Geschirr Pflege

  • Guten Tag,
    das Vorhergeschrieben kann ich durchaus bestätigen und möchte es durch eine Nuance ergänzen.
    Wenn man altes Leder wieder geschmeidig machen will, empfiehlt es sich das Zeig über Nacht in die Regentonne zu werfen und dann im feuchten Zustand einzuölen bzw. gut zu fetten. Dann hat man die Chance, dass die Feuchtigkeit im Leder erhalten werden kann.
    Wenn das Leder noch nicht ganz kaputt ist, kriegt man es wieder hin, bei sehr hartem Leder bleibt nur das Wegwerfen. Alle sicherheitsrelevanten Teile (Aufhalter, Leinen etc) würde ich grundsätzlich austauschen, wenn das Geschirr wieder in den Einsatz soll.
    Grüße
    Florian

  • Stimmt. So behandel ich uralt Leder bzw. länger nicht gepflegtes immer:


    Eine Nacht bei lauwarmem Wasser in die Badewanne (kriegt man mit Spüli fix wieder sauber).
    Zu Beginn mit Sattelseife reinigen, dann ein paar Stunden drin lassen und einfetten, bevor es wieder ganz trocken ist.


    Ausserdem die Fleischseite nie fetten! Darüber findet der Feuchteaustausch statt.


    Beim ersten fetten danach gibts manchmal sogar Nivea-Creme, die hat genug Wasseranteile :)
    Bzw. die bewährt sich am Besten bei harten Echtlederbesätzen an Reithosen.


    Regenfass ist unter ökologischen Gesichtspunkten nicht meins. Das ölige Wasser schicke ich lieber erstmal durch die Kläranlage.

  • @pauline, das leuchtet irgendwie ein...
    Mein alter Sattler, Gott hab ihn seelig, wurde immer ganz nervös, wenn man Wasser erwähnte.
    Ich wasche die Geschirre trotzdem immer ab, wenn sie schmutzig sind. Wenn ich im Regen fahre werden sie auch nass. Also werde ich ab jetzt weniger ölen, das kostet weniger und fördert meine Faulheit :D .
    Man lernt immer weiter, erst immer links, dann plötzlich rechts ?( ?

    Nach dem Misten ist... vor dem Misten :pinch:

  • Öl oder Fett auf ungereinigtes / ungewaschenes Leder bringt(fast) gar nichts. Meist bleibt es drauf stehen, besonders bei trockenem Leder.Oder es läuft durch. Es dringt auf der einen Seite ein, nur um irgendwann amtiefsten Punkt wieder auszutreten, oder beim Nutzen hinterlässt es überallseine Spuren. Mit jeder Bewegung quillt es hervor. So behandeltes Lederist auch nicht gepflegt. Es glänzt (fettig) und ist wieder beweglich(er), aber eshält nicht an.


    Wasser (mit Lederseife) bereitet das Leder für die Pflegemit Fetten (egal ob Öl oder Fett) vor. Das Öl zieht schneller ein als Fett undman kann sehen wie viel das Leder braucht. Dazu ist das abschließende Abpolieren einfacher, schneller und sparsamer, denn man putzt keine Fettschichtsondern höchstens einen feinen Film weg. Die Fette binden das Wasser im Leder und umgekehrt.


    Wer von euch hatte nicht schon mal Last mit trockener Haut? (Leder ist auch nur Haut, wenn auch verdammt dicke und nicht mehr durchblutete.) Und, hat da Wasser gereicht um die Haut zu regenerieren? Bei niemandem, den ich kenne. Ohne Creme wird das nichts.
    Also, was ist Creme? Creme sind immer Emulsionen aus Wasser und Fett(en). Je nach Verhältnis spricht der Kosmetiker / Friseur/ ... von W/Öoder Ö/W Emulsionen. (W/Ö = Wasser in Öl gebunden / Ö/W = Öl in Wasser gebunden) Die oben erwähnte Nivea ist eine W/Ö. W/Ö ist fettreicher als Ö/W und hat eine längere Wirkdauer, weil sie nicht so schnell einzieht wie Ö/W. Beide Emulsionen sind gleichermaßen pflegend, feuchtigkeitsspendend und rückfettend. Die fettreichere zieht langsamer ein und wirkt so länger, die andere hat dafürschneller eingezogen und muss regelmäßiger / öfter wiederholt werden, bis derselbe Effekt erreicht wurde.


