Alte Kutsche aus Ostfriesland - Bitte Informationen

  • [Blocked Image: http://www.eibelhof.de/Reiners_Kutsche/281220081.JPG]


    Diese alte Kutsche hat ein Mitglied unseres Vereins gekauft und möchte sie traditionell restaurieren. Er hat mich gebeten das Bild hier einzustellen und nach Informationen zu fragen. Der Vorbesitzer hat die Kutsche aus Ostfriesland mitgebracht. Der Bock kann Richtung Fußraum nach vorwärts abwärts um 180 Grad gedreht zusammengeklappt werden, wenn man die Kutsche von hinten fahren möchte. Ähnliche Kutschen gibt es hier bei uns in Sachsen und Thüringen. Das hatten wir hier im Forum vor kurzem gehabt. Allerdings sind diese meist nicht ganz so groß. Dieses Modell sollte wohl überweigend zweispännig gefahren werden. Man kann erkennen, daß die Kutsche früher ein Verdeck hatte. Aber wie genau es ausgesehen hat, wissen wir nicht.


    Wer kann uns Informationen hierzu geben oder vielleicht sogar ein Bild mit Verdeck zeigen?


    Viele Grüße und Danke für die Infos im Voraus von Herbert

    Eine hübsche Frau und schöne Pferde sind ein Glück auf dieser Erde

  • Die Bremse sitzt vom Bock aus gesehen hinter dem Fahrer rechts. Man kann sie auch bedienen, wenn von hinten gefahren wird. Ebenso wie bei den alten Kutschen hier im mitteldeutschen Raum.

    Eine hübsche Frau und schöne Pferde sind ein Glück auf dieser Erde

  • Na, dann würde ich dieses Fahrzeug als einen Kombinations-Landwagen bezeichnen, der sich sowohl vom Bock (mit Kutscher) als auch vom "Fond" aus als Selbstfahrer fahren läßt. Die Naturlackierung schließt wohl den "Duc", den städtischen Selbsfahrer, aus, außerdem fehlt dafür der Dienersitz hinten. Wir hatten vor einiger Zeit einen ähnlichen Wagen, bei dem wir uns schließlich auch auf den ländlichen Selbstfahrer geeinigt hatten.


    Dieser Wagen hatte wahrscheinlich kein Lederverdeck, dazu kann ich an den Armlehnen keine Befestigungsmöglichkeit erkennen, wenn diese Wagen ein Verdeck hatten, so war dieses zumeist eine Art Zeltbahn, die über zwei bis drei Spriegel gespannt wurde, und die Seiten offen ließ. Vorne wurde dann dieses Dach meist mit zwei Lederriemen nach unten, z.B. am Bockbrett, befestigt, sodaß es nicht nach obern schlagen konnte.


    Wenn jemand ein solches Dach wieder herstellen will, so sollte er sich unbednigt vorher schlau machen, wie diese Spriegel abgemessen und mit welchen Beschlägen sie zu versehen sind.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • [Blocked Image: http://www.laas.ch/Pferdekutscher/Halbverdeck2.jpg]


    Jörg Heinrich Metz hat in seiner Sammlung ein Fahrzeug mit sehr ähnlicher Bockgestaltung. Der Bock läßt sich ebenfalls vollständig einklappen, daß der Wagen zum Selbstfahrer wird.


    Hersteller: H. Bunge, Diepholz, ca. 1920 - 1930. Gemäss Metz wurden solche Wagentypen lange gebaut.


    Gruß E. Schmid


    PS: Bitte entschuldigt die schlechte Bildqualität.




    [Blocked Image: http://www.laas.ch/Pferdekutscher/Halbverdeck1.jpg]

  • Moin,schau mal bei www.munier-juist.de der hat auch einen im restaurierten zustand und bider wie er vor der restauration ausgesehen hat


    Mfg

    Zwart als de Nacht.
    Een mooi manenpracht
    Statig en fier.Temperament en Kracht.
    Trouwe ogen en een hart van goud.

