In einem der tragischsten und herzzerreißendsten Kapitel des Zweiten Weltkriegs erreichte Deutschlands Abhängigkeit von Pferden – oft in modernen Darstellungen übersehen – ihren Höhepunkt. 1943 wurde unter General von Bulaga die Kavallerie neu aufgestellt, nur um in selbstmörderische Einsätze auf der Krim und an der Ostfront geschickt zu werden. Als der Rückzug unausweichlich war, wurden 30.000 Pferde grausam niedergemetzelt, um eine Gefangennahme durch die Sowjets zu verhindern – erschossen, von Klippen getrieben oder von Maschinengewehren niedergemäht. Dieses letzte Abschiedskapitel umfaßt persönliche Berichte, etwa den eines Soldaten, der um sein Pferd Paprika trauerte, ebenso wie nüchterne Zahlen: Eine Division benötigte täglich 53 Tonnen Futter, und bis 1945 hatten nahezu 3 Millionen Pferde gedient und gelitten. Vom Ziehen schwerer Geschütze bis zum Sterben in eisiger Qual waren Pferde das Rückgrat der nationalsozialistischen Kriegsmaschinerie – benutzt, vergessen und vernichtet. So blieb die Geschichte ihres Leidens weitgehend ungeschrieben.