6-er Zug in Allier, Frankreich

  • Danke, Rossknecht.


    Hätte ich besser überlegt oder mir die Geschichte aufgezeichnet, wäre es mir schon vorher klar geworden. Nun aber ist es besonders klar. Das gleitende Neckyoke kann ich mir gut vorstellen, so etwas am Einspänner ist etwas anders.


    Völlig klar, was Du über den Wendekreis sagst.


    Bin wieder ein ganzes Stück schlauer.

  • Tandemarbeitsgeschirr in minimalausführung nach Gilchrist: Kopfstücke, Kummete und Stränge, Bauchgurten und Strangträger aus Seilen.

    Vertikale Tandemwaage nach Beaton. Man beachte den verbesserten Zugwinkel des Vorpferdes. Allerdings kann ich mir vorstellen dass bei der Fahrt zum Feld im Trab ohne Last das ganze schlackert.

    Laufriemen, geführt durch den Strangträger, damit das Pferd in Wendungen nicht draufsteht.

    Geschirr nach Williams mit geteiltem Rückenriemen damit ohne Auszuspannen am Boden gefüttert werden kann. Kurze Stränge, die Strangketten bleiben mit den Waagen am Gerät.

  • Danke, Rossknecht für die aussagekräftigen Fotos!


    Zu 1: man sieht den verbesserten Zugwinkel des Vorderpferdes. Er geht zulasten des Wagenpferdes, nicht? Das hat an seinem Kumt die unter Spannung stehenden Stränge hochzuhalten. Die Kräfte kann ich mir nicht vorstellen. Das Wagenpferd selber hat eine gebrochene Zuglinie, wenn ich es richtig verstehe. Das Vorderpferd auch wegen der Verbindung unter dem Bauch, deren Sinn ich auf Anhieb nicht verstehe - beim Einachser würde er ein Hochschlagen der Anzen verhindern, aber hochschlagende Stränge im Zug? Hm.


    Ist das die Sache wert, dumm gefragt?


    Zum geteilten Rückenriemen - ich kenne Kumtanspannung nur aus Kindheitserinnerungen, also ungenau. Deshalb verstehe ich nicht ganz, was den geteilten Rückenriemen nun sinnvoll macht zum Kopfsenken. Darum geht es doch, nicht?


    Ich ahne, daß das normalerweise unterbunden ist durch Aufsatzzügel, o. ä. und zum Fressen entsprechend nicht geeignet.


    Stichworte reichen selbstverständlich! Danke.

  • Auf dem sind die Pferde nicht richtig im Zug, so ist es schwierig zu beurteilen, aber Strangträger macht man am besten aus Gummiseilen, dass diese nachgeben können und die Zuglinie nicht brechen. Zum Bauchgurt: es gibt 2 Meinungen welche daß kleinere Übel ist, entweder die Stränge nicht im rechten Winkel zum Kummet oder ein gebrochener Zug und Druck auf den Bauchgurt.

    In diesem Fall wurde der rechte Winkel bevorzugt und der Bauchgurt ist wahrscheinlich ein breiter, gepolsterter Riemen. .

    Ob die Sache es wert ist, ist schon fast eine philosophische Frage in der heutigen Zeit von GPS- und computergesteuerten Zugmaschinen mit Verbrennungs- und Elektromotoren.

    Die großen Gespanne wurden vor 100 Jahren in Nordamerikanischen Westen eingesetzt. Arbeitskräfte waren Mangelware und teuer, Flächen um Pferde zu halten waren genug vorhanden. So war es rentabler mit einem Fuhrmann 8 Pferde mit 3 zusammen gekuppelten Geräten zu arbeiten als 3 Fuhrleute mit Zweispännern für die gleiche Flächenleistung.

    Um während den Pausen zu tränken und füttern wurde nicht ausgespannt. Meist wurde Hafer (ganze Planzen) am Boden .

  • Die Anspannung nebeneinander ist die effizienteste, wird aber mit mehr als 6 Pferden recht mühsam. Auch gibt es Situationen bei denen das Gespann breit nicht in die Kulturen passt .

