Einspänner fahren an der Einspännerdeichsel

  • Moin, moin

    Ich lese sonst nur leise mit, aber nun brauche ich eure Hilfe.

    Ich habe einen alten Wagen aus Masuren und der hat eine Einspänner-Deichsel. Also wirklich eine Dei hsel mit einer Deichselspitze mit nur einer Aufnahme für einen Aughalter. Ich weiß, daß in den Ost Ländern oft so angespannt gefahren wurde/wird.

    Nun werde ich im August an einem Traditionsfahren in Møgeltønder (Dänemark) teilnehmen. Ich habe aber vor langer Zeit einen Bericht gelesen, das die anders angespannt werden. Ich glaube es stand in der Stärken Pferd.

    Wer kann mir bitte helfen? :-]

    :-]

    Habt keine Angst vor der Perfektion,

    denn wir sind noch weit weg davon 8)

  • Ich habe aber vor langer Zeit einen Bericht gelesen, das die anders angespannt werden.

    Wie "anders" ?


    Noch eine Bemerkung zur Terminologie:


    Eine "Einspänner"-Deichsel gibt es meines Wissens nicht. Man spricht von "Deichsel" , für Einspänner gibt es die Bezeichnungen "Gabel". "Gabeldeichsel". "Landen", "Londen", Anzen", "Schere".


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Könnte mir vorstellen das Pepsis sowas wie Bayrisch Einspännig fahren an der Deichsel meint ... Ein Foto wäre extrem hilfreich

    Tonkel

  • Kämpf mal bißle mit dem Forum (ich weiß, bin da auch kein Held..), das Thema war hier shconöfter, zb vom Seekutscher waren da mal paar informative beiträge mit Bildern bei. mfg kirsten


    Habs gefunden: hatte ich mal angefangen: Kutschen und Wagen, Seite 6, 6.Thema, Einspännig an der Deichsel, sind ganz tolle Bilder von Arthur drinn, danach weißt bißle eher wie das ging.


    Bitte als Gegenleistung für die Hilfe hier, dann auch Bilder vom Ergebnis posten!!!

    Edited 2 times, last by Bennyblue ().

  • Vielen Dank,

    Ja es ist Einspänner fahren an der Deichsel. Bei uns in Norddeutschland (Süddänemark) wurde das so nicht gemacht und ich bin froh über die Hilfe von euch.

    Ja ich werde versuchen Bilder zu posten.

    LG

    :-]

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  • In Bayern wurde sehr viel einspännig mit der Deichsel gefahren. Auf vielen Höfen hatte man leichtes ("Oberländer") oder mittelschweres Kaltblut. Und wenn der Bauer sonntags zur Kirche mit dem Chäserl oder Laufwagerl fuhr, spannte er nur 1 Pferd vor diese leichten Wagen. Scherdeichseln (Landen, Anzen etc.) kannte man nur von den Trabrennen.


    Das Pferd wurde immer links, also an der Verkehrsseite, angespannt, mit halbem Zweispännergeschirr (dem "Laufgeschirr") oder durchaus auch mit einem schweren Kumtgeschirr.


    Bei vielen leichten Wagen konnte man das Hauptortscheit nach links verstellen, so dass die Stränge zumeist am Hauptortscheit (ohne Ortscheite) befestigt wurden. Je nach Pferdegröße konnte der rechte Strang auch mal über der Deichsel laufen.


    Der Nachteil dieser Art des Einspännigfahrens war, dass das Pferd mit dem Aufhalteriemen ständig die Deichsel nach links halten mußte, um den Wagen gerade laufen zu lassen (der Zugpunkt = Ortscheit war ja links von der Mitte angebracht) . Das führte natürlich auf Dauer zu einer Verstellung des Pferdes, also ein Verstellung nach rechts. Aber solchen "Kleinigkeiten" schenkte man beim ländlichen Fahren nicht allzu viel Aufmerksamkeit.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Vielen Dank, für die Antwort.

