Klimawandel, welches Pferdefutter für die Zukunft anbauen

  • Hallo,


    ich frage mich derzeit was wohl die beste Auswahl von Gräsern, Kräutern und/oder Leguminosen etc. für eine Nachsaat meiner Weide wäre.

    Ich denke dass in Folge der Klimaerwärmung sich auch der Pflanzenbestand verändern wird, clever wäre es ja dann jetzt schon in Richtung Pferdeverträglichkeit (Endophytenfrei, Fruktanarm etc.) Nachsaaten zu verwenden.

    Ich glaube einzig mit Luzerne alleine wird das Ganze nicht funktionieren. Es bräuchte tiefwurzelnde, trockenheitsresistente und pferdefütterungstaugliche Arten.

    Habt ihr Tipps oder Ideen zu den in Frage kommenden Pflanzen ?



    Gruß


    Carsten

  • Guten Morgen Carsten,

    ich halte persönlich nicht viel von Nachsaaten auf Pferdeweiden. Nachsäen im Grünland heisst immer, dass man die Ressource nicht standortsentsprechend genutzt hat oder grundlegend und schnell den Bestand umbauen will oder muss.

    Am besten nutzt man die Grünlandpflanzen, die sich von Natur aus einstellen.

    Sinnvoller wäre es über das Weidemanagement nachzudenken. Bietet sich beispielsweise eine Mähweideverfahren z.B. mit Ackerfutter (Luzerne) an? Wie groß macht man die Weidepausen? Wie und womit wird gedüngt?

    Grüße

    Floruian

  • @ Florian: ich versuche meine Weiden möglichst schonend zu bewirtschaften, bei uns wird immer gewechselt zwischen Heuflächen und Weide, auch versuche ich möglichst kurze Beweidung und lange Erholpausen etc. aber diese Jahr hat es seit Mitte Juni nicht mehr nennenswert geregnet.... und jetzt sieht es schon ganz schön lückig aus.

    Ich denke auch dass das extrem Wetter und insbesondere die lange Trockenphase im Sommer zum Standard werden wird. Daher meine Frage was sich da als Saatgut anbieten könnte. Weil, wenn keine Samen von angepassten Pflanzen vorhanden sind dann dauert es wahrscheinlich ziemlich lange bis sich was einstellt.

    Zum Ackerfutterbau, von Luzerne allein als Ackerfutter für Pferde bin ich nicht überzeugt, schon gar nicht bei dem was die Pferde bei uns leisten müssen. Luzerne als Mischung von anderen Pflanzenarten, sozusagen als Gemenge, wäre dagegen schon besser.

    Nur welche Gras- Pflanzenarten?


    Gruß


    Carsten

  • Ohne Wasser wirds halt grundsätzlich schwierig.

    Für extensive Flächen geht Glatthafer eine Weile mit und Rotschwingel. Die sind aber bei uns auf jeder Wiese vorhanden. Auf bestehendem extensiven Grünland würd ich nichts nachsäen. Lieber noch einen Hektar zupachten.

    Habe auf dem Acker jetzt mal Luzerne mit Knaulgras und Glatthafer als Gemisch probiert. Knaulgras und Luzerne sind gekommen, der Gölatthafer hängt noch in den Seilen.

    Warum meinst Du reicht das Luzerneheu für deine Pferde energiemäßig nicht?

    Grüße

    Florian

  • Hallo Florian,


    Glatthafer hat halt den Nachteil das es die Pferde nicht gerne fressen da es im späten Zustand (Wuchshöhe länger 10cm) bitter schmeckt vom hohen Saponingehalt.

    Luzerne hat mir zu viel Energiegehalt bzw. Eiweiß und Calcium (davon Leberbelastung evtl. Mauke etc.). Wäre aber auf jeden Fall eine gute Ergänzung in der Weide. Wie sich die Luzerne aber auf einer Weide verhält ist für mich auch noch fraglich, ist ja konkurrenzstark bzw. verdrängt evtl. sogar andere Gräser.

    Kennt sich jemand mit Serradella aus ? Wäre das eine Möglichkeit ?


    Gruß


    Carsten

  • Wie sich die Luzerne aber auf einer Weide verhält ist für mich auch noch fraglich, ist ja konkurrenzstark bzw. verdrängt evtl. sogar andere Gräser.

    Meiner Erfahrung nach eher umgekehrt, so daß die Luzerne nach und nach von Gräsern und diversen, landwirtschaftlich eher unerwünschten Beikräutern unterdrückt wird und dann nur noch als einzelpflanzen oder Inselweise auftritt und so dann keine nennenswerte Schnittmasse mehr ergibt. Das geschieht zwar nicht von heute auf morgen, sondern erst nach einigen Jahren. Man sollte, wenn dies der Fall sein könnte (?), die Luzerne bzw. den Luzerneacker im Frühjahr oder auch mal nach einem Schnitt bei trockener Witterung ordentlich und kräftig mit scharfer, spitzer Egge mehrmals kreuz und quer bearbeiten oder sogar mit den Grubber ganz flach drüber gehen. Da die Luzerne sehr tief wurzelt, verträgt sie das i.d.R. auch gut und kommt mit frischem , sauberem Austrieb wieder hoch.

    Auch die Nährstoffversorgung (P + K sowie der ph-Wert) ist beim Luzerneanbau nicht zu vernachlässigen ...


    Kennt sich jemand mit Serradella aus ? Wäre das eine Möglichkeit ?

