Militäranspannung

  • Kleine Ergänzung,

    auf Grund der Besonderheit war die Bremsvorrichtung der Militärfahrzeuge immer am Hinterwagen angebracht. Da der Vorderwagen zur Lenkung diente und grundsätzlich mit fester Sprengwaage gefahren wurde. Außerdem das Hauptgewicht immer auf der Hinterachse sprich Hinterwagen sich befand. Gewichtsverteilung 1 : 2 PROTZE - HINTERWAGEN.

  • Sorry,

    hab das Bild spiegelverkehrt eingestellt hier das selbe Bild mit der Seilbremse nocheinmal richtig herum.

    Noch ein Bild mit einer Draufsicht, hier kann man unter den Sitzen der Kanoniere die Bremskurbeln sehen. Es gb aber auch Bremshebel je nach Geschütztyp. An diesen Hebeln wurde die Bremsleine befestigt bei berittenen Geschützen, da hier keine Kanoniere rechts und links am Geschütz gesessen sind sondern auf Pferden ritten.Die Bremse wurde über die Bremsleine dann durch denn Stangenpferdfahrer bedient.

    Auf dem letzten Bild sieht man wie die beiden Kanoniere jeder seinen Bremshebel in der Hand hält

  • Was für Strecken wurde am Tag mit so einem Sechsgespann auf Straßen zurückgelegt, gibt dazu Erstellungen?

  • Ja die gibt es das war ein ganz wichtiges Thema immerschon beim Militär da davon die Tages Marschleistung entsprechend taktisch zu berücksichtigen war.

    Das ist ein sehr umfangreiches Thema ich möchte grundsätzlich einmal zum Vergleich sagen.

    Die taktische Tagesleistung eines Pferdegespanns egal ob 2 oder 6 Spänner lag im 1 Wk bei ca. 6 kmh was zu einer Tagesleistung von ca 40-50 km geführt hat.

    Das war im 1 Wk nicht besonders dramatisch da sich der Krieg als Stellungskrieg nur mehr auf die Versorgung und nicht auf den Vormarsch beschränkte.

    Ganz anders verhielt sich das im 2 Weltkrieg. Da die Gespanne leistungsmäßig einheitlich nach Achenbach gefahren und entsprechend trainiert waren was im 1 Wk nicht der Fall war und sich als Nachteil herausstellte. War bei der Wehrmacht eine durchschnittliche taktische Tagesleistung mit 10kmh angesetzt und es wurden durchschnittlich pro Tag 80km zurückgelegt. Was aber auf Grund der Blitzkriegstrategie und der wesentlich schnelleren motorisierten Truppen auch zu 100 - 150 km Tagesleistung max geführt hat wobei dies nicht die Regel war.Das galt dann für alle Gespanne hauptsächlich die Mehrspänner,

    wobei bei den Versorgungseinheiten die überwiegend 2 spännig vom Bock gefahren wurden diese Tagesleistungen nicht gefordert waren da sie nicht in den vorderen Linien operierten sondern in der Nachhut waren. Zu den 6 Spännern ist noch zu sagen das beim Militär die 6 Spänner hauptsächlich bei der Artillerie eingesetzt waren also Geschütz und Munitionstransport und diese Gespanne waren so ausgelegt das eigentlich ein Vierspänner ausgereicht hätte aber um eine entsprechende Zug - bzw Kraftreserve zu haben wurden sie 6 spännig gefahren. Das war traditionell von Anfang bis zum Ende. Im 2 Wk kamen allerdings dann großkalibrige Kanonen zu Einsatz die vom Gewicht weit über den ursprünglich bespannten Feldkanonen waren. Diese wurden dann teilweise 8 und zehnspännig gefahren was natürlich mit entsprechendem Zeit und Arbeitsaufwand verbunden war.Bis Ende des Krieges verschwanden diese Kanonen bespannt und wurden durch LKW Zug ersetzt, was bei den leichten bespannten Feldkanonen nicht der Fall war.

  • Bist Du dir mit den 150km Tagesleistung sicher?
    Ich kannte noch einen alten Kavalleristen, im Frieden Jockey, der Moskau und zurück in WK II auf den Pferderücken mitgemacht hat. Der erzählte, die höchste Tagesleistung wären ein mal 100km gewesen, das wäre aber auf dem Rückzug gewesen und nicht als Marsch, sondern als Flucht zu bezeichnen.

    Also auf heutigen Asphaltstraßen kann ich mir über 100km vor der Kutsche vorstellen, aber damals auf Kopfsteinpflaster und Matsch mit schweren Wagen?
    Allein schon zeitlich haben wir früher auf Wanderritten mit vollem Gepäck kaum mehr als 60km geschafft.

    Zur Gewichtsbelastung der Militärpferde erzählte er, die volle Ausrüstung wäre so schwer wie ein Mann gewesen (also Gesamtgewicht gut 120kg) und wäre stets zu zweit komplett aufs Pferd gehoben worden.

