Gefrorenes Gras?

  • Jedes Jahr stelle ich mir dieselbe Frage wie vertragen Pferde gefrorenes Gras?


    Habe heute wieder eine grosse Wiese eingezäunt wo noch viel Gras steht. Vorteil: dass ich keinen Matsch habe.


    Lasst ihr eure Pferde den ganzen Tag auf der Wiese stehen, oder habt ihr eine grasfreie Koppel?

  • Hallo hasi,


    meine Tiere laufen Sommer wie Winter draussen. Ich denke das die im Winter auch gefrorenes fressen. Ich gebe bei frost wohl immer sehr großzügig Heu und Stroh. So viel das die ständig etwas zu fressen an Heu und Stroh haben. Mit zunehmenden Winter ist auf der Weide dann auch nicht mehr so viel außer die Sträucher an die gehen sie dann dran.
    Tio tio tio bis her fühlen sich meine Tiere alle sau wohl und sind, von gewissen alters Wehwehchen mal ab gesehen, kern gesund.


    Grüße


    nintja

  • wie vertragen Pferde gefrorenes Gras?


    Unterschiedlich. Das eine bekommt vielleicht Bauchweh (Kolik), das andere vielleicht Hufrehe.
    Dies ist vor allem möglich, wenn Weidegang nicht durchgängig, sondern Aufstallung mit Rauhfutterfütterung und Koppelgang nur Zeitweise. Hierbei besteht die Gefahr, wenn Koppelgang früh morgens nach Reif oder Frostnächten erfolgt und ein gewisser Appetit auf Saftfutter (Gras) vorhanden ist, denn Frosteinwirkung verändert die Inhaltsstoffe in Pflanzen / Gras, was dann bei erhöhter Aufnahmemenge Komplikationen geben kann.


    Lasst ihr eure Pferde den ganzen Tag auf der Wiese stehen, oder habt ihr eine grasfreie Koppel?


    Die sind draußen so lange es geht. Heuer bis etwa mitte November 24h, als dann längere und stärkere Regenperioden mit Temperaturen unter 10°C einsetzten nur noch Tagsüber so etwa 8 - 10 Std. bzw. je nach nach Wetterlage. Bei Dauerregen bleiben sie auch schon mal Tagsüber im Stall/Freigang und auf dem Auslauf - ganz nach belieben ;)

    Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen
    :D


    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


    Bewahren von Traditionen ist nicht das Anbeten von Asche, sondern die weitergabe des Feuer's
    (frei nach Gustav Mahler)

  • So wie Hippo-Sohle halten wir es auch. Nur achten wir darauf, daß sie kein Raureif-Gras nagen, denn ich habe mal gelernt, daß gefrorenes Gras gefährlich ist, wenns wieder aufgetaut ist, auf dem Halm natürlich, ists einfach nur weniger wert. Gibt es Reif, kommen sie eben später raus. Aus dem Schnee gegrabenes Futter ist in diesem Sinne unbedenklich, denn Schnee wärmt.
    Raus gehen sie immer mit einem guten Frühsstück im Bauch - Heu und Krippenfutter - damit sie nicht etwa gierig über das Wintergras herfallen.


    Einen Gruß vom manchmal ziemlich rauhen Harzrand
    Helga

  • Ganz kurz: Nach meinem Wissensstand ist die Gefahr bei gefrorenem Gras der Fruktangehalt. Unter 4°C kann das Gras nicht mehr wachsen und speichert die mit Photosynthese gewonnene Energie als Fruktan (eine Zucker-Art) für wärmere Zeiten, wenn Wachsen wieder möglich ist. Zuviel Fruktan im Futter kann ein Auslöser für Hufrehe sein.
    Deshalb soll man mit dem Weidegang vorsichtig sein, wenn es frostig und gleichzeitig sonnig ist oder die Sonne viel geschienen hat.
    Such mal im Forum oder im Web nach "Fruktan und Hufrehe" oder nach "Fruktantheorie", sicher steht das irgendwo noch ausführlicher und besser erklärt.

  • Hallo,


    mein Pferd und die Ponys kommen nicht auf gefrorenes, gereiftes Gras.


    Sie bleiben dann auf dem Paddock ( Mutterboden und Pflasterfläche ) bei ausreichend Heufütterung.


