Starkes Kotwasser

  • Für den Nichtfachmann: Ist mit dem "Paddocktrail" etwas ähnliches wie der "Hit Aktivstall" gemeint ?


    A. Nemitz

    Nein , das ist ein anderes System .

    Stellen sie sich eine Weidefläche vor in der aussennrum ein ein eingezäunter befestigter Weg führt . Auf diesem Weg sind die einzelnen Funktionsbereiche Tränken // Heu // Kraftfutter // Wälzplatz // Unterstand // weit getrennt voneinander . Dies soll bewirken dass die Pferde sich möglichst viel bewegen müssen .

    Also z B Pferd frisst Heu , hat aber dann Durst und muss den weiten Weg zur Tränke gehen .


    Inmitten der Anlage also eingekreist von dem Rundweg befinden sich die einzelnen Koppeln . Diese sind dann je nach Bewuchs unterschiedlich geöffnet , die Zuwegung zu dieser offenen Weide ist immer über den Rundweg .


    So ist das im groben .


    Ich habe mal gehört dass ein altes Pferd lieber Durst gelitten hat als den (langen ) Weg zu gehen . Ob es stimmt ?? hab es nur gehört .


    OT : Neben Hit gibt es auch das System "Schauer " , was ich persönlich für das bessere halte .

  • Ich habe mal gehört dass ein altes Pferd lieber Durst gelitten hat als den (langen ) Weg zu gehen . Ob es stimmt ?? hab es nur gehört .

    Doch das kann ich mir vorstellen.

    Nicht weil der Weg zu weit ist, sondern weil es sich zum saufen sehr weit von der Herde entfernen müsste. Wenn die am einen Ende noch Heu knabbern, würde ein rangniederes Pferd (dem die anderen nicht einfach folgen würden) nicht zum saufen ans andere Ende gehen.

    Das gleiche beim Unterstand - sind die ranghöheren Pferde noch "regendicht", hat das Pferd mit dem dünneren Pelz halt Pech. Alleine im Trocknen oder bei der Herde frieren? Die meisten Pferde wählen wohl die Herde.

  • ja, ich gebe Euch recht, das System Paddocktrail funktioniert eigtl nur bei Gruppen mit fütterungstechnisch ähnlichen Pferden gut, sobald einer dabei ist, der deutlich mehr braucht, wird der organisatorische Aufwand (so nicht technisch organisiert über Futterautomaten) deutlich zu hoch, Pferd muss zum fressen separiert werden usw.

    Für Pensionsställe mit hoher Fluktuation tatsächlich auch weniger geeignet und letztendlich muss ich auch aufs einzelne Pferd schauen, welche Haltungsform passt (und natürlich auch für mich selber :)), ich hatte vor Jahren einen Araber, der wäre im Offenstall komplett untergegangen, der hat abends seine Box genossen, in der er in Ruhe fressen und pennen konnte..

  • Doch das kann ich mir vorstellen.

    Nicht weil der Weg zu weit ist, sondern weil es sich zum saufen sehr weit von der Herde entfernen müsste. Wenn die am einen Ende noch Heu knabbern, würde ein rangniederes Pferd (dem die anderen nicht einfach folgen würden) nicht zum saufen ans andere Ende gehen.

    Das gleiche beim Unterstand - sind die ranghöheren Pferde noch "regendicht", hat das Pferd mit dem dünneren Pelz halt Pech. Alleine im Trocknen oder bei der Herde frieren? Die meisten Pferde wählen wohl die Herde.


    Ein recht eindrückliches Argument, keine "bunten Herden" zu halten. Es sei denn, der entstehende Mehraufwand ließe sich problemlos kompensieren. Ich hatte das System der "Isländer-Ställe" in Verdacht, etwas versnobt zu sein, aber weiter gedacht, ist es vielleicht doch nicht ganz falsch.

  • Ich finde es in jeder Gruppenhaltung wichtig, dass die Pferde zusammen passen. Da braucht es etwas Fingerspitzengefühl. Ich plädiere da auch zu kleineren Gruppen. Oft stehen da 10 bis 15 Pferde in einer Gruppe. Da reicht auch der auf den ersten Blick vielleicht großzügigere Raum nicht aus.

