Gig mit Beifahrer?

  • Ich habe inzwischen meinen Kutschenschein gemacht und bin auch ab und an mit meinem Pony gefahren. Nun habe ich gelernt, dass man ohne Beifahrer nicht fährt. Außerdem gebe ich zu, dass ein Beifahrer schon recht angenehm ist. Vor allem da mein Pony in Heimatnähe gerne mal eine andere Streckenführung nehmen würde als ich. Da bin ich alleine manchmal recht hilflos. Klar hab ich mich letzten Endes immer durchgesetzt. Aber es nervt und vermiest mir allmählich die Lust am Fahren. Nun habe ich eine nette, pferdeerfahrene Nachbarin, die mich gerne unterstützen möchte. Mein Problem: ich habe nur den Gig. Und der ist ja auf mich austariert. Bisher habe ich mich also nicht getraut, da noch jemanden mitzunehmen. Wir (Nachbarin und ich) sind beides eher Leichtgewichte mit knapp über 50kg. Wie handhabt Ihr denn das?

  • Nun habe ich gelernt, dass man ohne Beifahrer nicht fährt.

    Die verkehrsrechtliche Seite: In welchem Gesetz steht das ?


    Natürlich ist es mit Beifahrer zumindest am Anfang oder auch mit nicht 100%ig sicheren Pferden sinnvoll zu fahren, aber das steht in keinem Gesetz (oder kann mich jemand korrigieren).


    Vor Jahren hatte ich einmal für die BG Fahrzeughaltungen (heute BG Verkehr) die Sicherheitsbestimmungen für Gespannfahrzeuge zu erarbeiten. Ich habe damals ganz bewußt vermieden, den Beifahrer obligatorisch zu machen. Das hätte auch das Ende aller gewerblichen Kutschenunternehmen bedeutet.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Wenn das eine dauerhafte Lösung werden könnte, würde ich den Gig auch für zwei Personen tarieren und die Gewichtsdifferenz beim Alleinfahren durch ein Zusatzgewicht auszugleichen versuchen. Es führt m. E. kein Weg am korrekten Tarieren vorbei - anders und leichter wird es, wenn Dein Wagen über eine verschiebliche Sitzbank/verschieblichen Kasten verfügt oder während der Fahrt tarierbar ist.


    Ich hoffe, Dir geholfen zu haben.


    Die Ardennerin

  • Hallo,


    Gigs lassen sich i.d.R. problemlos für eine oder mehrere Personen austarieren. Manchmal (je nach Bauart) reicht es schon, sich etwas anders auf der Sitzbank zu positionieren. Wenn die Sitzbank verschiebbar ist, ist es ganz einfach.

    Der Gig sollte immer gut ausbalanciert sein, im Zweifel ist es aber besser, kurzfristig (wenn z.B. der Beifahrer mal kurz absteigt) etwas Gewicht auf den Tragaugen zu haben als dass der Gig die Tragaugen nach oben zieht.


    PS: Uneinigkeiten bei der Wahl der Streckenführung am besten alleine mit Konsequenz aber in Ruhe vom Boden (Fahren vom Boden) aus mit dem Pony klären. Das ist eine Erziehungs- und Ausbildungsfrage, wo meiner Erfahrung nach die Grundlagen stimmen müssen. Führen durch den Beifahrer ist m.E. da hauptsächlich Symptombekämpfung und ist das Pony schlau, lernt es ggf. schnell, sich erst recht zu entziehen. Im Zweifel hat ein Beifahrer sowieso schlechte Chancen, ein Pony vom "Unsinn-machen" abzuhalten.


    Die Vorgabe "immer mit Beifahrer fahren" ist eine Aussage neuerer Veröffentlichungen der FN. Wie Herr Nemitz sagt: Gesetzlich vorgeschrieben ist es nicht und in früheren Zeiten (siehe klassische Fahrliteratur) war es ganz normal, 1- und 2-spännig alleine zu fahren.


    Gruß Tina

  • Von was reden wir eigentlich genau? Wie groß ist das Pony und was für eine Art die Gig? Welches Gelände?


    Entscheidend bei der Gig ist die Bauweise (Schwerpunkt hinter der Achse oder auf der Achse). Bei einem Fahrzeug mit Schwerpunkt auf der Achse ist idr die Zuladung relativ variabel gestaltbar ohne EInfluß auf die Tarierung zu haben.


    Die allermeisten Ponykarren arbeiten mit Sitzbankverschiebung, da muss man nur einmal eine Einheit tarieren investieren um rauszufinden zb mit +50 kg ladung Sitzbank/Lehne um 2 Raster verändern, eventuell Selett Tragriemen eins rauf/runter und alles paßt wie gewohnt fertig.