    Taut es tagsüber genug und vollständig auf, dann kommen sie ggf. noch auf Gras. Das aber auch nach reichlicher Heufütterung.


    Ist kein Frost dann gehen sie zur Zeit jeden Tag zwischen 2- 6 Stunden auf die Weiden.

    Liebe Grüße
    Extrabreit und ihre Puschelfüße

  • hi



    meine zwei gehen immer stundenweise raus ....allerdings nur mit vollem magen !



    war noch nie was und das rumtoben macht den zweien spass.



    grüssle cissi

  • Hallo.
    In neuen Starke Pferde ist ein Bericht ,der eben dieses Thema ausführlich beschreibt.
    Gefrorenes Gras als solches macht keine Probleme,aber der Reif der jetzt die Wiesen und Weiden überzieht.
    Könnte jemand den Bericht ins Forum übertragen??
    Gruß
    der Lohmüller

  • Ich kenne diese Art der Myopathie von mehreren Fällen der Eselhaltung. Als „falscher Kreuzverschlag“ sind die Symptome sehr ähnlich der „Feiertagskrankheit“ (Kreuzverschlag, Tying up). Alte, erfahrene Eselhalter haben den falschen Kreuzverschlag der Unterkühlung von Weideeseln bei feuchtkaltem Wetter zugeschrieben. Als Hausmittel wurde von ihnen sofortiger Wärmezufuhr im Rückenbereich (Wolldecke und mit warmen Bügeleiesen „bügeln“) empfohlen.


    Mich würde der Artikel auch interessieren. In den aktuellen Berichten zur atypischen Weidemyopathie werden ja oft Schimmelpilz-artige Giftstoffe vernutet, die bestimmte Weidepflanzen unter bestimmten Witterungsvoraussetzungen produzieren könnten – allerdings konnten diese nie nachgewiesen werden.


    Hier zwei informative Links dazu:
    Die atypische Weidemyopathie des Pferdes
    Atypische Myoglobinurie des Pferdes

    Lange Ohren sind meine Leidenschaft! Deine auch?

  • Habe gestern mal jemanden pferdekundigen Bekannten gefragt wie es sich denn jetzt bei meiner Wiese verhält. Er meinte ich habe ne robuste Rasse (Huzule, Dülmener) denen es nichts ausmacht und das Gras wo dort wächst schon gar nicht. Das einzige was passieren kann ist ein Frosch! ;) Der vergeht aber wieder.


    Wäre trotzdem super lieb wenn jemand den Bericht von Starke Pferde reinsetzen könnte. :)

  • Hallo Albert,



    wie schon im Eselforum geschrieben sind die atypische Weidemyopathie und der "falsche Kreuzverschlag" beim Esel nicht das selbe!


    Mit "falschem Kreuzverschlag" bezeichnet man bei Eseln eine durch extreme Zugluft und Kälte entstandene Muskelverspannung, die aber wieder ausheilt bzw. abklingt (meiner hatte das mal). Daran stirbt kein Esel, sonst würden die alten Eselhalter nicht bloß Wärme als Hausmittel empfehlen.


    Bei der atypischen Weidemyopathie liegt die Todesrate dagegen bei ca. 90 %, da hilft kein Bügeleisen.


    In der Pegasus - fs stand etwas über atypische Weidemyopathie und deren Ursachen, hier http://www.pegasus-fs.de/115,577,2-eu/ kann man nachlesen.

  • Hallo Schecki,


    Ich bin auf den oben erwähnten Artikel neugierig. Die Toxine im Gras, die die Uni in Bern als Ursache meint gefunden zu haben, scheinen ja noch nicht eindeutig als Usache fest zu stehen.


    Relativ viele Todesfälle bei Eseln, von denen ich Kenntnis erlangt habe, und die mir als fascher Kreuzschlag oder "Tod durch Unterkühlung" berichtet wurden, hatten genau die Symptome der Weidemyopathie. Deshalb glaube ich, dass viele "falsche Kreuzschläge" bei Eseln eben wirklich "falsch" und keine solchen waren.

