Einspänner fahren an der Einspännerdeichsel

  • Das war der Vorläufer des heutigen SDK. Bis in die 50er Jahre noch verbreitet als Pferd in der (kleinen) Landwirtschaft, mit der Mechanisierung abgeschafft.


    A. Nemitz

    kleine Landwirtschaft ? Wo geht die an , wo hört die auf ?

    Mir wurde es immer so erklärt : Die kleinen Bäuerlein fuhren mit den Kühen die natürlich auch gleichzeitig Milch gaben und oder tragend waren .

    Die etwas größeren fuhren mit den Ochsen , also reine Zugtiere gehalten .


    Die noch größeren hatten Pferde zwei vier sechs , und die Güter natürlich noch mehr.

    Es gab auch Pferde und Ochsen gemischt , für ein festgefahrenes Gespann wieder aus dem Dreck zu bekommen , waren die Ochsen beliebter , weil die langsamer aber stetiger zogen .


    Ein Gespann zweier Pferde nannte man wohl "Mähne " , was mir keinen Sinn ergibt . So gab es den Ausspruch z B die sind mit 3 Mähnen beim Heuen und meinten damit sechs Pferde mit drei Rossknechten . letztere waren NUR für die Rösser zuständig .

    Das alles ist mir nur erzählt worden , aus eigenem Erlebnis hab ich da gar nichts .



    zu dem SDK , ich kenne einen der damit züchtet und fährt .

    Scheinbar gibt es wohl die etwas leichteren und kleineren mit so 160 cm Stm. und im Vergleich zu einem Belgier eher ein Pony . Und dann scheinbar auch den etwas schwereren Schlag .


    Geschichtlich mag es mir nicht in den Sinn warum die Franzosen und Belgier die so viel stärkeren und schwereren Pferde hatten . Den Ackerbau gab es hier ja auch .


    Achso : züchterisch bin ich bayerisch nicht aktiv .

  • Ein HINWEIS : Auszug aus der aktuellen StVZO zum Thema fahren mit einem Pferd an der Deichsel ,

    "ist kein bayerisches Novum sondern steht in der

    StVZO ( Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung neueste Ausgabe 2014) "

    § 64 Lenkeinrichtung, sonstige Ausrüstung und Bespannung.

    Abs.2 "Die Bespannung zweispänniger Fuhrwerke, die (nur) eine Deichsel (in der Mitte) haben, mit nur einem Zugtier ist unzulässig, wenn die sichere und schnelle Einwirkung des Gespannführers auf die Lenkung des Fuhrwerks nicht gewährleistet ist; dies kann durch Anspannung mit Kumtgeschirr oder mit Sielen mit Schwanzriemen oder Hinterzeug, durch Strafung der Steuerkette und ähnliche Mittel erreicht werden. Unzulässig ist die Anspannung an den Enden der beiden Ortscheite (Schwengel) der Bracke (Waage) oder nur an einem Ortszeit der Bracke, wenn diese nicht mit einer Kette oder dergleichen festgelegt ist. Bei Pferden ist die Verwendung sogenannter Zupfleinen (Stoßzügel) unzulässig."

  • kleine Landwirtschaft ? Wo geht die an , wo hört die auf ?


    Ein Gespann zweier Pferde nannte man wohl "Mähne " ,


    In unserer Gegend (Oberbayern) waren die Höfe ca. 25 bis 35 Ha groß, 15 - 20 Kühe. Als Zugtiere überwiegend Ochsen, die ganz Armen mußten Kühe einspannen (was dann natürlich auf die Milchleistung ging).

    Die "Rossbauern" waren da fast schon Herrenbauern.


    Zu den kleineren Bauern brachte der Viehhändler im Frühjahr ein oder zwei junge Ochsen, die der Bauer benutzen durfte, aber die er natürlich ins Fleisch futtern musste. Der Bauer hatte zwar die Mühe des Abrichtens, aber seine "Zugmaschine" fraß im Winter nichts. Im Herbst kam der Viehhändler wieder und holte die hoffentlich ins Fleisch gegangenen Ochsen wieder ab zur "Wiesn" (=Ochs am Spieß auf dem Oktoberfest),


    Das war also fast eine win-win-Situation.


    Eine "Mähnung" sind immer zwei Pferde.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

    Edited 2 times, last by A. Nemitz ().

