Bockwagen / Planwagen

  • Hallo,


    nach längerer Abstinenz bin ich wieder hier, und bitte nach einigen Stunden des stöberns um Hilfe. Da meine alte Hündin nicht mehr grössere Strecken machen kann, und es die grösste Strafe für sie ist, wenn sie zuhause bleiben muss, brauchen wir ein Taxi, und ich möchte meine beiden Freibergerstuten doch noch einfahren (lassen).


    Ich habe einen Brückenwagen mit Aufbau für 6 Personen gekauft; Gewicht (mit 4 Personenwaagen gewogen) 430kg. Langfristig soll das ein Zweispänner Planwagen werden; aber ich würde ihn ganz gerne zuerst einspännig fahren, und die beiden "grünen" jüngeren Pferde (naja, 21 und 16j) mit dem alten Routinierpferd quasi als Handpferd an Geräusch und an den nachfolgenden Wagen gewöhnen, bevor ich mit ihnen zum einfahren gehe.


    Ich habe den Aufbau entfernt und habe nun noch 350kg. Gehe ich recht in der Annahme, dass das für eine alte, nicht mehr trainierte Freibergerstute (27j, 151cm, 550kg; Brustblatt) einspännig immer noch zu viel ist? Wir haben hügeliges Land; auch wenn ich eine Runde weitgehend flach gehen kann, sind doch kurze Steigungen bis 10% nicht ganz zu vermeiden.


    Das zweite: es ist offensichtlich ein Wagen, der für Kummet gerechnet ist; es gibt keine Krampe für den Aufhalteriemen des Hintergeschirrs, nur einen für den Kummetriemen ganz vorne. Und "ganz vorne" heisst, auf Ganaschenhöhe, wenn ich die Zugstrangen im letzten Loch habe. Ich kann die Landen von hinten her kürzen, wenn ich die Metallverstärkung nach vorne setze: aber was ist die Faustregel für die Länge? Liege ich richtig mit 50cm vom Schweif zur Waage, und dann liegt das Ende der Lande eine gute Handbreit hinter dem Buggelenk? Und ist es richtig, wenn ich die Krampen auf Höhe des Selletgurtes einsetze? Nimmt man für die Deichsel die gleichen Masse (50cm bis zur Waage)?


    Drittens: ich habe bisher immer geschlaufte Zugstrangen gehabt; bei der Einspännerwaage sind aber schneckenförmige Haken. Schlaufe ich die Strangen ein, scheinen mir die Stränge sehr kurz bzw. das Pferd sehr nahe am Wagen; aber hänge ich sie nun einfach an der Öse an den Haken? das scheint mir nicht sicher. Wie wird das gehandhabt? Würde da ein dazwischengeschalteter Patentschäkel Sinn machen?


    Viertens: ich habe die Idee, dass die Pferde das synchrone Anziehen mit einer gefederten Zugvorrichtung leichter lernen würden. Es gab früher offenbar diverse Patente für Federwaagen; leider ist da nichts mehr zu finden. Ich denke deshalb an eine Anlegefeder für Boote (Anregung aus diesem Forum :) ), unterstützt durch eine kurze, im entspannten Zustand durchhängende Biothane-Hifsstrange direkt an der Waage. Für welches Boots-Gewicht sollte diese Feder sein, damit sie optimal hilft? Sollten diese Federn zwischen Mittel- und Seitenwaagen, oder an alle 4 Strangen?


    Vielen Dank für eure Antworten!

    Edited once, last by souris ().

  • Teilantwort 1:

    Der Wagen ist mit 330 kg für einen Freiberger nicht zu schwer.

    Teilantwort 2:

    Die Lannen sind vermutlich für ein Bündnergeschirr. Dort werden die Lannen am Kumt festgemacht.

    Teilantwort 3:

    Das Waagscheit ist für Stränge mit Ketten. siehe oben Bündnergeschirr. Entweder Stränge oder Geschirr wechseln oder Waagscheit wechseln. Es gibt wohl auch Adapter für Schlaufenstränge. Das halte ich aber für Gewurstel.

    Grüße Florian

  • Das Gewicht ist mit 350 kg in Ordnung. Am besten erst ein wenig antrainieren dann klappt es bestimmt.

    Meine Freibergerstute hat ca. 600 kg bei 161 cm Stockmass. Die Marathon hat 340 kg plus 4 Personen, im hügeligem Gelände kein Problem.

    Ich fahre immer mit Brustblatt.


