zweispänner korrekt ausspannen

  • also, es geht um folgendes :



    wenn ich alleine fahre und zurück am platz bin, wie spanne ich zwei pferde aus, wenn niemand weiter da ist, der mir eines abnimmt? wie soll ich beide gleichzeitig, unter beachtung aller sicherheitsvorkehrungen, von der kutsche nehmen und anbinden?



    beim anspannen genau das gleiche.



    (zur erklärung: ich kenne einen kutscher der eins seiner tiere immer unangebunden, nur am wagen, rumstehen lässt, während er das andere versorgt. das kommt mir ein wenig gefährlich vor, aber wie soll das denn sonst gehen? ich beobachte diesen fahrer manchmal in meiner nachbarschaft, und -so blöd das auch klingen mag- ich trau mich einfach nicht, ihn mal selber zu fragen, da wir hier manchmal persönliche differenzen haben. nur soviel: es geht um freilaufende hunde (meine) und hühner (auch meine).)



    besten dank schonmal für die antworten :-)

    mein großvater fuhr mit der kutsche. mein vater fuhr dem auto. ich selbst fliege mit dem flugzeug- doch mein enkel wird wieder kutsche fahren.

  • Alleiniges Ein- und Ausspannen setzt ausgebildete Pferde vorraus.


    (ausspannen)
    Bremse fest machen
    Absteigen
    Zugstränge aushängen und ans Geschirr hängen
    Aufhalter lösen
    Gespann aus der Deichsel heraus und dann zum Anbindeplatz fahren und anbinden


    (einspannen)
    Anbindung lösen
    Gespann vor den Wagen fahren
    Gespann rückwärts "in" die Deichsel fahren
    Aufhalter fest machen
    Zugstränge einhängen
    Aufsteigen


    Es gab mal auf der Startseite ein kleines Fuhrmanns 1 x 1, leider nicht mehr verfügbar.

    Kannst Du schon mit Pferden arbeiten ?
    Oder mußt Du noch Traktor fahren ?

    Edited once, last by Fuhrmann ().

  • Als Profi habe ich ja schon immer Respekt vor "Amateuren", die sich alleine An-, Ausspannen und Fahren trauen. Natürlich liegt das in allererster Linie an der Routiniertheit der beiden Pferde.


    Natürlich kann man es sich als Profi nicht leisten, stets mit einem Beifahrer zu fahren.


    1. Wenn ich mit meinen routinierten Pferden fahre, gehe ich folge4ndermaßen vor: BHeide Pferde sind aufgeschirrt und aufgetrenst, die Außenleinen eingeschnallt. Ich führe die Pferde so aus dem Stall, daß das linke Pferd rechts und das rechte Pferd links von mir steht. So kann ich deren beide Außenleinen, wenn ich zwischen beiden stehe, das linke Pferd mit der rechten Hand an seiner Außenleine, das rechte Pferd mit der linken Hand nehmen und zum Wagen führen.
    Je nach dem, wer der erfahrenere, das heißt routiniertere ist, führe ich den anderen, mal als Beispiel den linken an die linke Seite des vorbereiteten Wagens, lasse das rechte Pferd im großem Bogen herumtreten, sodaß auch er nun auf der rechten Seite der Deichsel steht.
    Beide Pferde stehen nun nach vorne schauend an der Deichsel.
    Jetzt mache ich einen (nach FN) großen Fehler und schnalle zuerst die Aufhalter ein. Ich habe halt gerne beide Pferde erstmal an der Deichsel.
    Dann verbinde ich die Innenleinen, wobei cih darauf achte, wer von beiden den Kopf höher trägt und somit seine Innenleine ÜBER der anderen Leine eingeschnallt bekommt.
    Ich gehe dann auf die rechte Seite und werfe das rechte Leinenhandstück nach links über den Rücken des linken Pferdes.
    Dann gehe ich nach linke, verbinde beide Handstücke, und wenn ich nicht zwei hundertprozentige Pferde habe, befestige ich die Handstück mit einer Schlaufe an der linke Bracke.
    Jetzt hänge ich den Außenstrang des linken Pferdes, dann den Innenstrang des linken Pferdes ein, gehe ums Gespann herumg, hänge den Außenstrang des rechten Pferdes, dann seinen Innenstrang ein.
    Das nächste ist, die Aufhalter anzuziehen, nicht zu streng, nicht zu loose.
    Alls letztes gehe ich auf die linke Seite des linken Pferdes, löse die Handstücke von der Bracke, messe die Leinen (nach guter alter Achenbachweise) ab und sitze auf.


    Nochmals möchte ich betonen: Das alles geht nur mit routinierten Pferden.


