Gebißlos fahren?

  • Hallo in die Runde,


    jeder sollte auf seinem Grund die Variante wählen, die für seine Tiere und ihn am Besten sind. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich nur sagen, da sich mit einer gebisslosen Zäumung bei meinen Dicken nur gute Erfahrungen gemacht habe. Sicherlich würde ich auf öffentlichen Straßen und Wegen mit einer Kutsche oder einem Arbeitsgerät aus versicherungs- und strafrechtlichen Gründen ohne Gebiss nicht fahren. Zu meinem Glück benötige ich aber keine öffentlichen Wege um auf meine Schläge zu kommen. Immer noch denken viele Reiter, dass sie ein durchgehendes Pferd mit dem kleinen Mundstück zum Halten bringen. Der Glaube versetzt halt Berge.
    Jedes Pferd hat seinen eigenen Charakter den es zu formen und zu wahren gilt. Ohne Vertrauen des Tieres in uns, wird das Tier nicht das Erbringen, was wir von Ihm erwarten. Jedes Pferd ist nur so gut wie sein Lehrer.

  • so jetzt wird´s spannend. Bitte nennt doch mal Gründe, die für ein Gebiss sprechen und nehmt nicht immer Versicherung und Gerichtsurteile als Argumente.
    Interessant wäre auch mal wie viele Unfälle mit Gespannen mit Gebiss/ Kandare passierten und gebisslos. Leider passieren viel zu viele Unfälle, obwohl bei diesen bestimmt kein fehlendes Gebiss die Ursache war. Beim Reiten ist gebisslos schon viel weiter akzeptiert und vorgedrungen als bei den Fahrern.

    Ohne Gebiss hat man Probleme mit den "s" - und "sch"- Lauten.

  • Öhm, wieso gelten jetzt nicht Versicherung und Rechtssprechung als Argumente?


    Ich kann und will es mir nicht leisten, wenn sich meine Versicherung weigert, die beim gebisslosen fahren entstandenen Schäden zu zahlen, selber meine Portokasse zu plündern.


    Gibt es eine schriftliche Vereinbarung mit der Versicherung "Ja, wir übernehmen auch Schäden die beim gebisslosenn Fahren passieren", ist das was anderes.


    Aber wenn ich es richtig versteh, handle ich grob fahrlässig, wenn ich ohne Gebisse fahr.


    Ganz unabhängig davon, ob der Schaden auch mit Gebiss entstanden wäre.

  • ich kann mein pony mit gebiss sehr viel und präziser bremsen als ohne.
    und in gefahrensituationen zählt jeder zentimeter bremsweg.
    klar gibt es bestimmt ausnahmen, die sich auch ohne gebiss einfach anhalten lassen, bei meinem pony genügt zumeist ein ton, aber sicherer ist es eher mit.
    mir würde es nicht einfallen, mein pony ohne gebiss zu fahren, beim reiten ist es etwas anderes, ein durchgehendes pferd richtet eher weniger schaden an, als ein durchgehendes gespann...


  • Gibt es eine schriftliche Vereinbarung mit der Versicherung "Ja, wir übernehmen auch Schäden die beim gebisslosenn Fahren passieren", ist das was anderes.

    In meiner Haftpflicht steht, daß meine Pferde gebisslos geritten und gefahren werden.

    Aber wenn ich es richtig versteh, handle ich grob fahrlässig, wenn ich ohne Gebisse fahr.

    Genau das ist ja das Problem. Wer beurteilt das? Und auf was für Grundlagen? Es tut mir leid, aber solange Gerichte und Gutachter sich auf veralteter Richtlinien, FN uns APO berufen wird sich nie etwas ändern. Also ist ein Umdenken gefragt. Natürlich nicht in der Art, daß jetzt alle gebisslos in den Strassenverkehr fahren, aber die Beurteilung, ob ich fahrlässig gehandelt habe und so einen Unfall verursacht habe, sollte nicht davon abhängen, ob ich ein Gebiss benutzt habe oder nicht, sondern, ob ich und mein Pferd genügend qualifiziert waren am Strassenverkehr teilzunehmen.

    Ganz unabhängig davon, ob der Schaden auch mit Gebiss entstanden wäre.


    Eben unabhängig davon ob mit Gebiss oder ohne.
    Vielleicht könnte man mal fragen, ob manch ein Unfall ohne Gebiss nicht passiert wäre. Aber besser wäre es zu klären warum wirklich.