    Darin liegt auch meine Vorliebe für Öl begründet. Ich sehe, wann der gewünschte Pflegeeffekt erreicht ist.
    Die Asbach uralten Ledersachen aus dem Museum sind nicht nur über Jahrzehnte ausgetrocknet, sondern oft noch so dreckig, wie sie bei der letzten Nutzung vom Feld kamen. Darauf hat sich dann noch der Dreck der Lagerung abgesetzt.
    [Blocked Image: http://file2.npage.de/012118/8…r/museum_2015_05_08_4.jpg]



    Bis solcher Dreck runter ist, wurde das Leder schon ganz schön nass. Das hat nichts mit *Zauberhänden* zu tun. Das ist einfach nur Arbeit.

    • Entstauben (Hier wird als ersten wohl ein Besen, gefolgt von einem Luftkompressor zum Einsatz kommen)
    • Mehr oder minder losen Dreck abbürsten. Ich nehme dafür gerne feste Kardätschen oder weichere Wurzelbürsten. Das Leder soll ja nicht verkratzen.
    • Mit reichlich Wasser und Sattelseife anhaftenden Dreck, Schweiß und Hauttalg abwaschen. Nicht selten hat man in Sekundenschnelle nur noch widerlichen graubraunen bis braunschwarzen Schaum auf dem Leder, der Arbeitsfläche und den Händen.
    • Nach den mit klaren Wasser der Schaum und die Seifenreste entfernt wurde heißt es schauen, ob auch aller Dreck ab ist. Mit einem Waschgang ist es selten getan.
    • Sehr steifes / sprödes Leder wird direkt in Öl gebadet und dabei genau beobachtet. Wenn es stark *blubbert* (viele Luftblasen steigen schnell auf) verdrängt das Öl die Luft aus dem Leder. Dann nehme ich es raus, bevor es aufhört zu blubbern. Ist es nicht so stark, warte ich auch schon mal bis keine Luftblasen mehr aufsteigen.
    • Gebadetes Leder wird nun über einem Eimer auf gehangen. So wird das überflüssige Öl aufgefangen und kann weiter verwendet werden. (Bei Fett könnte ich jetzt nicht sehen ob das Leder genügend gesättigt ist. Und wenn ich es jetzt tagelang zum einziehen weghänge setzt sich Staub drauf, das abpolieren ist richtig Arbeit und der Überschuss mit samt dem Staub und womöglich weiterem Dreck (Reitplatz- / Hallensand, Haare von frischgeputzten Pferden, Sägemehl, ...) Dann brauche ich auch mit dem fettigen Lappen kein anderes Leder mehr überputzen.
    • Weniger dröges Leder / große und vor allem gepolsterte Stücke werden mit dem Pinsel großzügig geölt. Hier sehe ich wie schnell es einzieht, und ob einige Stellen mehr brauchen als andere. Das wird solange wiederholt, bis mir das Leder nicht mehr das Öl vom Pinsel saugt.
    • Mit einem sauberen Tuch noch einmal drüber putzen / abreiben und das Leder glänzt wie neu.
    • Will ich mit dem Leder auf Veranstaltungen oder Fotos so richtig glänzen, hilft ein trockener Nylonstrumpf zum drüber reiben. Das gibt noch mal richtig Glanz. (Vorsicht Männer, vergreift euch nicht an den Stümpfen eurer Frauen. Das könnte richtig Ärger geben. Fragt lieber oder kauft sie selber. Die billigsten reichen nämlich dafür.

