee. Deshalb wird E.Schmids Hinweis schon zutreffen. Wobei Bloche bei uns in der Regel auf Schlitten mit Nachläufer transportiert wurden (unten ein Beispiel, wie man bei uns solche Schlitten noch häufig in manchen Tennen finden kann). Dazu habe ich gelesen, dass dort die Bremsketten unter dem Nachläufer eingelegt wurden.

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  • Diesen abgebildeten Schlitten nennen wir bei eine "Schleipfe" (Schloapfn im Dialekt); dieser Typ war nicht für Bergabfuhr von Langholz gedacht, sondern für Klafterholz,. das quer über die Schanzbäume des Nachläufers gelegt wurde und vorn und hinten mit eingesteckten Holzprügeln vorm Herunterrutschen gesichert war.


    Für Langholz nahm man für die steile Bergabfuhr nur einen Bock, sowie der vordere Teil dieses Photos ihn zeigt. Zumindest wenn, dieser Bock mit Langholz bergab fuhr, auch vom einem Mann gesteuert, legte man zwei Stopper auf die Kufen. Häufig hatte der Schlittenführer noch auf jeder Seite einen Bremsprügel in der Hand, dessen unteres Ende mit "Eisenpratzen" neben den Kufen sich in den Schnee/das Eis graben sollte. Wie schon gesagt: ein lebensgefährliches Arbeiten.


    Dadurch, daß das Langholz hinten, von einer Kette umschlungen, auf dem Boden streifte, gab es eine zusätzlich Bremswirkung.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Hallo,


    diesen Kretzer habe ich an einer bespannten schweizer Feldküche gesehen. Er dient im Winter zur Aufnahme des Hemmschuhs als Eiskratzer. Das Blech wird umgeklappt und wird zur Stabilisierung des Hemmschuhs genutzt.


    Gruß,


    Winne

  • Kann mir jemand sagen, bei welchem Fuhrwerk dieser Hemmschuh/Radschuh eingesetzt wurde?
    Diente die umklappbare Eisenlasche nur als Aufrollhilfe?
    #


    Kann mir jemand sagen, bei welchem Fuhrwerk dieser Hemmschuh/Radschuh eingesetzt wurde?
    Diente die umklappbare Eisenlasche nur als Aufrollhilfe?
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    Diese Art von Hemmschuh diente nur zum Abstellen des Wagens.Auffahren mit dem beladenen Wagen über das Abrollblech, sichern mit der Sicherungskette. Bei der Weiterfahrt wird die Kette gelöst und das Wagenrad kann frei abrollen. Zuletzt habe ich diese Art bei einem Brauereigespann gesehen.


    Mit besten Grüßen Karl