Zügel oder Stimme

  • Was für Zügel sind die richtigen im Wald, normale Fahrzügel oder der sogenannte Stoßzügel? Weil neben dem Holz zu gehn ist ja auch gefährlich und manchmal nicht möglich weil der Weg zu eng. Und hinter dem Holz sind dann wieder die Zügel so lang, daß man immer einen Wickel drin hat. Oder … nur mit Stimme gehn?? Aber das braucht viel Erfahrung :-]

  • Wie Du selbst schon schreibst, kommt es auf den Ausbildungsstand des Pferdes an. Ist auch manchmal regional unterschiedlich, was man verwendet, genau wie bei den Geschirren - Kummet oder Brustblatt.
    Bei uns wird meist die Kombination Stoßzügel und Stimme verwendet. Ein Pferd, das auf Stoßzügel geht, muß auch auf die Stimme mehr hören, da beim Stoßzügel keine so direkte Einwirkung, wie bei normalen Leinen ist.
    Der Vorteil beim Stoßzügel ist natürlich, daß ich nur eine lange Leine habe und somit kein so "Leinengewirr". Das hat wiederum den Vorteil, das ich mit der anderen freien Hand, z.B. mit dem Sappie mal helfen kann usw. Man kann zwar auch normale Leinen in einer Hand halten, aber wer damit schon mal im Wald gearbeitet hat, weiß daß das oft nicht so einfach geht, wie z.B. beim Kutschenfahren. Da sitzt man ja Ruhig auf dem Bock und läuft nicht in oft unwegsamen Gelände neben oder hinterher, wie beim Holzrücken.
    Wer die Wahl zwischen Stoßzügel und normalen Leinen hat, wird den Stoßzügel bevorzugen, mir geht`s jedenfalls so.
    Natürlich müssen die Pferde auf den Stoßzügel abgerichtet gehen, aber wenn sie das können ist das meiner Meinung und Erfahrung nach eine feine Sache damit im Wald.

  • Auf dem Fuhrmannstammtisch in der Breitenau (Ö) wurde gestern auch über Stoßzügel oder Doppelleine diskutiert. Anhand vieler Filmbeispiele von Rückearbeit im Steilgelände und Feldarbeit vor Pflug und Egge konnten uns altgediente Pferdeleute anschaulich den Vorteil der freien Hand bei diesen Arbeiten zeigen. Allerdings gab es auch gestern eine eindeutige Aussage: "Das A&O sind gut ausgebildete Pferde!"


    Ich kenne die Arbeit mit Stoßzügel nur vom Zuschauen und mein bisherige, nichstsagender Eindruck ist: ohne dieses A&O (Pferde, die auf leichtetste Impulse des Stoßzügels in Verbindung mit der Stimme reagieren) kann der Stoßzügel zur Quälerei werden.

    Lange Ohren sind meine Leidenschaft! Deine auch?

  • Der Stosszügel ist nur in verbindung mit stimm komandos gut ein setzbar. Die Pferde müssen die kommandos kenne und auch reagiren .ansonsten ist der Stosszügel auch gefärlich.

  • hier in diese Zusammenhang: Zupfleine
    einzelne Leine die über einen freilaufenden Ring Kontakt hält zu einer Art "Rundzügel", letzterer verbindet rechte Gebißseite hinten über den Pferderücken mit linker Gebißseite
    je nach zieh oder zupf und Stimmkommando heißt das fürs Pferd rechts, links, halt etc.; gut ausgebildete Pferde gehen quasi bloß auf Stimme, da dient die Zupfleine ehr einem: Achtung gleich kommt ein Kommando


    "Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich sage, alles was ich mache, der Name jedes Gesprächspartners, jeder Ausdruck von Kreativität, Liebe oder Freundschaft aufgezeichnet wird." Edward Snowden - 6.6.2013


    "Aber lasst euch sagen: Es ist schwer eine Obergrenze für Menschen zu finden, wenn das Leid keine hat!" Luise Kinseher - 24.02.2016

  • Man wächst mit den Aufgaben. Hab selbst noch nie mit einem Stoßzügel gearbeitet, kann mir jedoch gut Vorstellen, dass sie als Ergänzung zur Stimme im Wald fürs Pferd schonender und für den Fuhrmann einfacher zu halten ist.

