Militäranspannung

  • Hallo,

    würde gerne dieses Thema ins Forum stellen, da ich mich seit über 30 Jahren mit diesem Thema beschäftige und auf dem Weg vielleicht ebenfalls Interessierte zum Austausch kennen lernen kann. Das Thema geht über die gesamte Entwicklungszeit von ca.1830 - 1945 also bis zum Ende des 2 Wk. ich finde ein sehr interessantes Thema da die heutige Reiterei und Fahrerei und deren Ausrüstung Geschirre ,Fahrzeuge auf die militärische Entwicklung zurückgeht. Ich habe selber eine umfangreiche Sammlung von Militärgeschirren aller Zeitepochen überwiegend aus dem bayerischen und beschäftige mich intensiv mit der Fahrweise die ja sehr von der heutigen verschieden war. Obwohl das Achenbachsystem beim Militär eingeführt und praktiziert wurde war die militärische Fahrweise eigentlich vom Sattel und die Fahrzeuge in Forderwagen ( Protze) und Hinterwagen aufgeteilt. Interessant ist auch die Entwicklung der Geschirre vom Kumt zum Einheitsbrusblattgeschirr im 2 WK. Würde mich freuen mit diesem Thema Interessenten zu finden und das Thema Fahren mit Pferden von der Wurzel her anzusehen .


    LG:-]

  • Obwohl ich mich bisher nicht mit dem Thema Militäranspannung befasste, es interessiert mich sehr. Wenn ich auch (noch) nichts dazu beitragen kann, ich werde es aufmerksam verfolgen.


    Lese ich das richtig, das Kumtgeschirr wurde in der Militäranspannung vom Brustblattgeschirr abgelöst?

  • Unter: https://www.ebay-kleinanzeigen…chirr/1103323376-139-6280

    ist gerade so ein Brustblatt zu sehen .

    Der Rest vom Geschirr scheint nachträglich dazugemacht .

    Am BB sieht man gut die verschiedenen Verschnallmöglichkeiten

    für den Halsriemen und für die Verbindung zum Kammdeckel.

    Der Aufhaltering ist so eingearbeitet das er sich von rechts nach links verschieben läßt ,

    so kann das BB für `s rechte oder linke Pferd genommen werden

  • Freut mich das für das Thema Interesse besteht!


    Das Brustblatt in der Ebay Kleinanzeige ist ein Sielengeschirr 25 Einheitsgeschirr 1925 bei der Reichswehr eingeführt und bis zum Ende des 2 WK verwendet. Der Rest des Geschirr hat mit Militäranspannung nichts zu tun.


    Die Frage nach dem Kumt oder Brustblatt. Beim Militär wurde bis 1916 ausschließlich Kumtgeschirr verwendet einzige Ausnahme waren die Anspannungen der Fußartillerie ( Festungsartillerie ) hier wurden Brustblätter verwendet. Interessant in dem Zusammenhang ist das ausschließlich bei der Fußartillerie Kaltblüter und Ochsen angespannt wurden. Erst in der Reichswehr und später in größerem Umfang bei der Wehrmacht wurden leichte bis schwere Kaltblüter bei allen Einheiten eingespannt. Hier wurde aber bei der Anspannung dann das Einheitsgeschirr " Sielengeschirr 25 " verwendet, dass für alle Pferdearten also Warmblut und Kaltblut gleichermaßen verwendet werden konnte!

    .

  • Interessant ist auch die Entwicklung der Geschirre vom Kumt zum Einheitsbrusblattgeschirr im 2 WK.

    ich behaupte das macht immer dann Sinn, wenn ich ein nicht mehr brauchbares Tier gegen ein anderes eintauschen mußte; ein Kummet muß gut sitzen und hat nur bedingt Verstellmöglichkeiten; die Armeekumts hatten zwar mehr Alternativen, dafür waren sie schwer; und unhandlich? und teuer in der Herstellung? und nicht wirklich pflegeleicht ; da wird es mit einem Brustblatt schon einfacher ...

    Interessant in dem Zusammenhang ist das ausschließlich bei der Fußartillerie Kaltblüter und Ochsen angespannt wurden.

    hast Du da mehr Info dazu, außer daß es so war?

    der Tatsache haben wir unsere DRGM-Stirnjoche zu verdanken ...