    Beifahrer benötigt? Für die Psyche kann der ausgesprochen nett und sinnvoll sein, aber für am Pferd find ich den bei K-Pony nicht tauglich, exakt Greenorest Meinung hab: Probleme bevorzugt via Fuß und allein lösen, alles andere ist "Falle" und führt bei schlaueren Pony sehr schnell ins Abseits. Bei Stm >1,45 m ist der dann wieder tauglich, einfach weil hier aufgrund der Pferdsgröße bei "Wolf" von vorn oft anders vorgegangen wird und Großpferd generell viel lieber, langsamer in ihren Reaktionen sind, die "eisen" viel ein, während Pony schonmal zehnmal umgedreht und geflüchtet ist. Bei allem Bockmist der mir mit Pony allein einachsig passiert ist, konnt ein Beifahrer kaum behilflich sein (eher hat der gestört, weil man zu zweit einfach nicht so gut der Schwerkraft trotz wie einer allein, sprich allein hätt man die karre noch einrädrig irgendwie ums Eck bekommen zu zweit hat dann halt eben die Chose gelegen..), anders dann bei Sonderanspannungen, hier macht ein Beifahrer wirklich Sinn um mal grad den Knoten zu entwirren (Tandem), hier ein Bein über Zugstrang zu fädeln, dort ein Aufhalter zu optimieren, usw usf

    Sicherer ist ein EInachser hinter K-Pony ganz gewiß ohne Beifahrer mit vernünftiger Fuß-Po-Fuß-Stütze Fahrer und natürlich Fahrer mittig plaziert.


    Natürlich ist die nette Unterhaltung mit Nachbars ein sehr gutes Argument für Beifahrer und man kann so die Fahrt einfach mehr geniessen, wenn man die Freud über den schönen Weg, das brave Pony, sofort teilen kann, insofern würd ich an deiner Stelle unbedingt die Nachbarin mitnehmen wollen!!!

    Wenn du vernünftiges Bild deines angespannten beladenen Gigs einstellst (Pony mähnenlose Seite oder eingeflochten, damit man auch was sieht bzgl. Leinenführung, Sitz des Fahrers, BB-Sitz/Halsriemen, Zugstrangführung, können wir dir bestimmt paar tips geben wie sich die tarierung je nach ladung simpel optimieren läßt bzw eventuell ist das eh nicht nötig bei Schwerpunkt auf der Achse (in dem Fall vor Abfahrt kurze gemeinsame Turneinheit damit synchrones zurücklehnen bergab oder Vorlehnen bei Galopp funzt (Beifahrers sind idr nicht soo flott in ihren Reaktionen bzw bekommen überhaupt nicht mit, das da grad was kritisch sein könnt usw usf).


    mfg Kirsten

  • Also, es ist mir schon klar, dass ein Beifahrer nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Allerdings wird er beim Kutschenführerschein definitiv empfohlen.

    Da wir beim Lehrgang dementsprechend immer mit Beifahrer gefahren sind, habe ich dies auch schätzen gelernt. Z.B. kann der Beifahrer an unübersichtlichen Strassenquerungen die Lage checken, kann die Äppel aufsammeln, die das Pony innerorts verliert und eben auch mal an den Kopf des Tieres gehen.

    Leider lässt sich bei meinem Gig gar nichts verstellen außer die Anzen. Und die sind nun mal so eingestellt, dass es optimal für mein Gewicht passt. Das ist eine ziemliche Fummelei und man benötigt ja auch immer noch eine zusätzliche Person, die das Gewicht an den Tragösen checkt (Personenwaage). Also das ist definitiv nicht drin. Sitzbank ist leider nicht verstellbar. Was mir einigermaßen einleuchtet, wäre, den Gig auf 2 Personen einzustellen und bei alleiniger Fahrt 55kg Gewicht mitzunehmen. Aber irgendwie widerstrebt mir das auch etwas. Vor allem, da mir dazu nicht gleich was passendes einfällt. Außer vielleicht Futtersäcke.

    Aktuell fahren wir vom Boden aus. Da bekomme ich es besser gehändelt. Fotos sind unter „Bremse nachrüsten bei Gig“ zu finden.

  • Puschel, da mußt Du etwas falsch verstanden haben. Du mußt keinesfalls zusätzlich 55 kg mitnehmen, sondern ein wesentlich kleineres Gewicht am rückwärtigen Teil der Gig anbringen. Wie schwer das sein muß und wie Du das am besten festmachst, mußt Du herausfinden. Und nein - Du mußt für das Tarieren nicht zu zweit sein - Du kannst die Gig aufhängen und eine Waage in die Aufhängung integrieren. So mache ich das immer.


