Gespann ausgereizt, wie weiter?

  • Lieber Moderator, vielleicht falsch hier, dann bitte verschieben!


    Rala frage stellte sich mir auch schon mehrmals, vielleicht hat hewrr nemitz dafür eine Lösung:


    Um kurz bei rala zu bleiben: was willst Du also machen, wenn Du eine unbekannte Strecke mit anscheinend ausgereiztem Gespann fährst ?
    > absteigen ging nicht <
    Was haste denn (damals) gemacht, um weiter zu kommen ?


    Bzw was soll man denn in einem solchen Fall überhaupt machen? Also Fehler ist passiert, dh Steigung zu steil/glatt+Ladung zu schwer für das Gespann und wie nun weiter?


    Mir ist das schon mehrfach passiert, bis jetzt liess sich das Problem über Hechtsprung an den Pferdekopf und animieren aller Passagiere zum Schieben lösen, aber was wenn mal dieses Glück nicht hat??
    Soll ich das versagende Gespann einer zweiachsigen Kutsche noch schnell quer zum Hang stellen?
    Herr Nemitz, der solche Strecken kennt usw, der hat Hemmschuh am Rad und kann sein Gespann ausschnaufen lassen und anschließend den nächsten Versuch zu wagen, ich aber hab sowas nicht, da ich das "normal" nicht brauch. Mit meiner Fußbremse bekomm ich die Kutsche beinkraftmäßig in einer Extremsituation nicht dauerhaft gehalten und Handbremse ist blöd zum drankommen, falls ich allein sein sollte.


    mfg Kirsten

  • was soll man denn in einem solchen Fall überhaupt machen? Also Fehler ist passiert, dh Steigung zu steil/glatt+Ladung zu schwer für das Gespann und wie nun weiter?


    Falls man allein ist, ist das in einer solchen Situation sehr schlecht; ich sehe da die einzige Lösung, das Gespann zur Hangseite hin zu stellen, sodaß bei Rückwärtsrollen des Wagens, die Hinterräder an der Hangseite zum stoppen kommen. Wenn ich einen Beifahrer habe, kann ich versuchen, diesen einen Stein finden und unters Hinterrad legen zu lassen.


    "Soll ich das versagende Gespann einer zweiachsigen Kutsche noch schnell quer zum Hang stellen?"


    Ja, siehe oben.


    "der hat Hemmschuh am Rad "


    das ist in diesem Falle kein Hemmschuh, sondern das Gegenteil, ein Rückrollkeil


    "Mit meiner Fußbremse bekomm ich die Kutsche beinkraftmäßig in einer Extremsituation nicht dauerhaft gehalten "


    Das kann ich mir sehr gut vorstellen; NUR: dann ist die Fußbremse nicht ausreichend dimensioniert, also ein Konstruktionsfehler an diesem Wagen.


    "ich aber hab sowas nicht, da ich das "normal" nicht brauch"


    Offenbar brauchen Sie so etwas doch. Natürlich braucht man einen Nachschleppkeil nicht dauernd bergauf hinterher zu schleifen, doch wenn ich mit Gästen fahre, muß ich die Strecke kennen. Man macht mit Gästen NIE etwas, was man nicht vorher allein ausprobiert hat, das wäre ein höchst fahrlässige, wenn nicht schon vorsätzliche Gefährdung der Gäste. Übrigens: Man kann den Nachschleppkeil auch so konstruieren, daß ich ihn vom Bock aus, ohne abzusteigen, einlegen kann.


    "und Handbremse ist blöd zum drankommen, falls ich allein sein sollte."


    Dann ist auch die Handbremse nicht am richtigen Platz angebracht, also ebenfalls ein Konstruktionsfehler.


    Ich bin ja grundsätzlich gegen einen Kutschen-TÜV, vor allem nicht für historische Wagen (denn die heutigen Fahrzeugbau-Ingenieure/Techniker haben für diese Wagen keinerlei Ausbildung); wenn ich aber hier diese Fragen höre, neige ich dazu, hier meine Meinung zu ändern.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • "ich aber hab sowas nicht, da ich das "normal" nicht brauch"


    Offenbar brauchen Sie so etwas doch. Natürlich braucht man einen Nachschleppkeil nicht dauernd bergauf hinterher zu schleifen, doch wenn ich mit Gästen fahre, muß ich die Strecke kennen. Man macht mit Gästen NIE etwas, was man nicht vorher allein ausprobiert hat, das wäre ein höchst fahrlässige, wenn nicht schon vorsätzliche Gefährdung der Gäste. Übrigens: Man kann den Nachschleppkeil auch so konstruieren, daß ich ihn vom Bock aus, ohne abzusteigen, einlegen kann.


