Unsere letzte Fahrt


  • Unsere letzte Fahrt ist eigentlich ein Thema für den Herbst und wird im Allgemeinen überhaupt nicht gerne angesprochen. Ein persönliches Erlebnis in den vergangenen Tagen hat mich jedoch dazu veranlasst. Wir Alle sind seit Jahren oder Jahrzehnten mit unseren Pferdekameraden verbunden. Viele unter uns kennen sich über viele Jahre persönlich. Für mich ist es deshalb keine Frage, die letzte Fahrt mit unseren Pferden anzutreten. Ich hoffe, dass ich genug Fahrschüler ausgebildet habe die das auch, ohne mich auf dem Kutschbock, stilgerecht vollziehen können. Wenn dieser Gedanke auch zu einem ihrer letzten Wünsche gehört, freue ich mich davon zu hören um die nötigen Gespräche zu führen und Vorkehrungen mit den Angehörigen zu treffen.

    Paul Wiegel

  • Hallo Paul, da hast Du ein schönes Thema angeschnitten: Ich kann mich noch gut erinnern, wie in meiner Jugend in den 50er Jahren auf einem schwäbischen Dorf der Sarg vom Haus des/der Verstorbenen zum Friedhof mit einem von Rappen gezogenen "Leichenwagen", ähnlich dem auf Deinem Bild, gefahren wurde. Das war auch insofern interessant, als eines der Pferde immer sehr hektisch war, so daß man froh war wenn der Zug endlich am Friedhof angekommen war.

    Heutzutage stirbt ja kaum noch jemand zuhause, viele lassen sich verbrennen, so daß ein solches Geleit gar nicht möglich ist.

    Gruß FRITZ

  • ich hätt mir sowas immer gewünscht, aber hier ist das unüblich, der Weg des Sarges geht von der Leichenhalle bis zum Grab ungefähr 50 m weit innerhalb Friedhof und vorher vom Bestatter zur Leichenhalle, vernünftig aufgebahrt wird hier nirgendwo mehr.

  • In England z.B. kenne ich Kollegen, die mehr Leichenwagen als Hochzeitskutschen in ihrer Remise haben und manchmal mehr als einen Einsatz ihrer Leichenwagen am Tag haben. Dort sind es vor allem die Einwanderer aus z.B. Jamaika, die sich offenbar bis in die übernächste Generation verschulden, nur um einmal im Leben (besser: einmal NACH dem Leben) im Mittelpunkt zu stehen und der gesamte Clan fährt im Auto hinter dem Leichen-Conduct.


    Hier in Deutschland sind die Hauptkunden (bzw. deren Angehörige) für einen solchen Conduct nach Auskunft eines Bestatters:


    > Ehrenbürger der Gemeinde/Stadt


    > Roma/Sinti


    > Mafia



    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Hier sind Gemeinsamkeiten erkennbar

    :saint:  :thumbup:  :thumbsup:

    Finsternis kann keine Finsternis vertreiben. Das gelingt nur dem Licht.
    Hass kann den Hass nicht austreiben. Das gelingt nur der Liebe.
    »Kraft zum Lieben« Rede 1963, Martin Luther King (1929-1968)


    "Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt."

    Jehuda Bacon, *1929, Auschwitz-Überlebender

  • Die Zeiten scheinen sich wirklich gewandelt zu haben.


    Bisher bin ich auch nicht ansatzweise auf die Idee gekommen, mir einen Leichenzug zu wünschen. In meinem Testament würde ich versuchen alles für das Wohlergehen meiner Tiere abzusichern, aber nicht, daß sie meinen Leichenwagen ziehen sollen.


    Das mit dem Aufbahren ist eine andere Sache - meine Tiere bahre ich nach ihrem Tod auf für etwa 24 Stunden. Das ist wohltuend. Wahrscheinlich würde ich es für einen Menschen auch machen.

  • Ich finde einen Trauerzug mit Kutsche sehr schön.

    Auf die ganze Geschiche mit Pfarrer und Trauerrede in der Trauerhalle könnte ich dafür recht gut verzichten.

    Mir gefällt dieser respektvolle Marsch und solch ein Leichenwagen von Pferden gezohgen hat für mich noch etwas würdevolleres als in einem motorisierten, hässlichen Kasten.

    Sagt ja keiner, dass es die eigenen Pferde sein müssen, die die Kutsche ziehen...

  • Nein, aus Oberbayern.


    Wir hatten für einen Filmdreh einen flachen Wagen zustellen mit einem Sarg darauf. Auf dem Bock sollten zwei Liliputaner sitzen und das Gespann fahren. Es ging auf einem schmalen Damm zwischen zwei Weihern, eine Windmaschine blies Laub über den Wagen. Ich hatte diese Einstellung schon zwei, drei Mal mit den Pferden gefahren; sie liefen (trotz Windmachine und fliegendem Laub) die kurze Strecke paktisch auswendig. Nur: die beiden Liliputaner hatten Angst und weigerten sich allein zu fahren. Also habe ich mich in den Sarg gelegt, vorne zwei größere Löcher ausgesägt und das Gespann von innen über die Strecke geführt.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Ja, so wie auf dem Foto von Gutachter könnte ich mir das auch vorstellen. Schöne Pferde, schöne Geschirre und schöner Wagen, was will man mehr auf seiner letzten Reise? Dagegen finde ich persönlich die Pferde mit den Decken (oder wie nennen sich die Umhänge?) einfach nur hässlich und abstoßend. Aber das ist sicherlich reine Geschmackssache.


    Leider funktioniert das bei uns auch nicht. Hier ist es so ähnlich wie bei Kirsten.


    Gruß Marcus

  • So sind die Geschmäcker unterschiedlich. Ich fand die zweite Anspannung würdiger und korrekter.

    Bei mir reicht es aber etwas einfacher: zwei Haflinger vorneweg und ein einfacher schwäbischer Leichenwagen würden reichen. Kutscher aber schon im schwarzen Anzug.

  • Die Ausstattnug kommt natürlich sehr auf die örtlichen Bedingungen an:



    Wir haben auch schon bäuerliche Bestattungen auf dem Leiterwagen mit schwarz verhängtem Wagen gefahren.


    Statt der Voll-Schabraken kann man auch Halbschabraken nehmen. Ideal sind natürlich Rappen, Roma/Sinto wünschen sich Schimmel, möglichst auch einen weißen Leichenwagen (gibt es !).


    Da kann man schon auch variieren.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Mir gefällt die 2.Anspannung auch besonders gut.

    Aber ja, das ist Geschmackssache.

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!