Pferdetransport über grosse Distanzen

  • Ich nehme über's Jahr an mehreren Veranstaltungen teil, zu denen ich einen langen Anfahrtsweg habe. Manchmal bin ich mit meinem Pferd bis zu 8 Stunden unterwegs. Selbstverständlich mache ich so alle zwei Stunden eine Pause. Das Pferd weigert sich unterwegs, Wasser zu trinken, frisst aber durchaus Heu, sowohl während der Fahrt, als auch in den Pausen. Im Weiteren mistet und stallt es normal.

    Am Anfang hatte ich grosse Bedenken, mit dem Pferd im Hänger so lange Reisen zu machen. Ich stellte aber fest, dass es eigentlich ganz ruhig und scheinbar zufrieden über die ganze Zeit im Hänger steht. Ich habe den Eindruck, dass es während dieser Zeit im Hänger so etwas wie abschaltet, Gibt es Forumsmitglieder die dazu eine Meinung oder sogar Wissen haben?

  • Unserr längster Transport war 48 Stunden mit 8 Pferden (1988), nicht wegen der Entfernung, sondern wegen 24 Std. Wartezeit an der östereichisch/italienischen Grenze. Wassertrinken war kein Problem, aber uns ging dann irgendwann das mitgeführte Heu aus. Der talienische Veterinario akzeptierte nicht das deutschsprachige Gesundheitszeugnis, in dem stand: "Influenza negativ". Es hätte heißen müssen: "influenza negativa". Nach einer Sonderfreigabe durch das italienische Gesundheitsministerium in Rom ging es dann nach ca. 30 Stunden an der Grenze weiter. Ursprünglich wollten wir über den Brenner (wo deutschsprachige Papiere kein Problem gewesen wären) fahren, das wurde uns untersagt, da damals keine lebenden Tiere über die Straße an die italienische Grenze transportiert werden durften.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Heute sind ja 8 Std. gesetzlich erlaubte Höchstdauer (jedenfalls in der Schweiz; in der EU gilt dies meines ungenauen "Wissens" nach nur für Schlachttiere). Wir sind früher aber auch länger gefahren.


    Mein prägendes Erlebnis: Transport von Sportpferden im Sommer von Wien nach Aachen. Entgegen der klaren Weisung von unserem Chef hielt der Chauffeur nicht alle 2h an, damit wir die Pferde tränken konnten, sondern nur, wenn ihn seine Blase drückte; und insgesamt durften wir ein einziges Mal Wasser holen (wir waren mehr als 20h unterwegs). Fazit: von den 7 Equipenpferden kamen 5 mit Fieber an; nur 2 konnten das Turnier wie vorgesehen beginnen, und wie die Leistung der Equipe war, muss man wohl nicht erwähnen.


    Das war aber die grosse Ausnahme. Wenn "unser" eigener Chauffeur die Pferde fuhr, hatten wir gar nie ein Problem, egal ob es nach Göteborg, nach Marseille oder nach Rom ging (alles ohne unterwegs auszuladen). Ich halte mich heute noch an die Spielregeln: egal, welche Jahreszeit und wie das Wetter ist, alle 2h wird angehalten und Wasser angeboten. Meistens trinken sie gar nichts oder nur wenige Schlucke, obwohl sie den ganzen Weg Heu mampfen. Das gibt mir übrigens zu denken: die Turnierpferde vor 40 Jahren haben praktisch immer Wasser angenommen. Ich führe das u.a. darauf zurück, dass heute auf den meisten Autobahnraststätten möglicherweise nur aufbereitetes Wasser verfügbar ist, das keine Trinkwasserqualität hat, und geschmacksbedingt abgelehnt wird (Chlor? Flusswasser?).


    Kot-und Harnabsatz sind überhaupt kein Problem (Einstreu ist ja Pflicht, mindestens bei uns), und solange man Autobahn fährt, sind die Pferde völlig entspannt und ruhig. Anders sieht es für Pferde aus, die es nicht gewohnt sind, zu reisen, die nicht fressen und ständig stampfen, oder die schwitzen. Mit denen würde ich ungern 8-stündige Etappen machen. Auch auf Landstrassen ist die Anstrengung viel grösser, und die Pferde sind entsprechend ko am nächsten Tag.


