Gig kann nicht austariert werden?

    • Gig kann nicht austariert werden?

      Hallo liebe Forengemeinde,

      seit 1 Jahr fahre ich mit diesem ulkigen Gefährt durch die Wälder.
      Es macht riesig Spaß und mein Pferd läuft artig und entspannt und scheint gerne unterwegs zu sein.
      Nun kommt der Herbst und ich möchte wieder öfter fahren und hab mich nun doch etwas genauer mit dem Gewicht und der Balance des Gigs befasst:
      Mein Pferd "trägt" 10-12 kg auf dem Selett. Das Selett selber wiegt 6 kg.
      Wenn sich der Fahrer weiter nach hinten lehnt, bekommen die Anzen (heißen die so?) etwas Spiel, im Trab schlagen sie aber ordentlich in die Tragösen. Richtig schweben tun sie nicht.

      Ich würde gerne etwas Gewicht vom Selett bekommen, hab aber gar nicht soviel Möglichkeiten, außer:
      Zusätzliches Gewicht möglichst weit hinten anbringen - hab ich heute versucht: 5 kg an der hintersten Metallstrebe bringen schon mal gar nichts, dafür ist der Hebel vorne zu lang und hinten zu kurz. Grob geschätzt müsste ich 100kg zusätzlich anbringen, um die 10 kg vorne auszugleichen - puuh!
      Sitzbank nach hinten bringen - ja wäre ne Möglichkeit, sieht dann natürlich noch ulkiger aus, weil dann gar nichts mehr passt (die Sitzbank wäre dann völlig woanders, als durch den Metallrahmen vorgesehen).
      Schere vorne kürzen - ginge nur wenn ich ein Stück raussäge und wieder zusammenschweiße, da das Pferd momentan in keine andere Position "passt", sonst wird es zu eng für sie.

      Mein Freund sagte heute, dass er sich nicht vorstellen kann, dass das Gefährt so vollkommen verkehrt konstruiert ist. Ich denke fast schon...

      Habt ihr noch eine Idee?

      Vielen herzlichen Dank schon mal im Voraus!
      Bilder
      • IMG-20170409-WA0019.jpg

        255,1 kB, 1.280×960, 24 mal angesehen
    • Hallo Amybra,

      Ich hab mir mal erlaubt, dein Bild zu Kopieren, und etwas einzuzeichnen ..., und dabei versucht einigermaßen im 90° Winkel zu bleiben ...
      Wie man wohl unschwer erkennen kann, liegt eigentlich die komplette Last, das ganze Gewicht weit vorne. Und da Du, deinen Angaben zufolge ja auch nichts verstellen kannst ...
      Einachser ist ein Thema für sich !
      Die Gig ist zu klein / die Sitzposition zu niedrig für dieses Pferd.
      Was soll man hier raten ... ?
      Umbauen ???
      Etwas anderes, hoffentlich besser geeignetes zulegen ... !

      Kaltblutpower.
      Wehe, wenn sie losgelassen
      :D

      > ein „Mehr“ muss nicht immer auch ein „Besser“ bedeuten <

      Bewahren von Traditionen ist nicht das Anbeten von Asche, sondern die weitergabe des Feuer's
      (frei nach Gustav Mahler)
    • Lies mal Einachser für K-pony (OM) und Ausstattung einer Gig (Couchkissen), beide themen hier im Forum unter Kutschen/Wagen/Pferdegeschirr Unterpunkt Kutschen/Wagen. Danach bist bißle klüger, verkauf deine Gig als für K-pony Stm 1,20 geeignet und such dir was angemessen neues, gibt vernünftige Einachser um 500,-€ gebraucht für dein Pferdsgröße tauglich. ich würd dir zu einem alten Fohlenwagen raten, diese sind idr sehr günstig und komfortabel und deine pferdsgröße geeignet. Du müstest mit bißle Glück Einzelrad+Sitzfederung erwischen für 500,-€. Oder wenn es nobel und serh bequem werden werden soll: Schlemmer-Gig Lissy (könnte sein, dass dein Pferdi knapp zu groß ist, aber dann einfach mal anrufen und fragen herr Schlemmer ist sehr nett!). Zuerst musst du akut deine Tragaugne höhe auf dem Selett messen, also den maximal höchsten und niedrigsten Punkt (müsste irgednwo bei 1,20 +/-4 cm sein). Dann du auf Gig und freund Anzen hoch so hoch bis Gig in der Luft "steht", dass ist der Nullpunkt. Nullpunkt und Anspannhöhe sollten um ~20 cm auseinanderliegen, dann paßt der Karren. mfg Kirsten
    • Hallo und vielen Dank für all eure Antworten!

      Ja, ich lese heraus:
      behalten und umbauen lohnt nicht, bzw. wäre nur Murks.
      (Die anderen Threads werde ich mir trotzdem mal in Ruhe durchlesen.)

      Tatsächlich hatte ich schon mit einer kleinen Kutsche geliebäugelt, dann aber wieder überlegt, dass ich doch eigentlich schon ein funktionstüchtiges Gefährt habe, das ich einfach noch etwas optimieren kann...