    LG Angelika





  • Einen solchen Bockwagen bin ich im Emmental mit meinem 420 kg Haflinger gefahren. Die Landen sind gemacht fuer (Buendner)Kummet-Anspannung, du must entweder Geschirr oder Landen tauschen, nicht nur wegen der Laenge, sondern auch wegen der Form. Wenn du wirklich mit Brustblatt-Geschirr fahren willst, die Adapter fuer die Straenge siehst du auf dem Bild von Butterfly123.

    Ein Brueckenwagen hat original weder Bock noch Federung und einen Langbaum.

  • Vielen Dank für eure Antworten. Leider hat der Probelauf nicht geklappt (NB: ich habe die Landen meines Klappbreaks hergenommen): es geht vom Stall her ganz kurz etwa 10% hoch; die gute Lady hat das nur unter äusserster Anstrengung geschafft). Habe sie daher gleich wieder ausgespannt.


    Somit ist die Verwendung des Wagens als Einspänner vorläufig gestorben.


    Die nächsten Fragen somit zum Zweispänner:

    1. gehe ich recht in der Annahme, dass die Länge der Deichsel passt?


    2. wie viel Reisskraft müssen die Riemchen haben, mit denen man die Bracke am Wagen festzurrt?

    3. wäre die Verwendung von Federn (wie stark?) an dieser Stelle hilfreich für die Pferde? Etwas in der Art ist ja leider nicht mehr zu finden...


    Rossknecht: danke für die Korrektur...


    Ich stelle diese Fragen übrigens nicht, weil ich alleine wursteln will, sondern damit die Sache, wenn's dann losgehen kann, nicht wegen grundsätzlichen Problemen "stirbt".

    Edited once, last by souris ().

  • Äh, nur weil es Pferdi Sorgen hat gewichtsungewohnt sofort die Kutsch 10 % raufzubekommen würd ich keineswegs es Projekt beerdigen....

    Erstens ziehen meine (ganzjährig angespannt) im Herbst nach den Sommerferien auch ganz andere Gewichte weg als im späten Frühjahr, zweitens ist sofort 10% aufwärts auch fies, wie wär es denn mit sofort 10% abwärts? ich muss mit allen Tiere wahlweis sofort 7% abwärts oder aufwärts--->frischling gehen stets bergab los!!


    Wenn du nicht richtig arbeiten musst, sondern eher kutsche fahren willst brauchst keine Spielwaage mit Pufferung, sondern feste Bracke. Und lernen zusammenzuarbeiten tun die über häufiges Üben wesentlich besser als über Hilfsmittel!!! ich bin zwar mit Spielwaage gefahren bei echt grenzwertiger last (350 kg Kutsch mit 500 kg last und 2 Shetten vorraus 7%). Aber die hab ich nur vor Berg gelöst, dass frei, Pony waren sonst fest zufriedener.

    ich hatte immer viele Kids mit, die hinter der Kutsch sich mit Longboard oder egal was mitziehen liessen, dh für die Pony ungefähr 20 m anziehen und stop bis alle Kids sich wieder sortiert hatten usw usf...nach einem Vierteljahr waren drei nebeneinander derart geübt, dass die total sanft wie ein Pferd angezogen haben. Blöd sinds ja nicht, die haben genau gewußt je schlechter sie anziehen desto mehr stop gibt es....


    mfg Kirsten

  • Äh, nur weil es Pferdi Sorgen hat gewichtsungewohnt sofort die Kutsch 10 % raufzubekommen würd ich keineswegs es Projekt beerdigen....

    Du hast zwar recht - aber...

    die Gute ist 27j und zwar gesund, aber untrainiert, ich reite sie nicht mehr. Und gewichtsungewohnt - naja, sie ging, bevor ich sie kaufte, in den Bergen im schweren Zug, dreispännig an den schweren Kremsern mit 20 Plätzen. Und sie ging bei mir einwandfrei am grossen Zweirad, in unseren Hügeln. Sie weiss, was man am Wagen tun muss... aber das kannst du nicht wissen, habe ich nicht erwähnt. :)


    Ich kann nicht anders vom Hof weg, als diese 10m aufwärts, und früher gab es deswegen auch nie eine Diskussion... jedenfalls, wenn sie mir sagt, dass es ihr zu viel ist, akzeptiere ich das und ändere entweder meinen Plan, oder versuche es erst wieder, wenn ich sie konditionell wieder aufgebaut habe (was momentan zeitlich nicht auch noch drin liegt, wo ich zwei Pferde auf's Einfahren vorbereite). Und nein, ich schleppe den Wagen auch nicht zum Strässchen hoch und starte von dort; denn zum Hof geht es von allen Seiten eine längere Strecke (wenn auch weniger steil) aufwärts; und wenn schon das kurze Stück grenzwertig ist, wäre der Heimweg noch schwieriger.


