Alternativen zum Einsatz von Heu (z. B. in Zeiten der Futterknappheit)

  • Ich möchte mit diesem Thread eine Diskussion über die Möglichkeiten anregen, sich der Heuknappheit und möglicherweise auch einer verminderten Heuqualität durch kluge Gestaltung der Futterration anzupassen. Ich beginne mit einem Vorschlag.


    Teilersatz durch Futterstroh


    Einsatz von (Weizen-)Stroh bis zu 0,8 kg/100 kg LM


    S. dazu auch Landwirtschaftskammer Rheinland: "Mit Stroh Futterkosten sparen?"

    https://www.landwirtschaftskam…ng/stroh-futterkosten.htm


    Die Ardennerin

  • Toller Beitrag, dankeschön!

    Wir haben dieses Jahr Weizenstroh (Hafer gab es dieses Jahr nicht in der Nähe, wir sind hier eine "stroharme" Region) zugekauft. Es sollte eigentlich der Einstreu dienen, aber es wird wohl eher in der Raufe landen und wir müssen uns als Einstreu andere Alternativen einfallen lassen, z.B. Kompost oder eben Späne...

    Aber ich habe immer folgende Bedenken: Weizen ist wohl oft mit Mehltau befallen, das macht gerne eine Allergische Reaktion bei Pferden. Und wenn nicht...? Dann ist das wahrscheinlich stark gespritzt. Das ist sowieso ein grundsätzliches Problem bei Stroh, die Chemikalien.

    "An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter." (Konfuzius)

    Einmal editiert, zuletzt von Shettyfreak ()

  • Toller Beitrag, dankeschön!


    Weizen ist wohl oft mit Mehltau befallen, das macht gerne eine Allergische Reaktion bei Pferden. Und wenn nicht...? Dann ist das wahrscheinlich stark gespritzt. Das ist sowieso ein grundsätzliches Problem bei Stroh, die Chemikalien.

    Der Mehltau macht meines Wissens keine allergischen Reaktionen , es ist eher das Fungizid das dagegen eingesetzt wird .

    Es kommt immer darauf an von WEM du das Stroh gekauft hast , ist es ein Ackerbauer ( der vom Ackerbau lebt ) der auf zack ist , dann kannst du davon ausgehen dass da maximale Rückstände von Herbi - Fungi - Insekti -zide und , was wichtig ist Wachstumsregulierer wie etwa CCC oder andere drin sind .

    Deshalb wäre gut wenn man darauf achtet dass man das Stroh eher von den "schlechteren" Bauern kauft , sofern man das beurteilen kann . (wenn z B Quecke im Stroh ist , das wäre ein gutes Zeichen für ackerbauliche Schlamperei , aber eben ein Zeichen dass der nur das nötigste macht , und das nicht gescheit -------> kaufen ! )

    Ich für meinen Teil richte für meine Zuchtstuten und Aufzuchtpferde immer extra ´ W G Stroh zur Seite , dieses Getreide spritze ich nur mit Minimalaufwand und auf keinen Fall mit Wachstumsverzögerern , normal nur einmal Herbizid , kein Fungizid .

    Ganz schlimm finde ich Bestände , vor allem bei Weizen , die nicht mal kniehoch sind , dann Finger weg !

  • Hallo,


    wir haben zum Glück dieses Jahr eine sehr gute Heuernte gehabt... Den 2. Schnitt kann man auch füttern, muss aber wissen dass dieser deutlich energiereicher und raufaserärmer ist - je nachdem, wie hoch das Gras beim Schnitt war. Meistens wird daher mit Stroh gemischt.


    Gruß Tina

  • Füttert jemand den 2. Schnitt (Grummet, Ehmer , Öhmd ??) an Pferde ?


    A. Nemitz

    Ob da jetzt meine Antwort gefragt ist Herr Nemitz ? Ich takkers einfach hin , man muss es ja nicht annehmen .



    Aber natürlich ! Wobei man natürlich differenzieren muss . Hab ich ein sehr jung gemähtes Grummet , das kann ich einem normalen Reit oder Fahrpferd nur dazufüttern , da wird dann einfach das Eiweiß zu viel in der Ration .


    Hab ich hingegen eine Zuchstute oder ein Aufzuchtpferd , das entweder Milch oder Fleisch produzieren muss dann kann ich das bedenkenlos füttern , muss aber ggf mein Kraftfutter (den Eiweißträger davon ) anpassen .


    Bei uns zuhause schaut man dass man etwas später das Grummet mäht . Wer dann noch Probleme sieht , der kann ja z B morgens Heu füttern und Abends sein Grummet .


