Es gibt noch Helden

  • Zufällig bin ich auf die Geschichte von Jonathan S. aus Weringerode im Harz gestoßen, der 2. August diesen Jahres ein durchgegangenens Pferdegespann gestoppt hat.
    Dem jungen Mann gebührt vollen Respekt für seine mutige Tat.


    Volksstimme-Wernigerode
    Erscheinungsdatum 03.08.2010


    Der 16-jährige Jonathan S. aus Wernigerode im Harzkreis ist seit dem Wochenende das Gesprächsthema in seiner Heimatstadt. In einer atemberaubenden Aktion bändigte er amoklaufende Pferde einer Kutsche. In der Volksstimme erzählt er die ganze Geschichte. Wernigerode. Jonathan befand sich am Sonnabend gegen 11.30 Uhr mit seiner Schwester und einer Cousine im Wernigeröder Ortsteil Nöschenrode. Plötzlich sahen sie ein aus Richtung Elbingerode kommendes, herrenloses Pferdegespann auf sich zurasen.
    "Aus Richtung der Kutsche hörte ich Hilferufe und ging davon aus, dass sich noch Menschen auf dem Gefährt befanden. Denen wollte ich helfen und fuhr auf meinem Fahrrad der Kutsche hinterher", berichtet der Schüler.
    Die Pferde waren inzwischen in die Bachstraße eingebogen. Autos fuhren schnell an den Straßenrand, Fußgänger brachten sich in Hauseingängen in Sicherheit. Nur Jonathan radelte der Kutsche hinterher.
    Was dann folgte, hätte Hollywood nicht besser inszenieren können. Jonathan erzählt: "Am Kutschbock war eine Metallstrebe verbogen, die ich zu fassen bekam. Dann schaffte ich es auch, einen Fuß auf die Leiter am Kutschbock zu setzen und zog mich vom Fahrrad auf den Fahrersitz rüber."
    Das Rad schleuderte er mit der linken Hand weg, während er festen Halt auf dem Bock suchte. Dann fand er die Zügel, stellte fest, dass die Handbremse angezogen war und versuchte, die Pferde zu bremsen. "Die Tiere reagierten kaum, aber ich hatte das Gefühl, dass sie ein wenig langsamer wurden", sagt der 16-Jährige, der zuvor noch nie ein Pferdefuhrwerk gelenkt hatte und zugab, Angst vor Pferden zu haben.
    In einem Kreisverkehr bogen die Pferde in Richtung Marktplatz ein, denn dort beginnt und endet ihre jeweilige Tour zum Wernigeröder Schloss. Die Tiere passierten die Kurve ohne Probleme, doch die Kutsche kollidierte mit einem Pkw, dessen Fahrer eigentlich vor einem Unfall ausweichen wollte.
    Jonathan erzählt: "Der Fahrer hat mich erst einmal angemeckert, weil ich wie ein Verrückter mit der Kutsche unterwegs war. Ich konnte ihn dann aber überzeugen, dass das gar nicht meine Kutsche war."
    Jonathan hielt die sich langsam wieder beruhigenden Pferde solange unter Kontrolle, bis ein Fachmann kam und ihm die Verantwortung abnahm. Erst danach wurde ihm der gesamte Ablauf deutlicher. Die von ihm wahrgenommenen Hilferufe kamen von Menschen, die beobachtet hatten, dass die herrenlose Kutsche in der Nöschenröder Straße die 70-jährige Radfahrerin Annemarie H. überrollt hatte. Mehrere Autofahrer kümmerten sich um die Schwerverletzte, die nach Angaben der Polizei in eine Spezialklinik nach Göttingen geflogen wurde.
    Ausgangspunkt des Unfalls und der weiteren Geschehnisse soll ein plötzliches Scheuen der Pferde gewesen sein. Nach unbestätigten Informationen soll die 68-jährige erfahrene Gespannführerin die Kutsche auf einem Waldweg angehalten haben, um Pferdekot einzusammeln. Vermutlich fiel in dieser Zeit ein Ast auf die Tiere, die dann durchdrehten. Die Kutscherin wurde von den scheuenden Tieren ebenfalls umgeworfen und verletzt.
    Der Eigentümer des Gespanns, Dieter L. aus Wernigerode, war gestern nicht zu einer Stellungnahme bereit. Mit dem Hinweis, dass er krank sei, beendete er eine entsprechende Volksstimme-Anfrage abrupt.


