4-Spänner-Ausbildung

  • Hallo, zusammen!


    Aus gegebenem Anlaß möchte ich hier mal in die Runde fragen, wie man Pferde für einen 4er-Zug anlernt. :) Möchte gern ein Ensamble aus zwei dunkelbraunen Vorderpferden (routinierte 2-Spänner Kl. L) und zwei nicht ganz so gut trainierten gescheckten Hinterpferden (bisher freizeitmäßig 2-spännig gefahren) - alle ca. 165 cm groß - zusammenstellen. =)


    Welche Voraussetzungen müssen die Pferde mitbringen? Wie gewöhnt man sie am besten an diese Anspannungsart? Bin für jeden Tip dankbar.


    Meine Vorstellungen gehen übrigens dahin, daß man die Pferde zunächst über Bodenarbeit zweispännig aneinander gewöhnt (jeweils die beiden Gespanne), dann evtl. hintereinander (Leinenführung müßte evtl. zuerst separat, danach erst mit 4-Spänner-Leine sein), später zwei vor der Kutsche/zwei auf der Hand, zuletzt dann alle angespannt. Könnte das so klappen? Was muß ich noch beachten?

    LG Sportschecke

  • Man trainiert nach meinen Erfahrungen die Pferde zweispännig, gleich, ob sie später einmal vorn oder an der Stange gehen sollten.


    Bei diesem Training wird ja sehr schnell klar, wer sich für die Arbeit vorn und wer sich für die Arbeit an der Stange qualifiert. Das hängt halt leider nicht immer von der Farbe, von der Größe, von der Richtung, in welche die Mähne fällt, ab, sondern vom Vorwärtsdrang, von der Fähigkeit, an der Stange auch einmal den Wagen mitaufzuhalten, wenn es steil bergab geht.


    Natürlich gibt es Idealvorstellungen.


    In Deutschland hat man (zumindest seit Achenbach) gerne die im Stockmaß größeren Pferde vorn, die im Bandmaß (also die vielleicht kräftigeren) lieber hinten.


    Die Amerikaner haben lieber die im kleineren (vielleicht auch eleganteren) Pferde vorn. Darüber läßt sich diskutieren. Ich selber bin jedesmal froh, wenn sich bei den 4 Pferden überhaupt zwei finden, die gerne und gut vorne weggehen, die keine Angst vor großen Fahrzeugen haben, die ich nicht permanent antreiben muß.


    Natürlich will ich auch als Stangenpferde nicht solche haben, die vor lauter Vorwärtsdrang den Ehrgeiz haben, die Vorderpferde ein-oder gar überholen zu wollen. Hart auf der Hand liegende Vorderpferde sind sehr schwer zu handhaben...


    Wenn von den 4 Pferden sich nun beim ausgiebigen Zweispännigfahren zwei für die Arbeit vorn qualifiziert haben, und die beiden anderen eher für die Arbeit hinten, dann spannt man halt die vier entsprechend zusammen. Eine Bodenarbeit mit 4 wenig auf einander abgestimmten Pferden halte ich schlicht für gefährlich. Da hat man doch vom Bock die besseren Möglichkeiten; sicher werde ich anfangs einen oder zwei Helfer bei den Vorderpferden mitgehen lassen, doch wenn alle vorher gut zweispännig gegangen sind, wird das meiner Erfahrung kein Problem sein.


    Ich sollte natürlich selbst schon so gut fahren können, daß die Vorwaage nicht den Vorderpferden in die Hanken fällt, das mögen, zumindes am Anfang, viele Vorderpferde überhaupt nicht.


    Ich sollte auch soweit meine Griffe beherrschen, daß ich jederzeit Vorder- und Stangenpferde getrennt verkürzen und verlängern kann.


    Ich sollte das Filieren beherrschen, das heißt das Verkürzen einzelner Leinen auch beim Vierspänner, ansonsten habe ich nach sehr kurzer Zeit das Chaos, d.h. einen auseinanderfallenden Vierspänner, was nicht nur schlecht aussieht, sondern auch schlecht ist.