    Warum die Alten da gar so dagegen waren , ich kann mir nur den höheren Eiweißgehalt bei den ausgewachsenen Pferden vorstellen . Was sonst soll es gewesen sein ?


    Für meinen Teil sehe ich da null Probleme .

  • Stroh wird vermutlich keine so günstige Alternative sein.

    Habe schon Anzeigen mit 60 € für Quaterballen Weizenstroh gesehen.

    Genau so ist es , und deshalb ist das keine Alternative .


    Und das Pferd , das 0,8 kg Stroh per 100 kg LM frisst , das mag ich erst mal sehen . Es ist ausgehungert und freut sich über irgendwas .... Die Gefahr der Verstopfung ob Schlund oder ´Darm steigt enorm an .

  • A. Nemitz , wir füttern auch schon mal Grummet. Aber nicht ausschließlich, sondern portionsweise. So als Mittagsmahlzeit und nie den leichtfuttrigen Dicklingen, sondern den Blütern. Es wird sehr gerne genommen und bisher immer gut vertragen. Ich weiß auch nicht, ob es einen erhöhten Eiweißgehalt hat, oder ob da eher das Fruktan das Problem ist.

    Kasparow , danke für den Hinweis zum Mehltau - Fungizid! Das Weizenstroh unseres Bauern, ist Monokultur schlechthin! Ich bin mir sicher, dass in diesem Stroh so einiges an Chemie ist. Der Bauer lebt zwar nicht davon, aber es ist ein gutes Zubrot und er wirtschaftet absolut konventionell. Blitz- saubere Felder! Wachstumsregulierer wohl eher nicht, weil er zwei Pferdebetriebe und uns als Strohabnehmer hat - sonst kommt ja nix zusammen - aber ansonsten kommt sicher alles auf Boden und Pflanze, was drauf "muss". Er hat glaube ich eher eine grundsätzlich niedrigwüchsige Sorte - denke ich - hoffe ich! Er würde mir keine Auskunft geben und nur abwinken, wenn ich ihn fragte. Ich bin halt die verzickte Pferdetussi. Wenn wir es nicht kaufen, kauft es ein anderer. Also aufladen und Maul halten. Der Weizen war jedenfalls auffallend "senkrecht". Naja, es ist, wie es ist...

    Zu dem Artikel: Es ist doch sehr bezeichnend, finde ich, dass von allen möglichen zu bedenkenden Problemen in dem Artikel die Rede ist: Von dem hohen Lignin- und dem geringen Mineralstoff-, Eiweiß- und Energie- Gehalt, einschließlich Berechnungen zur Futtermenge und Zusammensetzung, damit die Gesamtration wieder stimmt! Aber das leider mit keinem Wort die Chemikalien erwähnt werden. Ein Hoch auf die moderne Landwirtschaft! Letztes Jahr wurde Stroh noch in großen Mengen untergepflügt, um die Humusbilanz auszugleichen, heute verkauft man es als Futter(! nicht als vornehmliche Einstreu), für teures Geld an gutgläubige Pferdebesitzer.

    "An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter." (Konfuzius)

  • Also Grummet wurd hier schon immer an Schweine und Pony verfüttert obB. Heu hab ich erst seit paar Jahren von diversen Obstwiesen die "nicht" maschinell bearbeitsbar sind.

    Shettyfreak bei diesem Gepolter wieder die konventionelle LW hätt ich dich sehr gern vor 10 jahren mal in den Saustall entführt, Privatführung zum Thema Schimmelpilztoxin in der Ration...nicht das es heut nicht auch noch Reaktionen auf Toxine gäbe, aber einer Mastsau kann ich im Verhältnis zur Zuchtsau schon ziemlichen Dreck füttern ohne viel Ärger zu bekommen.

    Nachbar hat wegen Nebenerwerb grad auf Bio umgestellt bzw ist noch in der Umstellung, also dem seinen Äcker sieht man die Umstellung schon reichlich an. Ganz spannend das aus der Nähe zu beobachten. Sein letztjähriges Stroh dürften wir dann in der Biogas entsorgen.....wollt niemand kaufen trotz Bio? mfg Kirsten

  • Der Mehltau macht meines Wissens keine allergischen Reaktionen , es ist eher das Fungizid das dagegen eingesetzt wird .

    Es kommt immer darauf an von WEM du das Stroh gekauft hast , ist es ein Ackerbauer ( der vom Ackerbau lebt ) der auf zack ist , dann kannst du davon ausgehen dass da maximale Rückstände von Herbi - Fungi - Insekti -zide und , was wichtig ist Wachstumsregulierer wie etwa CCC oder andere drin sind .