    Der Verkehrsunfalldienst des Wernigeröder Polizeikommissariats hat sich der Sache angenommen. Die Revierleitung will Jonathan am morgigen Mittwoch für sein mutiges Engagement auszeichnen.
    Einen Tag später beginnt für ihn der Schulalltag mit dem Start in die 10. Klasse.



    Volksstimme-Wernigerode
    Erscheinungsdatum 24.08.2010

    Den jüngsten Unfall mit einer Pferdekutsche in Wernigerode haben Bewohner und Geschäftsleute der Marktstraße zum Anlass genommen, Fuhrunternehmer zu kritisieren. Es geht ihnen nicht darum, die Vierbeiner samt Gespanne aus der Stadt zu verbannen, heißt es. Vielmehr um die Gesundheit der Pferde und Sauberkeit auf dem Kutschen-Parkplatz in der Innenstadt.
    Wernigerode. Pferdekutschen gehören zur Stadt wie die bunten Fachwerkhäuser, die vielen Gassen und Geschäfte sowie Bimmelbahnen. "All‘ dies macht Wernigerode so lebenswert und erfreut die Gäste", sind sich Bewohner und Gewerbetreibende der Marktstraße einig. Sie haben aber mit Pferdegespannen dennoch "ein riesiges Problem".
    Den jüngsten Unfall am 31. Juli in Nöschenrode, bei dem zwei Pferde durchgegangen sind und eine Rentnerin von der Kutsche überfahren wurde, habe sie veranlasst, sich mit einem Brief an die Stadtverwaltung und Tierschützer zu wenden. Darin berichten sie über ihre Sorgen und bitten um Unterstützung.
    Im Volksstimme-Gespräch schilderten einige der über 60 Unterzeichner des Schreibens, das der Redaktion samt Liste vorliegt, was ihnen besonders am Herzen liegt. Voraus schickten sie, dass sie Pferde und Kutschen nicht aus der Stadt verbannen und auch nicht alle Fuhrunternehmen über einen Kamm scheren wollen: "Es gibt Kutscher, die ihre Pferde ordentlich halten und maßvoll belasten. Diese Vierbeiner erwecken auch den Eindruck, dass es ihnen gut geht."
    Probleme hätten sie vor allem damit, wenn Pferde bei Temperaturen von mehr als 30 Grad im Schatten stundenlang in der prallen Sonne stehen und auf Fahrgäste warten müssen, "ohne, dass jemand ihnen Wasser gibt". Nicht mit ansehen könnten sie auch, wenn Pferde bei der Hitze mit hängenden Köpfen und Schaum vor dem Maul eine vollbesetzte Kutsche zum Schloss hochziehen. Ebenso traurig sei anzusehen, wenn im Winter die Tiere bei Glatteis auf dem Pflaster unter der Last ausrutschten.
    In dem Brief wird außerdem in Frage gestellt, ob die sogenannte Kutschen-Haltestelle im Bereich Marktstraße/Teichdamm der richtige Platz sei: "Der ewige Gestank rings um den Oberpfarrkirchhof vertreibt anliegenden Gastronomen die Gäste."
    Diese und weitere "unschöne Erlebnisse" schildern die Unterzeichner, zu denen auch eine Reihe von Touristen gehören, in dem Brief, mit der Absicht, dass sich "endlich Verantwortliche finden, die nicht wegschauen, sondern eingreifen". Denn immer wieder würden sich Gäste über die Haltung von Pferden empören.
    "Gestank vertreibt Gastronomen die Gäste"
    Zu den Verantwortlichen gehört im Wernigeröder Rathaus Gerald Fröhlich. Ihm seien die Sorgen der Marktstraßen-Anlieger "schon zu Ohren gekommen", sagte der Leiter des Ordnungsamtes auf Nachfrage. Gleichzeitig versicherte er, die Probleme ernstzunehmen und "alle Kutschfahrten-Anbieter an einen Tisch zu holen".
    Einer der vier Betreiber, die in Wernigerode mit "Ross und Reiter" unterwegs sind, ist Frank Linde. Für die "Aufregungen der Leute" habe er kein Verständnis, sagte er gegenüber der Volksstimme. "Es wird meist pauschal gemeckert." Sein Unternehmen führe im Sommer immer Trinkwasser für die Tiere mit. Auch gönne er seinen zehn Pferden regelmäßig einen Ruhetag. Frank Linde: "Ihnen geht‘s besser als mir. Ich habe eine Sieben-Tage-Woche." Dass Pferde mal "durchgehen", sei "leider normal". Zum jüngsten Unfall wolle er nichts sagen, nur: "Es waren nicht meine Pferde."