    Mit einem Gespann in der Öffentlichkeit (nicht nur im Straßenverkehr, sondern auf allen öffentlichen Wegen) sind im Fall der Fälle auch Dritte gefährdet, und da sind solche Experimente doch bitte tunlichst zu unterlassen. Das Versicherungen sowie Gutachter und Gerichte die Sache nicht mit tragen ist nur vernünftig.

    Was ist daran vernünftig, wenn es nicht vernünftig begründet werden kann. Leider kamen noch keine wirklichen Argumente, die begründen, warum mit Gebiss sicherer sein soll.

    Ohne Gebiss hat man Probleme mit den "s" - und "sch"- Lauten.

  • Zitat von »Hoheit«
    Gibt es eine schriftliche Vereinbarung mit der Versicherung "Ja, wir übernehmen auch Schäden die beim gebisslosenn Fahren passieren", ist das was anderes.


    In meiner Haftpflicht steht, daß meine Pferde gebisslos geritten und gefahren werden.

    Das heißt, das deine Haftpflicht bereit ist, der Haftpflichtschaden ggfs. zu übernehmen. Lies mal genau nach, ich wette, das steht auch was von Haftungsausschluss im Fall grober Fahrlässigkeit in den Versicherungsbedingungen.....

    Zitat von »Hoheit«
    Aber wenn ich es richtig versteh, handle ich grob fahrlässig, wenn ich ohne Gebisse fahr.


    Genau das ist ja das Problem. Wer beurteilt das? Und auf was für Grundlagen? Es tut mir leid, aber solange Gerichte und Gutachter sich auf veralteter Richtlinien, FN uns APO berufen wird sich nie etwas ändern. Also ist ein Umdenken gefragt. Natürlich nicht in der Art, daß jetzt alle gebisslos in den Strassenverkehr fahren, aber die Beurteilung, ob ich fahrlässig gehandelt habe und so einen Unfall verursacht habe, sollte nicht davon abhängen, ob ich ein Gebiss benutzt habe oder nicht, sondern, ob ich und mein Pferd genügend qualifiziert waren am Strassenverkehr teilzunehmen.

    Die Richtlinien usw. berufen sich auf langjährige Erfahrung, die besagt, das ein Gebiss deutlich mehr Einwirkung auf das Pferd ermöglicht. Die Pferde sind schließlich noch dieselben, wie früher, der Straßenverkehr ist allerdings deutlich schnaller geworden.
    Also wird im Falle eines Unfalles danach gefragt werden, ob der Unfall der allgemeinen Erfahrung nach auch mit Gebiss passiert wäre. Und wenn ein Gutachter das verneint, bist du wegen Fahrlässigkeit oder gar grober Fahrlässigkeit dran. Es liegt dann an dir das Gegenteil zu beweisen. Gelingt dir das nicht, wird dich auch deine Versicherung im Stich lassen.
    Eure Qualifikation interessiert in dem Moment niemand, wer besoffen Auto fährt, mag zwar seine Qualifikation über den noch vorhandenen Führerschein nachweisen können, wird aber trotzdem verknackt.....


    Quote


    Was ist daran vernünftig, wenn es nicht vernünftig begründet werden kann. Leider kamen noch keine wirklichen Argumente, die begründen, warum mit Gebiss sicherer sein soll.


    Du möchtest doch das gebisslose Fahren als in allen Situationen gleich sicher anerkannt wissen, begründe du doch schlüssig, wo die allgemeine Erfahrung irrt (aber bitte nicht mit "im Falle des Durchgehens könnt ihr eure Tiere doch auch nicht halten...." sondern bitte mit einer glaubhaften Schilderung einer Situation, in der ein Beinahe-Unfall ohne Gebiss hätte verhindert werden können und er mit dem Gebiss passiert wäre)


  • ad gesetz: mir ist neu, dass per gesetz das gebiss angeordnet wird, aber der selbstmord wird keinenfalls gesetzlich geregelt ;)


    sarkasmus off
    ad parelli und andere* : das ist kunst auf höchstem niveau und kunst hat immer mit handwerk zu tun.
    Diese leute beherrschen ihr handwerk perfekt -- denn jeder, der nichtnnur mechanische abläufe nach schema f abspult, sondern mit viel herzblut bei der sache ist kann diese perfektion erreichen.


