Fütterung Jungpferd, welches Kraftfutter, welches Mineralfutter?

  • Zwei Monate früher als üblich mussten wir aufgrund der Dürre nun beginnen, unsere Pferde beizufüttern. Derzeit bekommen sie gutes Haferstroh zur Weide. Mit der Heufütterung möchte ich noch nicht beginnen, denn ich denke, sie brauchen es noch nicht. Auf der großen Weide wächst jetzt wieder ein wenig weiches Herbstgras. Aber ich hatte das Gefühl, die Pferde werden davon einfach nicht mehr satt, weil da der Rohfaseranteil wahrscheinlich sehr gering ist.

    Um den Energiegehalt ein wenig aufzustocken, möchte ich meinem 4jährigen Araber ein Kraftfutter anbieten. Er ist bei Zusatzfutter sehr nörgelig. Ich habe ihm mal testweise eine Handvoll Rindermastfutter in Pelletform gegeben, Da fährt er voll drauf ab! Kann ich das vielleicht weiter füttern? Er wird noch nicht gearbeitet und läuft nur mit den Kumpels auf der großen, steilen Wiese. Ab und zu muss er mal spazieren gehen.

    Welches Futter könnt Ihr empfehlen für solch ein Modell? Ich will ihn nicht fett und nicht heiß füttern, er soll nur so bleiben wie er ist und nicht abnehmen, wenn der Energiegehalt auf der Wiese nun langsam nachlässt.

    Und welches Mineralfutter hat Euch überzeugt? Was haltet Ihr von den Brikets von Salvana oder Derby?

    "An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter." (Konfuzius)

  • Nur ein paar Überlegungen ohne Anspruch auf vollständige Behandlung des Problems.


    "Satt" bzw eben nicht könnte a) vom Energiegehalt des Futters und b) von der Rohfasermenge abhängen.

    Ggfs. denke einmal über das Thema Energie nach - Rohfaser fütterst Du ja über das Stroh (Höchstmenge beachten!) und natürlich auch über das Gras. Je nach Alter und Härte findest Du dort eher Zellulose oder Lignine vor. Rohfaser ist beides.


    Wenn Du Energie zuführen möchtest, kannst Du - neben den üblichen Mischfuttermitteln - auch an den Einsatz von Getreide (Hafer!) denken. Auch Öle (hochwertiges Leinöl beispielsweise) liefern große Energiemengen, müssen aber angepaßt und langsam zugegeben werden, damit sich das Verdauungssystem anpassen kann. Nicht unerhebliche Energiemengen sitzen im Saftfutter (Möhren, besser: Futterrüben, Rote Beete, Äpfel). Da gilt es auf die Mengen aufzupassen, damit das Verdauungssystem mit den (kürzerkettigen) Kohlehydraten zurechtkommt. Saftfutter wirkt durch den hohen Wasseranteil schützend gegen Koliken. Die Akzeptanz ist i. d. R. hoch:-;


    Pellets haben den Vorteil, daß sie gut zu lagern und zu dosieren sind. Sie werden hinsichtlich des Fütterungszwecks ("Mast von Rindern") optimiert. Natürlich mußt Du alleine entscheiden, was Du zugibst - vielleicht hilft Dir weiter, wenn Du die Analysewerte und Inhaltsstoffe auf dem Sack vergleichst mit Pferdefuttermischungen (wenn Du daran denken solltest) oder eben Getreiden, etc.


    Was Du mittels Mineralfutter ergänzen solltest, hängt von Deiner Ration ab - müsli- und getreidebetonte Rationen verlangen nach einer anderen Supplementierung als eine Raufutterration. Die Idee der Mineralfutter ist, das in der Ration fehlende zu ersetzen - und das, was fehlt, ist eben davon abhängig, was Du fütterst. Du wirst selber wissen, daß es eine Unzahl an verschiedenen Sorten in unterschiedlichen Preislagen und Qualitäten gibt. Ggfs. könntest Du Dich bei Interesse über die Bioverfügbarkeit der einzelnen Inhaltsstoffe informieren.


    HTH

    Die Ardennerin

  • Hafer rührt er nicht an, sonst wäre das mein Futter der Wahl!

    Was ist denn von Reformhafer zu halten?