    Wie muss der Nachschleppkeil aussehen, damit ich den vom Bock bei PKW-Fahrwerk allein anbringen kann? da rätsel ich schon länger dran bzw wie den bei dem fahrwerk am besten anbringen? im Moment läuft ein kind neben der Achse mit und schiebt den mal zu Übungszwecken unter (bis 10% Strecken üben wir), den Notfall hatten wir zum Glück noch nie, mir ist auch unwohl mit dem Kind so nah an der Kutsch im Ernstfall.


    "und Handbremse ist blöd zum drankommen, falls ich allein sein sollte."


    Dann ist auch die Handbremse nicht am richtigen Platz angebracht, also ebenfalls ein Konstruktionsfehler.


    Danke für die Antwort! Mit Gästen ist das selbstständlich nicht passiert, aber halt eben mit den Kids und auch da brauch ich so Situationen nicht nochmal, aber wie gesagt in unbekanntem Gelände kann es einen mal erwischen je nach Tagesform. Natürlich hat meine Kutsche eindeutig bzgl. der Handbremse einen Konstruktionsfehler, den ich über ein dortsitzendes Kind ausgleiche. Ich wäre unbedingt für einen Kutschen-TÜV (auch bei nur sehr geringrem Vertrauen in unserem Dorf-TÜV), weil dann meine Männer sofort die Handbremse umgebaut hätten, ohne das ich noch 3 Jahre nölen muss, grrrrrr :cursing:


    Nächstes Jahr soll es dreispännig auf die Alb gehen bis dahin muss noch einiges besser werden und viel mehr Bergroutine kommen , logisch!


    mfg Kirsten

  • Wie muss der Nachschleppkeil aussehen, damit ich den vom Bock bei PKW-Fahrwerk allein anbringen kann?


    Für das Gegenstück, den Hemmschuh, gibt sehr einfache Mechaniken, diesen vor ein Hinterrad zu legen, ohne abzusteigen. Ähnliches, nur umgekehrt sollte man sich auch für den Nachschleppkeil bauen können: Ein (Eisen-) Arm, der vom Bock über einen Lederriemen bedient wird, sollte den Keil hinter das Hinterrad legen, mit einem Gegenriemen kann man den Nachschleppkeil wieder lösten. Der Keil hat ja ein gewisses Gewicht, sodaß er mit Hilf dieses Eisenarmes leicht in die richtige Position kommt.


    Ich selbst habe keine Bilder, es gibt jedoch ein Traditionsforum, wo solche Hebelarme für Hemmschuhe gelegentlich abgebildet werden.


    Ich bin nun weder ein guter Zeichner noch technisch besonders begabt, sonst hätte ich eine solche Skizze versucht.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • wie wäre es mit einem oder 2 Kuhfüßen, die sind schnell gelöst vom Bock aus, fallen hinten runter (vorn sind sie drehbar befestigt) und bremsen den Rückwärtsdrift; beim vorwärtsfahren schleifen sie einfach nach oder werden per Seil wieder hochgehoben

    "Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich sage, alles was ich mache, der Name jedes Gesprächspartners, jeder Ausdruck von Kreativität, Liebe oder Freundschaft aufgezeichnet wird." Edward Snowden - 6.6.2013


    "Aber lasst euch sagen: Es ist schwer eine Obergrenze für Menschen zu finden, wenn das Leid keine hat!" Luise Kinseher - 24.02.2016

  • Hallo
    Ich würde keinen Cent in ein solch untaugliches Gefährt investieren wenn dadurch die Bremsen nicht funktionssicher und bedienbar werden.
    mfg FXU

  • ruhig brauner bronco.
    ich selbst habe auch ein

    Quote

    untaugliches Gefährt

    es ist ein gig und hat keine feststellbremse(was auch laut richtlinien nicht nötig ist)
    nur unterlegkeile und fussbremse.das ist laut stvo auch ok so.


    die diskusion mit den bremsklözen am boden ist sehr interessant da ich ein ähnliches prob habe:
    wie bekomme ich den keil unters rad wenn ich oben sitze?
    bitte weiter so nemitz und kirsten.


    und zu:

    Quote

    Um kurz bei rala zu bleiben: was willst Du also machen, wenn Du eine
    unbekannte Strecke mit anscheinend ausgereiztem Gespann fährst ?


