Alle reden von "Struktur" - und ich weiß nicht, was es ist

  • Ich bitte um Aufklärung.


    Was genau versteht man unter "Struktur"?

    Bisher habe ich geglaubt, die Halmlänge hätte damit zu tun.Nun bin ich darauf hingewiesen worden, daß es kurzhalmige Gräser mit viel "Struktur" und längere mit eher wenig gäbe.

    Also, was zum T.... ist es denn?


    Danke!


    Die Ardennerin

  • Ich bin leider nicht vom "Fach", das Thema scheint relativ komplex zu sein. Hier ein Auszug aus einem Fachartikel:


    "Unter Berücksichtigung der Greening-Erfordernisse in Bezug auf die Saatgutmischung (mindestens zwei Mischungspartner, maximal 60 % Samenanteil einer Art), liefern vor allem Kleegrasmischungen im Sommerzwischenfruchtanbau noch einen wertvollen und ertragreichen Futteraufwuchs. Als Graspartner hat sich Einjähriges Weidelgras bewährt, es liefert die höchsten Erträge. Bei den speziell für diesen Zwischenfruchtanbau geprüf-ten Sorten kann je nach Verwendungszweck der Mischung zwischen den früh schossenden, Struktur liefernden und den spät schossenden energiereicheren Typen unterschieden werden. Von den Kleearten eignen sich besonders Alexandrinerklee und Perserklee zur Zumischung, um den Energie und Proteingehalt im Aufwuchs zu verbessern."


    Der Link zum ganzen Artikel:

    http://www.riswick.de/versuche…t_zwischenfruchtanbeu.htm


    Schwere Lektüre, hier hab ich noch einen:

    "Auf dem Gräsermarkt finden sich seit einiger Zeit aber auch Mischungskonzeptionen, die unter der Bezeichnung „Strukturmischungen“ firmieren. Derartige Mischungen werden von den Anbietern dann empfohlen, wenn die Futterration sehr Mais betont ist. Als zusätzliche Mischungspartner sind in der Saatgutware beispielsweise Rohrschwingel, Festulolium, Welches Weidelgras oder frühe Sorten des Deutschen Weidelgrases zu finden. Es muss für diese Mischungen einzelbetrieblich entschieden werden, ob und zu welchen Flächenanteilen sie im Betrieb sinnvoll sind."


    Link zum ganzen Artikel:

    https://www.lwk-niedersachsen.…av/278/article/30442.html


    renatus

    Einmal editiert, zuletzt von renatus ()

  • Ich antworte mir 'mal selbst, weil ich zumindest zum Strukturfutter von Rindvieh etwas gefunden habe.

    Da will offenbar der Magen ein wenig gepiekst werden, damit es den Tieren gut geht. Schön sachlich ist das dann in

    http://www.zwseewaldt.net/Seiten/strukturwert.html beschrieben.


    Eine Ableitung fürs Pferd und sein vom Wiederkäuer unterschiedlichen Verdauungssystem suche ich immer noch vergebens. Möglicherweise gilt aber auch hier:


    "Unter Struktur, versteht man allgemein eine mechanisch wirksame Eigenschaft eines Futtermittels. Diese Eigenschaft beruht auf der Partikellänge sowie der Partikelhärte, beeinflusst durch natürliche und Erntetechnik abhängige Faktoren des Futtermittels."

    (Quelle: s. o.)


    Und vielleicht hat es auch für Pferde Fütterungsversuche gegeben, aus denen hervorging, wie denn die Struktur eines Futtermittels beschaffen sein sollte, um optimal verdaulich zu sein. Ansonsten wäre der Begriff ja nichts als eine hohle Phrase ohne praktische Anwendbarkeit.


    Die Ardennerin


  • Ganz ehrlich habe ich mir um das Wort "Struktur" noch nie Gedanken gemacht. Ich würde es aber mit "hohem Rohfaseranteil" gleich setzen und den benötigt ein Pferd eben, damit die Verdauung glatt läuft.


    Das fängt schon im Maul an. Rohfaserreiches Futter wird gut eingespeichelt und lange gekaut. Ist es dann im Magen angelangt kann es die Magensäure gut puffern, die ein Pferd nun mal permanent produziert. Da der Magen nur im unteren Teil mit Schleimhaut ausgekleidet ist, die gut mit der Magensäure zurecht kommt, ist es wichtig, dass genügend rohfaserreiches Futter die Magensäure weiter transportieren kann. Das Pferd als Steppentier ist eben darauf ausgelegt, Futter mit hohem Rohfaseranteil aufzunehmen und zu verdauen.


    http://www.pferdemedizin-osteopathie-weber.de/wissensportal in den Artikeln ist die Verdauung des Pferdes ganz gut erklärt.

  • Hatte ich vorher auch nicht - bis ich mich in eine Diskussion habe verstricken lassen und meine klaffende Wissenslücke entdeckte. Umso erstaunter war ich bei meinen Nachforschungen, daß es dazu wenig Konkretes gibt. So etwas ist dann nichts als Werbeprosa und ich wollte mich gegen entsprechende Einflüsterungen wappnen:-;


    Google mal zum Spaß - seitenweise Werbung...


