Pony flippt plötzlich aus....

    • Pony flippt plötzlich aus....

      Heute hatte ich ein echt unangenehmes Erlebnis mit Elvis. Er wird ja seit diesem Jahr gefahren. Heute wäre es die 30. Stunde gewesen. Bislang hat er fleissig gezogen, ich hatte den Eindruck, dass er das auch gerne macht und regelrecht an dieser Aufgabe gewachsen ist.
      Er ist recht cool, letzte Woche sind wir z.B. an einem kleinen Zirkus in unserem Dorf vorbei, da waren andere Pferde, Lamas, frei laufende fremde Hunde usw. Er hat nicht mal hin gekuckt sondern ist brav vorbeigelaufen. Selbst wenn wir an Koppeln vorbeifahren und die Pferde darauf anfangen herumzutoben bleibt er total ruhig.
      Heute war er auch total ruhig, ich hätte ihn zum Aufschirren nicht mal anbinden müssen. Er wartete brav vor der Gig und auch das Anspannen lief gut. Aber als wir los sind, fing er sofort an zu zackeln, wollte wieder umdrehen. Ich bin dann weitergefahren, hatte aber wirklich alle Hände voll zu tun mit ihm. Mein Mann ist -wie immer- mitgelaufen. Ich bemerkte dann, dass hinten der eine Hufschuh nicht passte und hab angehalten. Das funktionierte perfekt, er blieb brav stehen bis ich ihm die Schuhe ausgezogen hatte. Als er wieder anziehen sollte, ging das Theater wieder los. Steigen, rückwärts schieben, nach links wegbrechen usw. Er hat meinen Mann fast über den Haufen gerannt. Ich hab ihn vorwärts geschickt....nur Zackeln und Unruhe. Wieder angehalten....er steht brav. Anfahren...gleiches wieder und dann hat er sich fast nicht mehr beruhigen lassen. Ich bin dann runter von der Gig, hab ihn ein Stück geführt und dann ausgespannt. Ich hatte zu viel Angst, das was passiert. Wir waren auf einem sehr unebenen Feldweg, da hätte ich das nicht mit ihm ausdiskutieren können ohne Angst haben zu müssen, dass er mich mitsamt der Gig in den Graben setzt.
      Mein Mann hat die Gig heimgebracht und ich den Elvis. Daheim abgeschirrt und den Longiergurt drauf. Dann bin ich die Strecke nochmal per Fahren vom Boden entlang. Gleiches Spiel...steigen, rückwärts gehen. Wenn ich vor an den Kopf bin war alles ok, ich hatte ein entspanntes Pony welches fleissig vorwärts ging und abschnaubte. Ging ich hinter ihn ging es wieder los. Das gab es bei ihm noch nie. Als wir angefangen haben hat er ab und an sich zu mir umgedreht aber Steigen usw. war noch nie.
      Verändert hatte ich am Geschirr folgendes: Ein Polster an der Halskoppel angebracht (Sieltec) und die Stränge etwas gekürzt. Eine Bekannte meinte, dadurch käme mehr Gewicht auf das Selett, evtl. hat ihn das so in Panik versetzt? Es war definitiv nicht einfache Widersetzlichkeit sondern Panik. Er hat die Augen regelrecht rausgedreht.

      @Herr Nemitz, insbesondere wäre ich an Ihrer Meinung interessiert.
    • @Illefons

      Ich werde mich hüten, hier Ferndiagnosen oder gar Ferntherapien zu stellen. Bei solchem Fehlbenehmen (und noch schlimmer beim Durchgehen) ist es das Schwierigste, die Gründe für ein solches Verhalten herauszufinden.

      Am besten, man versucht, sich eine Art Checkliste zumachen:
      Gibt es Änderungen
      - im Gesundheitszustand
      - am Geschirr (Geschirrdruck?)
      - an der Anspannart
      - an der Fütterung
      - am Beschlag
      - an der Zugbelastung
      - an der Gewichtsbelastung
      - am Wetter (starker Wind, wehende Plastikbahnen)

      Man kann die Liste fortsetzen nach den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort.