    Finsternis kann keine Finsternis vertreiben. Das gelingt nur dem Licht.
    Hass kann den Hass nicht austreiben. Das gelingt nur der Liebe.
    »Kraft zum Lieben« Rede 1963, Martin Luther King (1929-1968)


    "Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt."

    Jehuda Bacon, *1929, Auschwitz-Überlebender

  • 25 ist das einführungsjahr. Ich hab das Vorgängermodell M16 hin und wieder im Einsatz.

    Die Brustblätter sind von solcher Ledergüte, dass sie selbst nach 100 Jahren noch besser sind, als die Produkte namhafter Hersteller von heute.

  • Hallo, möchte mal auf eure Fragen eingehen,

    Also die 25 beim Sielengeschirr bezieht sich immer auf das Einführungsjahr also Einführungsjahr 1925. Grundsätzlich war es beim Militär so das alle Geschirrteile auch sonstigen andere Ausrüstungsgegenstände immer mit dem Einführungsjahr versehen wurden. Also bei Kumten, Sättel, Zaumzeugen oder Brustblättern. z. B Kumt M 30 bedeutet M= Militär 30= Einführungsjahr 1930; oder Sielengeschirr 16 Einführungsjahr 1916; oder Armeesattel 25 = Einführungsjahr 1925 steht ein M vor der Zahl bedeutet das im Militär also Zaumzeug M 60 = Militär Einführungsjahr 1860;

    Das Einführungsjahr bedeutet aber nicht das ältere Teile nicht weiterverwendet wurden sondern sagt ab diesem Einführungsjahr werden nur die entsprechenden Teile neu beschafft.

  • Zur Frage von Zeno,


    Also beim Militär wurden ursprünglich Kumte verwendet wie sie damals im Fuhrwesen üblich waren Z.B. Spitzkumte etc. Ab 1830 wurden die bespannten Truppen beim Militär nach den Erfolgen durch die napoleonischen Kriege als selbständige Einheiten bei der Feldartillerie eingeführt.

    Die steigenden Anforderungen an die Bespannung führte zu einer eigen Entwicklung im Geschirr und Fahrzeug Wesen was den Anforderungen des Militärs entsprach. Schnelligkeit, Universelle Nutzung und niedrige Kosten bei großen Stückzahlen waren die Anforderungen die seitens des Militärs gestellt wurden. Das führte zu einer Entwicklung der Anspannung mit Kumten wie sie heute als englische Kutschkummte bekannt sind. Diese wurden in 3 Größen gefertigt. In den Jahren nach 1860 kam es zur Einführung des sogenannten Stellkumts das in der ursprünglichen Art mit einem Blechpanzer versehen war und in 3 Größen gefertigt wurde wobei nur 2 Größen im Gebrauch waren die Größe 3 war für Ausnahme Pferde vorgesehen. diese Entwicklung wurden im ganzen Kaiserreich bei den entsprechenden Armeen eingeführt. In den Jahren um 1910 kam es zu einer Verbesserung des blechernen Stellkumts und dieses verbesserte Kumt wurde als das sogenannte Ahrend´sche Stellkumt ( Hersteller und Entwickler die Fa. Ahrend in Hamburg ) eingeführt. Dieses bestand ganz aus Leder und hatte den Nachteil des scheuerns in der Nackengegend abgestellt. Diese beiden Stellkumte wurden als Kumt a/A und Kumt n/A ( a=alte A = Art n = neue ) bezeichnet. Bis zum Beginn des 1. WK war geplant alle Einheiten mit dem Kumt n/A auszustatten was durch den Krieg aber nie erfolgte. Aus Kosten und Material Gründen wurde 1915 im Zuge der Umorganisation des Heeres mit dem Ausdrücklichen Veto von Benno von Achenbach 1916 das erste

    Einheitsbrustblatt in einer Größe eingeführt. damit wurde den Anforderungen während des Krieges entsprochen dieses Brustblatt wurde nur noch 1925 also nach dem Kriege abgeändert und dieser Form als Brustblatt 25 bis zum Ende des 2 WK verwendet.


