"Holzwirtschaft ohne moderne Forstmaschinen nicht machbar"

  • Hallo in die Runde,
    heute morgen verschlug es mir bald die Sprache als ich unsere Tageszeitung die Gießener Allgemeine Zeitung las.
    Übrigens in dem Gießener Anzeiger genau dieselbe Überschrift, ..."Holzwirtschaft ohne moderne Forstmaschinen nicht machbar."
    Berichtet wurde über die Info - Veranstaltung "Waldverwüstung oder schonende Holzernte" vom Forstamt Wettenberg.
    Kann man bestimmt auch im Internet unter den heutigen Zeitungs Beiträgen nachlesen.
    Hier wurde nur über die Vollerntemaschinen berichtet und ......."in Handarbeit wäre dies eine Katatrophe.." so Revierförster Paul Esch. Heruntergespielt wurde der Bodendruck, ... die heutigen Maschinen hätten breite Reifen und die früher eingesetzten Traktoren mit schmalen Reifen hätten tiefere Spuren hinterlassen.
    Kein Wort über die Bodenschonenste Holzrückearbeit von Pferden wurde erwähnt, und auch nicht den Abstand der Rückegassen.
    Dies sollte schon zu Überlegen geben.


    Gruß
    Jürgen :(

  • Heruntergespielt wurde der Bodendruck, ...


    Wundert Dich das ?
    Ist doch auf der landwirtschaftlichen Seite nicht anders !
    Was sollten denn die 250 PS Fuhrleute auch sagen ... ALTERNATIVLOS 2010 :whistling:


    Giessener Allgemeine

    Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen :D


    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


    Bewahren von Traditionen ist nicht das Anbeten von Asche, sondern die weitergabe des Feuer's
    (frei nach Gustav Mahler)

  • Da scheint aktuell grad wieder angesichts von Rohstoffverknappung ein medialer Krieg entbrannt, der uns um Jahre zurückwirft.


    In Report Mainz ging's gestern abend um das FSC-Siegel, dass allen, die's glauben möchten, Nachhaltige Holzbewirtschaftung bei den verwendeten Rohstoffen zusichert. Dann wurde ein schwedisches Unternehmen gezeigt, das 1,6 Mio ha für unsere Industriewaldverhältnisse äußerst urtümlichen Wald im Kahlschlagbetrieb bewirtschaftet und sich das Siegel dennoch gekauft hat. Kilometerweise leere 'Tundra' mit der entsprechenden Methan- und Lachgasfreisetzung. Aufforstung??? Da sind noch genug Samen im Boden, mal gucken, was das Wild hochkommen lässt. Aber wenn die Mutterkühe furzen, ist das ein Umweltskandal.


    Im Moment labert ja jeder Großkonzern von Nachhaltigkeit. Aber solange man damit nix verdient, ist das doch alles nur 'Greenwashing' (auch so eine schöne Neuwortschöpfung).


    Gruß
    Claudi

  • Früher hat es geheißen: Was juckt es die Eiche wenn sich die Sau daran kratzt, so ähnlich sieht es hier in Schweden aus, Wälder im Kahlschlag werden wochenlang von morgens bis abends und von abends bis morgens im Schichtbetrieb abgeholzt, mit immer größeren Maschinen, das Holz muss aber auch aus dem Wald dahin wo der LKW hin kommt. Das sieht dann aus wie auf dem Mond, von wegen Bodendruck niedrig, die Maschinen fahren immer wieder die selbe Spur und wenn fertig, nach mir die Sintflut. Neuerdings werden selbst die Schweden aufmerksam und wollen das nicht mehr. Nur ein Nimmersatter Industrieholzanbieter wie die Schweden können auf Maschinen nicht verzichten, in den Städten und deren Umfeld geht es mittlerweile aber wieder mit dem Pferd.


    agromaus , entweder Aufforstung oder man lässt Bäume als Samenbäume stehen, Aufforstung nach Abholzen in einer gewissen Frist, ist ein muß, deshalb kann es sein das eine Fläche ein bis zwei Jahre brach liegt und Du die Bilder gesehen hast.


    Gruß aus dem schönen Jämtland


    Slottermaskin

    Dieter

  • Danke Hippo-Sohle, das Du den Bericht zum Anklicken hereingestellt hast, mir fällt das schwer, da ich da nicht so firm drin bin, aber jetzt können es die Interessierten lesen.


    Gruß
    Jürgen

  • Bin ja im Moment selbst beim Brennholz machen und Rücke mein Holz an die Wege zum Sägen und Spalten.
    Da bekomme ich mit wie die Rückegassen im Wald bei diesem Wetter aussehen, selbst bei Breitreifen und Niederdruck, wo diese ein paar mal gefahren sind sieht es aus, Furchen wos Wasser drin steht, alles Matsch durchwühlt von den Maschinen.
    Von Laub keine Spur mehr zu sehen, diese Bilder sollte man im Jahr der Wälder der Öffentlichkeit mal zeigen.