    Die Beine wurden bis über den Kronrand hinunter bandagiert, damit sie durch das lange stehen nicht anschwollen (keine Transportgamaschen, wegen dem gleichmässigeren Druck). Nach der Ankunft wurden sie ausbandagiert und die Sehnen mit Alkohol kräftig massiert, um die Durchblutung anzuregen. Sie hatten natürlich Eisen, Stollen auf dem LKW waren wegen der Verletzungsgefahr absolut verboten (ich habe aber bei Pferden von "unseren" Pensionären einige zerfetzte Kronränder und auch ein gespaltenes Röhrbein wegen Stollen gesehen). Jedes Pferd hatte auch im Sommer wenigstens eine leichte Decke, wegen der möglichen Zugluft.


    Mit den Turnierpferden war Pflicht, sie am nächsten Tag nach dem ersten Heu ausgiebig zu spazieren, um die Muskulatur zu lösen; oder aber sie ein Stündchen auf die Weide oder in den Paddock zu lassen.


    Mit meinen eigenen Pferden bin ich schon viele Male >10h gefahren (die 8-Std-Vorschrift gilt ja noch nicht so lange). Ich hatte ich noch nie Probleme, aber ich achte auch darauf, dass ich nicht in der Hitze fahren muss (--> Hauptstrecke nachts und vormittags). In einem Stau habe ich auch schon mal Hals und Brust nass gemacht, aber wenn man dann wieder weiterfahren kann, bleiben die vorderen Fenster zu, bis die Hälse wieder trocken sind.

  • Hallo,

    ich glaube nicht das es nur an dem Wasser von den Raststätten lag. Als wir unsere Noriker aus Östereich geholt haben, waren wir insgesamt 11 Stunden unterwegs und sämtliches Heu wurde nach und nach aufgefuttert. Der Besitzer hatte uns Wasser mitgegeben und auch wir hatten welches mit. Die ganze Zeit haben die Pferde nicht einmal was gesoffen weder von diesem noch von jenem Wasser.

    Bandagiert wurde nicht und Eisen hatten sie auch keine drauf. Der Hänger war hinten offen und die Pferde waren trotz Winter nicht eingedeckt. Ich denke das war auch gut so, denn sie haben im Hänger viel "gearbeitet" und so konnte die Feuchtigkeit gut ablüften. Zu hause haben wir sie trockengerieben und -geführt, bevor sie in den Stall kamen und sich ausgiebig im Stroh gewälzt haben.


    Gruß Marcus

  • 8 Std sind es bei gewerblichen Transporten OHNE automatische Tränkeeinrichtung . Danach muss das Pferd ausgeladen werden und 16 Stunde Pause ist angesagt , dann kann es wieder weiter gehen .


    Bei Transporten mit automatischer Tränkeeinrichtung sind 16 Stunden erlaubt .


    Ich hab auch schon angehalten und getränkt , was meist verschmäht wurde , Pferde sind halt trotzdem innerlich aufgeregt, das wurde ja auch schon bewiesen . Alle zwei Stunden würde ich unter normalen Temperaturen nicht anhalten .


    Pferde die das Fahren kennen stecken das aber recht gut weg , finde ich .

  • weite Strecken zu fahren ist meistens kein Problem. Es kommt eben auch auf die Art des Transportes an. Auf einem LKW quer stehend sind die Tiere meistens besser unterwegs als im Anhänger. Die modernen LKW im Rennpferdebereich, haben Freilaufabteile, wo die Pferde nicht mehr angebunden sind. Dort werden Stute mit Fohlen gefahren. Sie sind so konzipiert, dass man von aussen die Tür aufmachen kann, um zu füttern und zu kontrollieren.

    Da diese Pferde auch mal eben durch halb Europa müßen, hat sich diese Sache gut bewährt.

    "Willst du vom Bock und sonst gut fahren, musst "Kühnheit" du mit "Können" paaren. Doch vor der Kühnheit "Können" wahren, wird manches Unheil dir ersparen!"