    Sie gedeiht am besten auf sandigen, nicht zu kalkhaltigen Böden und bevorzugt feuchtes und warmes Klima. Sie verträgt einzelne Fröste, nicht aber dauerhafte Winterkälte, so dass sie einjährig angebaut wird.

    Die junge Pflanze wächst relativ langsam, so dass sie stellenweise von Kriech-Quecke, Acker-Spark oder Acker-Rettich unterdrückt wird.

    Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen :D


    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


    Bewahren von Traditionen ist nicht das Anbeten von Asche, sondern die weitergabe des Feuer's
    (frei nach Gustav Mahler)

  • Bei den Anforderungen trockenresistent, fruktanarm und endophytenfrei bleiben nicht mehr viele Arten zur Auswahl.

    Weidelgräser haben keine der gewünschten Eigenschaften. Wiesen- und Rotschwingel sind normalerweise auch mit Endophyten belastet. Wobei man heute theoretisch schon zwischen schlechten und guten Endophyten unterscheiden muss, da vor Jahren schon in den USA damit begonnen wurde Gräser künstlich mit selektierten Endophyten zu beimpfen. Die Endophyten werden aber durch beißende/saugende Insekten von Pflanze zu Pflanze übertragen. Damit ist nie sicher zu stellen, ob sich im Bestand nicht Endophyten ausbreiten.


    Ich würde möglichst viele unterschiedliche Arten für die Nachsaat nehmen. Hauptsächlich Knaulgras, Ruchgras und Straußgräser.

    Mit der Zeit wird sich zeigen welche Arten mit den gegebenen Bedingungen am besten klar kommen und sich im Bestand durchsetzen. Normalerweise wird es das Knaulgras sein. Einige Arten sind aber für Nachsaaten nur bedingt geeignet, da die sehr gute Saatbedingungen brauchen.


    Wenn man über entsprechend viel Weiden verfügt kann man sicher auch warten, was sich von Natur aus einstellt, nur wird das mit einem deutlichen Verlust an Ertrag und Futterwert einhergehen und es kann eben auch eine stark verunkrautete Weide werden, die überhaupt keinen Futterwert mehr hat. Dann hungern die Pferde auf einer grünen Weide.


    Für dieses Jahr ist der Zug ohnehin abgefahren, da es keine Grassaaten mehr auf dem Markt gibt.

    Edited once, last by Lawirant ().

  • Ich schließe mich hier mal an. Kann seit diesem Sommer eine große Wiese nutzen- dort wächst viel unterschiedliches, aber auch viel Glatthafer. Den fressen die Ponys natürlich wenig bis gar nicht.

    Was kann ich tun, um den Wuchs des Glatthafers einzudämmen oder ihn zu vertreiben ? Ich habe keinerlei landwirtschaftliche Maschinen, als einziges Hilfsmittel eine Sense....

    Optimismus ist bei Gewitter in einer Kupferrüstung auf den höchsten Berg zu steigen und "Scheiß Götter" zu rufen. (frei nach Terry Pratchet)

  • Glatthafer verträgt eine intensive Nutzung schlecht. Also müsstest du ihn möglichst häufig mit deiner Sense bearbeiten ?

  • Das habe ich mir schon gedacht und mehrmals im Sommer gemacht, wenn er zu lang wurde....

    Schweinearbeit , aber gut, wenns hilft...

    Optimismus ist bei Gewitter in einer Kupferrüstung auf den höchsten Berg zu steigen und "Scheiß Götter" zu rufen. (frei nach Terry Pratchet)

  • soweit ich weiss hat Hühnerhirse keinen grossen Futterwert.

    Bei anderen Hirsearten müsste man mal nachforschen. Als wärmeliebende und C4 Pflanzen wären sie schon interessant.

  • soweit ich weiss hat Hühnerhirse keinen grossen Futterwert.

    mir geht es ja nicht um die Körnchen , sondern um das Grüne .

    Wenn wir wegen Klimawandel umdenken müßen ,

    finde ich es verkehrt Pflanzen aus anderen Gegenden anzubauen.

    Unsere Pflanzen haben mit dem Boden hier seit Jahrhunderten eine Sympiose ,

    und schaffen auch den sogenannten " Klimawandel "wenn man sie denn läßt.

    Den fremde Pflanzen bringen auch viele fremde Probleme mit sich .

    Es hat schon immer Zeiten mit extremer Hitze und wenig Regen gegeben .

    Und ohne uns Menschen hätte die Natur sicher kein Problem damit sich anzupassen.

  • Ich meinte auch die ganze Pflanze. ?

    Ich denke die Vielfalt wird immer wichtiger. Also war sie ja schon immer, nur merken es viele erst jetzt. Oder ich hoffe, dass sie es merken.

    Eine Vielfalt in der Pflanzenzusammensetzung, so dass man in nassen aber auch in trockenen Jahren genügend Ertrag hat.

  • mir geht es ja nicht um die Körnchen , sondern um das Grüne .

    Quote from Krafft - Fruwirth - Pflanzenbaulehre

    Sorghumhirse

    In gutem Weinklima wird sie auch als Grünfutter verwendet, trotzdem - mehr in jungen Pflanzen - Glukosid "Dhurrin", das bei Fütterung Blausäure bilden kann, festgestellt wurde

    Möglicherweise ist jedoch der Blausäuregehalt besonders bei roher Hirse nicht ganz unbedenklich

    Kaltblutpower.
    Wehe, wenn sie losgelassen :D


    > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <


    Bewahren von Traditionen ist nicht das Anbeten von Asche, sondern die weitergabe des Feuer's
    (frei nach Gustav Mahler)

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!