    Gruß
    Jürgen :]

  • Es ist sehr schade das man immer wieder mit Ansehen muss wie das Pferd der modernen Technik weichen muss.
    Alles geht nur noch um Zeit und Geld. Wie heist es immer : Zeit ist Geld, Geld ist Luxus und Luxus können wir uns nicht leisten. :( Wirklich traurig, das auch der Waldboden unter den Maschinen wie Harvester usw. leiden muss. Bald sieht man so keinen natürlichen Wald mehr wenn das so weitergeht. Vor allem müssen Rückegassen etc. ja schon so breit ausgelegt sein das man überhaupt mit den Geräten durchkommt. Das wäre mit einem Pferd in manchen lagen viel weniger Arbeit und auch effizienter zu erledigen. Aber wie gesagt leider zählt für die nur Schnelligkeit und Geld, die nachhaltigkeit und Erhaltung scheint ja quasi egal zu sein, traurig :(


    Andre, der auf traditionelle Weise des Holzrückens schwört..

    "Lieber hoch zu Ross als unter aller Sau"

  • Quote

    leider zählt für die nur Schnelligkeit und Geld, die nachhaltigkeit und Erhaltung scheint ja quasi egal zu sein,

    kann es sein, daß ein Unterschied darin liegt wer den Wald bewirschaftet? wem er gehört? mir wäre es peinlich, wenn mein Enkel mich in 30 Jahren fragt, was zum Kuckuck habt Ihr damals bloß gemacht? einem Beamten/Angestellten dürfte das völlig egal sein, Hauptsache er kann jetzt Rendite vorweisen....

    "Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich sage, alles was ich mache, der Name jedes Gesprächspartners, jeder Ausdruck von Kreativität, Liebe oder Freundschaft aufgezeichnet wird." Edward Snowden - 6.6.2013


    "Aber lasst euch sagen: Es ist schwer eine Obergrenze für Menschen zu finden, wenn das Leid keine hat!" Luise Kinseher - 24.02.2016

  • Ich habe jetzt gerade nicht die Zeit ausführlich zu diesem Thema zu schreiben, weil man es nicht in drei Sätzen abhandeln kann.
    Aber ich habe zwei aktuelle Zeitungsartikel die etwas anderes aufzeigen und es gibt hier im Forum schon genug Beiträge die die Alternativen und die passenden Argumente aufzeigen. Es wären eben eh nur Wiederholungen die ich schreiben würde.


    Holzernte soll naturfreundlicher werden


    Nachhaltig im Wald

    Kannst Du schon mit Pferden arbeiten ?
    Oder mußt Du noch Traktor fahren ?

  • Danke Fuhrmann, das sind ja wirklich Lichtpünktchen am dunkelgrauen Horizont.


    Ab hier Spott (nicht: Spot) an
    Man sollte sich einen Harvester wünschen, der mal einen Kahlschlag mit verdorbenem Boden schafft in der modernen, gierigen Industrielobby -welcher Couleur auch immer, Maschinenbau, Verindustrieungsanhängern (hab ich da nicht ein tolles Wort erfunden?)nach dem Motto:"In Handarbeit eine Katastrophe" und seelenverwandten Modernisierern. Dann würden die mal merken, was das anrichtet.
    Aber den wird´s so bald nicht geben, denn der müßte ja in eben diesem Umfeld erfunden werden.
    Ab hier Spott aus


    Es kommt immer mal wieder vor, daß die Natur zurückschlägt, Überschwemmungen z.B, weil man die alten Überflutungsareale mit Deichen schützt um zu bauen oder zu bebauen, und selbst das wird immer wieder kleingeredet, so offensichtlich es ist.
    Was muß da wohl erst passieren, bis die Natur bei dem Waldfrevel zurückschlägt und die "Macher" es merken?


    Einen ziemlich zornigen Gruß vom Harzrand
    Helga

  • Die Macher merken es doch nicht oder nicht mehr.


    Es sind meist andere die darunter leiden. Nachfolgende Generationen, oder die die sich kein anderes Zuhause leisten können oder wollen, oder nicht informiert werden (wollen).


    Welcher Haversterfahrer oder Besitzer geht nach dem Abernten noch mal an die Erntestelle?? Oder wer wohnt am ehemaligen Waldrand?? Dort wo solche Leute wohnen bleibt es schön und nett. Auch der Wald bleibt, da wird nix abgeholzt.


    Kenne da ein Beispiel von hier. Der Herr Graf residiert in Südamerika und mit deutschen Wäldern wird das Geld verdient. (unter anderem) Aufforstung mit Samenbäumen. Die der nächste Sturm dann um weht. So ist die Natur.