    Ja, es geht um das Einspänner fahren an der Deichsel. Mit dem Lastausgleich - Umspanner wie bei Seekutscher beschrieben.

    Bilder habe ich nur von dem Wagen, der ja auch als 2-Spänner verwendet werden kann... Aber ich werde sehen Wie ich Bilder geschickt bekomme.

    Danke

    :-]

    Habt keine Angst vor der Perfektion,

    denn wir sind noch weit weg davon 8)

  • Nemiz, das hilft mir sehr weiter, mit den Fotos aus dem Forum wird es sehr klar und ich werde mit meiner Schleswiger Stute etwas üben.

    Wir wollen das gerne mal auf dem Traditionsfahren zeigen.

    Vielen Dank

    :-]

    Habt keine Angst vor der Perfektion,

    denn wir sind noch weit weg davon 8)

  • Wir wollen das gerne mal auf dem Traditionsfahren zeigen.

    In Deutschland ist das Einspännigfahren mit Deichsel, so viel ich weiß, seit 1937 im Verkehr nicht mehr zugelassen. Für die Teilnahme am Traditionsfahren würde ich mich bei den Organisatoren vorher erkundigen, ob diese Anspannart dort zugelassen ist (auch wenn das sicherlich eine traditionelle Anspannart gewesen ist).


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Das einspännige Fahren an der Deichsel nennt man auch die Baierische Anspannung . Andreas sie ist auch nicht verboten , der Fahrer muß nur genügend sichere Einwirkung auf sein so gefahrenes Gespann haben .

    In der alten Zeit durften ja nur die Herrschaftlichen in der Schere fahren . Alle anderen durften nur in der Spur Fahren , da der Mittelstreifen den Fußgängern als Kirchenweg vorbehalten war .

    Ich selbst fahre mit meinem Dr Wagen von ca 1850 in dieser Anspannung auch auf Traditionsturnieren .

    Wenn richtig angespannt wird , also mit einem halben Zweispännergeschirr ,einer relativ langen Deichsel und einem mindestens einem Meter breitem Ordscheid .

    Der Zugpunkt für s Ordscheid ist ca 35 cm links von der Deichsel ,auch der Aufhalter oder Kette darf nicht zu kurz sein dmit der Wagen mittig spuren kann.

    So angespannt zieht der Wagen leicht nach rechts und die Deichsel bleibt weg vom Pferd so das der Geradeauslauf gewärleistet ist . Beim Linksabbiegen nimmt das Pferd die Deichsel mit in die Wendung .

    Beim Rechtsabbiegen sollte man bergab etwas bremsen und der Wagen wird nach rechts gezogen .

    Schwierig ?? nein nur Gewöhnung .

    So gefahren ,werden keine Pferde Schief .


    der Lohmüller

  • Lohmüller : Ich habe das nochmal gecheckt: 1937 wurde offenbar nicht das Einspännigfahren mit Deichsel verboten, sondern die Benutzung der Zupfleine (Stoßzügel) im Verkehr.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Ich bin als Jugendlicher (15 - 19 Jahre) sehr viel mit meinem Chäserl und dem Oberländer (= leichtes bayrisches Kaltblut) des örtlichen Kohlenhändlers einspännig mit Deichsel gefahren, war aber mit dieser Art zu fahren nie recht glücklich; es dauerte ein paar Jahre, bis ich einen Wagner fand, der mir zwei Anzen für diesen Wagen machte, das und ein gutes, korrektes Einspännergeschirr ergeben schon ein ganz anderes (=besseres) Fahren.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

    Edited once, last by A. Nemitz ().

  • ich bin auch der Auffassung, dass ein Einspänner in den Lannen besser zu fahren ist. Besonders beim Rückwärtsfahren sind die Lannen absolut überlegen. Jedoch ist es sinnvoll die Anspannung am Deichsel zu kennen und durchaus interessant sie auch mal auszuprobieren.

    Wir waren mal mit dem Zweispänner unterwegs als ein Pferd mit Herzversagen zusammengebrochen ist. So kamen wir wenigstens mit dem Wagen wieder heim.