    Zu dem beim Militär verwendeten Leder ist folgendes anzumerken es wurden nur Leder mit sehr hohen Qualitätsansprüchen zugelassen und verwendet. Sie wurden speziell in Bädern mit Holzrinden gefärbt und hatten somit eine eigen Färbung die durch und durch ging so das ein einfärben der Kanten bei der Verarbeitung entfiel. Außerdem durften diese Geschirr-Lederteile nicht gefettet sondern nur mit Lederöl behandelt werden. Säubern mit Kernseife danach trocknen nicht an der Sonne oder Ofen dann mit Küchenpinsel einölen 6 Stunden Öl einziehen und danach mit trockenem Tuch abreiben. es Gab dafür genaue Anleitungen wie beim Militär halt üblich.Verwendet wurde ein Spezielles Lederöl ( Gilgsches Lederöl) das Faß weise eingekauft wurde.


    Im Anhang Bild Stell Kumt a/ A mit Blechpanzer in diesem Bereich konnte es den unterschiedlichen Pferden angepasst werden.



    Maßangaben:


    Größe 1 Höhe 510 mm - 590 mm Breite 240 mm - 280 mm

    Größe 2 Höhe 560mm - 640 mm Breite 250 mm - 300 mm

  • jo ...

    "Diese Stirnjoche mit dem DRGM auf dem Holz und dem Eisenbogen aus T-Eisen gibt es in 5 standardisierten Größen; hauptsächlich der Krieg trieb diese Standardisierung (und Patentierung) voran. Die Sattler konnten die entsprechenden Eisenteile liefern lassen, mit den passenden Schnittmusterbögen die Joche fertig stellen und die Armee bekam einheitliche Stirnjochs je nach bestellter Größe."

    https://kuh-und-oxn-schule.de/…irnjoch_drgm/CIMG2500.JPG

    https://kuh-und-oxn-schule.de/…irnjoch_drgm/CIMG2501.JPG

    https://kuh-und-oxn-schule.de/…rnjoch_drgm1/CIMG6654.JPG

    https://kuh-und-oxn-schule.de/…rnjoch_drgm1/CIMG6650.JPG

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    Jehuda Bacon, *1929, Auschwitz-Überlebender

  • Muß mal nachschauen was ich über Ochsenanspannung in meinen Unterlagen finde

    find ich aber super da ich mich eigentlich nur mit Pferden beschäftigt habe.

    Ochsen wurden nur In der Fußartillerie ( Festungsartillerie) eingesetzt wo es auf Zugkraft und nicht auf Geschwindigkeit ankam.

    Ebenso wurden Kamele und Elefanten als Zugtiere in den Kolonien in Afrika eingesetzt.

  • Ebenso wurden Kamele und Elefanten als Zugtiere in den Kolonien in Afrika eingesetzt.

    auch dort wurden Ochsen angespannt und geritten ...

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  • Die bessere Lederqualität hat sicher 2 Gründe:
    1. Heutige Rinder sind viel intensiver aufgezogen und werden früh geschlachtet. Früher wurden Rinder extensiver aufgezogen, wuchsen und reiften länger und auch die Rassen waren robuster. Das gab auch eine höhere Lederqualität.
    2. Die Gerbverfahren waren andere.

  • ja, sicher Die Rinderhaltung, Alter und Fütterung spielten eine sehr große Rolle

    Lederherstellung früher Grubengerbung mit Rinde ca bis 1 jähr heute Trommelgerbung mit chem. Salzen ca. 3- 6 Wochen

  • Guten Tag Schmolli,

    danke für das Thema,

    anbei ein Bild von 2014 als wir das M16 an einem Feldwagen angespannt hatten.

    Kopfstücke und Aufhalter sind nicht original.

    Bin mir nicht mehr sicher, ob ich das Bild schonmal eingestellt habe. Zur Sicherheit einfach nochmal.

    grüße

    Florian

  • gab es - ähnlich wie bei den Geschirren - auch beim Feldwagen Unterschiede zum normalen Ackerwagen, der ihn "praktischer" gestaltete?

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  • Es gab verschiedene Fahrzeugtypen. Das Bild zeigt vermutlich den Hf1.