      Was mich wundert:
      größere Räder (um die Gig für ein Großpferd passender zu machen) würden den Winkel der Anzen flacher werden lassen und so das Gewicht auf das Selett ja weiter erhöhen.
      Und kleineres Pferd davor hätte den gleichen Effekt (mehr Gewicht + "schwächeres" Pferd)
      - also die Gig kann einfach überhaupt nicht schwebend gefahren werden!
      Wer überlegt sich so eine Konstruktion???

      Noch eine ergänzende Frage:
      Ist es eurer Meinung nach zumutbar, mit 10 kg auf dem Selett täglich 1 h zu fahren? Das Pferd ist 160 cm groß und läuft total locker.
      Jetzt kommt für mich der beste Monat zum fahren, ich wäre traurig, wenn ich darauf verzichten müsste.
      Auf Dauer such ich nach was neuem, aber wie schnell ich fündig werde weiß ich nicht.

      Viele Grüße
      Silke
    • Hallo,

      10 kg Gewicht auf dem Selett sind sehr unschön und mindern das Fahrvergnügen für Pferd und Fahrer... Aber: Wenn ihr schon länger so fahrt, wird dein Pferd es wahrscheinlich auch noch einen Monat mitmachen. Der Wagen passt aber wirklich absolut nicht zum Pferd und ist wahrscheinlich nicht mit vertretbarem Aufwand umzubauen.

      Ich kann dir nur raten, dir einen wirklich zum Pferd passenden Einachser zu beschaffen. Einachser sind toll, wenn sie WIRKLICH passen. Dann hat man nämlich eine wirklich stabile Schwebe (die Anzen stehen ruhig in der Luft und man sieht, wie das Pferd sich mit Selett etwas durch die Trabbewegung auf und ab bewegt). Die Sitzbank sollte waagrecht verlaufen, damit der Fahrer auch bequem sitzt und der ganze Wagen sollte so gebaut sein, dass du auch siehst, wo du hinfährst.
      Wenn du (zeitweise) einen Beifahrer mitnimmst, sollte der Wagen passende Verstellmöglichkeiten haben, um mit unterschiedlich viel Gewicht auf dem Wagen wieder eine Schwebe zu erreichen.

      Dann gibt es auch beim Einachser zahlreiche Varianten. Vom schicken (historischen) Holzgig über moderne sportliche Wägen bis zum Stehsulky... Schau dir die Dinge an, überlege was damit machen willst und was dir gefällt... und wie dein Budget ist.

      Ideal ist es, wenn du versierte Einachserfahrer vor der Neuanschaffung kontaktierst und am besten dir vor Ort die Feinheiten der Tarierung zeigen lässt. Distanz- und Traberfahrer sind da oft keine schlechte Adresse, dagegen findet man in normalen Fahrkursen etc. oft wenig Details über Einachser.

      Gruß Tina
    • Natürlich kannst du problemlos mit 10 kg auf dem Selett fahren, kennt dein Pferd ja....meine maßgefertigte Maier-Gig hatte leer auf dem Selett 12 kg, wohlgemerkt auf einem Shetty-Selett!!!
      Ansonsten um zu begreifen mach bitte die Versuche Nullpunkt (Anze steht in der luft mit Mensch auf Kutsch) und ermittetle den Anspannpunkt idr 20 cm drunter... bzw schau wann Hilfperson mit Anzen in der Hand auf Waage eigenes gewicht +5 kg hat, miß die Anzenhöhe dabei (da kommt was ganz anderes raus als was du am Pferd im Moment hast!!). ich nix Physik-Profi, ist alles learning by doing, aber als grobe regel sollten Einachser-Gig-Anzen eher waagerecht laufen, dh dein Pferd ist viiiel zu groß.
      mfg Kirsten
      Übrigens dein Selett ist ein reines Zweiachs-Selett und gehört gewechselt wenn du viel unebenen Boden fährst!
    • Hallo Kirsten,
      wenn ich dich richtig verstehe, geht es darum den Punkt zu suchen, bei welcher Anzenhöhe die Gig mit Fahrer drin "schwebt", richtig?
      Ich befürchte, der liegt über dem Widerrist.
      Hatte schonmal die Anzen recht hoch gehalten und immer noch Gewicht.
      Der Wagen ist einfach total schwer!
      Daher möchte ich ihn irgendwie ungern als "Ponygig" verkaufen - das arme Pony!!

      Meinst du wegen der festen Tragösen? Das hab ich auch kürzlich gelesen.

      Danke!
    • Hallo,

      Kirsten beschreibt das Austarieren schon gut. Probiere es aus. Ich vermute, dass dein Wagen durch das Großpferd davor völlig "aus der Balance" gebracht wurde, d.h. nichts mehr so richtig zusammen passt. Gigs sind so konstruiert, dass die Sitzbank etwa waagrecht liegen sollte. Ggf. ist der Wagen so gebaut, dass zwei Leute auf der Bank sitzen müssen, um eine Schwebe zu erreichen.

