Amerikanisches Hintergeschirr anbauen

  • butterfly123 : nach laengerem nachdenken habe ich meine Meinung ein Bisschen geaendert: Einspaennig einachsig ist moeglich mit einer vorne geschlossenen Gabel. Zusaetzlich muss ein sogenannter Schnappriemen verwendet werden, um zu verhindern dass dle Karre rueckwaerts umkippt (fehlender kleiner Bauchgurt). Die Anspannng ist dann eigentlich nichts anderes als die in der Schweiz (frueher) ueblichen "Kaesi-Karren" ausser dass die Gabel mittig mit der Kummtkette/Riemen getragen wird und nicht mit den zwei Landenriemen.

    Es ist zu bedenken dass diese relativ kleinen Karren eigentlich nur dazu dienten um ein paar Kannen Milch in die Kaeserei zu bringen, was hoechstens eine halbe Stunde dauerte, der Rest vom Tag wurde es im Zweispaenner oder vor Geraeten ohne Deichsel/ Schere genutzt.
    Dieses Bild zeigt so einen Karren, bei dem die Landen aber untypischerweise mit dem Rueckenriemen getragen werden.


  • So sieht das bei mir aus. Vorne geschlossen und Bauchgurt vorhanden.

    Habe mich gefragt wie das mit dem Rückwärtsrichten funktioniert. Hält das dann durch den Schweifriemen?

    Diesen Monat gibts einen neuen Einspänner-Zweiachser, ist das dann besser?

    Bekommt man so ein "Yankee britchen" auch in Deutschland, oder wo kann man das bestellen?


    Grüße Angelika

  • Das stimmt Rossknecht , beim Aufschirren wäre ich ohne Hintergeschirr deutlich schneller, auch zu putzen gibt es weniger.

    Beim Putzen ok, das sehe ich ein aber beim Aufschirren macht sich das zeitmäßig doch kaum bemerkbar.

    Bei mir sind eigentlich alle Teile, abgesehen von Kumt und Aufhalter (wie bei Florians erstem Bild), immer zusammen. D.h. ich habe alles über dem Arm und lege es mit einem Schwung auf. Zusätzliche Handgriffe sind eigentlich nur das Einhaken von vier Karabinern, das Durchfädeln des Bauchgurtes durch die Aufhalteröse und das Hervorziehen des Schweifes aus dem Umgang. Das aber dauert doch kaum 1 - 2 Minuten. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

  • Aus meiner Ehrfahrung macht es nicht so einen grossen Unterschied in der Zeit zum Aufschirren mit oder ohne Hintergeschirr, vielmehr was fuer eine Art von Kummet verwendet wird und ob die Geschirre zwischen verschieden Pferden oder zwischen ein-und zweispaennig verstellt werden muessen. Mein bevorzugtes Geschirr war ein Buendner Schlosskummt mit einem Korb. Kummt von der Seite aufgelegt, Geschirr aufs Pferd gelegt, Schweif aus dem Umgang genommen, das Schloss geschlossen und das Gebiss eingehaent und schon war aufgeschirrt. Die langen Landen mit Patenhaken am Kummt angehaengt und die Strangen eingehaengt und schon war eingespannt. Mit den Amerikaner ist es ziemlich muehsam, grad mit Pferden mit grossen Koepfen und duennen Haelsen , wenn man einen Unterkummt unter den Kummt pfriemeln muss, dann das Geschirr erst aufgelegt wird und man noch ums Pferd gehen muss um den Quartestrap einzuhaengen. Richtig zeitaufwaendig wird es, wenn man zurueck zur Geschirrkammer spatzieren muss, um von einem anderen Geschirr Landenriemen, Leinen oder Martingal abmontieren muss.

  • Wir reden viel von Entschleunigung und dann sollen 5 Minuten Geschirr auflegen, die erkennbar dem Tierschutz dienen, ein Rolle spielen?

    Die Gründe, warum die Hintergeschirre in vielerorts Deutschland weggefallen sind (sie waren früher nämlich durchaus weiter verbreitet), waren schlichtweg finanzieller Natur oder modisch bedingt.

    Diese Gründe zählen heute aus meiner Sicht nicht mehr.

    Arbeitsgeschirre müssen dem Einsatzzeck entsprechend ein gutes Aufhalten erlauben.

    Die Zeiten, in denen man mit bis an die Nasen hochgezogene Deichseln beim Aufhalten hat, sollten wir überwinden.

  • Alle meine Geschirre haben ein Hintergeschirr, aber die Ruestzeit kann das Zuenglein an der Waage spielen, ob man zwischen Feierabend und Sonnenntergang noch einspannt oder die Pferde auf der Weide verfetten laesst...


    butterfly123 : mit geschlosser Gabel meinte ich vor dem Pferd durchgehend, also das Pferd steht in einem aus Rohr geformten U und muss beim ein und Ausspannenen ueber den vorderen Teil treten. Es wird wahrscheinlich Februar bis ich ein Bild von so einer Anspannung an der Cutter-rally machen kann.