  • Also hier funktioniert der Langstreckentransport erst seit ich akzeptiert hab, dass Shetten unfixierbar sind ohne Überraschungen, sonst hat man da bei Kontrolle des Hänger schon mal abenteuerliches gefunden, selbstverständlich stets ohne Macke/bleibende Schäden, aber vermutlich bißle unbequem gewesen? Heut wird auch alle 2 h kontrolliert früher eher seltener aus Angst, vielleicht jemand durch Vordertür zu verlieren...abgeladen auf Langstrecke wurd früher auch nie, heut ist es Pause für alle.

    Heut werden die Tiere eng gepackt und eher lang angebunden aber Stangen (auch bei passender Höhe!!) werden auf Langstrecke "gefüllt/unterfüttert" zb mit Strohballen/Gepäck/Kutschen. Gefuttert wird immer, Wasser im ml-Bereich aufgenommen bis plötzlich doch mal jemand Durst hat und vernünftig 2-5l sauft. Stress wegen fahrt ist denen nicht anzumerken, abladen/kurz anspannen für kleine feldrunde/aufladen und weiter kein Problem: mehr so angenehme Abwechselung für alle Beteiligten, lieber/besser wird auf Hänger geschlafen als in unbekanntem Stall. Gibt nächste Saison am hänger li+re Schafgatter (8 stück), so dass kleiner stromfreier Paddock um Hänger in kurzer zeit möglich und Stützen am Hänger, dass Auto weg kann, so dass in Zukunft im Urlaub/Tunier "Stall" mit ist.

  • Bennyblue: auf dem Turnier gibt es Vorschriften für die Übernachtung der Pferde. Der Hänger als Übernachtungsmöglichkeit ist auf offiziellen Lpo Turnieren schwierig. Überdachtes Paddock ist möglich... Nur als kleiner Tipp für Eure Überlegungen

  • Bitte wo kann man das genau nachlesen?? Das ich nicht (wie das vernünftig und sicher wäre) die Pony mehr auf dem geschlossenem Hänger lassen darf ist mir bekannt, aber das die den Hänger nicht frei betreten und verlassen dürfen, wenn rund um den Hänger ein Paddock gebaut ist wäre mir neu?

  • Landeskommission, Anlage A besondere Bestimmungen. Außerdem ist es in den meisten Ausschreibungen drin, weil die Lk hier echt streng ist...

    Eine Aufstallung auf einem Hänger muss durch den Lk beauftragen abgenommen werden und die voraussetzungen dafür sind ziemlich hoch. Wir haben das schon öfter - unter anderem auch mit Familie brauchle - diskutiert. Ob Sinn oder Unsinn spielt hier -wie so oft- die kleinere Rolle. Ich kann dir nur sagen, dass es leider nicht so einfach ist, ein Paddock um einen Hänger aufzubauen und die Ponys dort schlafen zu lassen....

    Die Mitarbeiter der landeskommission sind übrigens sehr nett, falls du da nachfragen willst. Das würde ich aber schriftlich machen.... Ich spreche aus Erfahrung .... Dann sagt der eine, das ist okay und für den nächsten gilt das nicht mehr 🙄🙈

    Edited once, last by Sissy ().

  • Die einzelnen Landeskommisionen haben das teilweise recht unterschiedlich geregelt. Man muss also immer in den besonderen Bestimmungen des Bundeslandes nachschauen, wenn der Veranstalter es nicht sowieso ausschließt. Wir sind viel mit unseren Zwergen unterwegs. Iin der letzten Zeit hatten wir sehr häufig die Möglichkeit im Anhänger aufzustallen, was aber mit der Größe (hihi oder Kleine) unserer Ponys zu tun hatte.

    Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum.

  • das ist bereits seit Jahren so das die Pferde nicht mehr auf den Anhänger übernachten dürfen! Ist auch richtig so.

    Entweder vernünftiges Paddock bauen, oder Boxe bezahlen auf einem Turnier.

    "Willst du vom Bock und sonst gut fahren, musst "Kühnheit" du mit "Können" paaren. Doch vor der Kühnheit "Können" wahren, wird manches Unheil dir ersparen!"