    Das Gefährt rollt aufgrund der großen Räder sehr leicht und lässt sich gut fahren. Im Vergleich zu den landwirtschaftlichen Fahrzeugen unserer Gegend ist er jedoch höher.

    Was genau meinst Du mit praktischer?

  • Hallo, tolles Bild bin begeistert


    Also zum Wagen der Wagen im Bild ist ein HF 1 = Heeresfeldwagen 1 wurde ziemlich oft gebaut und war der direkte Nachfolger des
    Packwagens 95 aus dem 1 WK von den

    Heeresfeldwagen gab es folgende Typen: HF1 = leichter Feldwagen; Hf2 = schwerer Feldwagen;Hf3 = kleiner Feldwagen;Hf4 = Gebirgskarren Hf6 = Feldwagen 43; Hf 7 = Stahlfeldwagen; Hf11 = große Feldküche;Hf12 = kleine Feldküche;

    Der HF 1 wurde als Gefechtswagen, Munitionswagen, Schanzzeugwagen, Gerätewagen, Vorratswagen,Verpflegungswagen, Sanitätswagen, Veterinärvorratswagenund Veterinärmittelwagen eingesetzt dazu gab es noch

    folgende Abarten

    Hf1 ungefedert:

    Hf1/11gr.Gefechtswagen;Hf1/12 Pioniergerätewagen;Hf1/13 gr. Fahnenschmiedewagen; Hf1/14 Packwagen mit Feldschmiede;Hf1/15 Packwagen für Sanitätskompanie; Hf1/16 Bäckereigerätewagen;Hf1/18

    Truppensanitätswagen.

    Hf1 gefedert:

    Hf1/1 Nachrichtengeräte, Pioniergeräte, Veterinärvorrats, Vermessungsgeräte, Sanitätsgeräte,Veterinärmittel, Wagen für Brot und Futterempfang und zur Beförderung von Unterkunftsgerät.Hf1/2 Handscheinwerferwagen leicht/mittel; Hf1/3 Handscheinwerferwagen schwer und Hf1/4 Beobachtungswagen


    Der Hf1 war ein sehr vielseitig eingesetzter Wagen, daneben gab es auch noch den HF2 und HF3 und natürlich etliche Wagen anderer Einheiten wie Artillerie, Infanterie und Verwaltungsfahrzeuge, am Ende des Krieges wurde der HF 1 aus Kosten und Materialmangel Gründen durch den EF 40 und Ef 43 ersetzt EF 40 = Ersatzfeldwagen 1940 ; EF 43 = Ersatzfeldwagen 1943


    Zur Frage der Militärfahrzeuge; allgemein Militärfahrzeuge hatten eine von der in der Landwirtschaft bzw. bei den Kutschen angewandten Bauweise vollkommen abweichende Bauart.

    Es gab grundsätzlich folgende Anforderungen die an ein Militärfahrzeug gestellt wurden:

    1. Leichtigkeit der Bewegung; das Fuhrwerk mußte durch eine möglichst geringe Bespannung mit möglichst geringer Kraftanstrengung mit der erforderlichen Zeit auf sehr schlechtem Boden bewegt werden können.

    Die Zugpferde des Militärs durften nicht mehr als 500 bis 600 Pfund pro Pferd fortzuschaffen haben.

    die Räder mußten auf jeder Seite gleich stark belastet werden, wobei die Hinterachse stärker als die Vorderachse.

    Die Konstruktion der Fuhrwerke zur leichten Überwindung der Bewegungswiderstände: dienten zur Lenkung Konstruktionen die beim Militär eingeführt waren,Protzhaken,Protznagel und Reibscheitlenkung.

    das galt grundsätzlich für alle Fahrzeuge beim Militär seit etwa 1830 bis zum Ende des 2 WK. Darauf zurückzuführen ist die grundsätzliche Konstruktion in Vorderwagen (Protze) und Hinterwagen mit allen Abarten wie auch beim Hf1 Lenkung durch Reibnagel hinter der Mitte der Vorderachse.



    Anbei folgend Bilder Hf1 und Sielengeschirr 16 vollständig ( mit Hintergeschirr für Stangenpferde)

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