Wer mäht noch per Hand

  • Im vorrigen Jahr habe ich artig mein Gras mit einer Baumarktsense gemäht .
    Kreuzschmerz Frustration und ein undengelbares Blatt.
    Naja nun habe ich zum Geburtstag ein Sensenbuch geschenkt bekommen.
    Sehr gut muss ich sagen.
    Vor allem hat man jetzt mal die wahren Maße zum einstellen der Sense.
    Die Disskusionen mit den Nachbarn laufen rühiger ab.
    Jetzt habe ich tatsächlich noch einen echten Sensenbaumbauer gefunden.
    Und zu allem noch ein Sensenblatt vom östereichichen Sensenverein bestellt.
    Scheint in hierzulande nicht mehr möglich zu sein gute Sensen zu bauen.
    Ja und nun wollte ich mal hören was ihr so nutzt ,oder mäht keiner mehr per Hand.

  • a) Sensenbuch ...
    b) Scheint in hierzulande nicht mehr möglich zu sein gute Sensen zu bauen.
    c) wollte ich mal hören was ihr so nutzt ,oder mäht keiner mehr per Hand.


    zu c) Doch doch, zuweilen mähe ich auch noch per Hand-, wobei man sich Jahr für Jahr nach der Winterpause immer wieder auf's neue an das Arbeiten mit der Sense gewöhnen muß :whistling:


    zu a) das Sensenbuch von David Tresemer, Wendell Berry, Erich Degreif (Hrsg.) ?


    Ist bekannt. Ist auch eine ganze Menge an Informationen drin. Ist mir persönlich für europäische bzw. deutsche Verhältnisse aber etwas zu "Amerika"- lastig dargestellt. Soll heißen ich bin nicht mit allen Angaben so ganz zufrieden. Aber seis drum ...


    zu b) geht ja aus dem Inhalt des Buches hervor. Da es hierzulande ja kaum noch einen Fach - groß und Einzelhandel für Bedarf solcher und anderer land und forstwirtschaftlicher Arbeitsmittel gibt, gibt es auch keine große Anzahl an Herstellern für solche Artikel. Du schreibst ja selbst:

    Quote

    Jetzt habe ich tatsächlich noch einen echten Sensenbaumbauer gefunden.


    Bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein wurden solche Gegenstände des täglichen Lebens wie: Korbwaren, Reisigbesen, Schindeln, Werkzeugstiele (Heurechen, Sensenwürfe, Gabeln u.v.a.m.) oft von Menschen / Familien hergestellt, welche den Sommer über mit einer sehr kleinen "Selbstversorgerlandwirtschaft" auskommen mussten. Als zusätzliche Einnahmequelle - meistens übers Winterhalbjahr und auf Vorrat angefertigt wurden dann o.g. Waren hergestellt und oft über Land ziehend in der näheren und weiter Umgegend verkauft.


    Als sich feststehendes Handelsgewerbe (s.g. "Einzelhandel") flächendeckend auch auf dem Lande und in vielen Dörfern angesiedelt hatte und solche Waren dann auch Industriell hergestellt und vom Fach-groß und Einzelhandel angeboten wurden gingen diese Nebenwerwerbsgewerke stark zurück. Manchmal kaufte auch ein regional größerer Fachhändler bei den letzten verbliebenen Herstellern solcher Produkte auch direkt ein und lieferte wiederum an die inzwischen zahlreichen Einzelhandelsgeschäfte auf dem Lande. Ähnlich, wenn auch sicher nicht ganz so ausgeprägt war es wohl auch mit den Herstellern von Sensen. Diese Manufakturen waren wohl doch schon etwas spezieller, nicht ganz so stark verbreitet, mehr spezialisiert und haben daher vereinzelt wohl noch etwas länger überdauert ...
    Heute jedoch ist es so, daß man im Land- oder sonstigen Fachhandel wohl kaum noch eine Sense oder einen Sensenwurf findet, der eine Qualität aufweist, wie diese doch noch bis in die 80iger Jahre des 20igsten Jahrhunderts durchaus auffindbar waren.
    Nur noch Industriell, oft geringwertig hergestelltes Zeug ...
    Na ja, es braucht halt auch fast niemand mehr eine Sense oder einen Wurf dazu - geschweige denn kann damit auch noch mähen. Wozu und woher denn auch ... ?
    Und für wen sollte hierzulande dann auch noch jemand gute Sensen bauen oder einen zum Mäher passenden ergonomischen Sensenwurf ?
    Um so erfreulicher, wenn dann der eine oder die andere doch noch etwas qualitatives und passendes findet :thumbup:

    Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen :D


    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


    Bewahren von Traditionen ist nicht das Anbeten von Asche, sondern die weitergabe des Feuer's
    (frei nach Gustav Mahler)

  • "Einfach Sense mähen"


    Wenn ich unsere Nachbarn in Österreich so sehe.
    Ich hatte mir vorriges Jahr auch einen Balkenmäher gekauft und schön wieder verkauft.
    Schlechtes mähbild stinkt laut nervig.
    Mit der Sense bin ich effektiver .