    Ein häufiger Pferdewechsel ist auch so ein Punkt. Schon wenn Boxennachbarn wechseln ist das oft mit Aufregung verbunden. Pferde die sich ständig ihren Platz in der Gruppe neu erarbeiten müssen sind da noch mehr dem Stress ausgesetzt.

    Um so mehr weiß ich zu schätzen, dass wir unsere eigenen festen Koppeln haben und selbst entscheiden können wie wir die Pferde zusammen stellen.

    Wir kennen unsere Tiere doch am besten.


    Ein alter Wallach (ist jetzt glaube ich 31 Jahre) steht inzwischen seit einigen Jahren allein auf der Koppel. Der war einfach zu sehr gestresst von einem Koppelpartner. Da war es egal, dass der ganz friedlich und freundlich war. Er hat die Koppel neben uns und steht mit dem Zaun dazwischen auch gerne mal mit unseren Pferden beisammen. Der Zaun dazwischen gibt ihm aber offensichtlich die nötige Sicherheit.


    Das Pferd einer Freundin kam auf die Rentnerkoppel. Riesiges Gelände (man kann da die Zäune nicht sehen). Aber dem ging es da schlecht. Hat tierisch abgenommen und war nur gestresst. Zum Glück haben die Hofbesitzer das beobachtet und sich Gedanken dazu gemacht. Schließlich kam der alte Herr zu den Absetzern. Sozusagen als der nette Opa. Das war seine Berufung. Danach ging es wieder bergauf. Jahrelang hat er also den Kindergarten betreut und ist 32 Jahre alt geworden ...

  • Kasparow

    Was genau ist das Schauer-System?

    Schauer ist eine Stallbaufirma aus Austria . Die haben mehr Möglichkeiten im Laufstall / Offenstall durch Schleusentore / Zugangsberechtigung zu einzelnen Abteilen .


    Beispiel : Der Bauer /Betreiber möchte Silage füttern , das passt aber Müllers Lieschen und Mayers Maria nicht ,also kommt die Silagestation hinter eine Zugangsberechtigung , zu der die Pferde von Lischen und Maria keinen Zugang haben , dies wird im Fütterungscomputer eingestellt . Da kann man alles mögliche einstellen , z B darf einmal täglich rein oder mehrmals , je nach Belieben . Das Ganze ist natürlich grenzenlos ausbaubar .


    Anderes Beispiel , größere Gruppe und doch ein paar dabei die z B nachts nicht zur Ruhe kommen oder einfach aus anderen Gründen auch mal eine Bereich haben den NUR diese Pferde betreten dürfen . Also z B 5 Ponys in einer Großpferdeanlage bekommen zum schlafen und ruhen eine eigene Ruhehalle durch Zugangsberechtigung . Durch diese Schleuse können dann NUR diese Pferde die eben eingestellt sind .


    usw usf


    grob verstanden ?

  • Ich kenne zwei Anlagen mit über 50 Pferde in EINER Gruppe die dem Anschein und den Angaben sehr gut funktionieren .

    Bei dem einen besteht der Wechsel von Pferden nur durch Umzug der Besis oder Aufgabe des Reitsports , entsprechen lange sind dort die Wartezeiten. Man muss auch vorher einen Art Antrag stellen in dem man viel von sich preis geben muss , wenn das schon nicht passt , dann wird der nicht aufgenommen . Finde ich absolut super und vor allem pferdegerecht und dem Tierschutz dienlich !

    Diese Wandervögel würde ich auch nicht unterstützen , die wissen gar nicht was sie ihren Pferden antun,denn diese sind die Leidtragenden .

    Wer mal gesehen/erlebt hat wie eine über viele Jahre gewachsene Herde lebt und mit sich umgeht , nur der wird das verstehen . Das bleibt leider solchen Leuten ihr Leben lang verwehrt .

    So eine kleine Gruppe gut und Recht , aber es muss ich halt auch für den Betreiber rechnen , oder eben eben dann in privater Haltung .

  • Ich kenne zwei Anlagen mit über 50 Pferde in EINER Gruppe die dem Anschein und den Angaben sehr gut funktionieren .