  • Der Münsterländer Kirchwagen ähnelt recht stark dem Ostfriesen

    Man könnte in der von Cadilac hier eingestellten Kutsche aber auch diesen Vis a Vis Wagen:


    Vis a Vis
    Baujahr ca. 1920
    gekauft 1993
    restauriert 1997


    sehen.

    Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen :D


    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


    Bewahren von Traditionen ist nicht das Anbeten von Asche, sondern die weitergabe des Feuer's
    (frei nach Gustav Mahler)

  • Der zuletzt von Hipposohle eingestellte Wagen der Fuhrhalterei Munier ist sehr ähnlich wie der von Cadillac, allerdings sind die Seiteneinfassungen des Munier-Wagens klar für ein Ledervedeck ausgelegt, während der von Cadillac dafür nicht geeignet ist.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Liebe Leute! Erst mal recht vielen Dank für die zahlreichen Infos. Wie ich bereits geschrieben, gehört die Kutsche einem Vereinsfreund und sie steht nicht bei mir. Ich kann mich erinnern, daß ehemalige Befestigungen für ein Verdeck zu sehen waren. Deshalb ist ja die Frage aufgekommen. Das werde ich mir nochmal genau ansehen und melde mich nächste Woche hierzu nochmal. Gruß Herbert

    Eine hübsche Frau und schöne Pferde sind ein Glück auf dieser Erde

  • Hallo Herbert.
    Dieser Wagen ist eine Baruche,Herkunft könnte das Münsterland sein wegen der Naturfarbe.
    Warum Baruche?Den Fahrersitz kann man aufs Fußbrett klappen,die Lehne des kleinen Sitzes wird darauf geklappt.In dieser Stellung ist es dann ein Zweisitziger Selbstfahrer.
    Selbstverständlich,das Dach fehlt.
    Es ist ein recht seltener Wagen,wo sich eine Restauration bestimmt lohnt.
    mit herzlichem Gruß H-G
    der Lohmüller

  • Dieser Wagen ist eine Baruche


    Lieber Lohmüller,


    ich glaube mit "Barouche" tun wir diesem einfachen Landwagen etwas zu viel der Ehre an. Eine Barouche ist ein sehr vornehmer Luxuswagen für höchste Ansprüche, nie naturlackiert, immer in dunklen Farben in bis zu 18 Schichten lackiert, vom Bock oder vom Sattel gefahren.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Hallo A. Nemitz.
    Ich hab jetzt extra den Katalog von Hessink`s Holland nachgeschlagen.Zufällig der gleiche Wagen,natürlich restauriert ,eine Seite weiter eine Baruche wie du sie meinst!
    Von der Bauart gleich,aber richtig Edel.
    Schade das ich die Bilder nicht einstellen kann.
    Die Wagenfarbe hat ja mit dem Typ nicht immer was zu tun.
    Gruß
    der Lohmüller.

  • Solche Diskussionen sind doch immer wieder interessant. Jeder meint in einer Kutsche einen anderen Typ zu sehen. So hatte ich z.B. beim ersten Anblick gleich "Jagdwagen" im Sinn. Noblesse sah den "Kirchewagen", mir hätte - auf der gleichen, verlinkten Seite eher das Vis a Vis als sehr ähnlicher Kutschentyp zugesagt und der Herr lohmüller will eine Barouche darin erkennen können. Von der Lackierung und auch von der sonstigen, allgemeinen Bauart und Ausstattung läßt sich wohl auf einen Wagen schließen, welcher doch eher auf dem Lande verwendt wurde.


    Die Barouche:




    Quote

    Barutsche (Birutsche, wienerisch Pierutsch; v. ital. baroccio), leichter zweiräderiger, offener Wagen.
    Englisch und französisch Barouche, ein vierräderiger, viersitziger Sommerwagen, in Form einer gondelförmigen Kalesche gebaut.