  • Hab mit meinem neuen Fuchswallach jetzt mit der Arbeit begonnen, bis März muß er mit in den Wald und voll arbeiten. Zuerst hat er sich ganz schön gewehrt, aber nach zwei Tagen im tiefen Schnee mit der Wiesenegge ist wohl jeder fertig. Er hat schnell gelernt, nach dem dritten Tag konnte ich mit ihm im Feld nur mit der Stimme gehen, das Beste was es gibt ist: daß wenn man drei bis vier Stunden durch den tiefen Schnee geht, wird jeder müde und gehorcht aufs Wort :tongue: :tongue:

  • Wenn er jeden Tag müde ist hat er keinen Übermut und Weiß was er zu tun hat, weil er will ja nichts anderes außer aufhören mit der Arbeit und ich zeige im immer den leichteren Weg zu gehen, wenn er das begriffen hat ist im alles wurst. Gehn muß er, das weiß er, und das muß ein Pferd im Kopf haben, daß er sich von selbst bemüht und plagt bei der Arbeit, egal wie schwer es ist. Und wenn er mal nicht beim ersten Mal weg kommt, daß er von selbst wieder anpackt - dann ist er perfekt.

  • Hab mit meinem neuen Fuchswallach jetzt mit der Arbeit begonnen, bis März muß er mit in den Wald und voll arbeiten. Zuerst hat er sich ganz schön gewehrt, aber nach zwei Tagen im tiefen Schnee mit der Wiesenegge ist wohl jeder fertig. Er hat schnell gelernt, nach dem dritten Tag konnte ich mit ihm im Feld nur mit der Stimme gehen, das Beste was es gibt ist: daß wenn man drei bis vier Stunden durch den tiefen Schnee geht, wird jeder müde und gehorcht aufs Wort :tongue: :tongue:

    Seh ich auch so, hab viel mit und hinter Pferden gearbeitet und auch nur mit Leine und Stimme. Die Pferde lernen extrem schnell wie das funktioniert. War überhaupt kein Problem auch mit normaler Leine und ich empfand die Freiheit der Leine gerade in schwierigem Gelände als Vorteil.

  • Guten Morgen,


    hab Eure Berichte so schön mitgelesen. Ich möchte heuer im Winter bei der Waldarbeit meine Stute auf Stoßzügel umstellen. Freu mich schon auf die Arbeit damit. Ich denke mal, dass der SZ im Wald, wenn man etwas mehr machen möchte die bessere Lösung ist. Auch die tierschonenste.

  • wenn man etwas mehr machen möchte die bessere Lösung ist. Auch die tierschonenste.


    Echt ? finde ich nicht .
    Jedenfalls nicht immer.
    Habe jedenfalls schon sehr "unschöne " Szenen gesehen.
    Wo einfach ohne Verstand so gearbeitet wurde .


    Ein Pferd das wirklich gut auf Stimme geht und gut mitmacht ,
    kann ich mit Führstrick am Stallhalfter lenken
    und muß nicht rucken und zupfen.


    Wenn ich an unser Bergteil denke ist da der sicherste Platz neben oder vor dem Pferd.
    Und ein Partner ( alleine machen wir sowas nicht ) passt auf wie sich der Stamm bewegt.


    je nach zieh oder zupf und Stimmkommando heißt das fürs Pferd rechts, links, halt etc.; gut ausgebildete Pferde gehen quasi bloß auf Stimme, da dient die Zupfleine ehr einem: Achtung gleich kommt ein Kommando


    Da kann ich auch ein stimmliches Komando geben .
    zB.Achtung ; pass auf oä.

  • Ich habe oft, da nehme ich mich mal nicht aus, das Gefühl, dass man bei einer Einspännerleine viel mehr unterschiedliche oft auch nicht notwendige Kommandos gibt. Dadurch die Pferde oft nicht beginnen selbst zu denken oder gar etwas verwirrt werden. Das vor allem bei eher ungeübten Fuhrleuten.