    "Sagt mir nicht, was ich recht mache. Sagt mir lieber, was ich verkehrt mache, denn davon lerne ich am meisten." Kgl. preußischer Baurat Wilhelm Schmidt (1858-1924), Erfinder der Heißdampfmaschine.
    "Ich glaube an das Pferd, das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung." Kaiser Wilhelm II.

  • Unfälle wird es immer geben ,egal ob von Fahrlässigkeit oder Unglücklichen Zufall.An dieser Geschichte kommt mir einiges Fragwürdig vor ,z.B.:Auf einen Waldweg Pferdeäpfel einsammeln bis mit angezogener Handbremse seien die Pferd gelaufen .Ein Fahrerkollege hatte seine Pferde vor dem Hoftor angehalten ,damit seine Tochter das Tor öffnen kann .Das rechte Pferd wetzte sich mit den Ohren an der Deichselspitze und riss sich das Fahrzaum runter das Tor war schon geöffnet und ab ging die Post .Zum Glück für die Öffentlichkeit aber zum Unglück für Fahrer und Pferde /Kutsche,denn es spielte sich alles im Hof/Garten ab.Am Ende konnten sie nur von einen Scheiterhaufen gestoppt werden wo die Deichsel steckenblieb,Fahrer mit Gehirnerschütterung ,Pferde mussten genäht werden und gingen Monate lahm,Kutsche war nur verbeult und verbogen (Marathonwagen).Da können wir von den Amish etwas lernen ,die haben stabiele Stahlgeländer zum anbinden an ihren Raststellen und Wasser zum tränken und abwaschen.Wo Einigkeit ist ,lässt sich viel zum positiven für die Pferde ändern anstatt nur lässtern über Gestank oder Verbannung .Kein Tunierfahrer der mit Stil nach dem Grundprinzip der Fahrschule/Fahrkunst nach Achenbach seine Prüfung ablegen will ,darf ohne Beifahrer fahren .Die Strassrenverkehrsordnung /Gesetzgeber sollte hier dringend etwas tun . Mit Herzlchen Grüssen von Spyder.

  • Grüß Euch!


    Ich habe auch eine Geschichte über Tapferkeit.


    Ein Bekannter von mir fuhr mit seinem Planenwagen und 2 Haflingerhengsten eine Mehrtagestour. Auf einer Brücke schob ein daherbrausender LKW einen PKW, der bereits hinter der Kutsche fuhr, auf die Kutsche. Der Kutscher knallte durch den Aufpall mit dem Hintekopf auf die Rückwand und wurde bewustlos. Die Hengste gingen durch.
    Seine 12-jährige (!!!) Enkelin kletterte nach vorne und schaffte es, die Pferde nach etwa 1km zum stehen zu bringen. Der Aufprall war so hefftig, daß beide Pferde schwer verletzt wurden, eines musste sogar eingeschläfert werden. Mein Bekannter hatte glücklicher Weise nur eine ordentliche Gehirnerschütterung.


    Die Leistung des 12-jährigen Kindes finde ich unglaublich und absolut cool. Allerdings ist sie von klein auf immer beim kutschieren dabei.


    LG gerald

  • es wird immer unfälle geben, egal wie gut der kutscher ausgebildet ist!


    alleine, dass man selber einmal unkonzentriert ist, was niemand von sich nicht behaupten kann, ist schon ein unfallrisiko!


    und die anderen verkehrsteilnehmer sind an einer vielzahl der unfälle mit schuld. das thema hatten wir hier schon oft... knappes überholen, zu enges einscheren nach dem überholen, zu enges auffahren auf die kutsche, zu schnelles fahren durch kurven etc.


    hier in ibbenbüren ist vor drei wochen ein schwerer unfall passiert, weil ein auto, trotz rotlich, geschlossener schranken und falschem abbiegen auf die schienen gelenkt wurde. alle drei insassen wurden getötet!
    trotzdem hat keiner gesagt, dass züge verboten gehören und autos!



    auf die rahmenbedingen sollte allerdings schon ein auge geworfen werden....


    und ich glaube nicht an helden! ich glaube aber daran, dass es immer wieder menschen gibt, die einfach reagieren.... denn oft genug geht der schuß auch nach hinten los!

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