    Ich muß neben meinen persönlichen Fähigkeiten auch das richtige Material haben, d.h. richtige Vorderleinen und nicht etwas zusammengestückeltes aus alten Zweispännerleinen mit Zusatzriemchen etc.


    Wie gesagt: Wenn's Zweispännig gut klappt, ich selbst die Fahrroutine habe und auch das richtige Material, dann wird es klappen.


    Und dann bitte viel im Schritt fahren, bis alle 5, die 4 Pferde UND der Fahrer ihr Selbstvertrauen gestärkt haben.


    Viell Glück,


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • (Leinenführung müßte evtl. zuerst separat, danach erst mit 4-Spänner-Leine sein), später zwei vor der Kutsche/zwei auf der Hand, zuletzt dann alle angespannt. Könnte das so klappen? Was


    Eben lese ich noch diesen letzten Satz. Dieser Vorschlag ist schlicht eine Bankrotterklärung für den Fahrer; wenn der nicht in der Lage ist, mit 4 Leinen (und hier meine ich nicht die Turnierhaltung mit zusammengschnallten Leinen) sehr routiniert zu arbeiten, dann sollte er es solange bleiben lassen, mit vier Pferden zu fharen, bis er selbst die nötige Routine (und Kraft!) erlangt hat.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Ich stand damals vor dem gleichen Problem und habe es genau so gemacht, wie Andreas Nemitz es beschreibt. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Vielleicht noch, daß es viele Vorteile bringt, wenn man vorher nach Achenbach am Fahrlehrgerät die Viererzuggriffe übt und dann erst gut im Zweispänner gefahrene Pferde zusammenspannt. Vom Bock hat man eine viel bessere Übersicht als vom Boden. Wenn beim Fahren vom Boden aus etwas losgeht, dann sieht man es zu spät und kommt selbst nicht mehr hinterher.


    Herbert Eibel

    Eine hübsche Frau und schöne Pferde sind ein Glück auf dieser Erde

  • Als stille Mitleserin muß da aber jetzt mal meine Senf dazugeben :huh:


    Ich persönlich finde das für diese Forum sehr wertvoll und hilfreich, so erfahrene Mitschreiber zu lesen wie die Herrn Nemitz oder Eibel! Die Frage wurde doch überaus genau und korrekt beantwortet und niemand wollte irgendwem den Spaß verderben. Es geht hier nicht um ein Rezept zum Kuchenbacken, sondern um das Fahren von 4 Pferden gleichzeitig... wenn ich mitbekommen, wie viele, wie schlimme Unfälle schon mit einem oder zwei Pferden geschehen, weil unbedarfte, schlecht ausgebildete Menschen irgendwelchen Blödsinn anstellen, dann mag ich mir gar nicht vorstellen was passiert, wenn jemand 4 Pferde zusammenspannt und damit "übt". Es wird doch lediglich drauf hingewiesen, daß es zuerst mal einer guten Ausbildung des Fahrers bedarf (allein durch die Fragestellung ergibt sich (meiner Meinung nach), daß dem Fahrer eine entsprechende Ausbildung (noch) fehlt, sonst wäre die Frage so nicht gestellt worden...) und, daß dann die Pferde nicht nach Farbe, sondern nach Eignung zusammengestellt werden - alles gute Hinweise :thumbup:


    Irgendwie kann ich die Kritik jetzt nicht verstehen und finde sie überhaupt gar nicht angebracht :|


    LG
    Tina


    *edit*
    Man lernt nunmal nie aus und was ist so schlimm daran, wenn einem aufgezeigt wird, daß man sich vielleicht erstmal weiterbildet, bevor man ins kalte Wasser springt (nicht bei allen Gelegenheiten ist "learning by doing" eine angebrachte Methode!) und warum sollte das demotivieren ?( grade wenn ich etwas noch nicht kann, wenn Wissen und praktische Fähigkeiten fehlen, dann bin ich doch hochmotiviert in dieser Richtung aufzuholen (zumindest gehts mir so).

  • Hallo Jürgen,


    irgendwie bin ich zu deiner Antwort im Zwiespalt. Ich kann dir nicht so recht folgen.


