brüchige Hufe - barhuf als Alternative?

  • Hallo,

    ich würde gerne euer Wissen bzw. eure Erfahrungen anzapfen.


    Wir haben drei Noriker (ca. 750 kg). Die Pferde werden in erster Linie vor der Kutsche genutzt, kommen aber z.B. auch beim Wieseschleppen, Miststreuen o.ä. zum Einsatz. Ansonsten stehen sie den Rest der Zeit auf der Weide, meist auch im Winter. Bei Bedarf wird dann eben noch Heu zugefüttert.

    Alle drei wurden bisher immer beschlagen (Eisen mit Stollen an den Enden, keine Griffe).


    Jetzt zu meinem Problem:

    Die Hufe werden im unteren Bereich (Nagelbereich) oft etwas brüchig und brechen manchmal sogar aus. Im Sommer verstärkt sich das Ganze aufgrund der Trockenheit. In feuchteren Zeiträumen ist es etwas besser. Es ist auch nicht bei allen dreien gleich stark ausgeprägt. Während unsere Stute eher wenig Probleme damit hat, kommt es bei einem der Wallache des Öfteren zu Ausbrüchen und verlorenen Eisen. Der andere Wallach liegt dazwischen.


    Woran kann das liegen? Was kann man dagegen tun?

    Wässern gestaltet sich schlecht, da Schüsseln o.ä. durch das Gewicht und die Eisen sofort kaputt gehen und ich an den einzigen kleinen Fluss nicht mehr rankomme.


    Ich habe auch schon überlegt evtl. die Eisen wegzulassen und auf barhuf umzusteigen. Soweit ich weiß, werden ja hier die Kanten stärker verrundet und auch die Belastungen durch die Hufnägel entfallen. Allerdings weiß ich nicht ob das wirklich Sinn macht, denn bei uns sind leider viele Wald- und Feldwege geschottert.


    Es wäre schön, wenn ihr mir da ein paar Tipps geben oder über eure Erfahrungen bei Kaltblütern ohne Eisen berichten könntet. Am Dienstag kommt der Hufschmied, dann muss ich mich entscheiden, ob Eisen drauf sollen oder nicht.


    Vielen Dank schon mal.

  • Wir haben 2 Kalti- Kreuzungen,

    ohne Eisen Kutsche fahren, geht bei uns,

    wegen grobem Schotter nicht!

    mache die Eisen nach ca 8 Wochen runter,

    gründlich Raspeln, 2 Wochen, Weide !

    Bei ständigem "Eisentragen",

    kriegen sehr viele Kutschpferde brüchige Hufe .

    Feuchtigkeit hilft

  • christophB

    Nutzt sich das Horn zu schnell ab oder gehen die Pferde dann generell fühlig bei dem Schotter?

    Machst du die Hufpflege bei deinen Pferden komplett selbst? Wenn der Schmied mehrmals kommt, geht das ja auch ganz schön ins Geld. Wir zahlen momentan fürs Beschlagen (ca. alle 8 Wochen) noch 225 € und wie ich hörte ist das noch relativ günstig.



    Harz_kutscher

    Was (aller wie viele Tage) verstehst du unter regelmäßig?

    Ich habe mal in meiner Pferdezeitung gelesen, dass das Fetten kontraproduktiv sei. Nach dem Wässern o.ä. ok, da dann die Feuchtigkeit im Huf gehalten wird. Ansonsten aber verhindert das Fett wohl die Aufnahme von Wasser z.B. bei nassem Gras.

  • Hallo,

    Fetten ist nur für "Turnier , Optisch,"

    Sagen mein derzeitiger Hufschmied,

    sowie vor 30 Jahren, auch schon sein Lehrmeister!!

    Beschlagen tut bei mir nur der Hufschmied,

    habe aber Hammer, Eisen oder Nägel, für Notfall.

    Raspeln tu ich nur,

    um den Pferden, eine "Nagelpause" zu gönnen?

    Ich versuche immer unsere 4 Pferde gleichzeitig,

    dem Hufschmied vorzustellen,

    da Er vor dem Abrechnen,

    immer auf seine Uhr guckt :-]

    Aber mit Eisen, habe ich auch schon 210 bezahlt ???