  • Hallo Kaidan,

    das mit den Tagesleistungen ist so eine Geschichte, ich kann dir nur sagen was ich in der Literatur gefunden habe. 'Ich kannte auch einen Kavalleristen der war Leutnant und hat von 1939 - 1945 den ganzen Krieg zu Pferd mitgemacht. Aber da Mus man unterscheiden Kavallerie also berittene Einheiten und bespannte Einheiten also Train/Tros und Artillerie. Es ist richtig das je nach Strasse und Gelände unterschiedliche Tagesleistungen möglich sind. Ebenso waren die Wege und Tagesleistungen im Frankreich Feldzug ganz andere als zum Beispiel im Ostfeldzug also Russland.Aber auf Grund der mit bekannten Beschreibungen waren die durchschnittlichen Tagesleistungen bei den bespannten Truppen im 1WK Bein nur ca. 30 km pro Tag und die im 2 WK lagen bei 60 - 80 km pro Tag. Kavallerie ähnlich.

    Wobei es Tagesleistungen im Krieg bis 100km und darüber also bis ca 150 km gab was aber die Ausnahme und entsprechende Ausfälle von Tieren und Material mit Verlusten einherging. Ich selber habe mit meinem Gespann auch schon 70 - 80 km gefahren auf ebener Strecke und Asphaltstrasse also das ist schon möglich allerdings nicht als konstante Tages Marschleistung über Tage und Wochen hinweg und in jedem Gelände. Ebenso werden sich die Tagesleistungen entsprechenden bei hügeligen und bergigen Gelände verringern so das hier noch von 10 - max 50 km auszugehen ist je nach Steigung. Bei der Kavallerie ist natürlich das etwas anders da im 2 WK keine geschlossenen Großverbände beritten eingesetzt wurden. Auch das vom Pferd zu tragende Packgewicht gegenüber dem 1 WK deutlich reduziert wurde. Aber deine Gewichtsangabe kommt schon hin mit 120 kg pro Pferd ohne Sonderbepackung also MG Pferd etc. Heute im Wanderreiterbereich geht man bei trainierten Pferden von 30 - 50 km pro Tag aus was auch bei Gespannen zutrifft nur das hier das transportierte Gewicht höher ist als das Packgewicht bei Reitpferden. Das dürfte meiner Meinung nach auch der tatsächlichen Marschleistung damals entsprochen haben wobei im Krieg immer mit Ausnahmen und Spitzenleistungen zu rechnen war schließlich ging es ja auch um Leben und Tod der einzelnen.

    Also die von mir Angegeben Werte sind statistische Werte für die bespannten Einheiten die damals von der Wehrmacht/ Heer ausgegeben wurden wie es sich im Einzelfall in der Praxis unter den entsprechenden Umständen wie Gelände ,Steigung, Witterung,Packlast etc. in der Praxis verhalten hat gibt es meines Wissens keine exakt erfassten Werte. Bei den berittenen Einheiten war es ziemlich ähnlich aber da gab es auch Ausnahmen wie bei Meldereitern, Nachrichten Einheiten, Schützenzüge etc.

  • Ich zweifle die 150km einfach auch vom Faktor verfügbare Marschzeit an einem Tage an. Wenn selbst die Berittenen im Fluchtmodus nur 100km geschafft haben?
    Aber du hast natürlich recht, dass die Marschleistung maßgeblich von den Straßen abhängt.

  • Im 2. Weltkrieg war die Marschleistung der Infanteristen bis zu 80 Km/Tag, der Kompanieführer ritt, zumindest in der ersten Zeit noch.


    Ich selbst habe mit dem Vierspänner und der Road-Coach in der Ebene bis zu 110 Km/Tag (natürlich nicht über mehrere Tage !) zurückgelegt.


    Diese Distanzen wie sie schwolli nennt sind also nicht unmöglich.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Tia, da is nix mehr mit 100km am Tag !!!

    Trotzdem Gehts vorwärts was bei den motorisierten Einheiten in dem Fall nicht mehr ging. Vielfach mußten KFZ Fahrzeuge mittels Pferdezug aus dem Schlamm herausgezogen werden.

  • Hallo möchte mal ein Bild von Müller und Braun einstellen zeigt ein komplettes Militärgeschirr vor der



    Jahrhundert Wende mit Stellkumt. Die Ausführung im Bild ist aus Bayern und war auch im übrigen Kaiserreich identisch nur bei den Sätteln gab es Unterschiede Bayern verwendete den M 68 und der Rest im Kaiserreich den Bocksattel.

    Das gleiche konnte auch ohne Sattel mit einem sogenannten Kammkissen eingesetzt werden. Bei 2 Spännern die vom Bock gefahren wurden.