    Mein erster Gedanke war auch Hafer, aber wenn er's nicht mag, ist das wohl hinfällig.


    Reformhafer ist nichts anderes als melassierter Hafer und wird dadurch, dass er süß schmeckt eigentlich gut gefressen (ich kenne kein Pferd, was den nicht anrührt). Um Medikamente ins Pferd zu bekommen, finde ich es in Ordnung, für alles andere eher nicht. Ich mache um melassiertes Mischfutter einen Bogen ( ich bin da nicht päpstlicher als der Papst, wenn im Mineralfutter Melasse drin ist, ist das eben so, in den kleinen Mengen stört mich das nicht), um Reformhafer genauso. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden.


    Futtertip hab ich leider keinen, bis jetzt hatte ich mit Hafer nie ein Problem.


    Zum Mineralfutter: das würde ich auch davon abhängig machen, was es jetzt für ein Kraftfutter wird und wieviel. Die Briketts von Salvana hatte ich 1x und werde sie nicht nochmal kaufen. Sie sind riesig mit entsprechend viel Füllmaterial und dafür dass man von dem 25kg nicht lange hat, sind sie mir zu teuer. Aber gefressen wurden sie von allen dreien.

  • Ggf. kann ich Reformhafer mit normalem Hafer mischen, vielleicht schmeckt es dann besser....

    Schwarzen Hafer kenne ich nicht....

    "An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter." (Konfuzius)

  • Unsere bekommen bei wenig oder keiner Arbeit, entweder nur Mineralfutter oder maximal eine kleine Handvoll Dinkelspelz.

    Ohne Arbeit ist Kraftfutter eigentlich nicht nötig. Das wichtigste ist ganzjährig Mineralfutter.


    Grüße Angelika

  • Schwarzer Hafer wird gerne im Rennbetrieb gefüttert, ihm wird ein höherer Energiegehalt nachgesagt.


    Als ich 1984 meine erste Reise mit der Road-Coach von München nach Verona machte, hatte man uns (gutgemeint) in Malcensine am Gardasee schwarzen Hafer als Kraftfutter bereitgestellt. Bis dahin kannte ich den noch garnicht und war geschockt, dass man uns einen Sack Mutterkorn als Futter hingestellt hatte.


    Es hat sich dann schnell aufgeklärt.


    A. Nemitz

    A. Nemitz

  • Bis dahin kannte ich den noch garnicht und war geschockt, dass man uns einen Sack Mutterkorn als Futter hingestellt hatte.


    Es hat sich dann schnell aufgeklärt.


    A. Nemitz

    :tongue:

    Leider glaube ich nicht, dass schwarzer Hafer meinem arabischen Prinzchen mehr munden wird, als der hier übliche.

    butterfly123 : er ist halt im Körperaufbau und braucht einfach noch ein bisschen mehr. Meine Ponys bekommen ohne Arbeit auch nichts an Zusatzfuttter und sind trotzdem kugelrund. Aber das ist halt ein Jungspund, der noch etwas aufzuholen hat. Sonst pflichte ich dir bei!

    Natürlich, ich weiß selbst, am besten wäre es, ihm ad lib. Heu anzubieten, oder gute Silage. Aber das kann ich nur dann machen, wenn ich ihn von den anderen trenne. Das macht derzeit auch keinen Sinn. Im Winter werde ich die Wüstenrenner stundenweise von den adipositas- Gefährdeten trennen und dann bekommen die zusätzlich zu Heu- Strohgemisch noch Maissilage.

    Ich füge mal ein Foto an, vom April diesen Jahres. Da war er mit guter Grassilage, All-You-Can-Eat durch den Winter gegangen, ohne Kraftfutter. Ich denke, als 4jähriger muss er nicht so mager werden. Jetzt sieht er viel besser aus, aber der Sommer raubt halt auch weniger Energie.



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    Edited once, last by Shettyfreak ().

  • Hafer rührt er nicht an, sonst wäre das mein Futter der Wahl!

    Wenn das so ist, könntest Du testweise Haferflocken versuchen. Vollwertige. Ggfs. angefeuchtet - als kaltes Porridge. Dann wüßtest Du, ob es am Hafergeschmack oder an der Darreichungsform liegt und kommst weiter.