    Ich bin sicher, dass sich meine zwei auch zusammenraufen werden. Aber die eine lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, wogegen die zweite schon sehr eifrig werden kann; sie ist eine, die ihr ganzes Repertoire abspielt, um es mir recht zu machen, wenn sie mal nicht grad versteht, was ich will. Diese Phase möchte ich ihr (verständnismässig) so einfach wie möglich machen.

    Edited once, last by souris: ergänzt ().

  • So, mein Projekt Planwagen nimmt langsam Form an. Der Plan ist übrigens dahingehend geändert, dass ich einen Marathon mit bloss 280kg benutzen kann; ich warte noch auf eine passende Schere (die dazugehörge ist mehrfach verstärkt, dadurch sehr schwer geworden und doch noch verkrümmt, ausserdem der alten Lady zu eng; da investiere ich nichts mehr drein).



    Nun die Frage: das Dach ist so hoch, dass ich gerade noch stehen kann (175cm über der Brücke). Mir scheint das aber eine riesige Segelfläche, falls mal Wind aufkommen würde. Ist das ein Problem? würdet ihr das Dach noch tiefer setzen (man kann ja auch mal gebückt stehen...) Mit Aufbau wird das Teil ausschliesslich zweispännig gefahren werden (und selbstverständlich erst, wenn wir alle drei genügend Routine haben werden, nur damit das auch erwähnt wurde :] )

  • Schau mal in die ANzeigen, weil ich ja meine Wagonette abgeb, die haben wir 10 Jahren vielgenutzt und zwar bei Wetter grad ne Aldi-Planeüber die Sitzlehnen gezogen, war ausriechend regendicht und vor allen DIngne sicher!!! Bei uns gibt es wenn fiese Windböen, hatt Emir das länger überlegt wie das siche rfunktionieren kann, gab dann folgende Lösung: Alles Gepäck auf die Sitzbänke fest vertäut und mittig 2 alte Kindermatrazen =Schlafplatz für eine Person oder 2 kinde rund über Tag bei regen haben die dort wunderbAar gespielt gut geschützt. Auf dem bock war ich regenfest angezogen und über mir einfache Strandmuschel, doppelte Bockdecke, Nr 1 auf Spanngurten liegend mit 5 cm Luft zu nummer 2. Planwagen wär mir in meiner Gegend deutlich zu schwer und gefährlich (Hügelland), nachbarliche Wanderer fahren Quarter/Haffimixe zweispännig vor SAWA/SAWAähnlich mit 800 kg Grundgewicht. mfg Kirsten

  • danke für den Hinweis, Bennyblue - leider zu spät, der Wagen steht nun da :).

    Aber man wird älter und hat's gerne etwas gemütlicher als beim Wanderreiten im Sauwetter - und nachts wirklich trocken! Der originale Aufbau (Sitzbänke) ist mit 90kg mehr als doppelt so schwer wie das Gestänge mit Blache und Geländer. Damit bin ich mit dem Planwagen bei 380kg, und hätte es im Frühling und Herbst auf 1000 müM (Freiberge/Jura), wann und wo ich mich am ehesten unterwegs sehe, auch nachts recht gemütlich - trotz potenziell rauhem Wetter. Bett wird Luftmatratze sein, und Sitzgelegenheiten = Materialkisten. Mit den Sätteln, die natürlich auch mit müssen, Hund, Kutscher (ich), und etwas Futter für alle Beteiligten werde ich bei etwa 550kg Reisegewicht sein - damit komme ich mit 2 Fribis auch mal eine moderate Steigung hoch (Beifahrer muss dann natürlich absteigen...:tongue: )


    Vermutlich werde ich das Dach noch tiefer setzen; wie gesagt, gerade stehen muss ich nicht unbedingt. Aber hat hier jemand Erfahrung mit dem Verhalten von grossen Planwagen im Wind? Wäre es ein genügend grosser Gewinn an Stabilität, wenn ich die Seitenwände unterwegs bei Sauwetter hochgezurrt hätte (dann käme die Aldi-Blache ins Spiel, die alles abdeckt), und nur gerade das Mittelstück als Segel wirkt?

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