    Bilder dieser Arbeiten könnt ihr hier ansehen: http://fotohoster.npage.de/galerie432888.html

    LG Sonja


    Beschäftige Dein Pony, sonst beschäftigt es Dich.

    Edited once, last by Opa Moritz ().

  • So weiter im Text.


    Bei genutztem und gepflegtem Leder sieht das natürlich etwas anders aus.


    Das wird nach Bedarf gereinigt und danach gefettet. Ob mit Fell oder Öl ist Ansichtssache. Ebenso das reinigen. Mal reicht ein wenig Wasser / ein feuchtes Tuch, sonst wieder Sattelseife. Spüli und ähnliches trocknet Leder nur aus. Shampoo und einige rückfettende Duschgels dagegen tun’s schon eher. Achtung, auch Shampoos und ähnliches sind Ö/Ws, nur die wenigsten sind W/Ös. Mit letzeren kann man Leder reinigen, wenn es sehr dreckig ist. Sie sind nämlich auf trockene Haut ausgerichtet. Alles was gegen Fett und Schuppen wirkt / wirken soll ist meist austrocknend.


    Je nach Pflegezustand reicht nach der Reinigung ein leichtes überfetten mit einem fettigem / öligem Tuch, oder es muss gründlich behandelt werden.


    Aber immer muss es zum Abschluss mit einem trockenen, sauberen Tuch abgeputzt und möglichst luftig und staubgeschützt wegeräumt werden. Ersteres braucht das Leder, letztes tut dem Menschen gut.


    Wenn ich bei miesem Wetter losfahre, gehe ich vor dem Anspannen mit einen Öl-Tuch schnell über alle Hautseiten des Geschirrs (außer es sind Innenseiten) und putze nicht nach. Wieder zuhause brauche ich dann nur mit einem freuten Tuch drüber gehen, dreckige Stellen bekommen ebenetwas mehr Wasser ab, und schnell wieder mit dem Öl-Tuch drüber. Fertig.

    LG Sonja


    Beschäftige Dein Pony, sonst beschäftigt es Dich.

  • Die oben erwähnte Nivea W/Ö. W/Ö ist fettreicher als Ö/W und hat einelängere Wirkdauer, weil sie nicht so schnell einzieht wie W/Ö.

    ???
    weil sie nicht so schnell einzieht wie ? Ö/W ?

    "Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich sage, alles was ich mache, der Name jedes Gesprächspartners, jeder Ausdruck von Kreativität, Liebe oder Freundschaft aufgezeichnet wird." Edward Snowden - 6.6.2013


    "Aber lasst euch sagen: Es ist schwer eine Obergrenze für Menschen zu finden, wenn das Leid keine hat!" Luise Kinseher - 24.02.2016

  • Öl oder Fett auf ungereinigtes / ungewaschenes Leder bringt(fast) gar nichts. Meist bleibt es drauf stehen, besonders bei trockenem Leder.Oder es läuft durch. Es dringt auf der einen Seite ein, nur um irgendwann amtiefsten Punkt wieder auszutreten, oder beim Nutzen hinterlässt es überallseine Spuren. Mit jeder Bewegung quillt es hervor. So behandeltes Lederist auch nicht gepflegt. Es glänzt (fettig) und ist wieder beweglich(er), aber eshält nicht an

    So sehe ich das (siehe unten stehendes Zitat) auch.
    Die optimale Polsterung 31.07.2006

    Allein Fett oder Öl reicht i.d.R. auf Dauer nicht, um Leder weich und geschmeidig zu erhalten.
    Dazu brauch Leder ein gewisses maß an Feuchtigkeit (Wasser).


    Beim gebrauch bekommt es ja auch geringe mengen an Feuchtigkeit durch den Schweiß vom Pferd.


    Das ist vergleichbar mit den Hufen eines Pferdes: nur oben drauf geschmiertes (Huffett / -Öl) gibt dem Horn allein auch keine Feuchtigkeit zurück ... !