    Die Ardennerin


    PS. Wegen des Schwarzhafers muß ich noch einmal schauen, aber ich meine mich zu erinnern, daß er sich nicht wesentlich im Nährwert von anderen Hafersorten unterscheidet.

  • Habe ich versucht mit Haferflocken, Ardennerin , die kernigen, vom Aldi....es liegt einfach daran, dass ihm das nicht besonders gut schmeckt. Aber selbst mein Mérens lehnt dauerhaft Hafer ab und der frisst wirklich gut und ist nicht wählerisch. Bei allen Pferden habe ich die Erfahrung gemacht, dass Hafer dauerhaft nicht gut angenommen wird, es sei denn, man mischt mit Möhren oder Äpfeln und bereitet ein Müsli. Bei diesem Tierchen bin ich überzeugt, dass er sortieren würde, wenn ich klein geschnittene Möhren und Äpfel untermische. Er frisst auch keine Luzerne, weder als Cobs, noch als Häcksel. Ich habe eine mir bekannte Trabrennfahrerin gefragt, Traber sind ja auch oft wählerisch. Sie gab mir einen Tipp, ich kaufte und wurde enttäuscht. Das waren auch Pellets, mochte er nicht!

    Er wird bestimmt dieses Müsli- Zeugs mögen. Aber ehrlich, da fühle ich mich irgendwie betrogen. Das ist super teuer und wenn ich mir die Inhaltsstoffe ansehe, sind es alles nur Spelze, Melasse und Kräuterstaub- Beimengungen als Lockstoff...

    "An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter." (Konfuzius)

  • Die Biester bringen einen noch zur Verzweiflung:-;


    Wenn Du nach einem Mineralfutter mit hoher Akzeptanz suchst (Schwerpunkt Rauhfutter-Supplementierung) habe ich eine Empfehlung: Mneral Plus Bigs von Natural Horse Care. Natürlich auch nicht preiswert, aber zumindest kannst Du eine Futterprobe bestellen und schauen, ob es mundet.

    Ach so, nix mit Beimengungen billiger Füllstoffe...


    Die Ardennerin

  • Mit Blütern habe ich keine Erfahrung, aber so rein aus dem Bauch und aus Erzählungen von Blüter-Besitzern würde ich meinen, dass ihr Bedarf an Eiweiß und Kohlenhydraten im Verhältnis zur Strukturmenge höher ist - mit anderen Worten: in der Gesamtmenge weniger aber gehaltvolleres Futter als Robustponys.

    Ich meine zu wissen, dass Araber in ihrer Heimat hauptsächlich mit Luzerneheu gefüttert werden...


    Auf dem Frühjahrsbild sehe ich ein Pferd, dass zwar nicht mager aber schlecht bemuskelt ist und jünger als 3 wirkt, das lässt mich an Eiweismangel und vielleicht auch ein bisschen zu wenig Mineral denken...

    Seine Lust auf Bullenschrot scheint das gleiche zu sagen ;-)


    Zum Hafer: warum mag er ihn nicht? Hast Du es mit ganzem oder Quetschhafer versucht?

    Manche meiner Jungpferde sind sehr misstrauisch, was neue Futtersorten angeht - man muss sie ihnen langsam schmackhaft machen ( andere stürzen sich sofort blind auf alles :-D )

    Vielleicht solltest Du das Schrot mit Hafer mischen, so dass er Geschmack daran findet?

    ich selbst füttere - wenn überhaupt - Quetschhafer: er ist schneller lecker , verlockender im Duft wird vollständiger verdaut - ich will ja nicht die Spatzen füttern ;-)

    Eine Mischung mit Äpfeln und Möhren wird auch gerne genommen.

    Unterm Strich gibt es für Pferde mE nichts besseres als Hafer.


    Zum Mineral: die Briketts sind sehr praktisch im Sommer auf der Weide, im Winter - wenn es sowieso Eimerfutter gibt- nehme ich lieber pelletiertes Mineral, das ist günstiger und gehaltvoller.