    Du hast ja ein Fahrgeschirr mit Sellet, da kommt mir eine Zeichnung im Pape in den Sinn, ein Einspaenner mit den vor 100 Jahren ueblichen geschwungenen relativ langen Landen, die die Spitzen bis zur hoehe Nase gingen und von dort Ketten oder Riemen zum Kummt / Brustblatt zurueck gingen. Wurde als nicht empfehlenwert beschrieben, da das Hintergeschirr fehlte. Mit dem Yankee britchen wuerde das problemlos funktionieren, da mit Umgang, Quarterstraps und Martingal und Aufhalteketten die Verbindung von Hinterhand zu Landen hergestellt wird.

    Der Nachteil ist, dass man auf die modernen, kurzen Marathon Landen verzichten muss und sich das Pferd nicht so drinn biegen kann. Das ist sicher im Turnier ein Nachteil, fuer den Freizeitfahrer aber kaum.

  • Super vielen Dank für deine Erklärung, jetzt sehe ich klarer. Ich denke mal das kommt für mich nicht in Frage, sehr schade.

    Troztdem sehr interessant, welche Möglichkeiten es gibt anzuspannen.


    Grüßle Angelika

  • Beim Putzen ok, das sehe ich ein aber beim Aufschirren macht sich das zeitmäßig doch kaum bemerkbar.

    Bei mir sind eigentlich alle Teile, abgesehen von Kumt und Aufhalter (wie bei Florians erstem Bild), immer zusammen. D.h. ich habe alles über dem Arm und lege es mit einem Schwung auf. Zusätzliche Handgriffe sind eigentlich nur das Einhaken von vier Karabinern, das Durchfädeln des Bauchgurtes durch die Aufhalteröse und das Hervorziehen des Schweifes aus dem Umgang. Das aber dauert doch kaum 1 - 2 Minuten. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

    Ich wollte mit meiner Aussage eher Roßknechts Meinung zum minimalistischen Geschirr beim Arbeiten ohne Wage/Deichsel bestätigen.


    Bei mir in der Umgebung fährt ausser mir praktisch keiner mit Hintergeschirr und wirklich keiner mit amerikanischem Geschirr. Wenn mir dann ein Bekannter beim Aufschirren zusieht bekomme ich öfters zu hören dass man "mit so einem amerikanischen Geschirr viel länger braucht" - dabei hinkt der Vergleich ja eindeutig, da der (geringe) Mehraufwand nicht durch die Geschirrart sondern durch das Hintergeschirr entsteht.


    Wir reden viel von Entschleunigung und dann sollen 5 Minuten Geschirr auflegen, die erkennbar dem Tierschutz dienen, ein Rolle spielen?

    Sehe ich genauso Florian. Zudem ist es für mich 100% Hobby, da lass ich mich (fast nie) drängen.


    Zudem bin beim Geschirr noch am Lernen, z.B. probieren was im Wald oder an der Wiesenegge alles vom Geschirr zuhause bleiben kann.


    Vielen Dank für die Erläuterungen zu den Geschirren und deren Einsatzzweck!


    Gruß

    Walter

    Der wahre Pferdemann ist derjenige, der seine Pferde entsprechend den jeweiligen Anforderungen richtig anspannt, fährt und einsetzt

    A. Nemitz

  • Bei einer Holzrückeveranstaltung kam ich mit jemanden ins Gespräch, der auch amerikanische Geschirre verwendet.

    Er hat sich ein zweites Selet mit Bauchgurt und Schweifmetze angeschafft und jeweils die Riemen, die von der Kruppe zu den Hamen führen, mit Karabinern versehen. Je nach Arbeit legt er dann das entsprechende Geschirr an, beim Holzrücken ohne komplettes Hintergeschirr und beim Fahren halt mit.


    Zwar OT aber vielleicht trotzdem interessant.

    Bei uns haben die amerikanische Geschirre die Brustblätter verdrängt. Wir nutzen sie vor der Kutsche (Marathon Trainingswagen) genauso wie vor Gummiwagen und Miststreuer, einspännig und zweispännig. Bei der zusätzlichen Einspännerausrüstung (Tragösen sind mit einem Bauchgurt verbunden und werden auf beiden Seiten am Selett verschnallt) war ich mit den doppelten Bauchgurten nie ganz glücklich. Daher habe ich mir bei Heavy Horseparts einen gepolsterten Bauchgurt anfertigen lassen in dem beide Gurte (normaler Bauchgurt + Einspännerbauchgurt) verschnallt werden. Dieser sitzt durch die Polsterung bequemer und Quetschungen zwischen den Riemen werden vermieden. M.M.n. ging unsere Stute danach entspannter.