    Statt immer nur päh pähhhhhhhhhhhhhh über solche arbeitsweisen in diesem forum zu lesen, wäre es höchste zeit darauf hinzuweisen, dass genau diese art mit pferden zu arbeiten weit mehr sicherheit und vertrauen schafft, als fn ( fena) und achenbach es jemals konnten oder können.
    Da hiflt auch kein noch so scharfes gebiss -- wenn die liverpool 5 schlitze hätte wärs auch wurscht --- wenn die basics fehlen, dann sind unfälle vorprogrammiert...
    Also groundwork bis zum umfallen, gelassenheitstraining bis zum abwinken und dann wirds klappen. Denn dann steht mein pferd sicher und jederzeit gut an den hilfen und wird zu meiner lebensversicherung!


    my2cent


    ps: ad *: wen es interessiert: rashid, cameron, parelli, anderson, lyons, winters, leslie desmond oder buck branaman wären hierbei ein guter anfang --- guckst du " road to the horse" eine tolle sache

  • @ Le Pegasus!
    Zu Deiner Beruhigung ,ich war schon vor 20 Jahren bei einen Parelli Seminar und bin ein grosser Fan von Ihm und vom Horse- manship das die Grundformel in meiner Pferdeausbildung und Arbeit ist .
    Kurz gefasst :Wer es nicht versteht soll die Finger davon lassen .Genauso schädlich wie nur vergöttern und selber nicht anwenden können weil die Geduld und innere Ausgeglichenheit fehlt.
    Gruß von Spyder.

  • le_pegasus:
    ich stimme Dir zu, dass ohne basics nix geht und es sich viele mit der Gewalt zu einfach machen.
    Aber bei der ganzen Diskussion darf man nie vergessen, dass wir von Pferden, also Tieren/Lebewesen sprechen. Ich kann mein Pferd noch so gut auf alles vorbereiten, trainieren, gewöhnen, die Garantie, dass nichts passiert, kann man nicht geben, zumindest nicht, wenn man ehrlich ist.


    Mein Hund ist auch der Liebste, auf der ganzen Welt, bin ich absolut von überzeugt, aber garantieren, dass sie niemals beißen würde (obwohl sie das in ihrem ganzene Leben von immerhin schon 8 Jahren noch nie gemacht hat) kann ich nicht!!!
    Pferde sind Fluchttiere und der Fluchtreflex ist verankert, er kann (muss nicht) jederzeit hervorbrechen. Je besser die Vorarbeit, desto unwahrscheinlicher, aber niemals ausgeschlossen.


    Ich denke schon, dass es Pferde gibt, die sich gebisslos fahren lassen, die sich mit Gebiss bestimmt sogar schlechter fahren ließen. Aber die meisten Pferde werden nunmal mit Gebiss ausgebildet und so schlecht kann das doch gar nicht sein, da es sich seit ewigen Zeiten bewährt hat. Mit den entsprechenden Vorbereitungen kann man mit dem Gebiss/der Kandarre genau so Maulschonend fahren/reiten, wie gebisslos. Gewalt ist nie eine Lösung und das Pferd gewinnt eh!

  • Hallo cob-kutscher.


    Das hat schon erich kästner so treffend bemerkt: das leben ist gefährlich, schier lebensgefährlich.
    In einer zeit wo alles versichert ist und alles noch schneller gehen muss, bleibt halt doch so manches auf der strecke.
    Garantie hast natürlich keine ---- aber --- du erhöhst deine chancen dich und dein pferd heil aus brenzlichen situationen zu bekommen, wenn du zb mehr zeit und energien in die basics investierts.
    Die tägliche routine fehlt oftmals auch.
    Ähnlich beim schifahren: bessers material, höheres tempo aber nur einmal im jahr urlaub == > alle wundern sich warum die unfälle mehr werden und böse enden ...



    so what says pegasus

  • ich habe nicht alle beiträge durchgelesen ;-)




    Ich bekenne mich aber offen zur gebisslosen Fraktion, egal ob reitend oder fahrend. Mein Pferd reagiert sehr gut auf Stimme, von daher ist es bei ihr absolut problemlos sie so zu fahren. Jedoch würde ich niemals allen hier das zutrauen und ich persönlich würde es auch niemals mit allen Pferden so machen. Eingefahren habe ich meine auch mit Gebiss, alles andere erschien mir angfangs auch zu gefährlich, heute sehe ich das anders. Ich arbeite sehr viel nach NHS und das merke ich extrem bei meinen Pferden.

