Historische Distanzfahrten

  • es scheint die Route war viel befahren; es gab Rennen auf dieser Strecke nicht nur für Pferde, sondern auch Fahrräder und Automobile


    die Entfernung zwischen den beiden Städten beträgt etwa 566km, die für die Distanzfahrt/-ritt mit den Pferden angegebenen 744km sind noch eine andere Baustelle ...


    der zitierte Zeitingsartikel:

    https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k9604958t.item


    andere Langstrecken unter anderen auch diese:

    http://www.attelage-patrimoine…-endurance-1903-1905.html

    Finsternis kann keine Finsternis vertreiben. Das gelingt nur dem Licht.
    Hass kann den Hass nicht austreiben. Das gelingt nur der Liebe.
    »Kraft zum Lieben« Rede 1963, Martin Luther King (1929-1968)


    Seebrücke des Bundes:

    https://www.youtube.com/watch?v=YPWxq8Xepzg&feature=youtu.be

  • Zwischen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts (bis vor dem 1. Weltkrieg) fanden eine Reihe von Distanzritten und Distanzfahrten statt mit zum großen Teil überwältigenden Leistungen. So ist z.B. ein Mann 1899 mit seinem Pferd von Saarbrücken bis Rom (1360 Km) in 12 Tagen geritten, ohne das Pferd zu ruinieren



    Im gleichen Jahr fand eine Distanzfahrt von Berlin nach Totis (Ungarn) über ca. 800 Km statt, die vom Schnellsten in nur 5 Tagen zurückgelegt wurden.



    Interessant in diesen Berichten sind die Vorbereitung, die Auswahl des Wagens, die Entscheidung Ein- oder Zweispännig, allein oder mit Groom zu fahren, oder auch die Fütterung unterwegs. Überraschend auch die Schwierigkeiten der Orientierung, der Sprachprobleme (es ging ja auch durch Tschechien und Ungarn).



    Strecke und Haltestationen waren frei wählbar, auch nicht vorher erkundet.



    Ein Herr z.B. hatte sich Pferde aus Kalifornien kommen lassen, die nach wochenlangen Transporten und Quarantänen drei Wochen vor Start in entsprechendem Zustand bei ihm ankamen. Mit solchen Pferden und einer solchen Vorbereitung mußte er bald aufgeben.




    Darüber sind natürlich Berichte verfasst worden, die der Verlag Olms vor ein paar Jahren neu aufgelegt hat.



    1. Philipp Czeipek, "Die Herren-Distanzfahrt Berlin Totis 1899, Georg Olms Verlag Hildesheim, ISBN 3-487-08386-8



    2. C. von Heydebreck, O. von Funcke, Rittmeister Spielberg "Dauerritte 1", Olms Presse 2001, ISB 3-487-08423-6



    Ich habe diese Bücher von Schweizer Forumsfreunden erhalten und in Einem durchgelesen.



    In jedem Falle äußerst lesenswert.



    Eine persönliche Bemerkung zu Distanzfahrten: Mit Freunden hatten wir 1975 eine Distanzfahrt für Vierspänner Starnberg - Savar (ca. 700 Km) ausgeschrieben anläßlich des Jubiläums von SKH Prinz Ludwig und seines Bruders SKH Prinz Rasso von Bayern, die mit 16 Vierspännern im Frühjahr 1945 von ihrem Gestüt Savar vor der Roten Armee nach Leutstetten bei Starnberg geflohen waren. Wir hatten auch Prinz Ludwig als Schirmherren gewonnen.


    Eine der Bedingungen in der Ausschreibung war, dass kein Tross (LKW, SUV etc.) erlaubt war. Alles, was man brauchte oder glaubte zu brauchen, hatte auf dem Wagen mitgenommen zu werden, Natürlich waren Schmiede, Tierärzte,, Futter, Stallungen, Quartiere vorbereitet. Interessanterweise hat sich keiner gemeldet.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Sind euch die Anspannungen aufgefallen?


    Traberanspannung und beim Sieger scheint es so, daß die Gabel einfach aufgelegen hat - kein Bauchgurt, die Stränge setzen offenbar mittig an den Gabelstangen an, kein Ortscheit.


    Wenn diese Anspannungen solche Leistungen erlaubt haben, frage ich mich, warum sie heute in Vergessenheit geraten sind.


    Die Ardennerin

  • Finsternis kann keine Finsternis vertreiben. Das gelingt nur dem Licht.
    Hass kann den Hass nicht austreiben. Das gelingt nur der Liebe.
    »Kraft zum Lieben« Rede 1963, Martin Luther King (1929-1968)


    Seebrücke des Bundes:

    https://www.youtube.com/watch?v=YPWxq8Xepzg&feature=youtu.be

  • andere Langstrecken unter anderen auch diese:

    http://www.attelage-patrimoine…-endurance-1903-1905.html

    Der Sinn der damaligen Gewalts-Ritte / - Fahrten hat auch schon damals zwiespältige Reaktionen hervorgerufen (bei Reitern wie bei Zuschauern). Damals waren bei diesen, vorwiegend militärischen Demonstrationen, noch keine Ruhepausen oder Tierarzt-Kontrollen vorgeschrieben oder vorgesehen!


    Kurzübersetzung vom ersten Bericht von 1902:

    Beim Ritt Brüssel - Ostende fällt die Bilanz katastrophal aus: 59 Pferde starten, mehr als 20 Pferde sterben! Die restlichen sind derart erschöpft, dass sie sich weigern weiter zu laufen "trotz Schlägen und Injektionen von Koffein und Äther" !!