  • warum haben die lieber mit Seil- statt Ledersträngen gearbeitet?

    auch mit lederner Unterlage vorn an den Schultern, die Kettenglieder können nur drücken ...


    das massive Hintergeschirr ist den schweren Lasten geschuldet?

    warum wurde der Aufhalter nicht direkt am Kumt eingehängt, warum wurde da Leder zwischengeschaltet?


    vermutlich das Handpferd in gleicher Ausführung?

    Fragen über Fragen ;-)

    Finsternis kann keine Finsternis vertreiben. Das gelingt nur dem Licht.
    Hass kann den Hass nicht austreiben. Das gelingt nur der Liebe.
    »Kraft zum Lieben« Rede 1963, Martin Luther King (1929-1968)


    Seebrücke des Bundes:

    https://www.youtube.com/watch?v=YPWxq8Xepzg&feature=youtu.be

  • Seilstränge sind leichter zu ersetzen und robuster als Lederstränge.

    Die Kettenglieder sind zum Verstellen der Stranglänge und liegen bei den verwendeten Warmbluttypen eigentlich nicht am Pferd an. Das Problem, das da was drückt, haben eher die Dicken.

    Der Lederriemen hat die selbe Funktion wie die Brustkette am Arbeitskumt.


    Grüße Florian

  • Der Lederriemen hat die selbe Funktion wie die Brustkette am Arbeitskumt.

    das Leder mein ich ...

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    Seebrücke des Bundes:

    https://www.youtube.com/watch?v=YPWxq8Xepzg&feature=youtu.be

  • Ja freut mich über das rege Interesse, werde mal versuchen auf die Fragen einzugehen,

    Also zu den Strängen beim Militär wurden immer seit 1800 bis Ende des zweiten Weltkrieges die Stränge aus Hanf gemacht. Das war einfach aus Kostengründen man muß sich vorstellen das ein Feldartillerie Regiment ca.zwischen 300 - 500 Geschirre im täglichen gebraucht hatte. Wobei die Bay. Armee ungefähr einen Bestand von 100 000 Geschirren ganz normal in Friedenszeiten waren. da wurde mit jedem Zentimeter Leder gerechnet. Die Stränge waren aus Hanf vierfach gedreht nur im Krieg wurden auf Grund von Materialmangel Stahlseil Stränge verwendet was sich aber nicht sehr bewährt hat. alle Stränge beim Militär hatten einen Hacken mit Sperrigen als Schnellverschluß am Ende zum befestigen am Ortscheid und auf der anderen Seite 5 Kettenglieder die unterschiedlich in den Kumtkarabiner eingehackt werden konnten. so war ein verstellen der Stränge min der Länge wie beim Lederstrang die 5 Löcher möglich. eingehackt wurden die Stränge in einem Karabiner der wiederum am Kumt in die Eisen eingehackt wurde.


    Zu den Lederaufhalterriemen ist folgendes zu sagen das ist richtig die sind wie die Aufhalteketten bei den Arbeiutsgeschirren. Es durften aber keine Ketten aus Geräuschgründen verwendet werden da man das klappern und schlagen an den Kumten verhindern wollte was beim einem größeren Troß zu erheblichen Geräuschen führen konnte die vom Feind leicht wahrgenommen werden konnten.

    Die Hintergeschirre auf diesem Bild sind bei sämtlichen Stangenpferden grundsätzlich angebracht worden um das Aufhalten so leicht wie möglich zu machen. Bei den Mittel.- und Vorderpferden waren keine Hintergeschirre angebracht da sie hier nicht nötig waren.

    die Bilder sind aus meinem Manuskript:


    "Pferdebeschirrung und Fahrzeuge beim Militär" das untere Bild ist aus meiner Sammlung : deutlich sichtbar Aufhalteriemen rechts und links Strangkarabiner für Stellkumt.


  • auch auf die Gefahr hin, daß ich nerve: wenn der Pfeil oben auf das Leder zeigt was die Brustkette am Kumt ersetzt, wie nennt man dann das Leder worauf der Pfeil jetzt zeigt?

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  • Hallo Zeno,


    der Riemen am Kumt ( wo dein Pfeil hinzeigt) das ist der sogenannte "Brustriemen" (siehe Bild mit zwei Hacken aus Leder ) der geht durch die "kurze Koppel" ebenfalls aus Leder die wiederum in die sogenannte Steuerkette aus Eisen ( an der Deichsel) das alles zusammen dient zum aufhalten des Fahrzeuges.

  • jetzt wird ein Schuh draus, danke!

    also nochmal zu meiner Eingangsfrage: warum ist da die kurze Koppel dazwischen geschaltet, warum geht die Steuerkette nicht direkt ans Kumt (an den Brustriemen)?

    die geht direkt ans Kumt über den Haken? der "Rest" dient nur der besseren Lastverteilung??

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    https://www.youtube.com/watch?v=YPWxq8Xepzg&feature=youtu.be