Fahrkunst / Driving

  • Gibt es schon Meinungen zum neuen Buch "Fahrkunst / Driving" von A.Furger?


    Quote from Olms

    Ein weiteres faszinierend schönes Buch von einem der besten Kenner der Materie: ein Lehr- und Nachschlagewerk für Experten und ein herrlicher Bildband für jeden Laien. Mit der Fahrkunst steht das lebendige Zusammenspiel von Mensch, Pferd und Wagen im Zentrum dieses Bandes. Zunächst wird den Ursprüngen des eleganten Kutschenfahrens in Italien nachgeforscht und danach das Aufblühen der Fahrkunst im Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts beschrieben. Es folgt die Zeit der Perfektion in England und in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert bis hin zum modernen Fahrsport. Die verschiedenen Fahrtechniken, die Entwicklung der Fahrleinen und der Gebisse werden ebenso vertieft dargestellt wie die Anspannungsarten und Geschirre verschiedener Länder. Damit schließt das Work bestens an die beiden Bände „Kutschen Europas" an. Dem heutigen traditionellen Fahren und den damit verbundenen Fragen ist das letzte Kapitel gewidmet. Wie wichtig ist das Gesamtbild des Gespanns? Welcher Wagen paßt zu welchen Pferden und Gelegenheiten? Auf solche Fragen gibt das Buch konkrete Antworten.


    Quote from Olms

    Andres Furger wurde 1948 in Basel geboren. Er studierte ur- und frühgeschichtliche Archäologie und promovierte mit einer Dissertation über die Ausgrabungen im Baseler Münster. Von 1981 bis 1986 war Andres Furger als Konservator und Vizedirektor am Historischen Museum in Basel sowie von 1987-2006 als Direktor der Museengruppe MUSEE SUISSE in Zürich tätig. In den vergangenen Jahrzehnten hat er eine Vielzahl von Artikeln verfaßt und zahlreiche Vorträge zur Geschichte der Fahrkunst und des Kutschenwesens gehalten.

  • Ja, der brave Internet-Großhandel hat's gestern geschickt. 8o



    Das, was Olms schreibt, stimmt tatsächlich, es ist mal wieder ein wunderschöner "Furger". Reich bebildert, viele Originale, ausführlicher Text für Leute, die sich wirklich ins Thema vertiefen wollen.
    Ich hatte mir ein bissel mehr das Historische vorherrschend vorgestellt; es sind aber kapitelweise ziemlich viele moderne Fotos der letzten Jahre von Traditionsfahrern drin.
    Insofern ist es zwar auch ein Abriß der Fahrgeschichte (und beispielsweise auch der Leinenführungsarten - Hilfe, was haben wir ein Glück, daß es Herrn Achenbach gibt!!!), aber auch eine Anleitung, wie man das ins Moderne umsetzt, und eine Beschreibung heutiger Traditionsfahrer/kutschen/gespanne.



    Mir hätte ersteres noch viel ausführlicher sein dürfen (Geschichte, insbesondere Ausbildung der Fahrpferde etc.), weil ich finde, daß wir am meisten aus einer intensiven Kenntnis der Geschichte für uns lernen können (und ich niemals die Zeit und Muße haben werde, mir ein traditionsfahrtaugliches Gefährt zurechtzurestaurieren, insofern niemals ins Traditionsfahrerlager gehören werde).
    Wußtet ihr beispielsweise, daß Guerniere gefordert hat, daß Fahrpferde die gleiche Ausbildung bekommen wie Reitpferde? Und im Barock hieß das nicht vorwärts-abwärts, Kandare gewöhnen und still stehenbleiben trainieren, sondern Ausbildung bis in die hohe Versammlung.



    Und zweiteres - nun ja, ich sehe halt in so einem grundlegenden Buch lieber Originales als das, was Leute heutzutage daraus gemacht haben, egal ob's gut ist oder nicht (ist ja im Allgemeinen wirklich gut). Trotzdem, verglichen mit Originalgemälden und -zitaten ist es halt immer nur ein Abklatsch, eine Interpretation.



    Das Buch vermischt beides, daran mußte ich mich erst etwas gewöhnen, aber ich fand (und finde) für mich mehr als genug Interessantes, um den nicht grad niedrigen Preis 100%ig zu rechtfertigen.



    Wird sicherlich genauso eine "Bibel" werden wie das Kutschenbuch, wenn man es mit dem Fahren-verstehen lernen ernst meint.



    Grüße
    Dorothee


  • Wußtet ihr beispielsweise, daß Guerniere gefordert hat, daß Fahrpferde die gleiche Ausbildung bekommen wie Reitpferde? Und im Barock hieß das nicht vorwärts-abwärts, Kandare gewöhnen und still stehenbleiben trainieren, sondern Ausbildung bis in die hohe Versammlung.


    Hi,


    ich denke das hat er nur für die Pferde gefordert, die repräsentieren mussten. Ein bis zur Hohen Schule gefördertes Pferd sieht ja auch ganz anders aus als ein "normales". Das sind muskelbepackte Brocken, die natürlich vor der Kutsche richtig was hermachen.


    Ein gut gerittenes und weit ausgebildetes Pferd macht beim Fahren bestimmt mehr Spaß als eines, das nur vorwärts-abwärts und Kandare gewöht still stehen bleiben kann. Je mehr mein Pony kann, umso mehr Spaß macht sie mir beim Fahren.


    Gruß

    SP

  • Luna :


    Wer mich kennt, weiß meine Hingabe an die klassische Reiterei :rolleyes: - ich wollte mit dem Satz nur meine Begeisterung darüber ausdrücken, daß sich der höchstgeschätzte und berühmtester Reitmeister seiner Zeit und Ausbilder des Königs und des Hochadels von ganz Europa mit der Ausbildung von Fahrpferden befaßt hat und damit nicht Gehorsamserziehung, sondern körperliche und geistige Förderung bis in die Versammlung meinte. :)


    Was erstens heißt: Fahrpferde sollten seiner Meinung nach nicht "Mittel zum Zweck der Fortbewegung" sein, sondern genauso sorgfältig und zeitintensiv und pferdeschonend gearbeitet werden wie Reitpferde; wie auch die Methodik und das Ziel der Ausbildung war das gleiche wie beim Reiten: ein Pferd, das sich in stolzer Selbsthaltung selber trägt und geschmeidig in alle Richtungen am Seidenfädchen zu bewegen ist. :love:


    ^^ Ist doch toll. ^^


    Und wenn ich Guerniere je richtig verstanden habe, hat der auch bei Reitpferden nie zwischen Pferden erster und zweiter Klasse unterschieden - ein Pferd ist ein Pferd ist ein Pferd, egal ob Renommierpferd oder nur zum einsamen Rumbummeln - eine achtungsvolle, anspruchsvolle Ausbildung und Behandlung haben sie alle verdient.



    Aber das nur am Rande, wie man sieht, ist der "neue Furger" durchaus eine Lektüre, die Denkanstöße geben kann... ;)