    Habe ich 3 Jahre lang mit 80 Pferden erlebt - funktionierte (bei entsprechender riesiger Weidefläche) super.

    Absolut problemlose "Integration", da das Gruppengefüge eher lose war. Es entstanden dann Kleingruppen und 2er-Freundschaften. Gerangel nur beim Reinlaufenlassen sonst sind sich die Pferde einfach aus dem Weg gegangen (und konnten das halt auch).

    Für "Wandervögel" ideal (ich war lange auch einer).


    Demgegenüber dauerte die Integration in eine 6er Stutenherde 4 mühsame Wochen. Das war halt eine richtig festgewachsene Gruppe.

    Für die Pferde von "Wandervögeln" sehr stressig.

  • Bei mir noch kleiner jahrelang nur 2 oder 3 Zausels.....nach sämtlichen Aussagen im Netz klappt 2 immer ...irgendwann...fand ich tendenziell nicht. Je Kleiner die Herde, also <4 desto heftiger sind etwaige Wechsel im Geschehen. Nach meinen Beobachtungen tun sich Pferd mit Verkauf auch schwer, hier brauchen die mal grob so 1 Jahr bis wirklich zufrieden. ich glaub gar nicht unbedingt, dass es einem "wandervogelpferd" soo schlecht geht, aber wenn jemand aus meiner recht menschenbezogenen stabilen Haltung wechseln müsste, der würd sich woanders bestimmt schwer tun ohne "Box" nächtens. mfg Kirsten

  • Bei einem nun 25 jährigen Pferd würde ich auf feines Heu gemischt mit Heu aus 2. Schnitt zurückgreifen. Dazu noch Heuersatz (Agrobs) anbieten soviel er möchte. Entweder Heucobs einweichen oder die gehäckselte trockene Version verfüttern.
    Stroh welches meist sehr stark gespritzt ist, würde ich gar keines verfüttern. Ein altes Pferd braucht anderes Futter. Müslifutter ganz streichen (das ist nichts mehr für den Magen) und als Kraftfutter Reiskleie Peletts oder Optibeets geben. Das füllt schön auf. Agrobs hat auch tolles Seniorenfutter im Angebot. Wichtig ist zudem, dass ein altes Pferd langsamer frisst und dies auch gerne in mehreren Portionen. Daher ist die Frage ob der Offenstall dazu geeignet ist. Das Pferd über Nacht aufzustallen/abzutrennen hat sich sehr bewährt. Dann können die in Ruhe ihre Portionen fressen. Mein Pferd wurde mit dieser Fütterung über 31 Jahre alt.

  • Ich hatte inzwischen mehrere Pferde, die 30 Jahre und älter wurden. Pferdezähne sind ziemlich lang und schieben dem Abrieb entsprechend nach, bis sie schließlich im Wortsinne aufgebraucht sind. Übrig bleibt eine blank polierte Scheibe, die oft nur noch an einem Faden hängt. Das qutscht beim Kauen und tut auch weh. Richtiges Kauen ist nicht mehr möglich. Der Zahnarzt soll ins Maul fassen und probieren, ob noch alle Zähne fest im Kiefer sitzen.

  • Ich habe einen langjährigen Kotwasser-Patienten. Er ist jetzt 18, Hengst und hat das KW seit ich ihn kenne. Ich habe ihn mit 4-jährig übernommen und er hatte da schon eine ziemliche Odyssee hinter sich, inkl. starker Verwurmung. Ich vermute das als Ursache für seine Reaktionen, Auslöser sind jedoch unterschiedlich.

    In den langen Jahren haben wir so ziemlich alles ausprobiert und untersuchen lassen, selbst eine Gastroskopie musste er über sich ergehen lassen, jedoch ohne Befund.


    Nach meinen Beobachtungen kann ich mit ziemlicher Sicherheit, dass der Haupt-Auslöser vom KW, zumindest bei meinem Pony, zu strukturreiches Heu ist. Bekommt er zu grobes Heu oder sogar Stroh, dann läufts nur noch... Mit Emd ist er nahezu symptomfrei, das trau ich mich aber aus diversen anderen Gründen nicht zu füttern. Diese Ansicht vertritt auch mein Tierarzt und dasselbe habe ich auch schon an Vorträgen von anderen Tierärzten und Fachpersonen gehört.