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  • Es gab in unserer nähe zwei tote Pferde. Der Sächsische Pferdegesundheitsdienst geht jetzt dem Verdacht nach, das es sich um eine Vergiftung handelt, ausgelöst durch Ahornlaub, welches mit der Teerfleckenkrankheit infiziert ist. Also die Pferde hatten tatsächlich Ahornlaub mit schwarzen Flecken drauf gefressen.

  • Wäre Clostridium sordelli der einzige Auslöser der atypischen Weidemyopathie, dann würde es diese Krankheit schon ewig geben.
    Clostridium sordelli kommt fast überall in der Natur vor und ist eines der normalen Darmbakterien beim Menschen. Pferde haben sich im Laufe der Evolution an fast jedes Klima der Erde angepasst und in vielen Regionen müssen wildlebende Pferde im Winter fast ausschließlich von gefrorenem Gras leben. Würden Pferde so empfindlich auf dieses Bakterium reagieren, dann wäre die Art schon lange ausgestorben. Aber warum hat dieses Bakterium plötzlich eine letale Wirkung? Warum traten die ersten dokumentierten Fälle erst 1976 auf?


    Betrachtet man Todesfälle bei Frauen durch den Einsatz von Mifepriston ( enthalten in der Abtreibungspille RU 486 ), durch deren Einsatz es auch zu unerklärlichen Infektionen mit Clostridium sordelli gekommen ist und vergleicht die chemische Zusammensetzung von Mifepriston ( C29H35NO2 ) mit der von Praziquantel ( C19H24N2O2 ), dann könnte einem schon ein Verdacht kommen. Vielleicht ist die atypische Weidemyopathie auch mit die Folge des sorglosen Einsatzes von Medikamenten und Antiparasitika beim Pferd. Es ist vielleicht zu naiv zu glauben, dass die Chemie, die wir den Tieren so verabreichen, einfach nur die gewünschte Wirkung zeigt und dann auf nimmer Wiedersehen einfach so verschwindet.


    Mfg
    Lawirant

    Edited once, last by Lawirant ().

  • Quote

    Es ist vielleicht zu naiv zu glauben, dass die Chemie, die wir den
    Tieren so verabreichen, einfach nur die gewünschte Wirkung zeigt und
    dann auf nimmer Wiedersehen einfach so verschwindet.

    der Zusammenhang wäre ja relativ einfach zu erbringen; es fehlt dann nur noch die Erklärung zur offensichtlichen Saisonalität.
    ...... und im Zusammenhang ist es wohl doch nicht, denn bei ungeklärten (?) bzw. plötzlichen Todesfällen wird in der Regel das ganze Umfeld abgeleuchtet auf der Suche nach einem möglichen Grund, dabei wäre Deine Vermutung schnell zu Tage getreten.

    "Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich sage, alles was ich mache, der Name jedes Gesprächspartners, jeder Ausdruck von Kreativität, Liebe oder Freundschaft aufgezeichnet wird." Edward Snowden - 6.6.2013


    "Aber lasst euch sagen: Es ist schwer eine Obergrenze für Menschen zu finden, wenn das Leid keine hat!" Luise Kinseher - 24.02.2016

  • Diese Extensivhaltung auf Kleinflächen wird hierzulande wohl noch nicht so lange praktiziert. Ich finde das auch unmöglich das die Pferde soviel Knast hatten und dürres Ahornlaub gefressen haben.

  • Hier ist noch ein Zeitungsartikel (von Anfang November, glaube ich) mit Hinweisen zur Witterung.
    Ich bin aus der betroffenen Region und kann bestätigen, dass November/Dezember hier in diesem Jahr ungewöhnlich mild sind: bisher nur zwei (!) Tage mit Bodenfrost bei mir zu Hause, einmal Anfang Nov., einmal Anfang Dez.
    An die Wetterlage im Herbst/Winter 1995/96 kann ich mich nicht erinnern (bin alt genug, aber ich hab mir das Wetter nicht gemerkt).

  • Danke für den Artikel: keine Bestandteile des oder der Reif direkt, sondern wieder die Vermutung Clostridium (in Kombi mit anderen Toxinen in Gräsern) unter bestimmten Wettersituationen.


    Für mich interessant der Hinweis auf Resistenzbildung: unter diesem Aspekt sehe ich so manche bereits erlebte "Wetterkolik" nun aus einem anderen Winkel.

    Lange Ohren sind meine Leidenschaft! Deine auch?