      Bevor man nicht die Gründe fürs Fehlverhalten kennt, kann man nur im Nebel herumstochern mit allen möglichen Versuchen (z.B. zweispännig), oder Illefons länger am Kopf, Partner, Ehemann führt die Leinen. Selbst wenn die eine oder andere Maßnahme zu einem Erfolg führt, weiß man dann noch lange nicht, was der wirkliche Grund des Verhaltens war.

      A. Nemitz
    • Vielen Dank Herr Nemitz für Ihre schnelle Antwort. In der Checkliste hab ich gleich zwei Punkte gefunden....Änderung am Geschirr -verkürzte Stränge, dadurch geänderte Gewichtsbelastung- und das Wetter. Ich bin gesundheitlich momentan sehr angeschlagen und deshalb hat mich das ganz schön aus der Bahn geworfen heute. Ich denke, es war aber richtig, dass ich noch die 5 km mit ihm zu Fuß unterwegs war?

      Morgen kommt eine Freundin, welche mehrere Jahrzehnte Kutscherfahrung -auch Gig- hat. Die habe ich vorhin noch angerufen und sie sagte mir Ähnliches wie Sie. Sie will morgen alles nochmal überprüfen, insbesondere die Länge der Stränge.
    • Halllo Illefons, der Grund für das widersetzliche Verhalten ist sicher in den durchgeführten Veränderungen am Geschirr zu suchen. Du hast z.B. die Stränge gekürzt, hast Du auch entsprechend die Schere verkürzt? Sonst entsteht ja Druck bzw. Zug auf dem Selett. Ist der kl. Bauchgurt noch so lose wie vorher ohne Selettunterlage? Evtl. alles mal zurücknehmen und schauen ob es wieder gut ist.
      Gruß FRITZ
    • @renatus, das hatte ich übersehen. Es könnte trotzdem mit dem Gurten zu tun haben. Im Übrigen bin ich ein strikter Gegner des immer wiederholten Prinzips, dass man eine missglückte Aktion gleich solange wiederholen soll bis es klappt. Dem Tier muss eine Chance zur Erholung gegeben werden. Manchmal haben die Pferde einfach auch einen schlechten Tag, da geht nichts wie sonst.
      Gruß FRITZ
    • Ne, Schere hatte ich eben nicht gekürzt...das hat mir meine Freundin dann auch erklärt mit dem Druck. Ich bin echt doof....Ich denke mal, er war gestern auch total durch den Wind und das Fahren vom Boden hätte ich anders machen sollen, einfach nur spazieren gehen. Ich wollte ihn mit Widersetzlichkeit -wenn auch berechtigt- nicht durchkommen lassen. Er lernt sehr schnell....auch schlechte Angewohnheiten.

      Die Hufschuhe hatte er schon öfter an und auch als ich sie ausgezogen hatte, ging nix mehr. Um 16 Uhr kommt meine Freundin und dann wiegen wir den Druck mal aus um zu sehen, wieviel höher er ist. Die Stränge werden wieder so gemacht, wie sie vorher waren. Zur Not mache ich auch das Polster der Halskoppel nochmal ab. Hier hatte ich entsprechend Strang zugegeben, dass die wieder so war wie vor dem Polster. Bin schon etwas nervös wie er sein wird, deshalb wird meine Freundin auf der Gig sitzen. Gewichtsmäßig sind wir gleich.
      Heute früh habe ich ihn schon zum Hundespaziergang mitgenommen, da war er total ruhig und ausgeglichen.

      Danke Polldi!

      Ich bin immer gleich entmutigt, weil ich auch nicht mehr die Jüngste bin und wegen kaputter Knie und Rücken etwas gehandicapt. Da kommt dann oft das negative Kopfkino. Ich hab ja noch nicht so viel Fahrerfahrung.

      Meine Frage ist noch, ob das erfahrenen Kutschern auch mal so geht, dass ein normalerweise braves Pferd mal so austickt?

      Vielen Dank einstweilen für die Antworten. Ich werde später berichten, wie es heute gelaufen ist.
    • Illefons schrieb:

      Ne, Schere hatte ich eben nicht gekürzt...das hat mir meine Freundin dann auch erklärt mit dem Druck. Ich bin echt doof....Ich denke mal, er war gestern auch total durch den Wind und das Fahren vom Boden hätte ich anders machen sollen, einfach nur spazieren gehen. Ich wollte ihn mit Widersetzlichkeit -wenn auch berechtigt- nicht durchkommen lassen. Er lernt sehr schnell....auch schlechte Angewohnheiten.