    In Glashütte ist ein Museumsschmied , der macht auch noch handgemachte Sensen.


    Thomas

  • Es nützt ja nun nichts den "guten alten Zeiten" nach zu trauern! Wenn nichts Anderes verfügbar ist muß man mit dem zurecht kommen was man hat. Wichtig ist die richtige Einstellung der Sense und die Schärfe. Ein vernünftiger Sensenbaum aus Holz sollte es schon sein.

  • Bei meinen ersten Sensenversuchen schaute mir ein Landwirt zu und meinte nach ein paar Minuten: "so, wie Du das Gras verstümmelst, kriegst Du keinen Bauern als Mann!" Recht hat er gehabt ;)


    Das schlechte Mähergebnis liegt aber auch heute noch nicht an der Sense.


    LG Iris

    "Es ist immer problematisch, wenn das Pferd mehr Hirn hat als der Mensch." Zitat unser Hufschmied :D

  • Hallole


    Ich habe mir vor ca zwei Jahren eine Sense , den dazugehörigen Baum , Dengelwerkzeug, ein Buch und Wetzstein bei der " Sensenwerkstatt Bernhard Lehnert , Walsheim " bestellt . Die Adresse hab ich von einem Artikel aus der Cavallo .


    Vorher hatte ich auch eine Baumarkt Sense-nicht zu vergleichen mit der richtigen . Viel leichter , schnittiger ,


    Es macht , finde ich, nach einer alljährlichen Eingewöhnungszeit Spaß mit einer guten Sense zu mähen. Klar, macht es einen Unterschied ob ich für zwei oder acht Pferde Grünfutter mähen muß. Einer, der es richtig kann ( dazu zähl ich mich aber nicht ) wird von der Schnittleistung und dem Schnittbild einem Balkenmäher wenig nachstehen. Aber wenn alles stimmt ( Grashöhe , Grasart , Sense , Einstellungen , Schärfe ) macht es echt Spaß und ich laß den Balkenmäher stehen. Und man wird garantiert angesprochen !!!


    Demnächst bestell ich mir wohl das Buch über das richtige Schärfen und Dengeln , ein Wetzsteinbehälter und eine Sense fürs " Grobe " .


    Bis dann

  • Wen es interessiert:
    Hier:


    gibt es ein Sensenvideo, in dem ein junges Mädchen eine ziemliche Fläche mit der Sense mäht.
    leider ist aus Urheberrechtsgründen die ursprünglich dazu unterlegte Musik deaktiviert worden. Vielleicht findet ja irgend jemand hier eine passende Musik auf youtube, die man parallel dazu abspielen könnte.
    Das Video hat irgendwie was meditatives.

    :) Kühe sind die besseren Menschen :)
    und ausserdem schmecken sie auch besser!

  • Noch ist das Gras nicht hoch genug, aber wenn dann geht es bei uns auch wieder los, und ja es hat was meditatives, nach einem Arbeitstag inmitten von Maschinenlärm, geniesst man das leise Pfeiffen der Sense sagt Gerd immer, und ich die Zeit sich ungestört zu unterhalten.


    Wenn der halbe Sommer rum ist, dann ist es aber nicht mehr ganz so besonders, dann wünscht man sich mal nen Balkenmäher ;)


    LG


    Petra

    :D Shetty Team Jahnke - Klein Stark Schwarz

  • Hallo ihr guten Mäher,
    ich brauche die Sense noch sehr häufig, vor allem in schwierigen gelände. Habe einen steilhang mit reben und terassen dort komme ich nur mit der sense durch. Der nachbar macht es mit der motorsense aber ich bin gleich schnell wie er. nicht im mähen selbst, aber ich habe mein gras nachher viel schneller zusammen weil es schön lang bleibt.Kommt noch dazu dass es für mich eine grosse genugtuung ist gleichzeitig die Vögel zu hören, und ein hornissen erd nest( :cursing: ) ist auch schneller entdekt :] .


    einen kleinen tipp für anfänger: wenn ihr sehr früh morgens mäht wenn es noch schön feucht ist vom Tau und die sense scharf ist gehts am besten.


    allen eine gute mäh un heu saison!
    Bendik

  • Auch wir haben an Haus und Hof einige Stellen die ich jedes Jahr mit der Sense (Plattdeutsch=Lee) mähe. Ich nehme die Lee lieber als die Motorsense. Es geht schneller und macht nicht son Krach.
    Das Dengeln kann ich schon, mach es aber doch nicht. Mit der Flex und den feinen Sandpapierscheiben hat man das selbe Resultat. Wichtig beim mähen mit der Lee: Das Gras muss feucht sein.