  • Hier mal kurz eine Situation bei einer ganz alltäglichen Fahrt durchs Dorf:
    Ich fuhr mit meinem Gespann in gemütlichen Trab die Dorfstraße entlang, auf eine Kreuzung zu. Zwei Kinder auf ihren Rädern überholten uns links und in Höhe der Kreuzung fiel ihnen ein, dass sie rechts abbiegen wollten. Sie fuhren mit ihren Rädern direkt quer vor der Kutsche unter den Köpfen der Pferde durch! Ich war heilfroh, dass ich meine Pferde mit den Kandaren reflexartig fast "auf den Hintern" setzen konnte.
    Es ist zum Glück nichts passiert.
    Aber ob die Pferde, die auch wirklich sehr gut auf Stimme hören, ohne Kandare so schnell reagiert hätten?


    LG Gabriele

  • Ich bin zwar nicht für das gebissloses Fahren, aber gut ausgebildete Pferde, gebisslose, hätten genauso reagiert!
    Blick über den Zaun der Westerreiter:"Woah" in den Sattel setzen und Pferd macht nur mit leichter Gewichtshilfe einen Vollstop.


    Nee, an schnelleres Reagieren im Notfall durch ein Gebiss, wenn die Pferde "bei einem sind", glaube ich persönlich nicht.

  • meine reagiert gebisslos genauso wie mit Gebiss. Ich reite auch oft nur mit Halsring ins Gelände. Ich habe da glaub eh ne andere Einstellung wie manch anderer, für mich ist es so, dass wenn ein Pferd nur mit Kandarre zu reiten oder fahren ist, dann stimmt was in der Ausbildung und in der Zusammenarbeit nicht. Zerreist mich jetzt, aber ich sehe es einfach so......ohne hier natürlich jemanden persönlich angreifen zu wollen ;-)

    Hufpflegerin und Hufschuhcoach

  • ob man sollte muss jeder für sich selber entscheiden. ich sehe bei der beziehung zwischen mir und meinen Pferd da absolut kein problem drin, wenn sie nicht so weit weg wäre würde ich sie auch nur mit Stöckchen fahren, ohne jegliche Zäumung.

    Hufpflegerin und Hufschuhcoach

  • ...aber wer kann, der sollte nicht sagen "man kann", denn sonst denkt auch der, der eigentlich nicht kann, dass er kann :rolleyes:

    Never be afraid to try something new;
    remember: Amateurs built the Ark
    but Professionals built the Titanic...

  • Es stört mich ganz massiv an dieser Diskussion, dass die Befürworter des gebisslosen Fahrens immer wieder das gebisslose Reiten als Beispiel und Vorbild anführen.


    Das sind nun wirklich zwei verschiedenen Paar Schuhe!


    Als Reiter steuere ich mein Pferd hauptsächlich über Gewicht , nachrangig über Schenkel und ganz am Schluss über den Zügel.
    Außerdem bin ich immer " bei ihm", selbst völlig ohne Hilfeneinwirkung kann es meine Nähe stets fühlen.


    Als Fahrer bin ich aber nur eine vage Vorstellung am Ende der Leinen.
    Mein Pferd ist allene, nur meine Stimme versichert ihm, dass ich nach wie vor in seiner Nähe bin.
    Gwewichtshilfen - die wichtigsten- fallen völlig weg, der Schenkel wird nur sehr unvollständig durch die Peitsche ersetzt - die Leine wird damit DIE wichtigste Hilfe.


    Gebisslose Zäumungen, die auch im Notfall bei schon spannigen Pferden noch durchkommen, sind im normalen Gebrauch und der einseitigen Hilfengebung schwammig, feinere gebisslose Zäumungen kommen im Notfall nicht mehr durch.
    Ich will den wenigen Einzelfällen ja gar nicht ihre Passion absprechen, aber der normale Fahrer mit einem normalen Pferd ist mit einer Fahrkandare einfach am besten beraten: feine Einwirkung im Alltag, Notbremse wenn nötig.
    Gebissloses Fahren in der breiten Masse zu propagieren halte ich für schlicht verantwortungslos.


    Und ach ja : Auch ich reite meistens gebisslos 8)

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