    Passend dazu noch ein Auszug aus einer österreichischen Publikation (Vet. Med. Austria 2006):

    Der österreichisch-ungarische Offiziersreiterverein definierte Distanzritte 1908 wie folgt: „Die Distanzritte sind als reitsportliche Übungen gedacht, sie sollen nicht den Charakter von Prüfungen der äußersten Leistungsfähigkeit von Reiter und Pferd tragen und dürfen daher auch nicht bis zur Erschöpfung der Pferdekräfte durchgeführt werden.“ (ANONYM, 1908).Trotzdem kam es immer wieder zu zahlreichen Ausfällen.

    - Beim Ritt Wien-Berlin-Wien 1892 starben 3 Pferde (alle Siegerpferde!), 3 mussten erschossen werden, das sind insgesamt 9 %.

    - Beim Rennen Dresden-Leipzig 1895 starb ein Drittel der Pferde.

    - Beim französischen Distanzritt Petite Gironde 1899 fielen die Hälfte der 33 Starter aus.

    - Beim Ritt Lyon-Aix-les-Bains 1905 starteten 47 Reiter, 23 fielen aus, 4 Pferde starben.

    etc.


    renatus

  • Die von Renatus genannten Ausfallzahlen sind natürlich schockierend. Dabei gab es durchaus am Ende solcher Distanzritte/-Fahrten noch "Fitnesprüfungen". So musste auf dem Ritt Wien - Berlin (720 Km) jeder Reiter mit seinem Pferd noch ein oder zwei Runden auf der Rennbahn Hoppegarten absolvieren (natürlich ohne Beanstandungen), um in die Wertung zu kommen.


    Der ursprüngliche Sinn war jedoch, zumindest bis zur Jahrhundertwende 1900 durchaus ein militärischer und kein sportlicher: Man wollte wirklich Mensch und Tier an ihre Leistungsgrenzen bringen. (Es wurden ja zunächst auch nur Mitglieder der jeweiligen Offizierscorps zugelassen.)


    Dass die Meisten das heute anders sehen, ist sicher gut, aber natürlich der heutigen Sichtweise geschuldet.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • wenn heut der (sportliche) Ehrgeiz überhand nimmt gibt es auch jede Menge Opfer, vielleicht weniger offensichtlich aber wenn man hinsieht ist es so;

    ob Beruhigungsmittel zum Einfahren, kaputte Gelenke beim 5 jährigen Springpferd, kaputte Seelen die "unreitbar" andere "Profis" herausfordern ...


    und trotzdem scheint gerade bei diesem Rennen (Bordeaux - Paris) einiges anders gelaufen zu sein:

    vorgeschriebene Ruhezeiten, Tierschutz-Beauftragte von der Rennleitung mit Rädern und Automobilen(!) entlang der ausgewiesenen Strecke, Tierärzte zum regelmäßigen Check, angewiesene Hufschmiede etc.

    zudem, nicht jedes Pferd was das Rennen nicht beendet scheidet wegen Tod/Verletzung/Kolik aus; das kann auch eine Disqualifikation aus anderen Gründen sein, nein, nicht nur Betrug, manchmal einfach hoffnungslos verfahren oder Reiter/Fahrer krank oder Kutsche/Sulky kaputt ...

    Finsternis kann keine Finsternis vertreiben. Das gelingt nur dem Licht.
    Hass kann den Hass nicht austreiben. Das gelingt nur der Liebe.
    »Kraft zum Lieben« Rede 1963, Martin Luther King (1929-1968)


    Seebrücke des Bundes:

    https://www.youtube.com/watch?v=YPWxq8Xepzg&feature=youtu.be

  • Dass die Meisten das heute anders sehen, ist sicher gut, aber natürlich der heutigen Sichtweise geschuldet.

    Ich gehe davon aus, daß es auch damals, selbst vor der Jahrhundertwende Menschen gegeben hat, die solche Geschehnisse, vielleicht als s.g. Randbeobachter - selbst wenn sie keine besonders geprägten Pferdemenschen waren, vielleicht aber mit einem gesunden Menschenverstand beobachtet und bewertet haben, und der Gedanke an Tierschutz im Sinne von einer zumutbaren Belastbarkeit für das Wesen "Pferd" einzuschätzen im Stande waren.

    Der heute von bestimmten Kreisen oft ausgelegte Tierschutz "im Sinne von einer quasi nicht Nutzung und nicht Verwendung von Tieren zu Reit- und Spannzwecken" entspringt ja einem Geiste, welcher die Entwicklung der Menschheitsgeschichte anscheinend nicht mehr mit der genannten Nutz- und Verwendung dieser Tiere über viele Jahrhunderte und Jahrtausende in Verbindung zu bringen vermag, dies auch gar nicht will, da ja ganz andere Interessen im "Nebenvorderhintergrund" zu stehen scheinen.

    Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen
    :D


    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


    Bewahren von Traditionen ist nicht das Anbeten von Asche, sondern die weitergabe des Feuer's
    (frei nach Gustav Mahler)

  • Auch bei der Wehrmacht gab es vor dem Krieg noch zahlreiche Strecken-Marathonfahrten. Die Anforderungen sahen Fahrten vor mit einer Belastung von 50 bis 90 Zentner über Strecken von 12, 30, und 60 Kilometern innerhalb eines Tages. Auch gab es sogenannte Wagenprüfungen = Gebrauchsprüfungen für Wagenpferde die in drei Tagen über 150 km zurückzulegen hatten.