Plan- Zigeunerwagen zu mieten in Ungarn gesucht

  • 1992 waren wir als Familie mit einem Zigeunerwagen in Ungarn unterwegs -damals organisiert über einen Reiseveranstalter. Pferd und Wagen wurden gestellt. Ich weiß nicht mehr genau, wo wir waren – etwas nördlich von Kecskemét, vermutlich Sarlóspuszta.


    Im Augenblick liebäugeln wir als Alternative zu unseren Paktierurlauben wieder mit so einer Variante – allerdings mit eigenen Pferden. Hat solches jemand in letzter Zeit gemacht, oder kann er mir Tipps geben? Randbedingungen:


    • Wir brauchen einen mietbaren Wagen mit drei bis vier Schlafplätzen (Wie sie dort üblicherweise inklusive Pferd buchbar sind.).
    • Dieser muss gewartet und technisch in Ordnung sein (1992 mussten wir erst einmal mit Reparaturen starten.)
    • Gewicht passend zu zwei Haflingern – beide werden sowohl im Ein- wie auch im Zweispänner gefahren.
    • Unbedingt Zweispänneranspannung (die Touristen - Zigeunerwägen sind dort üblicherweise als Einspänner unterwegs – Ich weiß nicht, ob sie einfach auf Zweispänner umrüstbar sind) Geschirr bringen wir mit.
    • Standort sollte individuell gestaltbare Routen ermöglichen - Wege möglichst Großteils nicht geteert aber bei Regen auch nicht tiefgründig.
    • Begleiten würde uns zur Festigung seiner Fahrausbildung ein Esel mit leichtem, auch am Wagen transportierbarem Gig.
    • Termin: September 2013.

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  • Nein, den gabs damals noch nicht. Gebucht hatten wir über ein Wiener Reisebüro. Die Wagen könnten es schon gewesen sein. Sie waren von einem der beiden Betreiber in der Kiskunsag-Puszta, die ca 10 km nebeneinander diese Wagen vermieten. An sich würde ich mich über eine Alternative zur Kiskunsag-Puszta freuen, denn im Nationalpark ist die Freiheit der 1990er komplett vorbei (Fahren ist noch nur auf vorgegebenen Wegen erlaubt).
    Ich stehe aber mit diesen Betreibern in Kontakt. Falls ich nichts anderes finde, werden sie prüfen, ob sie einen Wagen umrüsten können - alle Wagen (ca. 1,2 to) sind ausschließlich für Einspänner ausgerüstet.

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  • Danke Johannes,


    Der umfangreiche Inhalt deines Links zu allgemeinen Informationen des Pferdewesens in Ungarn und mit Adressen von Reiterhöfen hilft mir bei meiner konkreten suche nach einem zweispännigen Wagen leider wenig weiter.


    Die Adressen, die man im Internet zu einschlägigen Veranstaltern finden kann, habe ich vermutlich alle.


    "Egészségedre!" - wohl das einzige Wort, dass ich auf Anhieb in meinem Ungarisch-Vokabular sicher finden kann.

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  • So, unserem Zigeunerwagenurlaub mit eigenen Pferden steht eigentlich nichts mehr im Wege. :thumbsup:


    Wir werden Mitte September mit unseren Haflingern und einem unserer Esel in die Bugacpuszta fahren (von uns knapp 480km, großteils Autobahn) und eine im Vormonat spontan gefasste Urlaubsidee verwirklichen: zwei individuell gestaltete Urlaubswochen mit Reiten und Kutschen fahren in der Puszta verbunden mit einem (gepfegten) Vagabundenleben in einer Wohnkutsche.


    Nach meiner Suche in den letzten Wochen kenne ich mittlerweile wohl jede Zigeunerkutsche und deren Geschichte in Ungarn - und wurde wieder einmal von der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft unserer Nachbarn überwältigt, diesmal aber mit „internationaler Beteiligung“. Helfen wollten ja alle, aber irgendwann mussten wir uns entscheiden. Unsere Wahl fiel auf die Dombi Tanya, einem Hof, der einer Schweizer Familie gehört, die dort vier Wohnkutschen und deren Urlaubsfahrer betreut. Wobei die Wägen einem deutschen Eigentümer gehören. „Sie sind schon alt, aber wir haben sie gerade erst wieder überholt.“ Spricht für deutsch/Schweizer Gründlichkeit (1992 mussten wir am ersten Tag erst aus drei Wagen einen fahrbereiten zusammen bauen. Uns waren damals schon bei einer zufälligen Begegnung die bessern Kutschen und Geschirre mit gepflegten Pferden dieses Anbieters aufgefallen). Ich bot an, anhand von Fotos und Maßdurchgaben, eine Deichsel mit Spielwaage und drum herum auf meine Kosten anzufertigen und als Geschenk mitzubringen. Bevor mir die Fotos dazu gemailt wurden, kam der Anruf, dass die Deichsel in Ungarn nach meinen Wünschen mit Höhen- und Längsverstellmöglichkeit angefertigt werden wird – "selbstverständlich für uns kostenlos, weil man sie ja wieder einmal nutzen kann."