  • Ich werde also unter ein wenig Bullenmastfutter mal schleichend Hafer untermischen. Ich werde mich wahrscheinlich aber für Walzhafer entscheiden, denn ich hatte bisher das Gefühl, dass wenn schon Hafer, dann dieser! Mal sehen, wo da seine Toleranzgrenze liegt.

    pauline , wegen des Gesamtzustandes dieses Pferdes muss ich erwähnen, dass wir ihn aus sehr suboptimaler Haltung gekauft haben. Zum Zeitpunkt des Fotos war er 5 Monate bei uns. Er stand zuvor nur in der Box mit Tiefstreu. Er hatte hinten schon den Ansatz zu Bockhufen entwickelt. Da sich das bei uns in den folgenden Monaten von ganz alleine besserte, gehe ich davon aus, dass er als Jungpferd durchaus angemessen gehalten worden war, er kannte auch Zäune und war sehr besonnen. Aber der Zustand der Hufe sprach schon deutlich dafür, dass diese Boxenhaltung über mehrere Monate so praktiziert worden war. Ich denke nicht, dass er den Sommer letzten Jahres mal auf der Wese gestanden hat. Dadurch hat er natürlich enormen Nachholbedarf, wie sollte er auch beim eingesperrt sein Muskeln aufbauen?! Ich hatte genau wie du den Eindruck, der ist höchstens 2,5 Jahre alt, aber unsere Pferdezahnärztin bestätigte mir das Alter, dass im E- Pass steht.

    Danke Ardennerin für den Tipp mit den Bricks! Ich liebe diese Verabreichungsform, das ist so schön einfach, ich werde das ausprobieren. Bisher hatte ich Marstall Force ohne Getreidezusatz. Er mochte es natürlich nicht, war ja klar.... aber alle andere haben es gefressen, sogar pur.

    "An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter." (Konfuzius)

  • butterfly123 :Laut meinem Buch: 'Was der Stallmeister noch wusste', wird Gerste den Pferden im Orient als Haupt(kraftfutter)mittel gegeben.... Da gibt es ein Zitat: "So viele Körner Gerste du deinem Pferde gibst, so viele Sünden werden dir vergeben." ..... ja dann....! :S

    Da steht aber auch, dass "die hiesigen Gerstensorten extrem hartschalig sind und kaum verdaut werden, wenn man sie nicht grob schrotet oder einweicht. Und auch in Bezug auf Nährwert und Bekömmlichkeit sind andere Futtermittel eindeutig vorzuziehen." Aber du hattest ja geschrieben, dass du gequetschte Gerste verfütterst, das Problem ist also gelöst!

    Habe ich aber noch nie ausprobiert....schmeckt das denn so viel besser als Hafer?

    Was haltet ihr eigentlich von Treber und Bierhefe?

    "An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter." (Konfuzius)

  • Auf dem Bild sieht für mich der Araber überhaupt nicht mager aus. Man erkennt keine einzige Rippe. Die meisten Pferde sind massiv zu fett gefüttert und wir sind uns schlanke Pferde kaum mehr gewohnt. Wenn er auf dem Bild 3jg ist, dann braucht er eben noch etwas Zeit um sich zu entwickeln und ist eben noch komplett unbemuskelt was bei gewissen Gruppen von Araber sie so aussehen lässt, als ob sie noch 2jg Fohlen sind.

    Araber sin so anfällig auf Hufrehe und Co wie Ponys und haben bei falscher Fütterung auch schnell mal Ekzem.

    Ich würde ihm ein gutes Mineralfutter geben wie z.B diese von Iwest (ich finde halt Iwest gut) sowie genug Heu/Gras und würde ihm keine anderen Zusätze wie Hafer und Co geben.

  • Hallo


    Ich bin da völig der Meinung mit Mikado. ich habe mir das auch sofort gedacht als wir das Bild von dem Araber sah. Meine Frau meinte auch sofort das der auf keinen Fall zu dün sei.


    Meine Ta auch Araberliebhaber sagte mir, zur Jungpferdefüterung auf keinen Fall Körnerfutter kein Hafer,Gerste Müsli oder sonstiges. Gutes Mineral futter und Heu.


    Aber so jung ist er ja auch nicht mehr.


    LG Manuel

    Zitat Ralf Zauner: " Kannst Du schon mit Pferden arbeiten?



    Oder musst Du noch Traktor fahren?"

    (11.09.1965-22.10.2015)


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