    Bei nicht ganz hundertprozentigen Kandidaten fahre auch ich mit einem Beifahrer, solange bis das gegenseitige Vertrauen so groß geworden ist, daß man sich blindlings vertrauen kann. Das kann durchaus auch mal bis zu einem Jahr dauern.


    Übrigens: Ich habe ja vorletzte Woche zwei sehr schöne Schwarzschimmel von der polnischen Grenze heimgebracht. Winniepooh hatte uns auf der Heimfahrt überaus gastfreundlich beherbergt. Am Freitag wollten wir beide beschlagen. Das gelang auch bei wenigstens 7 Hufen, Der achte, bei der Frl. Tochter mit 4 Jahren, war nicht (zumindest nicht mit der sanften Methode) möglich.
    Immer wieder ausfeuern nach hinten. Trotz einer Sedierung und einem Aufziehen mit Tackle an die Decke. Die Nasenbremse wollten wir noch nicht anwenden.
    Heute haben wir, wir müssen sie ja trainieren, es mit Hilfe von Tierarzt und Schmied, mit einer Vollnarkose probiert. Es klappte, der Schmied meinte hinterher, so ein ruhiges Pferd habe er noch nie beschlagen.


    Ich hoffe doch, bis zum nächsten Beschlag bekommen wir das auf die sanfte Tour bei diesem jungen Pferd doch hin.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • also wenn ich den fuhrmann richtig verstehe, führst du die pferde hinter ihnen laufend zum wagen und auch vom wagen weg. ABER: auch bei dieser methode gibt es doch mehrere augenblicke, in denen die tiere nicht angebunden sind oder sonstwie "gesichert".


    in genau diesen momenten kann es doch zu zwischenfällen komenn, oder nicht? selbst bei gut ausgebildeten tieren.


    ich hatte gedacht, es gibt da laut FN (die ham ja für alles immer irgendwelche vorschriften) richtlinien oder so.



    A. Nemitz: ist das was du beschreibst dann die "offizielle" vorgehensweise, oder hast du dir das im laufe der zeit so angeeignet?



    allerbesten dank auf jeden fall für die ausführlichen antworten!

    mein großvater fuhr mit der kutsche. mein vater fuhr dem auto. ich selbst fliege mit dem flugzeug- doch mein enkel wird wieder kutsche fahren.

  • Dann gehe ich nach linke, verbinde beide Handstücke, und wenn ich nicht
    zwei hundertprozentige Pferde habe, befestige ich die Handstück mit
    einer Schlaufe an der linke Bracke....
    Jetzt hänge ich den Außenstrang des linken Pferdes, dann den Innenstrang des linken Pferdes ein, gehe ums Gespann herumg, hänge den Außenstrang des rechten Pferdes, dann seinen Innenstrang ein.


    ...und das ist der Zeitpunkt, wo die Leinen trotzdem noch zu weit weg sind 8o , wenns drauf ankommt. (hab aber schon verstanden, dann sie dann linksrum im Kreis gehen)


    Da ich lieber die Leine griffbereit habe, mache ich nach Aufhaltern und Innenleine verbinden erst die Stränge des rechten Pferdes fest, mit der rechten Leine in der Hand, und werfe sie erst DANACH zum linken Pferd, um die Handstücke und dann die linken Stränge abzuarbeiten. Der Vorteil: die Leine ist STETS bei mir.

  • die Leine ist STETS bei mir.


    Da haben Sie aber nur die eine Leine in der Hand; wenn die Pferde antreten, so marschieren sie genau in die Richtung dieser einen Leine, z.B. nach links, also in den Verkehr hinein.


    Wenn man schon nicht beide Leinen an der Bracke festmachen möchte, dann lasse ich es besser und nehme einen Groom mit. Überhaupt gelten die von Fuhrmann und mir beschriebenen Vorgehensweisen ausschließlich für routinierte, sichere Pferde. Ansonsten ist immer ein Beifahrer zu empfehlen.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Quote

    Überhaupt gelten die von Fuhrmann und mir beschriebenen Vorgehensweisen ausschließlich für routinierte, sichere Pferde. Ansonsten ist immer ein Beifahrer zu empfehlen.