    Ein alter bereits verstorbener Verwandte,

    der noch mit Pferd arbeiten musste,

    sagte zu mir oh je, Pferd ist Teuer:

    läuft mit Eisen, zieht mit Leder usw ;)

    Hatte von dem 2 Arbeitskumte bekommen :]

    Immerhin können wir Huffett sparen

  • Achso,

    ohne Eisen ginge bei uns nicht,

    unser Waldwege ,sind teilweise sehr grob Geschottert!

    Das ginge beim kutsche fahren, nicht gut!!!!

    Matschkule ????????

    laut Hufschmied reicht, Erde und Nachttau ????

    Seit die Pferde bei mir ca 300 ++ Tage,

    auf der Weide verbringen, sind die Hufe ok.

    Früher bei Stallhaltung, gab es brüchige Hufe ???

  • Also hier seit mind. 10 Jahren Dauerbeshclag obB, aber herbst 21 plötzlich auf einen Shclag alle 3 brüchige Hufe? gab den Auftrag morgens beim reinhohlen alle Hufe zu ölen mit egal was....8 Wochen später war der Spuk vorbei. ich öle normalerweis nur vor veranstaltung oder im Hochsommer früh morgens kronsaum. wegen brüchiger Hufe umstellen auf Barhuf bei KB? Puuh, gutes Gelingen wünsch!!! Du brauchst unbedingt zu euch beiden passende Hufschuh vor Versuchsbeginn....

  • Also unsere Pferde haben die letzten beiden Jahre keinen Stall mehr gesehen, d.h. sie waren immer auf der Weide.


    Vorhin habe ich noch den Tipp von einem Bekannten bekommen, den Kronsaum mit Lorbeersalbe oder -öl einzuschmieren. Das soll wohl das neu wachsende Horn stärken. Er hat mir auch gleich eine angefangene Büchse mitgegeben.


    christophB

    Also 210€ für 4 Pferde finde ich sehr günstig.

    Unser Schmied schaut nicht auf die Uhr, es dauert solange es dauert. Dafür sind dann pauschal 75€ (inkl. Eisen)/Pferd fällig. Wir lassen auch immer alle 3 zusammen beschlagen, das ist dann sowohl für uns als auch für ihn ein Abwasch.


    Ich bin mal gespannt was der Schmied zu den Hufen sagt und in wie weit Nageln überhaupt noch möglich ist. Bei zwei Hufen ist die Hufwand doch relativ weit oben weggebrochen, vermutlich begünstigt durch höheres Nageln (wegen Ausbrüchen) beim letzten Mal.

    Zur Not werden sie eben mal eine Weile nicht angespannt, sodass das Horn ohne neue Nagellöcher nachwachsen kann.

    Es betrifft übrigens in erster Linie die Vorderhufe. Die hinteren sehen soweit ok aus.

  • Harz_kutscher

    Was (aller wie viele Tage) verstehst du unter regelmäßig?

    Ich habe mal in meiner Pferdezeitung gelesen, dass das Fetten kontraproduktiv sei. Nach dem Wässern o.ä. ok, da dann die Feuchtigkeit im Huf gehalten wird. Ansonsten aber verhindert das Fett wohl die Aufnahme von Wasser z.B. bei nassem Gras.

    Hallo, ich habe selber keine Erfahrungen mit der Wirkung von Fett, da wir es auch nur für die Optik vor Turnieren etc. auftragen. Der Vorschlag kam weil ich von anderen Pferdeleuten gehört habe, die zwei mal die Woche Fett auftragen, dass dies wohl die von dir Beschriebenen Probleme behoben oder zumindest abgemindert haben soll.

  • Erst einmal Danke an alle für die Tipps.


    Wegen der Hufschuhe habe ich jetzt mal gegoogelt - puu, das wäre ja ebenfalls eine teure Angelegenheit und das Anpassen bzw. die richtige Passform für jedes Pferd zu finden soll ja auch nicht so leicht sein. Hat da jemand Erfahrungen bzgl. der Haltbarkeit bei Kaltblütern?