      Die Hufschuhe hatte er schon öfter an und auch als ich sie ausgezogen hatte, ging nix mehr. Um 16 Uhr kommt meine Freundin und dann wiegen wir den Druck mal aus um zu sehen, wieviel höher er ist. Die Stränge werden wieder so gemacht, wie sie vorher waren. Zur Not mache ich auch das Polster der Halskoppel nochmal ab. Hier hatte ich entsprechend Strang zugegeben, dass die wieder so war wie vor dem Polster. Bin schon etwas nervös wie er sein wird, deshalb wird meine Freundin auf der Gig sitzen. Gewichtsmäßig sind wir gleich.
      Heute früh habe ich ihn schon zum Hundespaziergang mitgenommen, da war er total ruhig und ausgeglichen.

      Danke Polldi!

      Ich bin immer gleich entmutigt, weil ich auch nicht mehr die Jüngste bin und wegen kaputter Knie und Rücken etwas gehandicapt. Da kommt dann oft das negative Kopfkino. Ich hab ja noch nicht so viel Fahrerfahrung.

      Meine Frage ist noch, ob das erfahrenen Kutschern auch mal so geht, dass ein normalerweise braves Pferd mal so austickt?

      Vielen Dank einstweilen für die Antworten. Ich werde später berichten, wie es heute gelaufen ist.

      Illefons schrieb:



      Meine Frage ist noch, ob das erfahrenen Kutschern auch mal so geht, dass ein normalerweise braves Pferd mal so austickt?
      Ja, das geht wohl auch erfahrenen Kutschern so: Wie schon gesagt: Das Problem ist, hinterher herauszufinden WARUM .


    • Tja, was soll ich sagen, wir haben das Problem offenbar gefunden. Wir haben in Ruhe angespannt mit den verkürzten Strängen und da mal alles nachgeschaut. Wir stellten fest, dass das Brustblatt schon Druck ausübte bevor das Pony zog. Wir haben die Stränge auf die ursprüngliche Länge gemacht und Pony lief wie geschmiert. Ein unerzogenes Kind welches mit dem Rad immer seitlich nah an die Kutsche ran fuhr und bremste störte das Pony nicht. Motorradfahrer von hinten...kein Problem, Autos von allen Seiten...kein Problem, Anhalten und Stillstehen...kein Problem. Ich hab mein cooles Pony wieder




      Man sieht mal wieder, dass Kleinigkeiten eine große Wirkung haben können. Bewährtes, was vom Pony akzeptiert wird, wird nicht mehr geändert ab heute!
    • wenn das BB schon dauerhaft unter Zug stand und ihr das HG nciht länger gemacht hattet, war der Schwatte gestern vermutlich schlicht eingklemmt zwischen BB und Hintergeschirr. dann noch der unebene Boden und er konnt sich aussuchen, ob ihm das Brustblatt oder das Hintergeschirr eine verpasst... ;) gut, dass er heute problemlos lief
    • Illefons schrieb:

      Ich bin echt doof....Ich denke mal, er war gestern auch total durch den Wind und das Fahren vom Boden hätte ich anders machen sollen, einfach nur spazieren gehen. Ich wollte ihn mit Widersetzlichkeit -wenn auch berechtigt- nicht durchkommen lassen. Er lernt sehr schnell....auch schlechte Angewohnheiten.
      ich frage mich mal wieder, warum dem Pferd sofort Widersetzlichkeit unterstellt wird, wenn in der überwiegenden Zahl der Fälle - wie auch hier - ein reeller, nachvollziehbarer und berechtigter Grund vorliegt.

      Und warum sich so hartnäckig die Meinung hält, dass ein einmaliges "Durchkommen" - mit was denn bitte? Mit der Anzeige, dass etwas massiv falsch läuft und Pferd ist sensibel genug, darauf zu reagieren? - sofort zu einem "verdorbenen" Pferd führt.