    Die Ardennerin

  • Google mal zum Spaß

    Hatte ich auch schon mal, hab aber - wie viele andere hier anscheinend auch - nicht's wirklich zufriedenstellendes, diese Thema hier bezüglich gefunden.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Struktur


    Struktur (von lateinisch strūctūra ‚Zusammenfügung‘, ‚Bauart‘, ‚Sinngefüge‘) steht für:

    in zusammengesetzter Form:


    • von daher: sucht euch was passendes raus ... ;)

    Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen
    :D


    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


    Bewahren von Traditionen ist nicht das Anbeten von Asche, sondern die weitergabe des Feuer's
    (frei nach Gustav Mahler)

  • Man findet sehr viele Infos über Struktur, Rohfaser und "Strukturwirksamkeit", in Artikeln zur Milchviehfütterung. (Ich muss mich aktuell mit diesem Thema auseinander setzen, weil wir aufgrund von Futtermangel unsere Fütterung für diesen Winter umstellen müssen und unsere Rinder mit Maissilage zufüttern.) Dort lese ich so ganz grob heraus, dass Struktur NICHT nur den unverdaulichen Anteil einer Pflanze meint (das habe ich bisher nämlich geglaubt), sondern auch die Länge und Härte der Halme. Wichtig ist vor allem die Förderung der Kautätigkeit und der Muskelkontraktion (im Pansen) und die Bindung der dort vorhandenen Säuren. Ich denke, es gibt gewisse Parallelen zum Pferd. Struktur verlangsamt auch den "Durchfluss" und sättigt damit nachhaltiger, bei relativ geringer Energiedichte.

    "An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter." (Konfuzius)

  • Wichtig ist vor allem die Förderung der Kautätigkeit und der Muskelkontraktion (im Pansen) und die Bindung der dort vorhandenen Säuren. Ich denke, es gibt gewisse Parallelen zum Pferd. Struktur verlangsamt auch den "Durchfluss" und sättigt damit nachhaltiger, bei relativ geringer Energiedichte.

    Also: überwiegend Halme - Heu / Grummet und Stroh, ...

    Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen
    :D


    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


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    (frei nach Gustav Mahler)

  • Hippo-Sohle


    Willst Du etwa unter die Wissenschaftlicher gehen:-)))))?

    Leider habe ich wieder viel zu schlampig formuliert - ich meinte so etwas wie "Struktur Pferdefutter" oder "Pferdeernährung Struktur". Da kommen die Einträge mit der nichtssagenden Werbung. Entschuldigung - duckundweg.


    Shettyfreak

    Ich habe den Verdacht, die Pferdeleute haben sich der Einfachheit halber an die Rinderspezialisten angehängt. Dort gibt es handfeste Fütterungsversuche und auch Maßzahlen, die dem Halter helfen, den Strukturwert in der Rationsplanung zu berücksichtigen. Schau mal in meinen Link in Beitrag Nr. 5. Da erfährst Du wesentlich mehr.


    Die Ardennerin

  • Willst Du etwa unter die Wissenschaftlicher gehen:-)))))?

    Keineswegs ...

    Leider habe ich wieder viel zu schlampig formuliert - ich meinte so etwas wie "Struktur Pferdefutter" oder "Pferdeernährung Struktur".

    Wieso ?

    Hier ist doch wohl allen klar, worum es im Grunde geht: "Pflanzenfresser-Futter"

    Da kommen die Einträge mit der nichtssagenden Werbung.

    Genau.

    "nichts sagend ..."

    Und alle reden davon und darüber ... ???


    Kaltblutpower.
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    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


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    (frei nach Gustav Mahler)

  • So wie ich mich grade schnell quer eingelesen habe, verstehe ich Struktur so:

    Struktur ist die Beschaffenheit des Futters. Es gibt feinstrukturiertes Futter wie frisches Weidegras und Silage und welches mit grober Struktur wie Stroh und Luzernehäcksel und dazwischen logischerweise auch, irgendwo ist ja auch das Heu. Jetzt bezeichnet man das Grobe als strukturreich und das feine als strukturarm. Wenn man jetzt einem Müsli ein paar grobe Gras- oder Luzernehalme dazugibt, nennt man das danach Strukturmüsli, weil es reicher an grober Struktur ist. Und jenes tut der Verdauung gut, weil es durch vermertes Kauen den Speichelfluss anregt und durch schwerere Verdaubarkeit in Magen und Darm den ganzen Mist "auflockert", also vergleichbar mit den Ballaststoffen beim Menschen? Zumindest wäre das eine schlüssige Erklärung für mich.

  • Sehr schön erklärt wird das Zusammenspiel der verschiedenen Futterkomponenten und die Aufgaben der Darmteile hier:

    https://www.dr-susanne-weyrauc…die-verdauung-des-pferdes


    Übrigens gibt es eine Studie zum Thema Fressverhalten von verschiedenen Rassen ( ich suche das Link nachher mal raus ;-) )

    dabei zeigte sich, dass tatsächlich die Anzahl der Kauschläge - unabhängig vom Futter- direkt mit dem Sättigungsgefühl zusammen hängt .

    Einmal editiert, zuletzt von pauline ()