    Naja, der Schmied kommt morgen und dann wird sich auch zeigen wie es weiter geht.

  • Also hier mal meine Meinung, und die hat sich bei mir aus langer Erfahrung mit meinen früher beschlagenen und seit 10 Jahren unbeschlagenen Pferden gebildet.


    Da das Thema Hufe aber sehr differenziert gesehen wird, um nicht zu sagen das es fast schon fanatische Lager zu dem Thema gibt, möchte ich ausdrücklich betonen dass dies meine persönliche Meinung ist.


    Tag1, der Hufschmied bearbeitet den Huf auf (hoffentlich) die optimale Länge und nagelt sein Eisen drunter.

    Ab da wächst der Tragrand (eigentlich wäre Hufkapsel der bessere Ausdruck), die Sohle, Strahl und die Eckstreben. Somit verändert sich der Huf aufgrund verschiedener Druckbeanspruchungen (Schräge Wand, Steile Wand) ab diesem Tag wieder. Der Huf wird, außer durch den Hufmechanismus der den Tragrand auf dem Eisen abschmiergelt, nicht mehr abgenutzt. Soll heißen, der Huf wächst von diesem Tag an eventuell/wahrscheinlich in eine nicht korrekte Richtung und wird nicht gekürzt. Vergleichbar mit einem langen Fingernagel, nur das Pferd läuft auf dem Nagel. Wenn der Tragrand jetzt zu lang ist entstehen Spannungen in der Hufkapsel, der Huf bricht aus (versucht sich selbst zu kürzen) bzw. es entstehen Hornspalten (der Huf reißt aufgrund der Spannungen).

    Die Eckstreben wachsen und legen sich auf die Sohle ggf. drücken sie darauf und es können so Hufgeschwüre entstehen. Die Sohle wird nicht abgenutzt, es entsteht relativ viel totes Sohlenhorn.


    Beim artgerecht oder gar freilebenden unbeschlagen Pferd kommt kein Hufpfleger oder Hufschmied um das Horn zu kürzen. Trotzdem gibt es da richtig gute Hufformen ohne Ausbrüche , mit geraden Wänden. Das sind meist die Hartbodenhufe ->Mustangs die auf steinigem Geröllboden leben, karge Nahrung, viel Bewegung haben. Da wird der Huf aufgrund der Bewegung und des Untergrunds kurz gehalten (abgeschmirgelt).

    Es gibt aber auch Weichbodenhufe die komplett ausgefranst und ausgebrochen sind (einfach mal Googeln, Studie von Brumbees).


    Meine Pferde leben ganztägig auf einem Paddocktrail mit wechselnden Böden die zum Teil sehr abrasiv sind. Trotzdem muss ich im Schnitt alle drei Wochen den Tragrand und Eckstreben kürzen (Im Sommer mehr im Winter weniger).


    Jetzt kann sich jeder selbst Gedanken zum Thema dauerhafter Hufschutz und Beschlagsintervalle mit > 8 Wochen machen. Für mich ist das kein gangbarer Weg. Ich verteufle aber auch den Beschlag nicht. Alles zu seiner Zeit und seinen Anwendungsfall und halt nicht immer und dauerhaft. Ein ganz anderes Thema sind dann noch die Materialien mit denen man beschlägt, aber das sprengt hier den Rahmen (Flexibilität der Hornkapsel und was ein starres Eisen bewirkt etc.).


    Werbung an :) : Wir machen übrigens einen Huf Basisseminar im Oktober bei uns (Siehe Kalender). Nur wenn jemand noch Interesse hat. Werbung aus.



    Wir haben hier im Forum ja auch noch einen ausgesprochenen Expertin und Buchautorin zum Thema. Vielleicht meldet sie sich auch noch.


    Gruß

    Carsten

    Edited 5 times, last by Carsten11 ().

  • Zur Ergänzung: meine/unsere Pferde (Süddeutsches Kaltblut, Trakehner, Araber, Welsh Cop, und Einsteller) sind Barhuf. Die Kaltblüter werden im Nebenerwerb zum arbeiten (Holzrücken, Gemüsebau), Reiten und Kutschenfahren (Freizeit) genutzt. Die anderen teilweise als Schulpferde im Reitunterricht.