    Manchmal spannen wir auch wie o.g. aus, einfach zur Übung, damit auch da jeder Handgriff sitzt, wenn man mal in die Situation kommt, da steht dann aber der Beifahrer "griffbereit" dabei. Ansonsten sind mein Mann und ich beim Ein- und Ausspannen grundsätzlich zu zweit, die Termine werden von vorneherein so gelegt, daß das klappt.
    Sollte ich wirklich einmal allein beim Ausspannen sein, wenn ich nach der Fahrt wieder am Stall ankomme, fahre ich direkt in die Stallgasse hinunter. Die ist so breit, daß Kutsche und Pferde hineinpassen. Nach vorne können die Pferde nicht weg, die Fahrgäste steigen ab und gehen nach hinten raus und sind dann auch gleich "aus dem Weg" und ich kann in Ruhe ausspannen.
    Natürlich kam es anfangs auch mal vor, daß die Pferde gleich direkt in ihre Box marschieren wollten, darum haben wir das in der ersten Zeit auch immer zu zweit geübt (bzw. achten wir darauf, daß die Boxentüren geschlossen sind).


    Quote

    Jetzt mache ich einen (nach FN) großen Fehler und schnalle zuerst die Aufhalter ein. Ich habe halt gerne beide Pferde erstmal an der Deichsel.


    Wir halten uns im großen und ganzen an die Richtlinien (auch weil man ja nie weiß, wer gerade zuschaut, wir hatten auch schon ganz interessante Fahrgäste, die sich gut auskannten und überrascht sagten: "Ach, Sie fahren ja richtig korrekt nach Achenbach!"). Die Richtlinien machen ja auch Sinn, aber in diesem Punkt weichen wir auch ab.


    Grüßle
    Carola

  • Quote

    mit der rechten Leine in der Hand,

    ?? wieso gehen sie da im Zweifelsfall nach links in den Verkehr??

    "Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich sage, alles was ich mache, der Name jedes Gesprächspartners, jeder Ausdruck von Kreativität, Liebe oder Freundschaft aufgezeichnet wird." Edward Snowden - 6.6.2013


    "Aber lasst euch sagen: Es ist schwer eine Obergrenze für Menschen zu finden, wenn das Leid keine hat!" Luise Kinseher - 24.02.2016

  • ??
    Ich spann immer allein an und ab..
    fein nach den Achenbach Regeln hat man auch immer irgendwo ein Stück Leine zum greifen(gotteseidank noch nie gebraucht)
    Wenn ich mähen gehe müssen Sie auch stehen.
    Wie wollen mal das Leben nicht verkomplizieren.

  • Asso im Zweispänner fahren Buch steht glaube ich wie man allein anspannt.
    Da werden die Pferde an die Deichsel gedreht links wie rechts .
    meine Ponys machen sowas leider nicht mit.
    Also einzeln herranführen.

  • Da ich häufig alleine bin, wenn ich fahren möchte, gehe ich dann nur auf den Platz. Beim Ein- und Ausspannen hab ich auch keine Hilfe. Da mir das bei der Ausbildung der beiden Ponys schon bewußt war, hat der Befehl "Steh" in der gesamten Ausbildung einen sehr hohen Stellenwert, ähnlich wie bei den Westernpferden das "Whow". Der Befehl funktioniert in allen Lebenslagen so gut, dass sie schon beim Putzen und Aufschirren nicht angebunden werden müssen. Deshalb gibt es dann beim Ein- und Ausspannen keinerlei Probleme. ich führe sie, wie von Herrn Nemitz beschrieben frontal auf die Deichsel zu. Die siebenjährige macht da sofort und unaufgefordert eine Vorhandwendung, bis sie merkt, dass sie mit der Kruppe an die Deichsel gestoßen ist. Die Vierjährige wartet mit dem Einparken auf ein Antippen mit dem Finger in der Flanke. Dann parken die zwei im standby modus, bis der Befehl "komm Schritt" kommt.


    Nach dem Ausspannen führe ich sie gemeinsam von der Deichsel weg, aber mit Stimmbefehl (einmal Schnalzen). Ohne ausdrücklichen Befehl dürfen sie sich aus dem "Steh"-Befehl nicht verabschieden.


    Die Routine kommt so hoffentlich in den Jahren.


    LG Iris

    "Es ist immer problematisch, wenn das Pferd mehr Hirn hat als der Mensch." Zitat unser Hufschmied :D

  • also ich merk schon: es hat wohl so jeder seine eigene methode.


    jedenfalls besten dank für die antworten, ich fühl mich schon viel schlauer!

    mein großvater fuhr mit der kutsche. mein vater fuhr dem auto. ich selbst fliege mit dem flugzeug- doch mein enkel wird wieder kutsche fahren.

  • also ich merk schon: es hat wohl so jeder seine eigene methode.


    Naja: wenn man sich all diese Antworten ansieht, so zieht sich doch durch alle hindurch: beim Anspannen zuerst die Leinen schnallen (Innenleinen, dann Handstücke und DANN ERST die Stränge.


    Beim Ausspannen: ERST DIE STRÄNGE, dann die Leinen.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

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