Das erste Verkehrstunnel der Alpen für Tragtiere

  • Danke.


    Dea scheint ein besonderes Polster zu tragen und paßt perfekt durch den Tunnel. War der Noriker denn solch ein Klotz?

  • Dea scheint ein besonderes Polster zu tragen und paßt perfekt durch den Tunnel. ....

    Das besondere Polster ist ein „Basto“, ein Tragsatteltyp, wie man ihn in Italien oft findet. Das gleiche Konstruktionsprinzip hatten auch die Tragsättel der Alpinis. Auf diesem Sattel ist oben ein Rucksack geschnallt.


    War der Noriker denn solch ein Klotz?

    Die Größe dieses Pferdes kenne ich nicht. Ich habe seinen Besitzer nach seinem Erlebnis noch nicht persönlich getroffen. Sein Erlebniss kenne ich, da er es meiner Frau erzählt hat. Demnach ist er vor dem Noriker gegangen und hat ihn an den Zügeln geführt. Mitten im Tunnel wurde der Noriker nervös, da er immer wieder mit dem Kopf die Decke berührte. Um sein Pferd durch den Tunnel treiben zu können musste sein Reiter hinter das Pferd gelangen, was in der Finsternis und Enge des Tunnels bei einem unruhigen Pferd anscheinend ein schwieriges Unterfangen war, das sich nachhaltig in die Erinnerung eingebrannt hat.


    Männliche Noriker liegen im Ideal zwischen 158 cm bis 165 cm Stkm., können aber auch bis zu 170 sein. Auch Berge ändern sich über die Jahrhunderte. Nach dem ursprünglichen Plan bei der Vergabe des Auftrages zum Tunnelbau an Martin von Albano und Balthazar von Alpiano im Jahre 1478 sollte der Buco di Viso mit einer Breite von 10 Fuß (ca. 3 m), einer Höhe von 7,5 Fuß (ca. 2,20 m) und einer Länge von 500 Fuß (ca. 150 m), mit flacherer Steigung, geeignet für den "Durchgang von Schlitten und Maultieren", vermutlich etwas weiter nördlich seiner derzeitigen Lage errichtet werden. Bei der Höhenvorgabe war sicher berücksichtigt, dass Saumtiere auch Oberlasten tragen können sollten! Es waren wohl geologische Gründen, dass er etwas weiter südlich angeschlagen wurde. Da er, wie archäologische Untersuchungen ergaben, ausschließlich mit Hammer und Meißel vorangetrieben wurde, weicht er an einigen Stellen von den Vorgaben von Höhe und Breite ab. Die Länge ergab sich durch die örtliche Lage.

    Gelb = Rekonstruktion des ursprünglichen Profils


    An vielen Stellen ist er jetzt höher als 2,20m, an einigen aber nur 1,80m. Wieweit hier der Bergdruck über die Jahrhunderte Setzungen verursacht hat, weiß ich nicht. Diese niedrigsten Stellen liegen jeweils am Anfang von Rampen mit ordentlicher Steigung. Mit Hut bin ich über 1,80m und hatte keine Deckenberührungen - wohl weil man etwas gebückt geht. Mein Wanderstock hat eine Länge von 1,90m. Bei dem musste ich mehrmals aufpassen, dass er sich nicht zwischen Boden und Decke verkeilt. Auch ein ruhiges Tragtier mit 1,65 Stkm. kann mit dem aufgehenden Sattel bei Hindernissen mit 1,80m Durchgangshöhe anstreifen.


    Vor allem Esel haben nicht die Aufrichtung wie Pferde und berühren eher mit dem Wiederrist ein Hindernis als mit dem Kopf (Ob das bei Mulis generell auch so ist, weiß ich nicht). Mein Esel hat zudem gelernt, dass er, wenn er mit der Oberlast anstreift, in die Knie geht.

    Lange Ohren sind meine Leidenschaft! Deine auch?

    Edited once, last by Albert ().

  • Danke, Albert.


    Ich erlaube mir, ein Bild eines Tragsattels der Alpini einzufügen: Tragsattel vom Basto-Typ (ital. Alpini)

    Die Unterlage scheint die Last gut zu verteilen und zu polstern.


    Ich frage mich wirklich, warum sich auf den Shetland-Inseln für die Shetties nicht Ähnliches entwickelt hat. Dort waren sie ja auch früher Tragtiere. Ich kenne da nur die geflochtenen Körbe und bin nicht einmal sicher, ob es ein Tragegestell dazu gab.


    Danke auch für die interessanten Details zum Tunnel und zum intelligenten Maultier, das verstanden hat, daß es sich ducken muß, wenn es anstößt mit Last.

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