  • Hier nutze ich die Sense nur dazu um das grobe Unzeug anzumachen. Disteln, Ampfer, Brennesseln..... der Schlepper mit Mähwerk ist zwar vorhanden aber ich nehme lieber die Sense dafür.


  • Das Dengeln kann ich schon, mach es aber doch nicht. Mit der Flex und den feinen Sandpapierscheiben hat man das selbe Resultat.

    Dengeln oder Flex erreichen vieleicht das selbe Resultat kurzfristig aber auf keinen Fall auf langer sicht. Beim Dengeln erfolgt eine Kaltverformung was gleizeitig auch eine Erhöhung der Festigkeit ergiebt. Also für die Sense ist Dengeln auf alle Fälle besser. Halt nur langwieriger als schleifen mit der Flex. Haffi08 :-]

  • Was hast du dir für eine Sense geholt Judith aus der Pfalz.
    Und wie bekommst Du sie scharf.



    Es scheint eine Wissenschaft zu sein.


    Ich gehe immer so mähen das es für 2 Tage reicht .
    Und wenn man vor dem Weiden ein ordentliches Stück freisenst .
    Anschliessend dann täglich zu koppelt bekommt man die Gallstellen gut in den Griff.

  • ich mäh noch mit der Sense...
    und zwar alljährlich, bevor es auf die Koppel geht.
    Nachdem wir gut einen Kilometer Weg zur Koppel haben, wäre ich zum Anweiden bei 8 Pferden und 2 Rindern den ganzen Tag beschäftigt (jeder 10 min., dann 15... usw.)
    Außerdem würden sich selbst die Bravsten sicher NICHT nach so kurzer Anweidezeit wieder einfangen und nach Hause bringen lassen.
    Drum sense ich täglich den (täglich steigenden) Anfütterungsbedarf ab (warte schon drauf, daß das Gras endlich lang genug ist) und lege dann das Grünfutter im Paddock vor.
    Ist bei weitem die streßfreieste Methode...


    Habe feststellen müssen, daß die antikste Sense am besten in der Hand liegt und auch am besten schneidet. Die anderen... naja...
    Dengeln hab ich nach bestem Wissen und Gewissen immer gemacht (hab so einen alten Dengelamboß oder wie auch immer man den nennt), haut scho hi, ist sicher nicht perfekt, aber für meine Zwecke hat's anscheinend gereicht. Meistens reicht das Wetzen mit dem Stein.

  • Meine Oma hat als ich Kind war noch das Heu für ihre Stallhasen zusammen mit Opa noch in reiner Handarbeit mit Sense gemacht. die beiden dürften da so um die 60 gewesen sein. Auch das Grünfutter.
    Ich durfte ab und zu auch mal mit der Sense probieren (das gute Stück ist wahrscheinlich mindestens so alt wie meine Großeltern ;) ) und bin wenigstens so weit gekommen dass ich das Blatt halbwegs parallel zum Boden schwingen konnte und nicht mit der Spitze in den Boden gehackt habe... :D
    Das Heu dann mit dem Rechen gewendet und mit dem Holzschubkarren in die Scheune gefahren.
    Später hat Oma dann nur noch das tägliche Grünfutter mit der Sense gemäht, zum Heumachen kam der Balkenmäher dran.
    Gewetzt wurde die Sense regelmäßig mit einem nassen Wetzstein, ratsch-ratsch-ratsch und scharf. Oma war da echt Profi! ^^


    Inzwischen sind meine Großeltern um die 80 und haben keine Hasen mehr, die Wiesen werden von einem Bauern mit gemäht (mit Traktor) der da Futter für seine Kühe macht.
    Die Sense gibt es bestimmt noch und irgendwann werd ich sie mir garantiert unter den Nagel reißen. :D (Momentan haben wir ne 2-Zimmer Stadtwohnung und die Pferde in nem Pensionsstall, da ist die Zeit noch nicht für eine Sense gekommen *g*)


    Das Video ist toll, hat wirklich etwas sehr beruhigendes.

    LG,
    Pleini
    :-]

  • ja, auch ich mäh noch mit der Hand und Sense und muß fesstellen je älter die Sense desto besser schneidet sie.


    Dengeln ist ein Muß für einen guten Schnitt und die Standzeit nur nachschleifen versaut eine Sense auf dauer.


    Hier vielleicht noch eine gute Adresse für interessierte:


    http://www.sensenwerkstatt.de/5.html

    :thumbsup: Freude ist da, wo auch Pferde sich wohlfühlen


    HeiBo

  • Möglicherweise haben wir dadurch ein kleines bischen mehr Lebensqualität, zumindest in der guten Stunde in der wir auf der Wiese stehen und uns die Zeit zum Grasmähen nehmen ;)


    LG


    Petra

    :D Shetty Team Jahnke - Klein Stark Schwarz

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