    Wenn jemand eine Frage stellt, bei der sich zeigt, das der Fragende in
    manchen Sachen wohl unwissend ist, und sich andere Forumsmitglieder
    dazu fachlich fundiert äußern und gleichzeitig aus ihrer Erfahrung
    heraus noch Hinweise geben, worauf noch zu achten ist, finde ich das
    eine gute Sache.


    Man stelle sich vor, irgend jemand, sagen wir mal ein Nichtfahrer,
    liest das alles hier und meint nun, er könnte fahren. bastelt sich vier
    Pferde vor die Kutsche und will losfahren. Da frage ich mich schon mal,
    wie das Geschirr wohl sitzt und ob er überhaupt los fahren kann.
    Und wie Tina schon sagte, es passiert schon sehr viel mit einem oder
    zwei Pferden vor dem Wagen. Man mag sich nicht ausdenken was passieren
    kann, wenn vier Pferde ungesteuert losrennen.


    Zudem obliegt es dem Fragenden ja auch zu erklären, was er eigentlich
    kann und was er nicht kann. Der Fragende in diesem Fall hat keinerlei
    Aussagen gemacht, inwieweit er Erfahrungen im 4-spännig Fahrenhat. Von
    daher finde ich es schon ok, wenn darauf hingewiesen wird, das man
    diverse SAchen noch berücksichtigen muß.

    Die Kunst des Fahrens endet, wo die Gewalt beginnt - Gewalt beginnt dort, wo das Wissen endet. :]

  • Hallo zusammen,


    4- und auch 6-spänniges Fahren stellt für mich die Königsklasse des Gespannfahrens dar. Ich gebe Herrn Nemitz absolut Recht. Wer die handwerklichen Grundkennisse, wie die Handhabung der Vierspännerleine nicht wie im Traum beherrscht, sollte dringend die Finger von einem Vierspänner lassen und zuvor eine entsprechende Ausbildung bei einem Könner durchlaufen. IM Ernstfall hat man gar keine Zeit darüber nachzudenken "wie ging das nochmal mit dem Schleifenlegen?" Die Ereignisse überschlagen sich dann in Sekundenbruchteilen und man fährt ständig zeitlich gesehen seinem Gespann hinterher. Das Gefahrenpotential ist einfach riesig.


    Mir kommt das Ganze so vor, als wenn ein PKW-Fahrer sich entschließt ohne Ausbildung auf einen 40-Tonner LKW zu steigen und und loszufahren. Da helfen auch keine noch so gut gemeinten Ratschläge aus dem Internet. Jedem der es anstebt in die Königsklasse aufzusteigen empfehle ich dringend über einen längeren Zeitraum erstmal als Beifahrer mitzufahren und ganz langsam sich in diese Materia einzuarbeiten. Natürlich unter Anleitung und Aufsicht eines erfahrenen Gespannführers und am besten mit einem gut eingefahrenen Gespann.


    Ohne eine solche Vorbereitung sollte sich niemand zutrauen, sich selbst einfach ein Gespann zusamen zu würfeln nach dem Motto die Hellbraunen nach hinten und die Dunkelbraunen nach vorne.


    Beste Grüße aus Landsberg bei Sonnenschein

  • Man kann das sicherlich auf etwas weniger harte Weise rüberbringen. Wenn sich jetzt der Fragesteller verschreckt zurückzieht hilft das ja keinem weiter. Vielleicht bin ich da ja auch zu empfindlich.



    Ich habe das bewußt so schroff beantwortet; hier geht es nicht um Herumsülzen für den Streichelzoo, hier ist ganz klar Unfallverhütung angesagt.


    Ich bin gerne bereit, jedem das Handwerkszeug fürs Vierspännigfahren beizubringen, nur sollte man sich klar sein, daß zumindest 6-8 Tage intensives Lernen und Üben notwendig ist, um dann einen bereits gut eingefahrenen Vierspänner einigermaßen sicher zu fahren. Für das Einfahren von ungeübten vier Pferden sollte dann zumindest noch ein zweiter Helfer mit gleicher Erfahrung dabei sein.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • ich habe die ausführungen von a. nemitz mit interesse gelesen und fand sie überhaupt nicht "zu hart" oder "zu schroff". deutlich vor möglichen kapitalfehlern zu warnen, ist sinnvoll und richtig. :thumbsup:


    ich lese überhaupt gerne, was ein a. nemitz zum fahren schreibt, denn da kann ich davon ausgehen, daß er weiss, wovon er schreibt. :]

  • nachdem hier über die Art und Weise des Antwortesns diskutiert wurde, bleibt eine Frage offen.