    Deshalb wäre gut wenn man darauf achtet dass man das Stroh eher von den "schlechteren" Bauern kauft , sofern man das beurteilen kann . [...]

    Danke für den landwirtschaftsfachlichen Input:-) Darauf hatte ich gehofft.


    Man kann wohl kaum darauf hoffen, daß es irgendwelche Gütebestimmungen für Futterstroh gibt, die eine Höchstgrenze von Rückständen vorsehen? Von den schädlichen Wirkungen von CCC hatte ich bereits gehört, aber Genaues weiß ich nicht. Manchmal muß man ja unter vielem Schlechten das Beste auswählen - dann wäre es gut, wenn man ein bißchen mehr wüßte. Kannst Du helfen oder eine Leseempfehlung geben?


    Wie ist es generell mit "Bio Stroh" (soweit ich weiß keine geschützte Bezeichnung)?


    Die Ardennerin

  • Füttert jemand den 2. Schnitt (Grummet, Ehmer , Öhmd ??) an Pferde ?

    Ja.

    Allerdings diesen Winter nicht, denn hier gibt es quasi "keinen" zweiten Schnitt. Zumindest keinen nach regulärem Heuschnitt.

    Ich hatte noch zwei Flächen, welche früh zum Anweiden verwendet wurden, da hätte es einen guten zweiten Schnitt gegeben. Aber wegen der seit Monaten anhaltenden Trockenheit wurden die nochmals zu Weidezwecken herangezogen, wobei auf der einen schon ein dritter Aufwuchs zu erkennen ist. Hierbei handelt es sich aber auch um Flächen, welche einen relativ hohen Grundwasserstand aufweisen und zuweilen auch schon mal so naß sind, daß man gut abwägen muß, ob Beweidung oder anderweitige Bearbeitung (gerade im Frühjahr) überhaupt sinnvoll bzw. möglich ist ...

    Auch fressen wohl nicht alle Pferde den zweiten Schnitt gleich gerne ...


    Von älteren Leuten kam hier früher immer nur die Aussage, der zweite Schnitt wäre nichts für Pferde - meist ohne hinreichende Begründung. Vielleicht noch der Hinweis auf mögliche Kolikgefahr ...

    Tatsache ist aber, daß der zweite Heuschnitt durchaus ein feineres, zarteres Gras bzw. Heu / Grummet etc. .... ist, und wie labortechnisch inzwischen auch ausgewertet, bei guter Qualität eben höhere Nährstoffwerte aufweist wie später gemähtes (Pferde)Heu. Und ob dieser Eigenschaften, der höheren Nährstoffwerte entsprechend, kam das Grummet eben meist in den milchbringenden Kuhstall und wurde für die Jungviehaufzucht des Milchviehnachwuchs verwendet.

    Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen
    :D


    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


    Bewahren von Traditionen ist nicht das Anbeten von Asche, sondern die weitergabe des Feuer's
    (frei nach Gustav Mahler)

  • kam das Grummet eben meist in den milchbringenden Kuhstall und wurde für die Jungviehaufzucht des Milchviehnachwuchs verwendet.

    Die hiesige Milchbauern, mähen schon zu dritten bzw vierten mal. Obwohl es kaum ein Ertrag gibt, wird das Gras nicht alt quasi "Rasen Schnitt" Dies wegen der höhere Eiweißgehalt. Unsere zweite Schnitt (Grummet, Ohmade) hat ein höhere Rauh-Faser Gehalt, daher bestimmt nicht so Eiweißreich wie die der Milchbauern. Ohne intensive Düngung wächst es bei uns langsamer.

    Wie ist es generell mit "Bio Stroh" (soweit ich weiß keine geschützte Bezeichnung)?

    Bio ist jedenfalls dann geschützt wenn der Bauer ein nach Europa Richtlinien geführte Bio Betrieb betreibt.

  • Im Landwirtschaftlichen Wochenblatt NRW ist ein Artikel zu finden: "Alternative Maissilage?" (für Pferde). Verfasst wurde dieser Artikel von der Landwirtschaftskammer NRW. Im Internet finde ich den leider nicht. Viellleicht ist von euch jemand findiger als ich. Also: die Crux daraus: Maissilage kann an Pferde verfüttert werden, aber nicht ausschließlich. Die Pferde fressen es gern. Ausgleichende Rohfaserzufuhr z.B. durch Mischung mit Stroh, muss gewährleistet sein. Problem wie bei allen Silagen: Das "Verfallsdatum", wenn ein Ballen einmal angebrochen wurde. Daher ist das nur interessant, wenn viele hungrige Pferdemäuler zu stopfen sind. Wenn es jemanden interessiert, kann ich ein Fütterungsbeispiel für ein Pferd 600kg, mittlere Arbeit, abschreiben.