  • Danke, Rossknecht.


    Wieder viel gelernt. Ich habe von den "big teams" (8, z. T. sogar 12 Pferde) in dieser Zeit gelesen und war schon sehr erstaunt. Deine Begründung ist aber einleuchtend. Zumindest haben die Amish diese Riesengespanne nicht erfinden müssen, sondern konnten zurückgreifen auf Erfahrungen von früher.


    Man ging - so las ich - von einer Tagesleistung von bis zu 50 acres aus. Bei einem acre zu 0,4 ha gerechnet, sind das immerhin 20 ha und damit recht beachtlich.


    Danke für die Erläuterungen wegen des Bauchgurtes und Überlegungen zu seiner Einstellung, ebenso wie den Tip mit den Gummi-Strangträgern.

  • Das Klima ist rau und die Vegetationszeit kurz, wenn im Mai der Boden aufgetaut und abgetrocknet ist, muss so schnell so viel wie möglich gesäät werden. Zu dieser Zeit lag die Hälfte der Ackerfläche brach, diese Stoppeln wurden dann im Sommer gepflügt und bearbeitet um nächsten Frühjahr das Saatbett bereit zu haben. Bei der Zeit die Ernte fertig ist, ist der Boden schon wieder gefroren.

  • Mein ehemaliger Nachbar, der im Süden Albertas aufgewachsen ist , hat mir erzählt, dass er als 12 jähriger Junge den Achtspänner (2 x 4) mit der Egge gefahren ist, vom Reitpferd aus hinter der Egge.


    Die Amish haben bezüglich Zugpferdetechnik nichts erfunden, nur weiterentwickelt. Große Gespanne, Vorderwagen, Geräte mit Bodenantrieb oder Motor oder Dampfantrieb war alles schon dagewesen im Westen.

  • Das ist so beeindruckend. Schließlich müssen die Pferde zunächst einmal ihren Job lernen.


    Tatsächlich glaubte ich, daß die Amish viel hätten selber machen müssen, weil ich von hier maximal Dreispänner-Arbeitsgespanne kenne. Ich wüßte nicht, ob hier je jemand vierspännig auf dem Acker war zum Arbeiten, kann mich natürlich täuschen.

  • Hallo Rossknecht,

    dann ist der Nachbar aber schon sehr Alt?

    In Thüringen, hatten Bekannte, schon um 1940, einen Ackerschlepper,

    allerdings für den Transport, noch schwere Warmblüter!

    Hallo Ardennerin,

    auf großen Gütern, so ab 60 Ha, arrondierte Flächen, um die Gebäude?

    Gab es sogar hier bei uns, in Unterfranken,

    Rossknechte, die mit bis zu 4 schweren Kaltblütern,

    Zweischarpflug, Eggen, Grubber usw.

    Alleine "Fahren" mussten.

    Kannte noch 2 Männer, ging bei denen bis in die 1950 er,

    als Sie durch größeren Traktor, ersetzt wurden,

    mit denen ich sehr oft und gerne darüber Sprach!

    Der eine war ein Nachbar, damals um 1990, schon lange Rentner,

    der erklärte mir auch die Ausbildung, der jungen Kaltblüter.

    War bei den "Fachleuten", kein Problem?

    Da damals die Pferde noch täglich,

    Stundenlang bis zur Erschöpfung Arbeiten mussten!

    Wenn sich junge Pferde nicht "Einfügten"

    Wurde der 2 Scharpflug, nur mit 2 jungen Pferden gefahren,

    der Fuhrmann stellte sich noch zusätzlich auf den Pflug,

    dann gaben auch die "Ungestümen" Pferde nach, so der Nachbar :-]

  • christophB ich glaube er war in den 30ern geboren.

    Sein Vater hatte mit Pferden gehandelt und ausgebildet. Häufig wurde zum einfahren ein "running W" verwendet um Durchgehen zu verhindern.

    In den großen Gespannen muss ein grünes Pferd einfach mitlaufen, hat keine andere Wahl.

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