    Das kann oder muß man als Hufbeschlagschmied der Kundschaft auch immer wieder sagen.
    Und hier sind es oft gerade ältere Semester, welche die Praxis, wenn der Hufbeschlag erneuert ist, die dann meist sauberen, aber dennoch zu trockenen Hufe sogleich mit irgend welchen fettigen Substanzen einzuschmieren ... ???
    Weil die Hufe (und damit auch das ganze Pferd) dann besser aussehen ... :S


    Allerdings halte ich absolut nichts davon, Leder über (Nacht) mehrere Stunden in Wasser einzutauchen. Hierbei würde das Leder so stark aufquellen, daß es hernach nur schwammig und glitschig ist. und erst wieder genügend ab- und austrocknen muß, bevor es weiter behandelt werden kann. Auch dieser Prozess sollte mit Maß und Ziel behandelt werden. Wenn man so stark verschmutztes Leder in einer Wanne mit gut lauwarmem Wasser und eventuell geeigneten Reinigungsmitteln säubert, was durchaus je nach Geschirrteil eine halbe ... Stunde- und mehr Zeit in Anspruch nehmen kann, so hat das Leder meist ausreichend Feuchtigkeit (Wasser) aufnehmen können, um dann, nach oberflächlichem abtrocknen mit Lederfett, Lederöl oder anderen, geeigneten Pflegeprodukten weiter behandelt zu werden.

    Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen :D


    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


    Bewahren von Traditionen ist nicht das Anbeten von Asche, sondern die weitergabe des Feuer's
    (frei nach Gustav Mahler)

  • Danke für Eure vielen hilfreichen Informationen und Anleitungen bezüglich der Geschirrpflege. Die kann man echt gut gebrauchen!
    Aber noch eine Frage: Was für ein Lederöl (Marke) verwendet Ihr denn? Es gibt nämlich auch welches, das fürchterlich nach
    Fischtran stinkt......

  • Wer Fischöl nimmt, kann auch Frittenfett nehmen. Stinkt auch fürchterlich.


    Ich nehme weißes / ungefärbtes Lederöl. Marke wechselt schon mal. Teures ist auch nicht besser als günstiges. Es riecht oft nur *besser* (mich störts - Leder soll nach Leder riechen, nicht nach Muff oder Duftstoffen).

    LG Sonja


    Beschäftige Dein Pony, sonst beschäftigt es Dich.

  • Hallo Sonja,

    Ich nehme weißes / ungefärbtes Lederöl. Marke wechselt schon mal. Teures ist auch nicht besser als günstiges. Es riecht oft nur *besser*

    Danke für die Info! Dann werde ich in Zukunft darauf achten, daß das Öl weiß / ungefärbt ist!


    Wer Fischöl nimmt, kann auch Frittenfett nehmen. Stinkt auch fürchterlich.

    Hahahaha, das wär mal was ganz Besonderes, wenn die Geschirrkammer nach Pommesbude stinken würde! So etwas
    Exclusives hätte bestimmt nicht jeder!

    (mich störts - Leder soll nach Leder riechen, nicht nach Muff oder Duftstoffen).

    Der Meinung bin ich auch!

  • alten thread ausgrab:

    was Bienenwachs in Lederpflegeprodukten zu suchen hat ist mir klar

    warum aber Honig?

    Finsternis kann keine Finsternis vertreiben. Das gelingt nur dem Licht.
    Hass kann den Hass nicht austreiben. Das gelingt nur der Liebe.
    »Kraft zum Lieben« Rede 1963, Martin Luther King (1929-1968)


    Es ist keine Option, den Nazis und Völkischen nun einfach das Feld zu überlassen, weil sie gewaltvoller sind. Es ist auch keine Option, sie zu umwerben und zu verharmlosen und dann jedes Mal wieder überrascht zu sein, wenn sie schießen. Max Czollek 2019