    Wie findet der Fragesteller die Antworten. Welche Emotionen kommen dabei herüber?

    Die Kunst des Fahrens endet, wo die Gewalt beginnt - Gewalt beginnt dort, wo das Wissen endet. :]

  • Wer sich traut so blindäugig eine Frage zum Vierspännigfahren zu stellen und durchblicken läßt NULL Kenntnisse zu haben , der sollte froh sein das sich ein viel beschäftigter Herr Nemitz die Zeit nimmt und uns allen an seinen Erfahrungen aus der PRAXIS teilhaben läßt! Ich habe mir die Zeit geschenkt und mir verkniffen darauf zu antworten , wobei ich sicherlich nicht so human in der Formulierung gewesen wäre.


    Aber nun warten wir alle auf das statement des Fragenstellers, oder ist der jetzt doch zu feige Stellung zu nehmen ?


    Gruß der Prickler

    :P

  • Hallo,


    wir haben sechs Haflinger, mit denen wir schon seit einer ganzen Weile 1- und zweispännig fahren. Im Moment "üben" wir gerade fürs Fahrabzeichen Kl. III und der Kurs macht uns wieder mal viel Spaß und erweitert wieder sehr den Horizont. Eigentlich haben wir bereits seit mind. 1/2 Jahr bereits auch das gesamte "Equipment" fürs Vierspännig-Fahren hier bereitliegen und verfügen einen wirklich sehr sehr guten Fahrtrainer zur Vorbereitung.


    Letzte Woche bin ich mit diesem beim Pferdemarkt in Leonberg und durfte als Beifahrer vorne bei ihm sechs- und achtspännig mitfahren. Mein Mann und ich nutzen auch jede Gelegenheit, mal vierspännig mitzufahren. Aber es gehört schon einiges dazu und bevor wir uns nicht sicher sind, fangen wirs lieber nicht an. Wir haben sehr gute Pferde dazu, die auch schon alle vierspännig gefahren wurden und wir wissen auch bereits, welche Pferde in welcher Position gut harmonieren - trotzdem lassen wir uns noch eine Weile Zeit. Es eilt ja auch alles nicht, und manche Dinge muß man einfach erst zur richtigen Zeit tun. GEDULD ist nun einmal das oberste Gebot, wenn man mit den Pferden arbeitet.


    Grüßle


    Carola

  • Gerade habe ich die Diskussionsbeiträge zu meinem Thema "4-Spänner-Ausbildung" gelesen. Ich habe übrigens die durchaus berechtigten Hinweise nicht als "fehl am Platze" empfunden. Danke nochmal dafür. :] Werde sie natürlich beherzigen. Ich gebe übrigens zu, daß ich selbst bisher leider noch keine Erfahrungen mit dem 4-spännig Fahren machen konnte, daher die wohl etwas "naive" Fragestellung. Das ist für mich eher ein Zukunftstraum, an dessen Umsetzung ich hart arbeite. :P Ich habe einen sehr guten, langjährigen Fahrer mit ausreichend Erfahrungen in diesem Bereich für mein Vorhaben gewinnen können.


    Es ging ja hier auch nicht darum, ob jemand die Griffe blind beherrscht (das ist für mich ohnehin eine der Grundvoraussetzungen dafür, daß ich ihm meine Pferde anvertraue), sondern wie man eben Pferde auf einen 4-Spänner vorbereitet (die 4 kannten sich bislang noch nicht und ich möchte hier einfach kein Risiko eingehen). Das mit den Trockenübungen klappte übrigens sehr gut. Keinerlei Bösartigkeiten untereinander, so daß wir am Wochenende endlich in ruhiger Umgebung (großer Fahrplatz) den 4-er Zug anspannen wollen. :-]

    LG Sportschecke

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