  • Was ich bei einem Arbeitsgechirr sehr wichtig finde, sind die im zweiten Bild von hafiking sichtbaren Haken um die Straenge bei nichtgebrauch einzuhaegen. Ein Arbeitspferd muss man aufgeschirrt stehen lassen oder zum Feld fuehren koennen, ohne dass das Pferd mit scharfen Hufeisen die Straenge auf dem harten Boden beschaedigt.

    Am Sonntag werde ich ein paar Bilder schiessen vom Yankee brichen, und wenn es so weiter scheit, Bilder wie das Gespann am Schlitten eingespannt ist.

  • Bei einer Holzrückeveranstaltung kam ich mit jemanden ins Gespräch, der auch amerikanische Geschirre verwendet.

    Er hat sich ein zweites Selet mit Bauchgurt und Schweifmetze angeschafft und jeweils die Riemen, die von der Kruppe zu den Hamen führen, mit Karabinern versehen. Je nach Arbeit legt er dann das entsprechende Geschirr an, beim Holzrücken ohne komplettes Hintergeschirr und beim Fahren halt mit.

    Ja, so in etwa stelle ich mir das auch vor, muss es nur noch umsetzen . . .


    Zwar OT aber vielleicht trotzdem interessant.

    Bei uns haben die amerikanische Geschirre die Brustblätter verdrängt. Wir nutzen sie vor der Kutsche (Marathon Trainingswagen) genauso wie vor Gummiwagen und Miststreuer, einspännig und zweispännig. Bei der zusätzlichen Einspännerausrüstung (Tragösen sind mit einem Bauchgurt verbunden und werden auf beiden Seiten am Selett verschnallt) war ich mit den doppelten Bauchgurten nie ganz glücklich. Daher habe ich mir bei Heavy Horseparts einen gepolsterten Bauchgurt anfertigen lassen in dem beide Gurte (normaler Bauchgurt + Einspännerbauchgurt) verschnallt werden. Dieser sitzt durch die Polsterung bequemer und Quetschungen zwischen den Riemen werden vermieden. M.M.n. ging unsere Stute danach entspannter.


    Wir haben unser Brustblatt auch verkauft, erst vor kurzem auch das für Einspänner.

    Hast du noch ein Foto von deiner Sonderanfertigung? Bisher nutzen wir zum einspännig Fahren die zusätzliche Verschnallung.


    Was ich bei einem Arbeitsgechirr sehr wichtig finde, sind die im zweiten Bild von hafiking sichtbaren Haken um die Straenge bei nichtgebrauch einzuhaegen. Ein Arbeitspferd muss man aufgeschirrt stehen lassen oder zum Feld fuehren koennen, ohne dass das Pferd mit scharfen Hufeisen die Straenge auf dem harten Boden beschaedigt.

    Tatsächlich war es genau diese "Kleinigkeit" die mich überhaupt auf das amerikanische Geschirr aufmerksam gemacht hat - auch wenn Hafiking die Haken gerade nicht nutzt. ;)


    Gruß

    Walter

    Der wahre Pferdemann ist derjenige, der seine Pferde entsprechend den jeweiligen Anforderungen richtig anspannt, fährt und einsetzt

    A. Nemitz

  • PrinzB

    Danke, hab's jetzt kapiert. :thumbsup:


    Gruß

    Walter

    Der wahre Pferdemann ist derjenige, der seine Pferde entsprechend den jeweiligen Anforderungen richtig anspannt, fährt und einsetzt

    A. Nemitz

  • Kein Problem, manchmal fehlt einem eben die Vorstellung von etwas. Ich bin auch immer froh, wenn jemand mir dann, durch was auch immer, weiterhilft.

  • besagtem Bauchgurt

    Bekannte von mir hat Pferd das im Bauchbereich auch sehr empfindlich ist -

    was Haarverlust bis offene Stellen zur Folge hatte .

    Verschiedene Ledergurte brachten nur kurze Hilfe .

    Sie nimmt einfach gutgepolsterte Western-Neoprengurte -

    die gibt es in vielen verschiedenen Längen .

    Einzig die Löcher an den Bauchgurtstrippen müßen dann etwas größer sein .

    Beim Einspänner hat sie einfach den Ledergurt für die Scherenträger

    unter dem oberen Neopren durchgezogen .

    Gleiches geht auch mit Westernfellgurten-da hat sie die beiden kleinen mittleren Ringe

    mit einfachem Sporenriemen verbunden und da läuft dann der Trägergurt mit durch.

    Sieht gut aus und funktioniert auch super .

    Neopren läßt sich viel leichter sauberhalten als Leder und braucht keine Pflege außer Wasser.

    Und preiswerter als Ledergurte sind sie auch .

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