    Bewegungsmangel könnte ich mir als weiteren Auslöser auch gut vorstellen, da es deutlich schlimmer wurde, als er neulich zwei Wochen ferienhalber stand - ansonsten macht er im Schnitt 8-10 km am Tag, entweder an der Hand oder am Wagen. Im Herbst/Winter, wenn er voll bewegt wird, hat er aber trotzdem Kotwasser, also kanns das allein nicht sein.

    Stress haben wir so weit es geht reduziert. Es gab auch Zeiten, wo er enorm viel Stress hatte, z.B. auf einer langen Wandertour, wo der Kleine aufgrund Stutenanwesenheit stark unter Strom stand und kaum noch händerbar war. Interessanterweise war er da aber komplett symptomfrei.


    Was übrigens Akut sehr gut hilft, ist Futterkohle :)

  • Danke für den Tipp, Rainy.

    Ich glaube da besorge ich tatsächlich mal einen Eimer.

    Ich bin mir bei meinem Pferd schon sicher, dass es am Heu liegt. Bestimmte Ballen verträgt er scheinbar nicht und reagiert mit unterschiedlich starkem Kotwasser. Leider fällt es mir im Moment schwer die Ballen optisch zu unterscheiden :rolleyes:

    Futterkohle - oder Aktivkohle (?) habe ich noch nicht versucht und würde schon mal eine Kur versuchen.

  • Rainy

    Bist Du sicher, daß es an der Struktur liegt oder könnte es etwas sein, das schadet, aber in Verbindung mit Struktur auftritt - z. B. Pilze?

  • Kibu Ich nehme Futterkohle, die gibts in grösseren Mengen auch für Nutztiere - das ist dasselbe wie es für Pferde gibt, aber günstiger. Ich füttere meinem Kleinen, der 90 kg wiegt, wenn er akut an KW leidet, ca. 20-30 g/Tag.


    Ardennerin Pilze sind auch ein Thema; die können auch Kotwasser auslösen. Aber ich spreche hier tatsächlich von der Struktur des Heus. Also grobstängeliges Heu von spätem Schnitt. Ganz schlimm ist Heu vom 1. Schnitt, das spät geerntet wurde oder aus Saaten, die speziell für Pferde sind. Hatte ich alles schon da, und es war wirklich zum allergrössten Teil wirklich schönes, sauberes Heu (was anderes würde ich auch nicht verfüttern wollen). Mein Pony reagiert übrigens auch auf zu grobes, überständiges Weidegras.


    "Mitunter richtet sich bereits bei der grobsinnlichen Prüfung der Heuprobe der Verdacht auf eine eingeschränkte mikrobielle Fermentation im Dickdarm als ursächlich für das Auftreten von Kotwasser; zuviel Lignin und zu wenig Zellulose/Hemizellulosen. Mit dem Aufwuchs verbunden ist die vermehrte Einlagerung der Rohfaserart Lignin in den Pflanzenhalmen, um die Standfestigkeit zu erhöhen. Entsprechend weist spät geschnittenes, sehr grobstängeliges Heu auf einen erhöhten Ligningehalt und einen verminderten Zelluloseanteil hin. Da Lignin von der Dickdarmflora des Pferdes nicht abgebaut werden kann und nur Zellulose/ Hemizellulosen und Pektine Wuchsstoffe für die Dickdarmflora sind, erklärt sich das bei Verfütterung von überständigem, hartstängeligem, verholztem Heu oft zu beobachtende Auftreten von Kotwasser mit einer unzureichend ernährten Dickdarmflora (siehe unten: „Heubeurteilung hinsichtlich Lignifizierung“)."
    Siehe https://www.iwest.de/tl_files/…ie/Infothek/Kotwasser.pdf


    Ebenfalls im Verdacht, Kotwasser hervorzurufen steht mit Luprosil (Ameisensäure) behandeltes Heu. Bei uns in der Nachbarschaft wird das Heu vorbeugend vor dem Pressen gespritzt, um Schimmelpilze zu vermeiden. Eigentlich sollte das harmlos für die Pferde sein; es gibt jedoch Kandidaten, die darauf reagieren.

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