    Mit der Schweizer Familie vor Ort in Ungarn werden wir die Routenplanung machen, werden mit Futter versorgt werden und bekommen ein lokales Mobiltelefon zur Abrufmöglichkeit einer „Kutschenfeuerwehrhilfe“. Und das Ganze zu einem Preis, der verspricht, wieder einmal ein sehr günstiger Urlaub zu werden. :-]


    Wer also unsere Urlaubsidee nachahmen will, zumindest eine Wohnkutsche für Zweispänner wird es ab diesem Sommer in Ungarn geben. Hier der Kontakt zu den deutschen Besitzern der Wagen: www.puszta-kutsche.de



    Wer nicht mit eigenem Pferd kommen will, kann über Reiseveranstalter buchen, (nur als Beispiele - auch in anderen europäischen Ländern):
    www.zigeunerwagenferien.choder
    www.zigeunerwagenurlaub.at oder
    www.pferdewohnwagen.de oder
    www.zigeunerwagen.com oder
    www.zigeunerwagenferien.com

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  • wünsch Euch eine schöne Zeit und allzeit sichere Fahrt!


    8) vielleicht fallen ja ein paar Bilder für uns daheimgebliebene an ...

    "Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich sage, alles was ich mache, der Name jedes Gesprächspartners, jeder Ausdruck von Kreativität, Liebe oder Freundschaft aufgezeichnet wird." Edward Snowden - 6.6.2013


    "Aber lasst euch sagen: Es ist schwer eine Obergrenze für Menschen zu finden, wenn das Leid keine hat!" Luise Kinseher - 24.02.2016

  • Folgende Anbieter von Kutschen-Urlauben in Deutschland kenne ich:


    Pferdecaravan
    im Müritz-Nationalpark in der Mecklenburgischen Seenplatte zwischen Berlin und der Ostsee.



    Celine Caravan
    zwischen den uckermärkischen Seen im Naturschutzgebiet Uckermark.



    Der Planwagen
    im südlichen Sachsen-Anhalt nahe Wittenberg.



    und natürlich...
    Pferdewohnwagen Altmark
    nördlich von Magdeburg, haben wir bisher zweimal ausprobiert.



    Für alle Anbieter gilt: Ein Kutschenschein ist nützlich, aber keine Voraussetzung. Führerscheinklasse M (50ccm Moped, ist automatisch beim PKW-Führerschein dabei) genügt als Nachweis, daß man mit dem deutschen Straßenverkehr zurecht kommt.

  • Bis auf etwas zu schmale Ortscheite war der Umbau des Wagens perfekt. Die Betreuung und Unterstützung mehr als ausgezeichnet. Kann ich nur weiterempfehlen!


    Wir hatten anfangs zu tun, unsere Haflinger an den rumpelnden und polternden, schweren Wagen zu gewöhnen. So war unser etwas blauäugiger Start am ersten Tag ein Bilderbuchstart – fürs Comicheft. Wir kamen gerade drei Meter, dann war ein Strang gerissen. Während einer unserer Haflinger beim Angehen sich brav ins Zeug legte, spielte der andere Esel, sobald er merkte, dass er stärker ziehen müsste, und rührte sich keinen Zentimeter mehr. Die 1,3 to auf Sandweg waren doch etwas anderes als unser leichter Trainingswagen zuhause. Beim Sand hatten wir übrigens Glück, dass er nach Regentagen recht fest war. Sonst wäre es für unsere Haflinger stellenweise zu schwer geworden.


    Etwas ernüchtert begannen wir wieder bei null. Der Haflinger-Esel musste allein, sicher anziehen lernen (ging davor noch nie einspännig). Also zuerst mit Traktorreifen als Schleppe und anschließend mit Halbmarathon (konnten wir uns leihen) einspännig ins Gelände. Am dritten Tag kam Ferenczi Lázár, ein Hufschmied, da dort am Hof ein Pferd lahmte. Er bot uns an, zu zeigen, wie es auf Ungarisch geht. Als wir sahen, dass er außerordentlich sanft mit den Tieren umging, willigten wir ein. Ferenczi war ungarischer Meister im Vierspänner, und seiner Familie ist das Fahren in die Wiege gelegt (seine Cousins sind die Lázár – Brüder. Den Namen wird wohl jeder Gespannfahrer hier im Forum kennen). Zuerst fuhren wir mit unserem Haflinger-Esel wieder einspännig, aber flott durch die Pampa bis er von sich aus etwas langsamer wurde. „Der geht gut“ – ein ungarisches Kompliment an unsere Alpen-Blondies. Dann spannten wir beide vor den großen Zigeunerwagen, den wir leicht abschüssig stellen hatten können. Sie schafften es, ihn in Bewegung zu setzen und stürmten los. Im schnellen Trab ging‘s auf einer Asphaltstraße (mit 25 – Tonner Begegnungen) dahin. Zu meinem „Scheer-rit“ und „várj rám” (ungarisch: „wart auf mich, langsamer“) kam von Ferenc nur ein „még nem” (noch nicht). Nach drei Kilometer ging er in Schritt über und übergab mir die Leinen: „Jetzt kannst du mit ihnen fahren.“


