Beim Hufschmied

  • Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen :D


    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


    Bewahren von Traditionen ist nicht das Anbeten von Asche, sondern die weitergabe des Feuer's
    (frei nach Gustav Mahler)

  • Frage an den Fachmann: Warum nimmt der Schmied die Eckstreben weg und warum von der Sohle raus. Warum werden die Kanten so stark gebrochen bei einem zu beschlagendem Pferd und die Aufschweißung im Zehenbereich, ist das nicht das Gegenteil von Zehenrichtung und somit dann sehr ungesund fürs Pferd?


    LG Iris

    "Es ist immer problematisch, wenn das Pferd mehr Hirn hat als der Mensch." Zitat unser Hufschmied :D

  • Nehmen wir den Film doch nicht als Lehrfilm, sondern einfach als ein zeitgeschichtliches Dokument. Aufgenommen 1972, aber wohl eher die Arbeitsweise und den Kenntnisstand der 50er Jahre darstellend.

  • Quote

    und die Aufschweißung im Zehenbereich

    damit die beiden in dem tiefen Ackerboden beim Zug Halt finden?
    Hufbeschlag mit Blick auf überwiegende Nutzung?

    "Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich sage, alles was ich mache, der Name jedes Gesprächspartners, jeder Ausdruck von Kreativität, Liebe oder Freundschaft aufgezeichnet wird." Edward Snowden - 6.6.2013


    "Aber lasst euch sagen: Es ist schwer eine Obergrenze für Menschen zu finden, wenn das Leid keine hat!" Luise Kinseher - 24.02.2016

  • Aha 1972, ist mir entgangen. Auch hab ich keinen Ton am PC. Falls wer was erklärt hat im Film, bleiben die Darsteller bei mir immer stumm.


    Diese Aufschweißung im Zehenbereich, sollen die dann nur mehr Halt im weichen Boden geben? Auf Aspalt?


    LG Iris

    "Es ist immer problematisch, wenn das Pferd mehr Hirn hat als der Mensch." Zitat unser Hufschmied :D

  • Die Aufschweißung gibt auch im schweren Zug auf Asphalt mehr Halt und hat den Vorteil, daß sie trotzdem die Gleitbewegung der Hufe auf Teer nicht so drastisch bremst wie Widiastifte. Besonders auf nasser Straße oder bergauf gibt es mit glatten Eisen vor schweren Wägen leicht Probleme. Im weichen Boden und auf der Koppel haben die Aufschweißungen und Stollen keinen Nachteil für die Pferde, da es sie sowieso in den Boden drückt.


    LG Gabriele

  • Hallo zusammen,


    der Film gibt genau die Arbeitsweise der Nachkriegszeit, also der 50er, 60er und sogar der 70er Jahre wieder. Der Grund: Fast alle Hufschmiede in dieser Zeit hatten ihre Ausbildung vor dem Krieg absolviert. Der Schwerpunkt lag damals eindeutig bei den schweren Arbeitsperden für die Landwirtschaft.


    Erst ab den 80er Jahren haben junge Menschen den Beruf des Hufschmieds neu entdeckt ud die alte Generation war am Aussterben. Die jungen Hufschmiede mussten sich natürlich den modernen Gegebenheiten anpassen. Kaum noch Arbeitspferde aber jede Menge Reitpferde, fast keine Fahrpferde. Zusammen mit neuen Materialen und wissenschaftlichen Erkennnissen hat sich diie Arbeitsweise der Schmiede entsprechend verändert. Die Hauklinge kommen bei vielen Schmieden überhaupt nicht mehr zum Einsatz. Aber damals war die Arbeitsweise genau so wie in dem Film dargestellt.


    In den 60er Jahren wurde mein Vollbluttraber vom Dorfschmied mit umgearbeiteten Kaltbluteisen beschlagen. Aus 1 mach 2. Die Dinger lagen noch seit dem Krieg auf dem Dachboden, es gab weit und breit keinen Kaltblüter mehr und wegen einem einzigen Pferd im Umkreis von zig Kilometern neue Eisen zu bestellen war nicht drin. Schwaben sind eben sehr sparsam. So musste unser Traber mit zentimeterdickem Schwermetal an den Hufen durch die Landschaft rennen und es hat gut geklappt.


    Ps: Ich finde es toll was die damaligen Filmamateure mit 8 mm Schmalfilm produziert haben. Das Schneiden, Titeln und Vertonen war eine Schweinearbeit. Die Videofreaks von heute können sich das gar nicht mehr vorstellen. Wie richt eigendlich Filmkit? Schön daß dieses Werk erhalten geblieben ist.


    viele Grüße aus Landsberg

  • Kaltblutpower.
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    (frei nach Gustav Mahler)

  • Danke, Hippo-Sohle. War sehr spannend und interessant.


    Ich habe den Eindruck, die Eisen sind doppelt so dick wie die, die meine Ponies bekommen... Und ich habe jetzt so richtig verstanden, daß "Schmied" ein Metallberuf ist bzw. war. Eisen maßgefertigt. Das habe ich noch nie gesehen.