      FAHRERfehler, aber das Pony soll's büssen mit "Nachsitzen" ......
      Sabine M.H.
      Arbeitende Ziegen und Highland Ponies
    • Illefons schrieb:

      Tja, was soll ich sagen, wir haben das Problem offenbar gefunden. Wir haben in Ruhe angespannt mit den verkürzten Strängen und da mal alles nachgeschaut. Wir stellten fest, dass das Brustblatt schon Druck ausübte bevor das Pony zog. Wir haben die Stränge auf die ursprüngliche Länge gemacht und Pony lief wie geschmiert.
      Wieso übt ein BB Druck aus bevor das Pony zieht?

      Wenn ich Stränge um 4 cm verkürz und das HG nicht um 4cm verlänger, schiebt das HG das Pony genau 4 cm nach vorn, wenn jedoch das BB bereits im Stand Druck ausübt, dann muss das HG deutlich mehr Druck bringen, also die Kürzungstrecke über 4 cm gewesen sein!

      Niemals fahr ich ab im EInspänner ohne mal kurz meine Hand hinten in den Umgang zu stecken, ist ne flüchtige handbewegung im Hintrewärtsgehen, die aber wichtig ist um Anspannfehler vor Abfahrt zu entdecken.
      Sinn der Verkürzung sollt ja sein die engste Stelle der Anzen auch aufs Selett zu bringen, da Elvis doch bißle rundlich ist und akut die engste Stelle Schere nicht an der schmalsten Stelle Pony liegt un din Kurven relativ kräftig in s pony drückt. Ob ein Pony bei Anzenfederung+Sieltec mal 2 kg mehr oder weniger im Kreuz hat juckt die Pony meiner Erfahrung nach eher weniger. Um die engste Stelle Anzen an die engste Stelle Pony zu bringen braucht es bei der akuten Einstellung ungefähr 8-10 cm Zugstrangverkürzung, was jedoch Anzenhöhe/tarierung um höchstens 2 cm verändern dürfte, vermutlich eher 1cm ~1 kg maximal schätz ich (ausgehend von meinen Sulkytarierungsversuchen 60 kg karre bei 170 cm Anze) weniger Gewicht im Stand dann neu am Selett.

      Hauptsache alles gutgegangen und Elvis lauft wieder ruhig.

      mfg Kirsten
    • Illefons schrieb:

      hm, ob Bewegung die fürs Pony dringend notwendig ist gleich nachsitzen ist? Ich habe einen Fehler gemacht und den erkannt......mehr schreibe ich dazu nicht
      und trotzdem, im ersten Moment, den Fehler dem Pony zugeschoben (Widersetzlichkeit, nicht durchgehen lassen) - das ist ein anderes "Mindset". Darauf will ich hinaus.
      Sabine M.H.
      Arbeitende Ziegen und Highland Ponies
    • Sanhestar, ich hatte ja zunächst eher den Verdacht, dass er nicht von daheim weg wollte, da "seine" Stute rossig ist. Das mit dem Brustblatt war mir dann aufgefallen, ich war mir aber nicht 100%ig sicher, da der Weg so uneben war und es durchaus sein konnte, dass die Kutsche aufgrund des Bodens leicht nach hinten zieht. Unterwegs ist mir dann doch der Gedanke gekommen, dass es evtl. an der Anspannung gelegen haben muss, da er sich sonst zwar mal aufregt, sich aber sofort von mir beruhigen lässt. Manchmal brauche ich etwas länger bis der Groschen fällt...

      Kirsten, im Umgang war mehr als eine handbreit Platz. Das überprüfe ich vor jedem losfahren. Ich hab das vermutlich immer eher zu locker als zu straff, weil ich eigentlich immer mit der Bremse unterstütze bergab. Wenn ich Elvis vorne mehr "Freiheit gönne", kommt die Schere zu weit vor und das stört ihn offenbar immens. Das Problem hatten wir beim Einfahren ja auch, als das Ledergeschirr nicht richtig passte und wir es auch nicht passend hinbekamen.
      So wie es jetzt ist bleibt es, wenn es ihm zu eng ist, beschwert er sich sicher. Wobei er schon dicker war:-) und jetzt ja noch weitere 15 bis 20 kg abspecken soll.

      Vielen Lieben Dank für alle Beiträge!