    Das wird bestimmt klappen!

  • Hallo Ardennerin,

    jetzt verstehe ich gar nichts mehr.? Wenn ich das Gewicht am rückwärtigen Teil des Gigs befestige, bringe ich dann nicht mehr Gewicht hinter den Kipppunkt und somit kommt die Schere in den Tragösen höher?

    Und wie hängst Du denn den Gig mit der Waage auf? Ich mache es so, dass die zweite Person auf einer Personenwaage steht und die Anzen dabei auf Höhe der Tragaugen hält während ich auf dem Gig sitze.


    Nachtrag: Ich denke, das mit dem Aufhängen habe ich nun doch kapiert. Anzen auf Höhe der Tragösen aufhängen. Kofferwaage dazwischen.

  • Wenn grad keine Zeit für kofferwaage usw ist: Gutes Zeichen ist, wenn man im Stand (also zb zu zweit) mit sich maximal nach hinten lehnend die Chose im tragauge vorn hochbekommt, muss keine deutliche Schwebe sein, aber ne sichtbare Entlastung vorn wär gut. Während du auf der Sitzbank zb 2 Sack Zement benötigst, brauchst vermutlich nur ein KG-Rohr mit 10 kg Sand befüllt mit Spanngurt ganz hinten Fußraum befestigt für ohne Beifahrer.

    Nochmal grad bild deiner Gig beäugt, musst du den überhaupt umtarieren? Also mein Eigenbau-Fohlenwagen ist 1-3 Personen sozusagen egal, 1 Turneinheit für alle Passagiere, fertig. Oft fahren sich schlecht bis gar nicht gefederte Eigenbaue mit mehr Gewicht auf Achse komfortabler.

    mfg Kirsten

  • Wenn bei deiner Gig die Sitzbank genau über der Achse ist, brauchst du mit und ohne Beifahrer kein Zusatzgewicht. Du hast einfach immer ein hoffentlich nicht zu hohes Gewicht auf dem Selett.
    Ist die Bank hinter dem Drehpunkt, hebt ihr natürlich zu zweit den Vorbau mehr an. Wenn für 2 auf Gleichgewicht eingestellt ist, reicht einer nicht mehr, um den Vorbau zu heben. Das Zusatzgewicht bringt den Ausgleich.

  • Danke! Ich vermute, die Sitzbank ist wirklich genau über der Achse. Ich werde mir jetzt mal ne Kofferwaage besorgen und einfach mal ausprobieren. Mit und ohne Beifahrer.

    Und ja, ich habe derzeit ein Gewicht von knapp 4kg auf dem Selett

  • Sehr gut:-)

    Bitte, paß auf, wenn Du alleine nach der von mir beschriebenen Methode tarierst - der Gig könnte nach hinten kippen, wenn Du aufsteigst und zuwenig Gewicht auf den Anzen liegt. Am besten irgendwie gegen das Kippen sichern... oder sehr vorsichtig sein.


    Ist mir einmal passiert und da lag der Käfer auf dem Rücken und japste. Braucht man nicht.


    Ach so - ich nehme immer die Futterwaage dafür.

  • Wenn ich mir all diese Diskussionen über Wagentypen und Austarierugen für diverse Pony-Größen, Ein-, Zwei-und was immer noch Sitzer anschaue, dann kann ich mich nur wundern: Seit mehr als 150 Jahren wurden/werden z.B. in England, DEM Pony-Kutschenland, solche Wagen für so ziemlich alle Ponygrößen produziert und verwendet.


    Warum dann nicht auch einmal einen solchen Wagen versuchen, die es immer wieder auf den verschiedenen Auktionen, nicht nur in England, angeboten werden.


    Man sollte vielleicht nicht jedesmal für sich selber "das Rad neu erfinden" wollen, das es vielleicht schon lange gibt.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Die Problematik ist, dass wir ja keine richtigen Gigs mehr haben wie in England. Die hochrädrigen Dinger mit Holzlanden, die gibt es hier meist nicht. Man hat solche Biligdinger und meist auch noch komplett aus Metall und dann auch noch viel zu kleine Räder dran.


    Ich selbst habe nach langem Gebastel und viel Lehrgeld bezahlen unterdessen den perfekten 1 Sitzer Sulky. Beide Ponys laufen damit sehr gut. Wobei ich den jungen Pony nur im Roundpen damit fahre, mit dem geh ich nicht ins Gelände.


