Unfall - wie weiter machen?

  • Hallo,


    ein gewisses Restrisiko gibt es immer, und nicht jedes Verhalten kann man verhindern. Letztlich habt ihr Glück gehabt, wirklich schlimmes passiert ist ja nicht und das Pferd ist nach einer kurzen Strecke stehen geblieben und nicht etwa kopflos kilometerweit gerannt. Das spricht doch sehr für dein Pferd.


    Mein Pony ist mir auch schonmal blitzartig umgedreht, er stand zu dem Zeitpunkt schön an den Hilfen, hatte eine klare Tendenz nach vorne im flotten Trab....als wir beinahe in ein Reh hereinrasselten, das aus dem Wald sprang. Eine halbe Sekunde später hatte das Pony um 180 Grad gedreht. Da macht man mE nichts. Passiert ist bei mir rein gar nichts dabei, bin eine Wendung gefahren und weiter. Ich fahre allerdings einen Sulky der wie ein Brett auf der Straße liegt.


    Ich würde an deiner Stelle das Fahrverhalten der Kutsche prüfen, auch bei den Zweiachsern gibt es da gewaltige Unterschiede. Manche kippen doch arg leicht, andere sind sehr stabil.


    Mit dem Pferd würde ich in Ruhe wieder anfangen, es ist mE aber unwahrscheinlich, dass das ein groses Problem wird.


    Gruß Tina

  • Ich hab mein Shetty mit etwas Unterstützung einer erfahrenen Kutscherin selbst eingefahren. Genau vor diesem blitzartigen Umdrehen hatte ich auch ziemlich Angst. Deswegen haben wir Richtungswechsel auf Stimmkommando immer wieder geübt. Selbst wenn der Kleine jetzt mal in die falsche Richtung will, weil das z.B. der Weg nach Hause ist, lässt er sich mit Stimmkommando in die richtige Richtung schicken. Und wenn ich bzw. mein Mann -der fährt ihn meistens- an eine "kritische Stelle" kommen, ist immer die Pitsch an der Seite, wohin er wegbrechen könnte. Und die Pitsch wird im Notfall auch mal "richtig" eingesetzt. Lieber macht mir das Pony nach vorn weg, als umdrehen.

    Ich muss gestehen, ich fahre oft mit lockeren Leinen, weil ich kaputte Hände habe. Deswegen habe ich auch die Peitsche wenig in der Hand. Für mich war es deshalb wichtig, dass Elvis wie ein Rückepferd ruhig auf Stimme die Richtung ändert. Für meine Psyche ist das sehr wichtig, weil ich auch das Gefühl hatte, das mein Pony meine Ängste kennt:-)

    Mein Tipp wäre, vom Boden aus Richtungswechsel und Wendungen mit Stimmkommando üben.

  • Ich bin mal mit einem "richtigen" Fahrer einen Geländeparcous mitgefahren. Einmal war absehbar, dass wir eine Ecke mitnehmen, wenn kein Wunder passiert. Zu spät für Aktionen mit den Leinen. Da schrie der Fahrer:"Links!"
    Augenblicklich warf sich das Gespann mitten im Galopp nach links - und es passte. Ich muß oft daran denken. Es waren schwere Warmblüter aus Polen.

    Sagt euch Wilhelm von Osten noch etwas? Es wird berichtet, dass er mit seinem ersten Hans ohne Zaum und Leinen nur auf Zuruf im Einspänner durch Berlin fuhr.

    Meinen western gerittenen Araber hatte ich auch auf Zuruf trainiert (aber nicht rechts und links). Solche als Reflex eingeschliffenen Stimmkomandos funktionieren auch dann, wenn das Pferd eigentlich etwas anderes will. man kann einen stop hinlegen, wenn den Mitreitern die Pferde abbrettern.

  • Manchmal mal ist die Angst des Fahrers das groessere Problem als das Pferd. Der Fahrer hat den Unfall im Hinterkopf und verhaelt sich zoegerlich/aengstlich, das Pferd merkt das und ist auch verunsichert.

    Manchmal ist die mentale Vorbereitung wichtiger als alles andere.

  • Das sind gute Tipps, danke euch! Hm ich hoffe mir bleibt das nicht im Hinterkopf, aber das weiß ich wohl erst. wenn ich wieder fahre und das dauert wohl noch bisserl leider.


    Das Thema Stimmkommando ist wirklich interessant, das werde ich mit aufnehmen. Hab leider ne ziemliche rechts links Schwäche, aber daran kann ich ja zeitgleich arbeiten. Wer weiß bis wann ich wieder ne kutsch habe. Und Pony kann schon einige Stimmkommandos der ist dafür recht empfänglich.

    Und wenn schon...

  • Ich habe die rechts-links Schwäche auch;-) Deswegen rechts = hotte, links = hüüst. Das bekomme ich sonderbarerweise besser hin.


    Bei meinem Illefons hatte ich "Halt" in Verbindung mit Leckerligabe als Notbremse im Gelände ebenfalls installiert. Er war mir anfangs mehrmals durchgegangen ….meine Schuld....und daraufhin haben wir das geübt. Es half uns auch in brenzligen Situationen, wenn er im Straßenverkehr wegen eines Traktors mit 2 Anhängern nervös wurde. Auf Kommando "Halt" wurde sofort gestoppt und die Nase kam rum zu mir. Alleine diese Möglichkeit gab mir unheimlich viel Sicherheit und brenzlige Situationen wurden immer weniger, alleine durch mein gewonnenes Selbstbewusstsein.

  • Nur, dass der Kopf sich eben nicht so einfach abschalten läßt. Am besten hilft wohl das altbwährte "sofort wieder drauf" der Reiter.

  • Wir hatten auch einen kleinen Unfall, bei dem gottseidank nicht viel passiert ist. Nächsten Tag sofort das Geschirr drauf und neben den Gig gestellt, bis sie wieder entspannt hat. Danach angespannt, immer viele Pausen. Eine Runde über den Hof und gleich wieder ausgespannt. Viel Ruhe vor allem "Innere". 2 Tage später sofort eine Ausfahrt gemacht, der Gig war bis auf Blechschaden fahrbereit. Ein paar mal hat sie noch etwas versucht sich zu entziehen, aber jetzt ist alles wieder in Ordnung.

    Also üben, üben und viel Ruhe und Konsequenz,


    LG Angelika