  • (was dann natürlich auf die Milchleistung ging).

    es gab Untersuchungen wo die gearbeiteten Kühe sogar mehr Milch gaben; schätze die haben sich während sie draußen unterwegs waren zusätzlich Futter besorgt

    Zu den kleineren Bauern brachte der Viehhändler im Frühjahr ein oder zwei junge Ochsen, die der Bauer benutzen durfte, aber die er natürlich ins Fleisch futtern musste.

    das war die Kunst: die Ochsen zu arbeiten und trotzdem ins Fleisch zu bringen

    Finsternis kann keine Finsternis vertreiben. Das gelingt nur dem Licht.
    Hass kann den Hass nicht austreiben. Das gelingt nur der Liebe.
    »Kraft zum Lieben« Rede 1963, Martin Luther King (1929-1968)


    Es ist keine Option, den Nazis und Völkischen nun einfach das Feld zu überlassen, weil sie gewaltvoller sind. Es ist auch keine Option, sie zu umwerben und zu verharmlosen und dann jedes Mal wieder überrascht zu sein, wenn sie schießen. Max Czollek 2019

  • Vielen Dank für so viel Informationen.

    Ich denke ich werde es für das Traditionsfahren ausprobieren und üben. Meine Stute ist sehr glücklich mit allem was neu ist und freut sich immer was neues zu lernen. Mal sehen wie es mir gefällt, sonst muß ich kurzfristig doch umspannen. ?

    Danke

    :-]

    Habt keine Angst vor der Perfektion,

    denn wir sind noch weit weg davon 8)

  • Also ich kann ja nur von Erzählungen reden und da war die beschriebene Hofgröße schon ein rel großer Hof und in meiner Heimat mit Pferden ausgestattet , sechs an der Zahl ab und zu noch ein Fohlen oder einen anderen siebten . Ochsen hatte man auch . und klar waren das Herrenbauern , die mussten nur die Arbeit einteilen .


    Dass der Viehhändler Ochsen brachte , das kannte ich nicht und ich sehe den Nachteil dass die im Winter keine Zugtiere hatten um Holz zu streifen .

  • Aus meiner Kindheit kenne ich das einspännig an der Deichsel fahren auch noch. Ich kann mich nicht erinnern, an einem Arbeitswagen in den Sechzigern je eine Schere gesehen zu haben. meist war ja auch doppelte Zugkraft nötig und wenn mal nicht, dann ging es eben so.
    Dass das gemeine Volk zur Schonung der Wege nicht in der Schere fahren durfte, war mir unbekannt. Sehr interessant.
    Hier bei uns im brandenburgischen hatten die mittleren Höfe auch immer Pferde. z.T. sieht man es noch heute an den Ställen. Auf meinem Hof gab es 4 Anbindeplätze, auf dem einer Freundin 5. Hofgröße um die 30 ha. Kuhanspannung gab es hier nur nach dem Krieg und auch da vorrangig auf den Neubauernhöfen.

    Was den bevorzugten, bzw. gezüchteten bodenständigen Pferdeschlag an geht, so habe ich gelernt: schwerer Boden = schwere Pferde (z.B. in meiner alten Heimat, der Magdeburger Börde, das Sachsen-Anhalter Kaltblut, in Brandenburg das Brandenburger Warmblutpferd. Einerseits erforderten schwere Schwarzerdeböden mehr Zugkraft als die brandenburgische Streusandbüchse, andererseits sagte man: ein leichter, karger Boden trägt nur ein leichtes, leichtfuttrigeres Pferd.
    Bodenständigkeit war ein wichtiger Begriff in der Pferdezucht, der besagte, dass man das Pferd züchten muss, welches mit der regionalen Futtergrundlage klar kommt, ohne seine guten Gebrauchseigenschaften zu verlieren.

  • Ich wollte noch folgendes zu dem Thema anmerken und als Frage stellen :


    Ist es nicht so , dass wenn ich ein fleissiges Pferd und ein faules Pferd eingespannt habe , mich dazu passiv (was treiben angeht) verhalte , das fleissige Pferd quasi als Einspänner an der Deichsel läuft ?


    Das meine ich natürlich nicht optisch und nicht die ganze Zeit , sondern halt da wenn der eine die Arbeit tut und der andere einfach nur mitläuft .