  • Hallo,
    in meinen Augen ist der Bericht schlimm, da es ja eine Veranstaltung von einem Forstamt war und das im Jahr der Wälder, wo ich meine man sollte da doch erst recht auf die Nachhaltigkeit achten und nicht nur den Profit an erster Stelle sehen.
    Ich werde jedenfalls einen Leserbrief schreiben der sich wäscht.


    Gruß
    Jürgen :-]

  • Um unseren Wald herum wird gerade überall mit dem Harvester Kahlschlag gemacht. Etwa 10 bis 20 Bäume werden stehengelassen - meiner Beobachtung nach (in den letzten Jahren) fallen davon etwa die Hälfte beim nächsten Sturm um - bleiben 5 bis 10 Stück pro etwa 2 ha stehen. Alles ist zerwühlt, die Zufahrtswege haben inzwischen langstreckig Fahrspuren von dreißig cm Tiefe. Holzabfahren mit dem Pony - unmöglich geworden. Ohne Trecker mit Allrad komme ich gar nicht mehr hin zum Wald.
    Und ich in meiner 5 ha Waldinsel mit dem Pony. Ziehe zwei- bis viermeter Abschnitte unermüdlich hangabwärts und wieder aufwärts bis ich zum Anhänger komme. Es ist wunderbar zu erleben wie meine Ponies Fortschritte machen bei der Arbeit - immer selbstständiger mitmachen. Mir macht es Spaß - es ist schwere Arbeit und abends krieg ich den Rücken nicht mehr gerade, aber es fühlt sich gut an. Und gleichzeitig das Gefühl - es ist unbezahlbar.
    Ich traue mich nicht alleine in den Wald - weder zum Fällen noch zum Rücken (davon abgesehen, daß es die BG nicht grundlos verbietet, ist es mir auch wirklich einfach zu gefährlich).
    Und wenn ich dann jemand stundenweise bezahlen muß dann krieg ich ´ne Krise, wenn am Abend gerade mal ein Fuder Holz auf dem Anhänger ist.
    € 35,- gespalten, 30 cm lang - so wird bei uns geliefert. Ich hab´s noch nicht geschafft auszurechnen was bei mir ein Meter kosten müsste. Außer, daß mir klar wurde es wäre sogar für mich günstiger harvestergeerntetes Holz zu kaufen, als mein eigenes per Hand zu fällen, mit dem Pony zu rücken, abzufahren und zu spalten. Sicher bin rel. langsam mit Ponies statt mit großen Pferden - aber ob es das rausreißen würde? Ich weiß nicht.


    Der Förster fragt ständig an wann bei uns geerntet werden kann - der Holzpreis wäre sehr gut und er bekäme nicht genug, um die Nachfrage zu bedienen. Ca. 1500 € pro Hektar - ohne einen Finger krumm zu machen.
    Man muß schon ganz schön Idealist sein - und es sich leisten können - darauf zu verzichten.
    Also wer Idealist genug ist für einen Hungerlohn oder auch nur um der Freude willen mit Ponys im Wald zu arbeiten, mit in den Wald kommen möchte - ich würde mich freuen.

  • Hallo zusammen,


    nur mal ein paar Fragen zum Thema.Hatt einer der Forumsmitglieder im Raum Wiesbaden Stadtforst Dambachtal schon gerückt?


    Im vergangenem Herbst war wohl ein Rücketeam da . Hab den Einsatz leider verpasst.


    Fördert Hessen noch den Rückeeinsatz mit Pferden ?


    MfG Andy

  • Wie viele professionelle Gespanne, Personal und Futterflächen bräuchte man denn, um eine Fläche von 1000 ha mit Pferdezug alleine zu bearbeiten? Könnte das mal ein kompetenter Mensch überschlagen?


    Gruß
    Claudi

  • Die Anzahl der benötigten Arbeitspferde findet man hier über die Suchfunktion. Darüber wurde bereits berichtet.
    Und vor der motorisierten Agrarzeitrechnung musste man ca 30% der Flächenausstattung für die Ernährung der Pferde einrechnen. Diese Zahl variiert aber je nach Bodengüte, guter Boden - viel Ernte pro ha - , schlechterer Boden - eben weniger Ernte an Futter/ha für die Pferde.
    Darüberhinaus muss man auch bedenken, daß vor 50 - 60 Jahren noch nicht mit dem heute doch relativ billigen Dünger gemacht wurde.
    Ich schätze daher die benötigte Futterfläche geringer ein als sie damals war.

  • zum aktuellen Anlaß die heutige Pressemitteilung der IGZ Bundesgeschäftsstelle:


    Kannst Du schon mit Pferden arbeiten ?
    Oder mußt Du noch Traktor fahren ?