    Den Verstorbenen hat dann der Frontlader geholt.

  • Das war der Vorläufer des heutigen SDK. Bis in die 50er Jahre noch verbreitet als Pferd in der (kleinen) Landwirtschaft, mit der Mechanisierung abgeschafft. Um den Rossbauern noch eine Pferdeexistenz zu geben, wollte man ein Fleischpferd, das sich nach Italien und Frankreich verkaufen läßt. Dazu wurde der wesentlich schwerere "Pinzgauer" in den noch vorhandenen Oberländer eingekreuzt , z.T, mit verheerenden Folgen: Der Oberkörper wurde zu schwer, es kamen sogar Durchbrüche durch die Hufsohle vor.

    Inzwischen scheint sich das nach gut 50 Jahren wohl stabilisiert zu haben.

    Nur jetzt wünscht man sich aus dem SDK ein Freizeitpferd und hätte wohl gerne wieder so etwas wie den damaligen Oberländer.


    Oh bayrische Pferdezucht ! Was bin ich froh, nicht zu züchten.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Um zurück - zum eigentlichen Thema zu kommen hier nachfolgendes:


    Sicher überall wo Zugtiere, vor allem Pferde und Rinder, - Esel und Maultiere eingeschlossen zu Spanndiensten herangezogen wurden, kam es durchaus und auch immer mal wieder vor, daß ein Fahrzeug, ein Wagen an der Mitteldeichsel "nur von einem Zugtier" fortbewegt werden sollte oder musste*.

    *Diejenigen, welche sich vielleicht noch an Erzählungen ihrer Eltern oder Großeltern erinnern können, werden vielleicht Erinnerungen haben, daß da berichtet wurde, wie in den Jahren ab 1939 ff. der eine oder andere landwirtschaftliche Betrieb (Fuhrmann, Holzrücker u.a.) auf einmal "ohne" Pferd-e da stand. Wohl dem, der damals einen "Schläger oder Beißer" hatte, und durfte ihn von der Musterung wieder mit nach Hause nehmen. Der konnte dann wenigstens noch "Einspännig" arbeiten. Andere mussten notgedrungen auf Rinderanspannung umstellen, was ja auch keineswegs aus der Hosentasche heraus ging - geschweige denn funktionierte ...


    Aber wieder zurück zum Thema. Hier nachfolgend einige Eindrücke aus vergangener Zeit:




    Abfahrt zur Feldarbeit 1928


    zur Arbeit auf's Feld 1968


    ein leerer Wagen stellt erst mal so keine große Herausforderung da ... ?

    mit vielen Zentnern Heu - oder Getreidegarben beladen sieht die Sache dann aber schon anders aus. Vor allem bei unebenem Gelände, bei engen Wegen und Hofeinfahrten etc. etc.


    aber auch Kühe oder Ochsen wurden einspännig an der Deichsel angespannt gefahren


    Das fahren eines einzelnen Zugtieres an der / einer s.g. Mitteldeichsel eines Wagens etc. ist Grundsätzlich und erst einmal "nicht" per se verboten. Es werden aber Anforderungen und Voraussetzungen vom Gesetzgeber erhoben, die es bei solchem Vorhaben eizuhalten gilt.

    Auch wenn wir die hier schon wohl sogar mehrfach beschrieben und darauf verwiesen haben, - das ganze nochmal:


    24. März 2008

    Ganz besonders hervorzuheben ist dabei folgende Beschreibung, denn genau so - verbotenerweise wurde das ganze wohl doch häufiger gemacht:


    Unzulässig ist die Anspannung an den Enden der beiden Ortscheite (Schwengel) der Bracke (Waage) oder nur an einem Ortscheit der Bracke, wenn diese nicht mit einer Kette oder dergleichen festgelegt ist.


    Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen :D


    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


    Bewahren von Traditionen ist nicht das Anbeten von Asche, sondern die weitergabe des Feuer's
    (frei nach Gustav Mahler)

    Edited once, last by Hippo-Sohle ().