    Mit der Anspannung nach Achenbach kann ich doch im leichten Zug einfach nur einspännig an der Deichsel fahren ohne das Ortscheid zu verschieben oder umzubauen . oder sieht das jemand anders ?

  • Wenn ich das Ortscheit (feste Bracke vorausgesetzt) nicht nach innen verschiebe, wird ja der Hebel, der die Deichsel nach rechts drückt, noh stärker, d,h. das (links angespannte) Pferd muss noch stärker gegenhalten und sich verbiegen bzw. mit der Vorderhand nach rechts gegenarbeiten.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • ich hab beides getestet:

    Pferd am Ortscheit an der normalen Zweispännerposition:

    Deichsel wird deutlich nach rechts gezogen.

    Pferd am nach innen versetzten Ortscheit:

    Gerade Auslauf weitgehend gegeben.

    Bergab muss man bremsend unterstützen, sonst muss das Pferd arg gegen die Deichsel arbeiten. Siehe Ausführung vom Lohmüller.

    Ortscheit in der Mitte: Stränge scheuern am Pferd.

  • ein Gedanke von mir noch zu dem Thema,

    ich kenne das fahren mit einem Pferd und einer Deichsel ebenfalls aus meiner Kindheit hab nie, zumindest kann ich mich nicht erinnern je eine Gabel gesehen zu haben außer beim Gig den damals unser Doktor Sen noch fuhr. Mein Vorstellung dazu ist das ja damals die meisten Pferde Inn der Landwirtschaft mit Stoßzügel gefahren wurden, was beim Zweispänner ja im Prinzip wie ein Einspänner funktioniert da das Handpferd ja mit dem Laufzügel ausgebunden worden ist. Wenn ich nun dieses Hand Pferd einfach weglasse habe ich genau den Einspänner mit der Deichsel. Ich denke das der Grund einfach ein einsparen des Handpferdes war was dann eben zu dieser Anspannung eines Pferdes mit Der normalen Deichsel geführt hat.

  • an einem Traditionsfahren in Møgeltønder (Dänemark) teilnehmen

    Hier: https://www.facebook.com/SonjaBauerSt.Konrad/?tn-str=k*F findest Du auch Bilder von einer Traditionsfahrveranstaltung, wo ein "Einspänner" an der Deichsel angespannt ist.

    Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen :D


    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


    Bewahren von Traditionen ist nicht das Anbeten von Asche, sondern die weitergabe des Feuer's
    (frei nach Gustav Mahler)

  • Meine Lieben Helfer!!?

    Es hat alles geklappt, wir sind gefahren und haben sogar den 7.Platz bekommen.

    Aber am wichtigsten war was so die Leute sagten und Wieviel gesprochen, diskutiert und geschaut wurde. Es gab kaum 10.min in denen nicht Fachleute da standen und geredet u d gefragt haben. Den Richtern erklären warum das Pferd gerade läuft und sie ein Stück des Weges mitnehmen um sich zu überzeugen.... Haha, da wurde mal Hirnschmalz gebraucht...

    Es bringt irre Spaß so zu fahren und auch meine Stute hatte schnell verstanden, daß wir nicht ein Pferd vergessen hatten, sondern sie allein verantwortlich war. Das fand sie dann sehr gut. Im Kegelpacour brachte sie uns mit ihrer Art des Deichsel nach rechts schiebe einiges an Punkten ein. (Sie drehte den Mors - Po - nach links raus und schob die Deichsel mit dem Bug) ?

    Vielen Dank an euch alle ? ❤

    Wenn mir nun noch jemand erklären kann wie ich Bilder schicke, dann dürft ihr alle auch sehen was wir geschafft haben...

    Vielen Dank

    Miriam Mauroschat

    :-]

    Habt keine Angst vor der Perfektion,

    denn wir sind noch weit weg davon 8)

  • Clea!! Du hier ? ❤

    Weißt Du wie Bilder hoch zu laden sind?

    Da steht Quelle und Verlinkung.... Aber ich hab keine Ahnung ?‍♂️

    :-]

    Habt keine Angst vor der Perfektion,

    denn wir sind noch weit weg davon 8)

  • ich gehe ja über das handy ins forum....und da einfach auf hochladen und dann das bild aus der galerie auswählen und fertig