    Resümee, Barhuf bei Kaltblütern funktioniert sehr gut. Bei den anderen auch.


    Klar ist, dass die Haltungsbedingungen passen müssen. Wenn die Pferde halt im Mist stehen und der Huf durch mangelnde Bewegung keinen Anreiz zum wachsen haben, funktioniert das alles nicht. Auch dauerndes Durchlöchern der Hufwände mit Hufnägeln ist natürlich kontraproduktiv.

    Edited 5 times, last by Carsten11 ().

  • PrinzB


    Wegen Deiner Frage zu Hufschuhen.


    Ich habe meine Kaltis mit

    a) Marquis und

    b) Scootboots


    versorgt. Mußt schauen, ob die größten Größen für Deine ausreichen - der Polin paßten Marquis und Scootboot jeweils in der zweitgrößten Größe.


    Das sind jeweils unterschiedliche Konzepte. Beide waren tauglich für meine Zwecke.

    Verschweigen möchte ich weder den finanziellen noch den Arbeitsaufwand.


    Würde ich nicht um der Pferde willen auf Beschlag verzichten, dächte ich im Traum nicht daran, mir das anzutun.

  • Ich habe Easyboots, halten gut. Aber ist halt zwei Minuten Mehraufwand pro Pferd.

    Mir ist es das wert. Meistens nutzen wir aber barhuf. Beim Holzrücken traue ich Hufschuhen auch nicht. Habe es nie probiert aber die halten da bestimmt nicht.


    Übrigens macht es Sinn sich mal Gedanken über den Unterschied zwischen "fühlend" und "fühlig" laufen zu machen.

    Oder auch, warum laufen den Pferde mit Eisen über alles ohne zu zucken.


    Weil ich die Seite sehr gut find, hier mal was zum einlesen

    Manu Volk Go-barhuf.de - Der Huf



    oder hier mal ein gutes Buch zum kostenlos Download:

    Pro Barhuf (pro-barhuf.de)

    Edited 3 times, last by Carsten11 ().

  • Danke für die Tips.


    Vorige Woche habe ich mich tatsächlich zum ersten Mal mit der Raspel an die Hufe getraut - die Hufbearbeiterin war krank. Und weil das wider Erwarten so gut geklappt hatte, habe ich mich am nächsten Tag doch glatt mit einer Kneifzange(!) an die Zehen gemacht, weil ich es nicht mehr ansehen konnte. Wider Erwarten haben die Ponies und ich das auch überlebt. Nun bin ich wild entschlossen, am nächsten Praxiskurs meiner Hufbearbeiterin teilzunehmen.


    Zu Dir, Carsten11 , ist es schlicht zu weit!

  • So, der Schmied ist weg.

    Wir haben jetzt bei allen dreien erst einmal die Eisen weggelassen und schauen wie sich die Hufe entwickeln. Auf der Weide können sie auch erst einmal etwas Feuchtigkeit tanken, sofern es denn regnet bzw. Tau gibt.


    Gestern beim Holen der Pferde mussten wir auch einen Schotterweg entlang. Der Wallach, der ein Eisen verloren hatte, nutzte dabei jede Möglichkeit um vom Schotter runter zu kommen. Auf Beton und Asphalt ging es eigentlich. Leider müssen wir, wenn wir die Pferde auf die nächste Weide bringen, ebenfalls wieder über Schotterwege.


    Wie kann man die Hufe nun am Sinnvollsten an den Schotter gewöhnen, einfach ein Bisschen spazieren gehen? So ein Gelände mit unterschiedlichen Untergründen, wie es Carsten scheinbar hat, kann ich bei uns leider nicht umsetzen.

    Wie lange sollte ich nach dem Ausschneiden warten, bevor ich mit irgend etwas beginne?


    Carsten11

    Was habt ihr denn bei euch für Wege?

    Vielen Dank auch für den Literaturlink, leider bin ich noch nicht zum Lesen gekommen.

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