      Zum Selett: Zum Einachser brauchst du ein Selett mit Ledertragösen und einem Verbindungsriemen der beiden Ösen, der leicht durchs Selett rutscht. Die Leinenaugen sind bei diesen Seletten dann asymmetrisch eingeschraubt (sonst wäre ja kein Platz für den gleitenden Verbindungsriemen). Andernfalls stört/drückt das Selett bei unebenem Boden, außerdem klappern die metallenen Tragösen unschön auch bei einem gut balancierten Einachser.

      Gruß Tina
    • Vielen Dank nochmal für eure Antworten!

      Ich stöbere bereits vermehrt nach einer Kutsche/Gig...
      Bis ich was anderes gefunden habe, wird mein Pferd (und ich) noch mit der bisherigen Ausstattung zurecht kommen müssen.
      Vielleicht hab ich ja Glück und es findet sich bald was...

      Dazu möchte ich noch eine Frage in die Runde stellen, auch wenn es nicht mehr zum Thema passt:
      Bei meiner Ausfahrt gestern ist meine Horrorvorstellung Realität geworden: wir waren auf einem etwas schmaleren Waldweg unterwegs und vor uns plötzlich ein umgekippter Baum! Kein Durchkommen möglich, kein Umdrehen (auch nicht mit rangieren) möglich. Nach dem ersten Schreck und kurzem Panikanflug hab ich ausgespannt, Gig per Hand umgedreht und wieder angespannt. Nach 5 min waren wir wieder unterwegs.
      Im Nachhinein alles kein Problem und ich wieder um eine Erfahrung reicher!

      Meine Überlegung ist jetzt aber: auf alle Fälle wird es wieder eine Gig werden, die mit einer Person händelbar ist! Was hätte ich gemacht, wenn ich mit einem 2 - Achser unterwegs gewesen wäre?

      Wie habt ihr solche Situationen gelöst??
    • Im Grundsatz zurückschieben üben sowohl ein als auch mehrspännig....bis das ausreichend funzt halt eben ausspannen, Kutsch von Hand drehen, ich muss hier seit knapp 10 Jahren 350 kg-Kutsch idr ponylos im hang händeln, bildend. Hier hat geholfen sowohl mit als auch ohne Pferd auf Asphalt mal mit kreide Wendekreis aufzeichnen, nachmessen, üben, so lang bis Augenmaß kommt und man besser abschätzen kann was geht.
      Unbedingt ein/ausspannen üben unter Stress in echt wüster Umgebung, ich muss zb sommers komplett frei anspannen mit Schwerverkehr auf 1,50 m Distanz-->bildend. Und im Grundsatz Gelände fahren nur mit Unterziehhalfter+Strick auf Kutsch, bei Sorgen auspannen und nächsten Baum/Laterne was auch immer Pferd antüddern, Kutsch solo händeln. Schleppe mit Pferd üben, also Anzug + nur 2-3 kontrollierte Tritt.
      Funzt alles nicht so von heut auf morgen, dauerte bis Vertrauen da war, dass ich heut mit 1 Pony zusammen unsere Kilo im Berg zusammen händeln kann, hat Jahre gebraucht bis ich mir grad Pony aus dem Auslauf gehohlt hab Flaschenzug zu bedienen oder HD-Reiniger (250 kg) zu bewegen.
      Bisher hatte ich weder Fünfer noch Dreier je eine Situation, wo ich ausspannen musste, wir können mittlerweile auch mal 15 Minuten stehen um dann wieder bißle in die richtige Richtung zu drücken, mittlerweile lasen die sich via Peitsch zb vor Anzug ruhig um 20-30 cm alle nach li oder re dirigieren. Umstellen von drücken auf ziehen funzt ruhig und damit ist dann gewonnen bzw beliebig rangieren möglich. mfg Kirsten
    • Nen kurzen Zweiachser-Marathon kann man auch auf der Stelle wenden.
      So etwas ähnliches ist mir auch erst einmal passiert. Wir waren zwischen einem Maisfeld und einem Bach unterwegs, die Strecke kannten wir.
      Allerdings hatte man den fahrbaren Schießstand, oder wie das heißt, um 90° gedreht, so daß die Deichsel in das Maisfeld ragte. Na, ja dachte ich, fahren wir eben ein paar Güllepalmen platt. Aber denkste, durch die 2,5m hohen Stengel wollten die Mädels nicht durch, zumal ja bekannt ist, daß Rh. Dt. Kaltblüter gute Springpferde sind.
      Nach Begutachtung von Pferde, Geschirr und Kutsche haben wir auch ausgespannt, die Kutsche über die Deichsel gewuchtet und weiter.
      Der Bauer hat sich später bedankt, daß wir ihm das mit der Deichsel erzählt haben, kann ja auch Bruch an der Erntemaschine bedeuten.
      Nach dem Misten ist... vor dem Misten :pinch:
    • Danke euch für eure Erfahrungsberichte!

      Gestern bin ich entspannt durch den Wald gefahren und hab gedacht, "ach macht ihr doch alle Holz mit euren riesigen Maschinen oder sperrt die Waldwege - uns kann nichts mehr schrecken!"

      Aber es wird dennoch eine Gig bleiben - so kann ich sie wenigstens immer wieder mit nach Hause bringen. ;)