    Das war ungarisches Einfahren – wir Alpenländer neigen dazu, unsere Pferde zu beruhigen und zu bremsen, bevor sie innerlich dazu bereit sind (würden bei den vielen Böschungen und Gräben sonst aber auch nicht überleben). Jedenfalls war ab dann alles im Normalbereich, die Pferde lernten, den Waagen ruhig anzuziehen und wir konnten einen schönen Urlaub genießen.
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    Hier noch einige Bilder:


    „Várj rám“ - „Noch nicht!“ es geht auch in der Puszta auf lange Distanzen mit schweren Wägen nicht ohne Asphalt. Die Navis führen leider relativ viele LKWs auf diese „Abkürzungen“, die aber insgesamt noch relativ wenig Verkehr haben – aber deutlich mehr als vor 20 Jahren.
    [line][/line]Abendbeschäftigung der ersten Tage: Strang nähen
    [line][/line]Nach Gewöhnung an den schweren Wagen konnte es gemütlich werden.
    [line][/line]Zwei Wochen lang: Kutschers Blick auf zwei Pferdehintern
    [line][/line]Manchmal war es auch feucht – unser „long vehicle“ beim Einkaufstop

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    Edited once, last by Albert ().

  • Kurzer Stopp an der Kraftfutterstation moderner Pferde
    [line][/line]Mit 4 bis 6 km/h genug Zeit die Gegend zu genießen
    [line][/line]Mittagsrast
    [line][/line]Wer tut sich leichter beim Ausweichen?. - Begegnung mit einer Jagdgesellschaft
    [line][/line]Ein Abendquartier

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  • Was für ein schöner Bericht und noch schönere Fotos. Der Esel vorneweg.... losgelöst ... ein himmlischer Anblick!

    Freundliche Grüße
    Antje


    "Immer wenn wir etwas planen, fällt im Hintergrund lachend das Schicksal vom Hocker"

  • Unser Eseltaxi – nach sechsmal Patschen picken nicht so oft eingesetzt wie geplant: Die Dornen der fast überall wachsenden Königsmelone (Erd-Burzeldorn /Tribulus terrestris) machten uns einen Strich durch die Rechnung, bzw. Löcher in die Reifen des Gigs.
    -------- [line][/line]Wegbeschreibung: „nach dem Maisfeld beim Paprika links abbiegen“ – wir haben uns nie verfahren
    [line][/line]Begegnung mit Einheimischen: Zackelschafe
    [line][/line]Alpen-Blondies in der Puszta – es machte Spaß

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    Edited 2 times, last by Albert ().

  • Behirtung von ungarischen Steppenrindern von der Kutsche aus. Der Bulle hatte es mir besonders angetan. Beim Foto - 2 Meter vor ihm - fühlte ich mich fast nach Pamplona versetzt.
    ------- [line][/line]Eine typische Tanya (Einzelgehöft) der Puszta
    [line][/line]Und viel Zeit für unsere Tiere vom gemeinsamen Dösen, über Reiten, „mentales Einhornfahren“ usw.
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    Edited 2 times, last by Albert ().

  • So schöne Bilder!


    Vielen, vielen Dank, Albert!


    Ich freue mich sehr, dass ihr euren Urlaub so genießen konntet! Die Anfangsschwierigkeiten hattet ihr ja sehr schnell im Griff!


    Schade finde ich, dass der Gig nicht so oft zum Einsatz kam - mit dornenreichen Straßen hätte ja auch keiner gerechnet! Aber die Bilder von Taori, die den Haflingern den Weg weist sind wirklich superschön geworden! Auch Erika bei der Freiheitsdressur gefällt mir sehr! Liebe Grüße an alle! :-)

    Sonnige Grüße, Kerstin

  • Taori, die den Haflingern den Weg weist


    ^^ - hättest mal das verzweifelte Wiehern hören sollen, wenn die Eseldame mal die Herren verlassen hat, um mit Erika bei der Ernte wilder Früchte an den Straßenrändern mit zu naschen. Wenn man mehrere Tage so unterwegs ist, kommt es bei unseren Equiden zu artübergreifender Herdenbildung. Nicht nur der Esel, auch wir gehörten dazu.


    Das schöne im Herbst in der Puszta sind eben auch die wilden Früchte in den Hecken und Waldrändern entlang der Wege. Von Nüssen, über Zwetschken, Krichen, Äpfel, Birnen Weingartenpfirsich, Weintauben, usw. haben wir gelebt wie im Schlaraffenland – auch unsere Tiere kamen nicht zu kurz. Wobei ich lachen musste, wenn Taori ihren Kopf in das Gewirr der Weinranken schob, eine ganze Traube in ihr Maul nahm und dann beim Zubeißen verklärt die Augen schloss. :)

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  • Das sieht nach paradiesischen Verhältnissen aus (bis auf die LKW :pinch: ). Danke, dass Du uns per Bildershow daran teilhaben lässt.


    LG Iris

    "Es ist immer problematisch, wenn das Pferd mehr Hirn hat als der Mensch." Zitat unser Hufschmied :D

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