  • Savi, deine Antwort ist falsch. Es ist so geregelt, wie oben schon Sissy und ich geschrieben haben. Leider ist es nur nicht einfach einheitlich in allen Bundesländern geregelt, sondern man muss nachsehen oder der Veranstalter macht seine Vorgaben. Wir sind genug mit unseren Ponys deutschlandweit unterwegs und sind da wirklich im Bilde.

    Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum.

  • Es gab mal eine Studie zum Hängerfahren mit Messung von Blutparemetern. Heraus kam, dass Pferde immer Stress haben bei Transporten, auch wenn man ihnen äußerlich nichts anmerkt.
    Zum Thema Wasser. Viele Pferde verschmähen so weit als möglich nicht nur fremdes Wasser sondern auch Wasser aus fremden Gefäßen. War auf Wanderritten mit meinem Araber immer ein Problem.
    Hilfreich bei Transporten:
    - eigenes Wasser

    - vertrauter Eimer

    - und, oftvergessen, geschmacksneutraler Kanister. Es gibt spezielle Trinkwasserkanister.
    Alle 2 Stunden hat bei mir trotzdem noch nie einer Wasser genommen. Pferde trinken ja auch bei anderen Gelegenheiten nicht, wenn sie aufgeregt oder abgelenkt sind. Der Zwei-Stunden-Takt wird ja auch für's Wanderreiten empfohlen. Bei meinen Arabern war das immer kontraproduktiv. Sie hane weder getrunken, noch geruht. Nach 4 Stunden hingegen gab es harmonische Pausen mit Futter- u. Wasseraufnahme und Ruhephase. Sicher auch unterschiedlich. Aber ich glaube, beim Hängerfahren weckt jeder Halt die Hoffnung auf Befreiung - und verursacht zusätzlichen Stress.

    Fohlen und Jungpferde haben wir grundsätzlich unangebunden im ausgeräumten Hänger ohne alle Einbauten transportiert.

    Meinen eigenen Hänger habe ich mit speziellen durchgehenden Stangen ausstatten lassen, die sowohl das vollständige Herausnehmen der Trennwand (für Stute mit Fohlen), als auch das sichere Schrägstellen der Trennwand (für Pferde mit Platzangst) ermöglicht. Höhe an die Größe meiner Pferde angepasst und alle Stangen mit zusätzlichen Polstern versehen.

    Interessant am Rande des Themas:
    Bei den Adoptionen von Mustangs in USA müssen die Adoptenten Hänger oder Auflieger ohne Rampe mitbringen.
    Einen meiner Esel habe ich mit normalem PKW-Hänger, also ohne Rampe und gar nicht so niedrig, abgeholt. Der Esel war nie zuvor transportiert worden. Während wir noch überlegten, wie die Stute dort raufzubekommen sei, war sie schon allein raufgesprungen.

  • Die meisten Pferdeanhänger in den USA, vor allem die "goose-necks" haben keine Rampe, zu meiner Verblüffung habe ich so nie Probleme beim Einladen bemerkt.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Der Zwei-Stunden-Takt wird ja auch für's Wanderreiten empfohlen. Bei meinen Arabern war das immer kontraproduktiv. Sie hane weder getrunken, noch geruht. Nach 4 Stunden hingegen gab es harmonische Pausen mit Futter- u. Wasseraufnahme und Ruhephase. Sicher auch unterschiedlich.

    allerdings... meine fordern ihre Pause hörbar ein, wenn es mehr als zwei Stunden sind...:]

    (wie heisst das Geräusch ini deutsch? bei uns ist das "rüchele", dieses Begrüssungsbrummeln)

  • diese fb links gehn leider nur wenn man bei fb angemeldet ist

    Finsternis kann keine Finsternis vertreiben. Das gelingt nur dem Licht.
    Hass kann den Hass nicht austreiben. Das gelingt nur der Liebe.
    »Kraft zum Lieben« Rede 1963, Martin Luther King (1929-1968)


    "Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt."

    Jehuda Bacon, *1929, Auschwitz-Überlebender

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