    Es grüßt mit Hü und Hott
    Die Ardennerin

  • Der Schmied im allgemeinen ist wohl der "Ur-Vater" aller Metallberufe (Schlosser, Werkzeugmacher, Dreher, Fräser, usw. usw.), denn - zumindest im Handwerk ist / war es üblich, daß auch in diesen Berufen eine gewisse bis spezifische Mindestanforderung an Schmiedefertigkeiten in den einschlägigen Prüfungen abverlangt werden / wurden.


    Daß der "Schmied" - jahrtausende später auch einmal Huftiere mit metallischem Hufschutz versehen sollte, ist wohl dem Umstand zuzuschreiben, daß vor dem befestigen selbiger, erst einmal ihre schmiedetechnische Herstellung - eben aus "Eisen" (Stahl) notwendig war. Und das konnte halt nicht der Steinmetz oder der Zimmermann ...


    Was die Materialstäke eines Hufeisens betrifft, so muß diese ja zum zu beschlagenden Tier - und auch seiner Verwendung passen. Ein Blechstreifen nutzt da nicht viel - und auch nicht lange. Zu breit, zu dick mach den Beschlag unnötig schwer und belastet das Tier, seine Gliedmaßen mehr als irgend notwendig.
    Da heute überwiegend Halb- oder Fertigprodukte zum Hufbeschlag verwendet werden, sieht der Kunde eigentlich nie, wie ein Huf-oder Klaueneisen im Feuer und am Amboß hergestellt wird / wurde. In anderen Ländern, in England z.B. wird das von dem einen oder anderen Hufschmied aber durchaus noch (teilweise zumindest) so ähnlich praktiziert.
    Hier in diesem Film ist das ganz gut zu sehen, wie in Deutschland, wohl auch in Österreich und der Schweiz ... (?) Hufeisen aus dem Vollstab (Flachstahl) ausgeschmiedet werden/wurden, und so, durch entsprechende Bearbeitung zu ihrer benötigten Form und Größe, ihrem speziellen Verwendungszeck geformt werden/wurden. Aber das ist in der Praxis "so" nur noch Prüfungsrelevant. Für den Kundenverkehr zu aufwendig und damit zu teuer.

    Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen :D


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    (frei nach Gustav Mahler)

  • Mein Schmied hat für mein erstes Pferd durchaus noch Eisen aus einem Flachstahlstab geschmiedet. Auf die aktuellen Pferde passen vorgefertigte Eisen welche angepasst werden.

  • Sodele, ich find wir sollte die 123-Diskussion um Widia-Stifte als Hufnägel hierher verlegen....


    Sylvester war hier relativ dramatisch: Nachbarn 1 haben als Müll !!3!! volle Schubkarren von der Straße klauben müssen, Nachbarn 2 immerhin 1.....bisher hatten beide Parteien kleine Kinder unter 5 und sich dementsprechend zurückgehalten oder waren nicht anwesend..wurde heuer alles nachgehohlt. Im Haus hatte ich mehrfach das Gefühl, dass es Fensterscheiben eindrücken könnte/würde.


    Pony stehen "relativ geschützt" im Offenstall auf beton mit überdachtem Stallteil mit dicker mistmatraze und vereinzelten Gummiinsels zur Abdeckung der gröbsten Beton"löcher" (Stallabriß Frühjahr 2020) mit immerhin Luftlinie 50m zum Knallzentrum und hohem ausgeweidetem/abrißbereitemStall dazwischen, so dass es Flitz wohl es wandern anfing, ich hab es erst morgens entdeckt, da war es ja bereits X Stunden auf Tour mit eh kurzen Hufen auf schlechtem alten Beton Ellipsen mit Längsdurchmesser 20 m am laufen. Also alle 4 hufe durch, hab es eingefangen, angebunden, Schuh drauf, umgekehrte Glocken mit Eis gefüllt und drunter natürlich Schuh mit Dämmungspads. Den Tag dann immer wieder stundenlang angebunden+Eis. Tag drauf vorsichtig auf koppel, wo aufgrund der unpassenden zu große Hufschuhe zum glück nur weidete nix sich bewegte, so der auch plan war, heut dann Notfalltermin beim weltbesten Schmied, der halt eben seit 20 Jahren immer unmögliches möglich macht besonders bei Notfällen!!!