    Was eine 4 Rad Kutsche anbelangt, also 2 Spännig fahre ich nur mit Beifahrer. Meine Beifahrerin hat vor kurzem dafür gesorgt, dass der Wagen nicht kippt. Beifahrer brauche ich für 2 Dinge, 1. für das Überqueren von Strasse nach vorne zu gehen um zu schauen ob wirklich kein Auto kommt und dafür zur sorgen, dass der junge Pony still steht. Und für hinten drauf richtig Gewicht zu haben, sprich den Wagen auszubalancieren.


    Die Hoffnung ist aber schon da, dass ich irgendwann, wenn ich wieder eine 2 Spänner Kutsche habe, und mit der nötigen Routine auch ohne Beifahrer 2 spännig anspannen kann und einfach jemand der reitet begleiten kann. Aber das ist noch in weiter Zukunft.

  • Ich gucke auch immer neidisch auf die Bilder alter, hochrädriger Gigs.
    Mein Nachbar hatte einen hölzernen Karren dieser Bauart. Selbst der lag federleicht im Selett.
    Aber die müssen dann wirklich ganz genau zum Stockmaß passen. Zudem taugen die nur für kultiviertes Fahren, nicht zum Rumgurken auf Waldwegen.
    Ich denke aber auch, dass um das "schweben" zu viel Theater gemacht wird. Bisschen Gewicht auf dem Selett schadet nicht.

  • Zudem taugen die nur für kultiviertes Fahren, nicht zum Rumgurken auf Waldwegen.

    die großen Räder machen sie eigentlich genau für solche Strecken ideal

    Finsternis kann keine Finsternis vertreiben. Das gelingt nur dem Licht.
    Hass kann den Hass nicht austreiben. Das gelingt nur der Liebe.
    »Kraft zum Lieben« Rede 1963, Martin Luther King (1929-1968)


    "Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt."

    Jehuda Bacon, *1929, Auschwitz-Überlebender

  • lieber nemitz

    Quote

    Vor Jahren hatte ich einmal für die BG Fahrzeughaltungen (heute BG Verkehr) die Sicherheitsbestimmungen für Gespannfahrzeuge zu erarbeiten. Ich habe damals ganz bewußt vermieden, den Beifahrer obligatorisch zu machen. Das hätte auch das Ende aller gewerblichen Kutschenunternehmen bedeutet.


    vieln dank dafür.

    bin auch allein fahrerin.

    und ich bin keine "karteileiche" ;-) nur manchmal länger beim shetty


    Mit Tieren kann man reden,sind ja keine Menschen (Adriano Celentano).


  • Aber die müssen dann wirklich ganz genau zum Stockmaß passen. Zudem taugen die nur für kultiviertes Fahren, nicht zum Rumgurken auf Waldwegen.
    Ich denke aber auch, dass um das "schweben" zu viel Theater gemacht wird. Bisschen Gewicht auf dem Selett schadet nicht.


    Jeder Gig muss auf die Grösse des Tieres passen. Hier drin kursieren teilw. schon Bilder die ich etwas fragwürdig finde

    Und nein die Englischen Gigs sind eben genau so, dass man eben auch unkultiviert über Waldwege fahren kann. Die sind eben genau dafür gebaut, sie sind ausbalanciert und die grossen Räder rollen extrem gut. Sie sind aber nicht ganz so Sportlich und benötigen entsprechenden Platz zum Parkieren.


    Die Frage ist immer wie viel Gewicht! Mein älteres Classic verträgt es absolut nicht, wenn der etwas zu viel Gewicht auf dem Selett hat!

    Genau darum hat mein Sulky ein Sitz auf Schienen, ich kann während dem Fahren austarieren! Das ist für ihn enorm wichtig. 1kg mehr oder weniger auf dem Selett, das macht bei ihm extrem viel aus!


    Und wenn man bedenkt wie schmal ein Selett ist, also wie wenig Auflagefläche es hat, je klarer dürfte sein, dass da möglichst kein Gewicht drauf gehört. Was nicht heisst, dass da nicht ein paar Gramm drauf sein dürfen. Mein Sulky schwebt auch nicht, kann ein Sulky auch nicht. Aber es sind keine Kilos!

  • Und wenn man bedenkt wie schmal ein Selett ist, also wie wenig Auflagefläche es hat, je klarer dürfte sein, dass da möglichst kein Gewicht drauf gehört.

    Dann hilft dann nur ein Karrensattel, der extra für diese Zwecke gebaut wurde.

    :thumbsup: Freude ist da, wo auch Pferde sich wohlfühlen


    HeiBo

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