    "An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter." (Konfuzius)

  • Wenn du den Mais tatsächlich in Ballen hast , dann sehe ich auch bei weniger Pferde kein Problem mit dem "Verfallsdatum " . Würde ich nur oben , evtl zunächst nur den halben Deckel, aufschneiden , damit der Rest schön fest bleibt . Dann sollte das kein Problem sein , zumindest nicht in der kälteren Jahreszeit .


    Mit Grassilage mach ich es genau so ( heuer gibts wohl keine ) , nur dass da eben die Pferde selbst runter fressen.


    Bei uns gibts einen der Silomais ab Feld kauft , den hächseln einwickeln lässt und darauf hofft dass der im Winter geweinnbringend in nördlichere Gefilde verkauft wird .

  • Im Landwirtschaftlichen Wochenblatt NRW ist ein Artikel zu finden: "Alternative Maissilage?" (für Pferde).


    Der Artikel findet sich im digitalen Archiv. Leider ist davor eine Bezahlschranke, d. h. er ist nicht frei zugänglich.


    Ich habe zwei Stimmen von Autoren, die sich öfter mit Pferdeernährung beschäftigen, zur Bedeutung von Mais herausgesucht.

    Tenor: "Ja, aber man muß wissen, was man wann tut und ob man es wirklich tun möchte!"


    Seht selbst:

    https://www.dr-susanne-weyrauc…s-in-der-pferdeernaehrung

    https://www.natural-horse-care…heiten/mais-pferd-futter/


    Die Ardennerin

  • Ich möchte einen weiteren Futterstoff in die Diskussion einbringen - Grassamenheu

    S. dazu auch:

    https://pferdekult.de/wissensw…menheu-bzw-grassamenstroh


    Es handelt sich um ein Abfallprodukt aus der Grassamengewinnung - spät gemäht und zwecks Samengewinnung gedroschen.

    Geeignet besonders für leichtfuttrige Pferde als Teil der Raufutterration.


    Problematisch könnte der Bezug sein. Möglicherweise kann die DSV https://www.dsv-saaten.de/service/berater/beratungsnetz.html weiterhelfen.


    Die Ardennerin

  • Und das Pferd , das 0,8 kg Stroh per 100 kg LM frisst , das mag ich erst mal sehen . Es ist ausgehungert und freut sich über irgendwas .... Die Gefahr der Verstopfung ob Schlund oder ´Darm steigt enorm an .

    das lässt mir ja keine Ruhe ;-)


    Kasparow ich bemerke zunehmend, das Du im anscheinend im Robustpferdebereich wenig Erfahrung hast!


    Ich habe zwar die Strohrationen nie nachgewogen, aber sie dürften sich - je nach Bedarfsphase- durchaus öfter in diesem Bereich bewegt haben!


    Stroh ist nach meiner Erfahrung kein bei Pferden nennenswert energielieferndes Futtermittel - Aber es bietet Struktur!

    Damit ist es gut geeignet, strukturarme Fütterung zu ergänzen: Sei es der starke Frühjahrsaufwuchs, Grummet oder spätes, weiches Herbstgras: Stroh liefert zu diesen Zeiten ab, was das Gras nicht bieten kann.


    Die Gefahr von Verstopfungen entsteht nur durch zu abrupten Futterwechse!!

    Pferde wollen kauen, es fehlt ihnen, wenn sie nicht dürfen!

    Verstopfungskoliken auf Magen oder Darm entstehen durch gieriges Fressen- so hungrig darf ein Pferd nie werden!


    Vorsicht ist vor allem bei gehäckseltem Stroh geboten!


    Langstielig gepresst ist Stroh eine wertvolle Ergänzung , die flexibel und überlegt eingesetzt den Pferden die Gesundheit erhalten kann: immer ein bisschen, bei Bedarf gesteigert ( auch als großartiges Diätmittel ;-) )

  • pauline

    Wie schätzt Du die möglichen Folgen der Belastung durch Pflanzenschutzmittelrückstände in der Fütterung ein?

    Die Chancen, "sauberes" Stroh zu bekommen, stehen hier sehr schlecht.


    Die Ardennerin