    War grad wegen der 123-Diskussion dann echt spannend, wir haben mal seine größten und kleinsten Eisen beguckt 7.0 und 12, wobei 7.0 exakt zwischen Schenkel von 12 an der engsten Stelle paßt. meine Pony tragen 7.0-4.0 (Ben als "Großfuß"). Es gibt kleine Eisen nur in 7mm Stärke, auch Widia-Nägel gibt erst ab größerer Stärke (mein Schmied verkleinert oft Nägel fürs Flitz...), erst ab 3.0 gibt es auch dickere Eisen. Wieviel Kappen/Aufzüge das Eisen hat, ist nicht wichtig, aaber heutzutage sei es üblich ohne besondere Zehenrichtung zu beschlagen, dass wäre nicht gut dann müsse man natürlich ein Eisen mit 1 Kappe nehmen (war mir schon vorher aufgefallen, dass mein Schmied immer recht lang ein Eisen bearbeitet bevor es "fertig" sei, heut mal genau zugeguckt, also der bearbeitet da schon heftig den vorderen Eisenteil), er würd das Eisen noch anders zubereiten. Die Aufschweißung im vorderen Bereich, welche macht, dass meine Pony mit einem Beschlag über die Beschlagperiode 8-10 Wochen kommen (bringt 2-3 Wochen verlängerte Beschlagdauer in punkto durchlaufen), sei heut auch verpönt.


    Widia-Nägel seien etwas was er ab 800kg Pferdsgewicht verwendet hätt auf Besitzerwunsch mit dem Manko des schlechteren Rutschens auf Asphalt, also nicht bei stark schiebenden Pferden zu verwenden.


    zb Flitz muss ja jetzt notfallmäßig Eisen tragen mitten im Winter, deshalb bekam die heut erstmalig Stifte (normalerweis nie, weil mit ihren Füßen ne Menge angestellt besonders im Frühjahr bei Ekzembeschwerden), da war aber bereits das Problem, wir hatten überlegt Schraubstollen zu verwenden: geht nicht da die Stollen zu groß (10mm Schraublänge, gibt es nicht kleiner). Auch bei den Stiften musste Bohrer getauscht werden, da Bohrmaschine natürlich Wb-Bohrer hatte...


    Also K-Pony zu beschlagen ist nochmal eine andere Nummer als Warmblüter, simple Übertragung funktioniert eher nicht, ähnlich wie das mit der maßstabgerechte Verkleinerung Kutsch auch nichts ist....

    so lang meine Pony von bekannten Leut als sehr gut beschlagen gelobt werden und seit 20 Jahren hier noch nie jemand nach Schmied schlechter lief als vorher, so lang bleibt mein Schmied für mich das non+ultra an Können und Wissen. Flitz schwebte schon wieder aus der Schmiede, darf aber heut nochmal x Stunden angebunden verbringen und erst in 3 tagen normal arbeiten.


    In meinem Bekanntenkreis werden Mini (78, 82,84,87) nicht beschlagen mit Nägeln, sondern seit Jahren mit Akkuschrauber geschraubt....die Viechle sind extrem viel unterwegs (holzrückewettbewerbe) und haben wirkliche Winzhufe mit 65mm Breite...Eisen sind kleingearbeitete Duplo. Auch andere Mini-Besitzer (also gearbeitete Mini nix hinterhofgartenfresser) sind recht erfinderisch zb mit Vorbohren von Löchern, da Mini-Hufe je kleiner je härter werden (trotzdem keine Strecken oberhalb 30km/tag ohne Beschlag schaffbar!). Eisen müssen eh selbst angefertigt/halbiert werden...

    Edited once, last by Bennyblue ().

  • Sodele, jetzt hoffe ich mal, dass da richtigen Leut mitlesen:


    Nell (Minimum 27), lauft akut vorn im Vierspänner und ist seit 2019 nicht mehr beschlagsfähig, ua weil sich altersbedingt ihre Beine vorn stark nach außen drehen und ihre Nutzung natürlich altergemäß angepasst sich im Rahmen 2-3mal wöchentlich bewegt.

    Da sie gute Hufe hat kommt sie so grad mit ihrer Haltung Betonpaddock/Offenstall mit 2 große Waldbodeninseln klar.

    Schmied macht 2 Anstandsraspelstriche und fertig. So jetzt lauft die bei mir vorn Easy boot ooo Modell nach 2012 Epic ohne Probleme bzw jetzt sieht man nach 1 jahr, dass die Schnallen sich vorn unten bißle abnützen. Hinten hatte sie bisher sehr alte Easy Boot Pony also Modell vor 2000 und akut abgenutzte Equi Fusion 9.


    Wie würdet ihr ein derart altes abgearbeitetes Pony mit für Pony sehr schwungvollen flotten Gängen am sinnigsten beschuhen?


    Madam hat Schritt 5,6-6,0km/h.


    Meinem Gefühl nach hinten Easy boot 2012 000 mit verkürztem Trachtenriemen (also EB 2012 Epic Pony null Chance: ist anwesend).


    Und vorn EF 9 active mit Dämpfungspads? oder nochmal 1 Jahr ohne Dämpfung oder EB Epic 2012 ohne Dämmung vorn lassen?

    Macht EF Sinn bei drehenden Füßen???

    Machen EF Active hinten in neu bei unseren bergen Sinn???


    Die akut benutzten alten EF 9 beginnen zu drehen und die sehr alten EB Pony sind zur Besohlung fällig, wodurch sich der Schuh stark verändern wird, macht mM nach eher wenig Sinn...Wären wegen der Berg Spikes an den Hinterhufen geeignet oder wegen ponyalter kontraproduktiv?


    mfg Kirsten

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