    Quote

    Die schwarzen Friesen schnauben leise - die fürstliche Kalesche aus dem 18. Jahrhundert, in Fachkreisen auch als Barouche bezeichnet, rollt fast geräuschlos über die gepflegten Wege des Rosengartens.
    ... beim letzten Büchsenlicht fährt die prächtige Kutsche, gezogen von vier großrahmigen Karossiers, durch den Rhedaer Rosengarten. Das herrschaftliche Gespann mit den Lakaien in der Livree des Fürstenhauses zu Bentheim-Tecklenburg nähert sich dem Schloss. Die Lakaien gehen vor und hinter dem Viererzug ...
    ... die als "Grooms" das Gespann begleiteten. Insgesamt sechs Personen, gekleidet nach den Regeln der traditionellen "englischen Stadtanspannung" bildeten den historisch korrekten Rahmen.

    Sogar für Kinder gab es, von Ziegen zu ziehende Kleinkutschen in der Ausführung als Barouche:



    Nach den obigen Skizzen und Bildern sowie den Zitataen zu entnehmen, ebenso vorausgegangen den Worten von Herrn Nemitz:

    Quote

    Eine Barouche ist ein sehr vornehmer Luxuswagen für höchste Ansprüche, nie naturlackiert, immer in dunklen Farben in bis zu 18 Schichten lackiert, vom Bock oder vom Sattel gefahren.

    dürfte es sich bei der von Cadilac hier eingestellten, Kutsche doch eher wohl "nicht" um eine Barouche handeln. Da kommen die vorgenannten Modellbezeichnungen sicher nähere in die egere auswahl.

    Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen :D


    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


    Bewahren von Traditionen ist nicht das Anbeten von Asche, sondern die weitergabe des Feuer's
    (frei nach Gustav Mahler)

    Edited once, last by Hippo-Sohle ().

  • Die Kutsche hatte früher ein Verdeck. Das vermuten wir, weil diese Halterungen zu sehen sind:


    [Blocked Image: http://www.eibelhof.de/Reiners_Kutsche/24012009.jpg]


    [Blocked Image: http://www.eibelhof.de/Reiners_Kutsche/24012009b.jpg]


    [Blocked Image: http://www.eibelhof.de/Reiners_Kutsche/24012009d.jpg]


    [Blocked Image: http://www.eibelhof.de/Reiners_Kutsche/24012009g.jpg]


    Der Wagen ist naturholzfarben und war noch nicht deckend lackiert.


    Danke für Eure Antworten. Gruß an Euch alle vom Herbert

    Eine hübsche Frau und schöne Pferde sind ein Glück auf dieser Erde

  • Wenn man das Bild unserer alten Kutsche mit der "Barouche" aus dem Buch vergleicht, fällt auf, daß die Türen offensichtlich zu den beiden Sitzbänken nicht so weit abgesetzt sind. Der Unterschied ist deutlich. Die Kutsche ähnelt in diesem Detail tatsächlich ein wenig den Jagdwagen, oder nicht? Vielleicht ist der Wagen der Fuhrhalterei Murnier, der unserer Kutsche ähnelt, eine regionale Bauart, die sich an den anderen orientiert hat? So was mag es vielleicht auch gegeben haben. Unsere Kutsche ist in Ostfriesland gefunden worden. Gruß Herbert

    Eine hübsche Frau und schöne Pferde sind ein Glück auf dieser Erde

  • Die von Cadillac neu eingestellten Bilder zeigen an der Rückenlehne klar die Beschläge für eine Segeltuchplane, wie sie häufig bei Jagdwagen und ähnlichen Landfahrzeugen üblich waren, dieses Segeltuch wurde, wie schon gesagt, über Spriegel nach vorn gezogen, dort häufig mit zwei Lederriemen zum Bockbrett herunter geschnallt, um ein Zurückschlagen der Plane zu vermeiden; die Seiten waren meist offen, evenuell durch hoch gerollte Segeltuchteile bei "Sauwetter" ergänzt.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

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