    > absteigen ging nicht <


    Was haste denn (damals) gemacht, um weiter zu kommen ?

    quer stellen ging nicht: befahrere strasse.
    absteigen hätte anhalten zur folge gehabt: ich dachte zu dem moment das es dann bestimmt rückwärts ginge.
    da ich grade am STEILSTEN stück war: bin ich sitzen geblieben.
    es ging gut bis oben das rutschen der hufe stellt sich ab und ich beschloss: so steil fahren wir auf teer möglichst nie weider.
    es waren 10%.


    (pony beschweren oder mästen könnte vielleicht auch klappen ) :wacko: erhöht zumiondest das eigengewicht. hihi.


    absteigen und im strassenverkehr ein gespann führen darf man nicht habe ich eingepleut bekommen.
    oder? wist ihr da was genaues?

    und ich bin keine "karteileiche" ;-) nur manchmal länger beim shetty


    Mit Tieren kann man reden,sind ja keine Menschen (Adriano Celentano).

  • wie wäre es mit einem oder 2 Kuhfüßen, die sind schnell gelöst vom Bock aus, fallen hinten runter


    Diese "Kuhfüße" oder korrekt "Bergstock" genannt wären eine einfach Alternative zum Nachschleppkeil, nur haben sie einen entscheidenden Nachteil: Sie greifen nicht auf Asphaltstraßen, sondern nur auf Naturwegen.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Aus ner (Shetty)Gig kommst Du immer raus.
    Übe einfach auf ebenem Grund wärend der Fahrt das Ein- und Aussteigen. Erst im Schritt und später im Trab. Es könnte euch mal das Leben retten.


    Und auch auf einer befahrenen Strasse kann ich quer zum Hang halten. Was ist gefährlicher? Querhalten oder rückwärts in den nachfolgenden Verkehr zu rutschen? Man ist doch eh schon bei einem sehr langsamen Tempo. Kopf zum Straßenrand gedreht und angehalten. Das Fahrzeug, das dann noch in euch reinscheppert hätte euch auch in Fahtrichtung erwischt. Ob gestanden oder gefahren tut dann nichts mehr zur Sache. Und, brutal gesagt: Zumindest Du überlebst den Unfall dann, sonst wärst Du zuerst erwischt worden. Besser Tierleben kommt zu Schaden als Menschenleben.
    Und da ich grade sehr sakastisch bin: Liegt der Gaul tot oder verletzt auf der Straße kann er wenigstens keine weiteren Gefahren und Schäden auslösen, weil der Mensch ausgeschaltet ist und das Gespann allein unterwegs ...


    Beim Autorennen gilt der Grundsatz: Verlierst Du die Traktion und kommst ins Rutschen, gib Gas! Denn die schnelleren Umdrehungen des Reifens erhöhen die Traktion und der Wagen ist leichter bis überhapt wieder in den Griff zu bekommen. Auch das Pferd, beschleunigt, wenn es die Traktion verliehrt. Und das ist der Moment wo man darauf gefasst sein muss den Wagen leichter zu machen. Ggf. durch abspringen.
    Ich habe eine Stelle auf einer Runde, die ich, nach dem ich da einmal austeigen musste, nun reglmäßig im Galopp nehme, so schaffen wird den kurzen Knackpunkt noch immer im Trab und dann geht es auch schon im Schritt zum Stall zurück. Die fahre ich aber auch nur mit trainierten Ponys. Sonst steige ich schon am Fuß des Berges aus und die Ponys kommen entspannt im Schritt mit leerem Wagen hoch.


    Ich habe die Erfahrung mal umgekehrt gemacht. Auch mit Shetty-Gig. Ich habe meine Tochter vom KiGa abgeholt und bin anders nach Hause gefahren als sonst. Auf mal ging es abwärts. Aber richtig! Im Rutschen bin ich aus der Gig und zum unruhigen Pony an den Kopf. Ich hab ihn zum stehen bekommen, aber angehalten haben wir beide nicht. Wir sind beide stehenden Fußes den Weg durch den Wald abwärts gerutscht. Aber langsamer als zuvor, wo ich noch im Wagen saß und die Räder mit der Bremse festgehalten hatte. Den Weg meide ich seit dem wie die Pest. Aber er ist schön zu reiten. Jedenfals rauf, runter traue ich micht nicht. Aber andere nutzen ihn öfter.
    LG
    Sonja

    LG Sonja


    Beschäftige Dein Pony, sonst beschäftigt es Dich.