    Bei der Stoßleine kommt, beim gut ausgebildeten Pferd, das Stimmkomando und das Zupfzeichen, es ändert die Richtung bzw. die Bewegung und bleibt dabei bis das nächste kommt. In dieser Zeit, kann es sich völlig der Arbeit kümmern ohne, dass wieder ein Ziehen im Maul ist. Zudem kann es wirklich mal sein, dass sich die Leine in einem Ast verhängt und dann ist es nicht so lustig fürs Rößl. Das gilt auch für den Fuhrmann der leichter in eine geschlossne Leine steigt als dass sich eine einzelne um seine Glieder wickelt.


    Das es da und dort Fuhrleute gibt die grob sind und dabei weit weg sind von pferdeschonender Arbeit wissen wir alle und haben alle wohl auch schon gesehen.

  • Wenn ich so umscheißen täte wie Drosendorfer, würde ich kein Geld mehr verdienen. Das Pferd muß selber denken. Ich rücken nur im Gebirge. Wenn die Bäume zu schnell nach schießen, geht er zur Seite und dreht sich um, bleibt stehn. Ein Pferd wird bei der Arbeit nie - aber wirklich nie - am Kopf angefaßt. Man kann es loben, aber wenn du ihn an stellen wo er nicht geht am Kopf nimmst, wird er nie alleine drüber gehen. Das muß er alles selber machen, weil mir sind bei der Arbeit und nicht im Streichelzoo. Umsonst heißt es nicht: "Es ist einer der härtesten Jobs in Österreich".


    Meine Meinung!


    Bin fast Deiner Meinung Hödlgut.

  • … viel selber, und beim Johann Herzog hab ich auch geholfen im Wald. Der macht das immerhin schon 19 Jahre mit dem Pferd. Man kommt auch selbst auf viel drauf.


    Mein Rapp ist nie durch Moorboden - wo es ein bißchen tiefer geworden ist wollte er nicht durch oder sprang hinein, nur schnell durch - da hab ich ihn auch immer beim Kopf genommen. Aber sobald ich im Moor stehen blieb und Anhängen wollte, sprang er wieder raus.
    Wo der Boden besser war da hat mir der Herzog geholfen. Man muß mit zwei oder drei Ploch immer wieder durch fahren und im Moor stehn bleiben, er muß dabei leicht wegkommen, nach zwei Stunden hat‘s dann auf einmal geklappt. Herzog hat mir auch das mit dem am Kopf führen gezeigt, das gehört sich nicht bei der Arbeit - hat er gesagt, und das stimmt vollkommen!! Seitdem ich ihn nicht mehr beim Kopf nehme, macht er alles weil er weiß er muß selber schauen, dauert manchmal ein bißchen länger, aber ich hab ja Zeit im Holz.

  • Da hast Dir mit dem Herzog eh einen der besten Lehrmeister ausgesucht :thumbsup: !
    Am Kopf anführn mag i auch ned gern, die sollen von selber gehn. Mein alter Wallach (11) geht, wenn ihn jemand am Kopf anführn will sehr ungern mit, daß mag er nicht gern. Ist das halt auch von hinten gewöhnt, weil ich mich selber auch lieber hinter, als vor oder Kopfhöhe vom Pferd befinde. Sollte man mal ausrutscht oder so, ist`s mir lieber ich leg mich ned vor das Roß oder unter seine Haxen. Hinten bin ich immer schnell genug weg oder hoch gekommen, falls es mir mal die Füße weggezogen hat, was im Wald, bei unwegsameren Gelände ja mal leicht vorkommen kann ;) .

  • Kaltblut13 : Woher kennst Du den Herzog? Lehrmeister hab ich eigentlich keinen, jeder hat mir ein bißchen was gezeigt. Mit 15 hab ich zum ersten Mal mitgemacht und hab von ihm gleich ein Lob bekommen, er fand, daß ich fast besser fahre mit dem Pferd als so mancher Alte. Wie ich mit ihm im Holz Streifen war hat er auch nix zum Aussetzen gehabt, sondern war erstaunt wie ich mit meinem Hengst fahre und, daß er so brav ist und neben seinen Wallach nicht einmal ein Murren macht.