    Edited once, last by Opa Moritz ().

  • Ich hoffe, ich werde es aus Fairness meinen Pferden gegenüber immer verhindern können, eine ausgereizte Situation herbei zu führen. Wenn mein Wagen nicht in Ordnung ist, fahre ich erst wieder, wenn ich ihn entsprechend überholt habe. Die Schuld/ Verantwortung auf andere zu schieben (auch wenn es Männer sind ;) ) ist keine Entschuldigung. Wenn ich mir dann noch vorstelle, dass Kinder in so einer Situation dabei sind :( .....


    In solche Grenzbereiche würde ich mich nur trauen, wenn ich einen "Erfahrenen" dabei hätte. Ich als Freizeitfahrer vermeide solche Grenzerfahrungen.


    Gleichwohl ist dieser Thread mal wieder gut, dass ich mir wenigstens theoretisch über eine solche Situation Gedanken mache, damit mir im Notfall hoffentlich etwas einfällt.


    LG Iris

    "Es ist immer problematisch, wenn das Pferd mehr Hirn hat als der Mensch." Zitat unser Hufschmied :D

  • Ich bin Total ruhig aber ich kann mir nicht vorstellen das die Bremse die Kutsche im Stand nicht halten kann. Das anfahren am Berg mit Bremse besonders mit Mehrspänner ist nicht so lustig.

  • Huhu!


    Also die Fußbremse meiner Kutsche ist angesichts unsererer Berg voll funktionstüchtig ( und wird regelmäßig gewartet, genauso wie mit Gauli regelmäßig Verhalten bei Bremsversagen trainiert wird), ich selbst hab Muskeldystrophie und bin nicht so superkräftig um als Dauerbelastung mit einem Fuß die 350-kg-Kutsche zu halten, also nix Konstruktionsfehler (doch, aber menschlicherseits), für normale Situationen ist meine Kraft gut ausreichend, aber um im 12%-Berg über 5 Minuten Kutsch komplett zu halten halt eben nicht, bergab bremst ein Kind bei Extremhängen mit Handbremse mit und ich drück mit 1 Hand noch Fuß runter, wenn Gefälle zu lang dauert. Tja, und wenn ich so überzeugt von Kaufkutschen wär, dann hätt ich mir letztes Frühjahr eine gekauft, ein guter vernünftiger Eigenbau ist für meine Bedürfnisse zZ einfach besser geeignet.
    rala: wenn es echt eng wird, dann entwickelst du Fähigkeiten, die du normal nicht hast! Einmal bis jetzt bin ich bei meiner großen Kutsche vom Bock neben den Pferdskopf gesprungen, was ja weit und hoch ist, sämtliche Passagiere waren binnen Sekunden runter, keiner wußte mehr genau wie er das geschafft hatte, so war außer einem Schreck niemanden was passiert. Schon 4 Jahre her, aber in der Erinnerung immer noch beeindruckend, klarer Fahrfehler meinerseits, aber den mach ich bestimmt nie wieder!!
    Iris: Natürlich versucht man Gefahren zu umgehen, wo immer möglich, aber ich komm immer mehr davon ab Rat zu suchen bei Profis, einfach weil es hier niemanden außer mir mit schwerem Zug gibt. die hiesigen fahrprofis gehen anders an Sachen ran als ich, die fahren dreimal besser (und spannen Tiere an, wo ich nicht hintersitzen möcht), aber mein pferdchen gibt auf ein leises bitte sein bestes.
    bronco: Im Hang fahr ich mehrspännig immer mit dem schwachen aber temperamentvollen pferd hangabwärts an, so daß das die ersten Tritte ohne Gewicht hat. Halten im Hang tue ich nur bis 4%, ansonsten vermeide ich das nach Möglichkeit.
    mfg Kirsten


    mfg Kirsten

  • Hallo Natura,


    wenn dein Eigenbau so zu deinen Bedürfnissen passt warum hat er dann keine Feststellbremse die du bedienen kanst? Ich habe eine gekaufte Wagonette die selbst über die Fußbremse sich feststellen lassen kann. Zusätzlich habe ich noch eine Festellbremse über Kurbel. Wo liegt jetzt bitte der vorteil zu deinem Eigenbau? Haffi08


    P.S ich lese eigendlich nur noch mit aber jetzt mußte ich einfach mal was sagen.


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